Entscheider mit Schlips und Anzug in ihrer natürlichen Umgebung – der 1. Klasse im ICE. Weit weg vom Pöbel. (Foto: Simon Ilger)
Schon wieder schreibt ein SpOn-Redakteur einen knalltütigen Anti-Bahn-Artikel, schon wieder müssen die Ruhrbarone intervenieren. Dieses Mal ist die Intention wohl, dass das Zeilengeld bei Spiegel Online augenscheinlich nicht so üppig ausfällt, wie bei den Prinzessinnenreportern, den Ruhrbaronen oder gar der Jungle Wolrd (Danke Mossad!), anders lässt sich nicht erklären, dass bei SpOn der Klassenkampf ausgebrochen ist. Oder sollten die Leute dort tatsächlich unter die Kapitalismuskritiker gegangen sein. Es mutet etwas so an.
Es gibt viele gute Gründe, die Bahn zu meiden: Mitmenschen, Bahnhöfe und Züge sind die offensichtlichsten. Aber es gibt noch zwei weitere Gründe: Das Unternehmen Deutsche Bahn und seine Mitarbeiter. Der Chef des Festivals Bochum Total, Marcus Gloria, ist mit seiner Tochter und ihrem Freund nach Berlin gefahren. Lest, was ihm passiert ist:
Lokalzeitungen sterben. Die Abonnenten sterben, die Bäume sterben, die Mitarbeiter, naja. Wie soll man an ein Produkt glauben, in das nicht investiert wird. Wie soll man an einen Job glauben, den andere verlieren oder gar nicht erst bekommen, wie soll man an eine Branche glauben, von der junge Menschen sagen: „Da will ich auf keinen Fall enden, bei den Kaninchenzüchtern und Hunderennen.“ Die jungen Menschen sagen das, obwohl sie selber dort arbeiten, obwohl es ihr Job ist, aber sie sehen sich nur auf der Durchreise. Denn auf Schulungen hören sie Begriffe wie „schrecklicher Lokaljournalistenstil“ oder „Lokal runterbrechen“, worin erbrechen ja schon angelegt ist.
Bochum hat 2,2 Millionen seiner RWE-Aktien verkauft und dafür 33 Millionen Euro eingenommen. 2008 hatte die CDU beantragt, das Bochum wie Gelsenkirchen oder Düsseldorf seine RWE-Anteile verkaufen solle. Die Union konnte sich damals bei SPD und Grünen nicht durchsetzen. Thomas Eiskirch (SPD), damals Landtagsabgeordneter und heute Oberbürgermeister Bochums, war von der Idee der CDU entsetzt: „Es ist mir völlig unverständlich, wie man so über einen Verkauf von Anteilen von RWE nachdenken kann. Dies zeigt ein völlig falsches Verständnis von nachhaltiger Wirtschafts- und Energiepolitik.“
2008 bekam man für eine RWE-Aktie um die 100 Euro – heute sieht das etwas anders aus, berichtet die WAZ:
„2,2 Millionen des 6,6 Millionen RWE-Aktien umfassenden Pakets wurden gestern an der Frankfurter Wertpapierbörse verkauft. Der Kurs variierte zwischen 15 Euro und 15,65 Euro. Insgesamt wurden mehr als 33 Millionen Euro eingenommen. Abzüglich des Buchwerts pro Aktie (10,11 Euro) und der Provision, die das mit der Transaktion beauftragt Geldinstitut erhält, dürfte der Gewinn der ersten Verkaufstranche bei etwa 11 Millionen Euro liegen.“
Bochum hat also statt 222 nur 33 Millionen eingenommen. Und nur gut 11 Millionen Gewinn erzielt.
Blick aus Waltrop in Richtung Datteln. Foto: Robin Patzwaldt
Lange nichts mehr vom Kraftwerksstreit rund um ‚Datteln 4‘ gehört, oder? Nun war es aber tatsächlich mal wieder soweit. Denn die Stadt Waltrop ist mit ihrem Vorhaben das umstrittene Kohlekraftwerk im Kreis Recklinghausen noch einmal planungsrechtlich anzugreifen vor dem Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen am Dienstag gescheitert.
Und das, nachdem man sich auf auf der Seite der großen Mehrheit der Waltroper Lokalpolitik und der sie in dieser Angelegenheit vertretenen Fachanwälte über Jahre hinweg doch stets recht optimistisch zeigte, dem ungeliebten Kohle-Meiler in der Nachbarschaft noch einmal juristisch ein Bein stellen zu können. Eine weitere Hürde also, die der Uniper (ex-E.On)-Konzern als Betreiber des Milliardenprojektes auf dem Wege zur angestrebten Inbetriebnahme nun aus dem Wege räumen konnte.
Aktuell geht man bei Uniper somit noch immer von einer Inbetriebnahme des Milliardenprojekts im Jahre 2018 aus. Im Jahre 2009 war das Projekt, wie auch hier im Blog bereits mehrfach berichtet und diskutiert, juristisch über Jahre gestoppt worden, dann jedoch zuletzt ein neuer Genehmigungsanlauf seitens der Befürworter und der Stadt Datteln unternommen worden.
Inzwischen laufen seit einigen Monaten auch die Bauarbeiten auf der riesigen Kraftwerksbaustelle wieder. Daran wird sich nun so schnell wohl auch nichts mehr ändern, wie seit gestern immer klarer wird. Denn die Richter entschieden nun in Gelsenkirchen, dass die Anpassungen der Zielvorgaben für das Projekt im Landesentwicklungsplan so nicht zu beanstanden sind. Die Stadt Waltrop habe hier keine Klagebefugnis, so das Gericht dazu gestern.
Aki Watzke und Thomas Tress (rechts). Foto: Robin Patzwaldt
Vizemeister Borussia Dortmund hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den höchsten Umsatz der Klubhistorie erzielt: Vom 1. Juli 2015 bis 30. Juni 2016 steigerte der BVB den Konzernumsatz um 36,3 Prozent auf einen neuen Rekord von 376,3 Mio. €. Dies vermeldeten heute der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke, sowie Geschäftsführer Thomas Treß im Rahmen der Bilanzpressekonferenz zu den vorläufigen Zahlen des Geschäftsjahres 2015/16.
Selbst transferbereinigt stiegen die Konzernumsatzerlöse trotz fehlender Teilnahme an der UEFA Champions League im abgelaufenen Geschäftsjahr um 6,7% auf einen neuen Rekord von 281,3 Mio. € (Vorjahr 263,6 Mio. €). Nach Steuern erwirtschaftete Borussia Dortmund im Konzern einen Gewinn in Höhe von 29,4 Mio. € (Vorjahr 5,5 Mio. €). Das operative Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf 86,7 Mio. € (Vorjahr 55,6 Mio. €). Der Transfer von Henrikh Mkhitaryan zu Manchester United ist in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten, da er erst nach dem 1. Juli 2016 abgewickelt wurde. „Das transferbereinigte Ergebnis beträgt knapp drei Millionen Euro vor Steuern“, erläuterte Thomas Treß.
Chili con carne. Deutlich bekömmlicher als so manch Reisebericht. (Foto: Simon Ilger)
Während die Mobilitätsexperten von Spiegel Online bereits am Fahrkartenkauf scheitern und sich deshalb einerseits als beleidigte Leberwürste und andererseits als empörte deutsche Journalisten gerieren fuhr auch ich mal wieder mit der Bahn.
Dieter Gorny ist nicht nur Chef des fabulösen European Centers for Creative Economy sondern wurde von Wirtschaftsminister und Nebenerwerbs SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel zum Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie ernannt.
Und auch als solcher, mach Gorny das, was er am besten kann: Er produziert heisse Luft, die schlichte Gemüter schon einmal mit bedeutsamen Aussagen verwechseln. Ein kleines Beispiel findet sich im aktuellen ECCE-Newsletter.
„ecce-Geschäftsführer und Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Prof. Dieter Gorny forderte in seiner Key Note ein gerechtes Regelwerk: „Wir brauchen dringender als je zuvor eine digitale Strategie, ein Konzept für klares Wachstum und, damit einhergehend, ein politisches wie gesellschaftliches Verständnis dafür, dass ein solches Wachstum auch einen spezifischen Rechtsrahmen im kulturellen digitalen Raum braucht.“
Nun ist Gorny dabei ein kleiner Fehler unterlaufen. Er hat als „Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie“ nicht mehr zu fordern,
In eigener Sache: Ab heute gibt es einen ruhrbarone-Podcast.
„Autoren von Ruhrbarone.de im Gespräch miteinander, übereinander, durcheinander, gegeneinander, füreinander – zu irgendwie-sowas-wie-aktuellen Themen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Geografie. Manchmal auch Gäste.“
Der Podcast wird auch in den gängigen Verzeichnissen gelistet werden. Das kann aber noch bis zu 14 Tagen dauern. Viel Spaß mit diesem neuen Format.Wir freuen uns über Rückmeldungen, Anregungen und alles dies interaktive-hippe-Feedback-Ding.
Die „Nullnummer“ findet ihr unter diesem Artikel. Die erste „richtige“ Folge erscheint morgen, am Samstag, den 30. Juli 2016.