Zu Besuch im Allwetterzoo Münster. Archiv-Foto(s): Robin Patzwaldt
Ich habe in den letzten Jahren so einige Zoos im Ruhrgebiet besucht: Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen. Einige davon habe ich auch hier im Blog kurz vorgestellt. Jeder hat seine Vorzüge und Kritikpunkte. Und trotzdem: Jedes Mal, wenn ich im Allwetterzoo in Münster bin, merke ich wieder, warum er für mich der schönste von allen ist.
Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke will BVB-Präsident werden. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Seit Mittwoch ist es offiziell: Borussia Dortmund steuert auf einen Wahlkampf um das Präsidentenamt zu, der auf den ersten Blick nach Emotionen und Spannung pur klingt.
Im November entscheiden die Mitglieder neu über die Vereinsführung. Herausforderer ist niemand Geringerer als Hans-Joachim „Aki“ Watzke, langjähriger Geschäftsführer und Vereinsikone, der gegen den amtierenden Präsidenten Reinhold Lunow antreten wird. Der BVB bestätigte die Kandidatur am Mittwoch offiziell – und leitete damit den Wahlkampf ein.
Die Ausgangslage wirkt wie ein echter Zweikampf um die Macht beim BVB. Doch die erste Stimmungslage deutet auf einen deutlichen Favoriten hin.
Im Schatten der Clubs und Musiker – eine Reise in den Dortmunder Underground | Grafik: Florian M. Grass
Von Punk über Heavy Metal bis zu Momentaufnahmen aus legendären Dortmunder Clubs wie dem Checoolala, dem Memphis oder dem alten FZW – die Ausstellung „DortmUnderground 1978–1998“ präsentiert mit einem umfangreichen Katalog bedeutende Zeugnisse und Chroniken einer besonderen Ära.
Frank Mill. Quelle: Wikipedia, Foto: Christophe95, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Es gibt Fußballer, die durch ihre Tore unvergessen bleiben. Und dann gibt es solche, die sich durch ihre Persönlichkeit, ihre Bodenständigkeit und ihren unermüdlichen Einsatz in die Herzen der Menschen spielen – Frank Mill war beides. Am heutigen 5. August 2025 ist der frühere Nationalspieler und gebürtige Essener im Alter von 67 Jahren verstorben. Nach einem schweren Herzinfarkt Ende Mai hatte er wochenlang im künstlichen Koma gelegen. Nun ist der Kampf verloren – und mit ihm geht eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs der 80er- und frühen 90er-Jahre.
Geboren und aufgewachsen in Essen, war Frank Mill so etwas wie das personifizierte Ruhrgebietsgefühl auf dem Fußballplatz: schnörkellos, leidenschaftlich, nahbar. Seine Profikarriere begann bei Rot-Weiss Essen, wo er sich mit 74 Toren in 120 Spielen schnell einen Namen machte. Es folgten Stationen bei Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund, wo er mit dem Pokalsieg 1989 ein echtes Karriere-Highlight feiern konnte. Später ließ er seine Laufbahn beim damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ausklingen.
Borussia Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren als Sprungbrett für einige der vielversprechendsten Talente Europas etabliert. Spieler wie Ousmane Dembélé, Jude Bellingham, Christian Pulisic, Jadon Sancho oder Erling Haaland kamen jung, entwickelten sich rasant – und verließen den Verein häufig, bevor sie zu echten Führungsspielern reifen konnten. Die Bilanz: gute Transfererlöse, aber ein Kader, dem es immer wieder an Persönlichkeit, Konstanz und echter Siegermentalität fehlte.
Das Resultat war eine Mannschaft, die in der Bundesliga häufig hinterherlief und in Europa zwar für Aufsehen sorgte, aber den ganz großen Sprung ebenfalls verpasste. Die individuelle Klasse war oft da – aber eben nicht die Reife und die Mentalität, um konstant auf höchstem Niveau zu bestehen. In Dortmund entstand so ein schleichender Umbruch ohne echte Achse, ohne Köpfe, die ein Team tragen.
Vorstellung von BVB-Trainer Niko Kovac (2.v.r.) in Dortmund im Februar. Foto: Robin Patzwaldt
Es sollte ein Sommer des Umbruchs in Dortmund werden. Ein Neuanfang. Nach einer Saison voller Widersprüche, in der der BVB zwar dank eines starken Endspurt erneut die Champions-League-Qualifikation klar machte, aber gleichzeitig in der Bundesliga über weite Strecken enttäuschte, war die Marschroute eigentlich klar: Die Mannschaft muss neu strukturiert, mit frischer Qualität und neuer Mentalität aufgeladen werden.
Doch Stand Ende Juli wirkt die vielbeschworene Erneuerung eher wie eine leere Worthülse. Denn von einem Umbruch ist bislang kaum etwas zu sehen. Im Gegenteil: Der BVB droht, eine einmalige Gelegenheit zu verspielen.
Was derzeit in einem Dortmunder Krankenhaus passiert, wirkt wie eine bitterböse Parodie auf die Realität in deutschen Kliniken. Drei Pflegekräfte streamten während ihrer Nachtschicht auf einer Intensivstation stundenlang live auf TikTok – vor bis zu 500 Zuschauern. Alarmsignale piepten, vertrauliche Daten waren im Bild, aber Hauptsache: Likes, Herzchen, Reichweite.
Das Stadion in Dortmund im Februar 2025. Foto: Robin Patzwaldt
Matthias Sammer hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch zum Zustand des deutschen Fußballs geäußert – und dabei den Finger tief in die Wunde gelegt. Seine Diagnose: zu viel Selbstzufriedenheit, zu wenig Führung, mangelnde Charakterstärke bei Spielern und Funktionären, eine Entfremdung vom Leistungsgedanken und ein erschreckendes Maß an Durchschnittlichkeit im internationalen Vergleich. Wer dem deutschen Fußball ehrlich ins Gesicht schaut, wird schwerlich widersprechen können. Die Länderspiel-Enttäuschungen der letzten Jahre, das anhaltende Mittelmaß deutscher Klubmannschaften in Europa sowie die strukturellen Schwächen in Ausbildung und Führungskultur sprechen eine klare Sprache.
Sammer trifft mit seinen Worten einen Nerv, weil er aus dem Innersten des Systems spricht – als Ex-Profi, Trainer, Sportdirektor und heutiger Berater. Seine Perspektive ist nicht die eines außenstehenden Kritikers, sondern eines Mitverantwortlichen, der aus tiefer Überzeugung heraus Missstände anprangert. Genau darin liegt aber auch ein Widerspruch: Denn Sammer ist seit Jahren externer Berater bei Borussia Dortmund – jenem Klub, der selbst Teil des Problems ist.
Blick auf die renaturierte Emscher im Dortmunder Norden. Foto(s): Robin Patzwaldt
Als Kind des Ruhrgebiets, das seit den 1970er-Jahren in dieser Region lebt, gehörte die verrohrte Emscher zu meinem Alltag. Fast egal, wo man hinkam – dieses verächtlich „Köttelbecke“ genannte Abwasserrohr gehörte irgendwie zum Leben dazu.
Deshalb war es auch für mich eine gute Nachricht, als vor einigen Jahren die Meldung die Runde machte, dass die Emscher – wenn auch für sehr viel Geld – zu großen Teilen renaturiert werden soll. So wohlwollend ich diese Neuigkeit damals auch zur Kenntnis nahm, so wenig habe ich mich in der Praxis über Jahre hinweg darum gekümmert. Immer wieder begegneten einem entsprechende Bauarbeiten, ohne dass ich sie intensiver in Augenschein genommen hätte.
Erstmals entdeckte ich dann vor einigen Jahren ein Stück der renaturierten, das heißt dort in erster Linie wieder offengelegten Emscher im Landschaftspark Duisburg-Nord. Hier hatte das Ganze mit Natur noch nicht wirklich viel zu tun – schließlich präsentierte sich der Fluss dort noch in einem offenkundig künstlichen Bett.
Die Westfalenhalle in Dortmund. Quelle: Wikkipedia, Foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de
2025 feiern die Westfalenhallen in Dortmund offiziell ihren 100. Geburtstag – ein stolzes Jubiläum für eine Einrichtung, die einst ein Wahrzeichen der Moderne war. Doch von dieser Strahlkraft ist heute kaum noch etwas übrig. Was früher ein architektonisches und gesellschaftliches Aushängeschild der Stadt Dortmund war, wirkt inzwischen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: funktional veraltet, städtebaulich isoliert und ohne nennenswerte Relevanz im heutigen Kultur- und Veranstaltungsbetrieb.
Die Westfalenhalle ist längst kein Symbol des Aufbruchs mehr – sondern vielmehr ein Mahnmal für den Stillstand des Ruhrgebiets.