Fußball-Weltmeisterschaft in den USA: Die Welt ist dieses Mal nicht zu Gast bei Freunden

Die Welt ist dieses Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft nicht zu Gast bei Freunden. Grafik: DALL-E
Die Welt ist dieses Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft nicht zu Gast bei Freunden. Grafik: DALL-E

Eine Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten, ist mehr als ein logistisches Großprojekt. Es ist eine großartige Möglichkeit, für sich als Gastgeber zu werben. Ein Land bekommt für ein paar Wochen die Bühne der Welt. Es darf zeigen, wer es ist, wie es mit Gästen umgeht und ob hinter den großen Worten von Offenheit, Freiheit und Selbstbewusstsein auch etwas steht. Genau daran scheitern die USA gerade auf bemerkenswerte, tragische Weise.

Natürlich muss ein Staat kontrollieren, wer einreist. Niemand verlangt offene Grenzen, schon gar nicht bei einem Turnier dieser Größe. Aber zwischen Kontrolle und Misstrauenskultur liegt ein Unterschied. Wer eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet, kann nicht gleichzeitig den Eindruck erwecken, dass Spieler, Schiedsrichter, Fotografen, Funktionäre und Fans erst einmal Verdachtsfälle sind. Gastgeber sein heißt nicht, am Flughafen mit einem Lächeln die Sicherheitsregeln zu vergessen. Gastgeber sein heißt, Regeln so anzuwenden, dass die Welt nicht den Eindruck bekommt, sie störe gerade bei etwas Intimem.

Bizarre us-amerikanische Safety-Show

Die bisherigen Fälle zeichnen ein Bild, das kaum noch als bedauerliche Panne zu erklären ist. Der somalische Schiedsrichter Omar Artan soll trotz gültigen Visums nicht in die USA gelassen worden sein. Ein Mann, der bei dieser Weltmeisterschaft Geschichte hätte schreiben können, wird vor dem ersten Pfiff zum Symbol für politische Kälte. Beim irakischen Team wurde Stürmer Aymen Hussein stundenlang befragt, der Fotograf Talal Salah durfte offenbar gar nicht erst einreisen. Dazu kommen Berichte über schottische Fans, deren bereits genehmigte ESTA-Reiseerlaubnis plötzlich auf nicht autorisiert sprang. Auch aus dem Umfeld der iranischen Mannschaft gab es Visaprobleme und Streit über die Behandlung von Fans. Für manche bedeutet das nicht nur geplatzte Fußballfreude, sondern auch verlorenes Geld, verlorene Urlaubstage und verlorenes Vertrauen.

Man kann jeden dieser Fälle einzeln wegmoderieren. Sicherheitsprüfung. Datenabgleich. Zuständigkeit der Grenzbehörde. Alles formal möglich. Nur bleibt am Ende der Eindruck eines Landes, das nicht verstanden hat, was eine Fußball-Weltmeisterschaft tatsächlich bedeutet. Die WM ist keine Belohnung für Misstrauen. Sie ist auch kein innenpolitisches Instrument. Sie ist ein Fest, bei dem die Welt zu Gast ist. Wer dieses Fest ausrichtet, steht nicht nur auf dem Spielplan. Er steht unter Beobachtung.

Das Versprechen des Landes der unbegrenzen Möglichkeiten scheitert am Flughafen

Donald Trump schadet dem Ansehen seines Landes dabei in einem Ausmaß, das man selbst in kritischen Zeiten kaum für möglich gehalten hätte. Die USA waren lange mehr als eine Supermacht. Sie waren ein Versprechen. Nicht immer eingelöst, oft genug widersprüchlich, aber eben doch wirksam. Das Versprechen lautete, dass man dort groß denken darf, dass Herkunft nicht alles entscheidet, dass Menschen aus aller Welt dazugehören können, wenn sie etwas beitragen. Gerade der Fußball hätte eine Chance sein können, dieses alte Bild neu zu erzählen. Stattdessen entsteht ein anderes Bild. Das Bild eines Landes, das die Welt erst einlädt und sie dann an der Tür abweist.

Das ist nicht nur unhöflich. Es ist dumm. Eine Weltmeisterschaft lebt von Bildern. Vom Fan im Trikot, der am Flughafen landet. Vom Schiedsrichter, der stolz sein erstes Turnier erlebt. Vom Mannschaftsfotografen, der seine Nation begleitet. Von der Selbstverständlichkeit, dass ein großes Sportereignis größer ist als die Launen einer Regierung. Wenn aber schon vor Turnierbeginn die Geschichten von Zurückweisungen, Befragungen und plötzlich widerrufenen Genehmigungen dominieren, dann hat der Gastgeber ein Problem. Und zwar keines, das sich mit Feuerwerk, Hochglanzspots oder pathetischen Reden überspielen lässt.

Donald Trump macht die USA gerade überhaupt nicht „great again“

Die Ironie ist bitter. Ausgerechnet die USA, die so gern von Größe sprechen, wirken in diesen Tagen kleinlich. Ausgerechnet ein Land, das sich selbst als Inbegriff von Freiheit inszeniert, begegnet Gästen mit bürokratischer Härte und politischem Argwohn. Ausgerechnet ein Präsident, der die USA „great again“ machen wollte, lässt sein Land wie einen misstrauischen Türsteher aussehen.

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist eine Ehre. Sie verlangt Stadien, Sicherheit und Organisation. Vor allem aber verlangt sie eine Haltung. Wer Gastgeber ist, muss die Welt nicht lieben. Aber er sollte sie wenigstens willkommen heißen. Die USA schaffen derzeit nicht einmal das. Und Donald Trump liefert der Welt damit ein Bild seines Landes, das tiefer hängen bleiben könnte als manches Ergebnis auf dem Platz.

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