Diese WM entfremdet den Fußball

Wolgang Overath und Gerd Müller feiern im Münchener Olympiastadion – Deutschland wird 1974 Weltmeister | Foto: Bert Verhoeff | wikipedia | CC BY-SA 3.0

Deutschland und die Nationalmannschaft – kaum eine Beziehung im deutschen Sport ist so widersprüchlich wie diese. Zwischen Pathos, Pflichtgefühl und periodischer Nörgelei hat sich über Jahrzehnte eine ganz eigene Fußballidentität entwickelt. „Wir können lang anhaltend auf ein Ziel hinarbeiten“, sagte Rudi Völler einst in den 1990er-Jahren – ein Satz, der den deutschen Fußball vielleicht bis heute besser beschreibt als jede Taktikanalyse. Dieser Text ist eine persönliche Reise durch sämtliche Fußball-Weltmeisterschaften seit 1974: durch Sommermärchen und Katastrophen, Helden, Kanten, Abscheu und kollektive Nervenzusammenbrüche. Doch mit Blick auf das WM-Turnier in diesem Jahr gilt vor allem nur eines: Fuck The USA! 

WM 1974. Ich bin fünf Jahre alt und gehe in den Bonifatius-Kindergarten. Die Mannschaft der Niederlande spielt während des Fifa-Turniers im neu gebauten Dortmunder Westfalenstadion drei Partien. Die in ‚oranje’ gekleideten Fans bestimmen eindeutig das Bild in Dortmund-Mitte. Speziell im Alten Mühlenweg und der näheren Umgebung, da, wo wir wohnen. Ich kann mich sehr gut an eine Szene erinnern, wo ein dunkelblauer Pritschenwagen eine Ladung wild jubelnder Holland-Fans auf der Ladefläche die Hohe Strasse hoch in Richtung Westfalenhalle transportiert. Im Baugeräte-Geschäft meiner Eltern kaufen sich mehrere holländische Fans orangefarbene Bauhelme als Kopfbedeckung für ihr Schlachtenbummler-Outfit. Am Ende erhält Spielführer Franz Beckenbauer den Weltcup aus den Händen von Bundespräsident Walter Scheel, Overath und Gerd Müller recken den Pokal auf der Tartanbahn des Münchener Olympiastadions in die Höhe, während sie mehrere Ehrenrunden laufen.

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40 Jahre alt, dauerverletzt – und die große WM-Hoffnung? Armes Deutschland!

Manuel Neuer. Quelle: Wikipedia, Foto: Steindy (talk), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist schon beeindruckend, wie zuverlässig es der deutsche Fußball inzwischen schafft, selbst aus eigentlich lösbaren Situationen ein öffentliches Drama mit Ansage zu basteln. Kaum hatten sich die Diskussionen um die Rolle rückwärts von Bundestrainer Julian Nagelsmann halbwegs beruhigt, liefert ausgerechnet jetzt die Personalie Manuel Neuer den nächsten Beweis dafür, dass beim DFB offenbar nie einfach mal Ruhe einkehren darf.

Denn der Zeitpunkt könnte grotesker kaum sein: Zwei Tage nach seiner offiziell verkündeten Rückkehr in den Kader der Nationalmannschaft fehlt Neuer im DFB-Pokalfinale des FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart am Samstagabend in Berlin schon wieder verletzt. Wade. Mal wieder. Belastungssteuerung. Restrisiko. Die üblichen Formulierungen aus der modernen Fußball-PR-Hölle. Und genau da beginnt das eigentliche Problem.

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Ein Aufstieg von Rot-Weiss Essen wäre ein Lebenszeichen des gesamten Ruhrgebiets

Das Stadion in Essen. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Wenn an der Essener Hafenstraße am heutigen Freitagabend das Flutlicht brennt, geht es längst nicht mehr nur um zwei Fußballspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth. Für Rot-Weiss Essen geht es um die vielleicht wichtigste sportliche und wirtschaftliche Chance der vergangenen Jahrzehnte – und für das gesamte Ruhrgebiet um ein weiteres Stück Fußball-Identität auf großer Bühne.

Das Revier lebt vom Fußball. Es lebt von Rivalitäten, von ausverkauften Stadien, von Traditionsvereinen und von Geschichten, die weit über Tabellenplätze hinausgehen. Genau deshalb wäre ein Aufstieg von RWE in die 2. Bundesliga so bedeutend. Während Vizemeister Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 künftig wieder gemeinsam die 1. Fußball-Bundesliga mit ihrer traditionsreichen Rivalität bereichern werden, könnte die zweite Liga ebenfalls ein echtes Ruhrgebiets-Gesicht hinzubekommen.

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Bundestrainer Julian Nagelsmann: Vom Hoffnungsträger zum Unruheherd

Trainer Julian Nagelsmann. Quelle: Wikipedia, Foto: JazzyJoeyD, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Es gab eine Zeit, da hielt ich Julian Nagelsmann für nahezu den Idealtyp eines modernen Trainers. Jung, eloquent, taktisch brillant, mutig in seinen Entscheidungen und dabei meist angenehm bodenständig. Als Fan von Borussia Dortmund habe ich mir vor einigen Jahren sogar gewünscht, ihn irgendwann einmal an der Seitenlinie meines Lieblingsvereins zu sehen.

Nagelsmann wirkte wie jemand, der frischen Wind in den deutschen Fußball bringen könnte – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.

Doch in den vergangenen Monaten hat

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Elversbergs Bundesliga-Märchen: Sportlicher Triumph, struktureller Rückschritt?

Foto: Robin Patzwaldt

Die SV Elversberg hat geschafft, was noch vor wenigen Jahren selbst kühne Optimisten für ausgeschlossen gehalten hätten: Der Klub aus einem Ort mit gerade einmal rund 13.000 Einwohnern steigt direkt in die Bundesliga auf.

Nach dem souveränen 3:0 gegen Preußen Münster sicherten sich die Saarländer Platz zwei hinter Schalke 04 – und schreiben damit eines der außergewöhnlichsten Kapitel der jüngeren deutschen Fußballgeschichte.

Was dort geleistet wurde

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Düsseldorfs schwarzes Jahr 2026: Der Soundtrack einer Stadt verstummt

Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Nachrichten, die weit über den Moment hinaus wirken. Meldungen, die sich wie ein Schatten über eine ganze Stadt legen. Für Düsseldorf dürfte 2026 genau ein solches Jahr werden.

Als kürzlich bekannt wurde, dass die Toten Hosen ihr letztes Album veröffentlichen und anschließend auf Abschiedstournee gehen werden, endete damit nicht nur ein bedeutendes Kapitel deutscher Musikgeschichte. Es bröckelte zugleich eines der wichtigsten kulturellen Fundamente der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Fast noch bitterer mutet an, was sich heute auf dem Rasen abspielte. Fortuna Düsseldorf, jener Verein, der wie kein anderer mit den Toten Hosen verbunden ist, vollendete am letzten Spieltag der Zweitligasaison 2025/26 das sportliche Desaster.

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Erstklassige Fußballparty auf Schalke!

Schalke erhält am Saisonende 2025/26 die ‚Radkappe‘. Foto(s): Michael Kamps

Eine gigantische Fußballparty war heute auch in Gelsenkirchen angesagt. Doch im Gegensatz zum MSV Duisburg, der sein Saisonfinale am Samstag in Liga 3 höchstdramatisch in den Sand setzte, weil er schlicht mit dem immensen Druck nicht klar kam, hatte der FC Schalke 04 sich seines Drucks in Liga 2 praktischer Weise schon vor einem denkbaren großen Showdown am letzten Spieltag der Saison 2025/26 entledigt. Dementsprechend endete die Veranstaltung im Gegensatz zu der am Vortag auch nicht in Schockstarre.

So war das Geschehen auf dem Rasen in der Arena in Gelsenkirchen am Sonntagnachmittag aus Sicht der Schalker über den kompletten Tag hinweg beinahe nebensächlich. Hier stand die riesige Party auf den Rängen im Mittelpunkt, die auch nach Spielende anhielt. Und die war sprichwörtlich erstklassig.

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Wenn der Fußball endgültig zur politischen Kulisse verkommt

Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)

Die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat noch nicht einmal begonnen, da offenbart sich bereits ein Ausmaß an politischer Instrumentalisierung, das selbst für deutsche Verhältnisse bemerkenswert erscheint.

Dass nebenan bei der WAZ ernsthaft darüber diskutiert wird, ob Bundeskanzler Friedrich Merz von einem erfolgreichen Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft profitieren könnte, zeigt vor allem eines: Wie verzweifelt Politik und mediale Begleitmusik inzwischen offenbar nach symbolischen Rettungsankern suchen.

Anstatt sich mit realen politischen Problemen wie wirtschaftlicher Stagnation, sozialer Unsicherheit oder wachsender Unzufriedenheit auseinanderzusetzen

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Der Tag, an dem der MSV der Stadt Duisburg zumindest für ein paar Stunden neues Leben einhauchte

Endlich mal wieder was los in Duisburg. Foto(s): privat

Die große Duisburger Hoffnung auf eine Rückkehr auf eine größere Bühne zerplatzte an diesem Samstagmittag auf brutalste Weise – und das ausgerechnet in einem Moment, als die Rückkehr in höhere Fußballsphären zum Greifen nah erschien.

Der MSV Duisburg hatte sich über Monate hinweg in eine Position gearbeitet, in der der Traum von der lange ersehnten Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga endlich Realität werden konnte. Es brauchte nur noch einen Heimsieg und zumindest die Relegation wäre dem MSV nicht mehr zu nehmen gewesen. Gegen die Viktoria aus Köln, für die es in diesem Spiel schon um nichts mehr ging, sollte das doch doch wohl möglich sein. Die Stadt war elektrisiert, die Menschen euphorisiert, die Straßen rund um das frühere ‚Wedaustadion‘ überfüllt mit Hoffnung, Bierdunst und blau-weißer Leidenschaft. Duisburg lebte. Zumindest für ein paar Stunden.

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Der BVB zwischen Talentfabrik und Titelanspruch

Das Stadion des BVB in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Borussia Dortmund steht einmal mehr an einem strategischen Wendepunkt. Mit Ole Book übernimmt ein neuer Sportdirektor Verantwortung in einer Phase, in der der Klub seinen sportlichen Kompass über Jahre hinweg zunehmend aus den Augen verloren hat.

Einst war der BVB unter Jürgen Klopp und später auch unter Thomas Tuchel der ernsthafteste Herausforderer des FC Bayern, ein Klub mit klarer sportlicher Vision, mutigem Fußball und echter Titelambition. Heute wirkt Dortmund deutlich stärker wie ein Ausbildungsverein mit angeschlossener Champions-League-Hoffnung als wie ein echter Meisterschaftskandidat.

Die vergangenen Jahre mit den Kaderplanern Michael Zorc und Sebastian Kehl waren

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