Die Schlagzeilen titeln erneut von der neuen Normalität und im Eiltempo werden weitere Lockerungen beschlossen.
Ruhrbarone: Können wir bald, wie in Neuseeland bereits geschehen, die Coronakrise für unser Land als beendet erklären?
Magnus Memmeler: Schön wäre es. Die Lage in Deutschland ist wesentlich stabiler und sicherer, als dies vor einigen Wochen der Fall war. Für einige immer wieder auftretende Hotspots gilt das leider nicht, auch wenn die Gesamtsituation als momentan gut beherrschbar beschrieben werden kann. In Niedersachsen sind 156 neue und bestätigte Fälle bei UPS in
Natur pur: Entenähnliche Vögel an der Regattabahn in Duisburg; Foto: Peter Ansmann
Touristisch hat es Duisburg nicht gerade leicht: Es gibt die Horst-Schimanski-Gasse, den Innenhafen und den wunderschönen Sandstrand am Rheinpark in Hochfeld. Viel mehr braucht man in Duisburg eigentlich nicht zu kennen.
Aber auch in dieser Steinwüste der Melancholie gibt es Oasen des Glücks: Neben dem gerade genannten Rheinpark, ist hier die Regattabahn in Duisburg-Wedau zu nennen.
Obwohl zum ersten Mal seit zwei Monaten die Gesamtzahl der akut mit Corona Infizierten wieder gestiegen ist, gehen die Lockerungen weiter.
Ab Montag, dem 15. Juni, treten in Nordrhein-Westfalen weitere Anpassungen der Corona-Schutzmaßnahmen in Kraft. Diese betreffen neben Erleichterungen für die flächenmäßige Zutrittsbegrenzung im Handel unter anderem Veranstaltungen und Versammlungen mit mehr als 100 Zuschauern, die unter Auflagen insbesondere zur Rückverfolgung der Teilnehmer
PornHub: Wenn es nach der KJM geht, ist diese Website bald nicht mehr erreichbar; Screenshot
Klosterschülerinnentauglich war die deutsche Vorgehensweise in Sachen instinktorientierte Angebote im WWW schon immer. Bereits im jungen deutschen Internet, Ende der 90er Jahre, wurde der strenge deutsche Jugendmedienschutz durchgesetzt.
Während im Ausland, zur damaligen Zeit (Heute übrigens auch noch!), der absolute Großteil aller Seiten ein recht simples Verfahren hatte um explizite Inhalte zu schützen – nämlich über die einfache Frage „Sind Sie über 18? Ja / Nein“ – war es für deutsche Betreiber, die legal in Deutschland arbeiten wollten, schwieriger. Hier war eine Altersverifzierung notwendig: Bis 2004 konnte man seinen Ausweis an einen Anbieter faxen oder per Post eine Ausweiskopie zu diesem schicken und Tage später konnte man mit erhaltenen Benutzerdaten über ein AVS-Tor (Altersverifikationssystem) auf (vermeintlich) jugendgefährdende Inhalte zugreifen.
Man konnte also nur den deutschen Markt bedienen. Und dies unter erschwerten Bedingungen.
Mit dem Amoklauf von Erfurt wurde Jugendmedienschutz Chefsache. Beim Amokschützen wurden zwar keinerlei pornografischen Inhalte, sondern nur Egoshooter, gefunden:
Aber es war Wahlkampf und so wurde die sog. Kommission für Jugendmedienschutz ins Leben gerufen. Und der Jugendmedienschutz nochmals verschärft.
Der mediale und gesellschaftliche Eindruck ist, es sei alles überstanden. Vielerorts werden die Schutzmaßnahmen ignoriert. Doch, so scheint es, wird dem Braten nicht getraut. Zurecht – wie die Ereignisse der letzten Woche zeigen und es immer wieder zu Infektionen kam. Die R-Zahl ist fluktuierend niedrig und die Entwicklungen in den USA stehen im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Zehntausende waren und sind in Europa auf den Beinen, gegen Rassismus hier und dort zu demonstrieren. Die Pandemie ist eher in den Hintergrund gerückt, obwohl die Befürchtungen einer 2. Welle immer noch im Raum stehen.
Ruhrbarone: Und jetzt freuen sich alle auf die Ferien – Sie auch?
Magnus Memmeler: Die für die gesamte Bundesrepublik recht erfreulichen Reproduktionszahlen machen Mut. Lokale Hotspots zeigen jedoch sehr eindrucksvoll, dass wir
Antifaschistische Aktion: Gesteuert vom Vatikan; Screenshot Telegram
Seit einigen Wochen haben sich die Aktivitäten von Verschwörungstheoretikern verlagert: Facebook ist nicht mehr das favorisierte Medium:
Attila Hildmann, Xavier Naidoo, Ken Jebsen, Heiko Schrang, Oliver Janich – die üblichen Verdächtigen, sobald es um absurde Theorien und Konspirationsverdacht geht – nutzen heuer favorisiert den Messengerdienst Telegram um ihre kruden Botschaften zu verbreiten.
Ob Attila Hildmann und Xavier Naidoo langfristig geplante Satireprojekte von Martin Sonneborn oder Jan Böhmermann sind? Die Frage stellt sich, dürfte aber leider negativ beantwortet werden.
Die Ruhrbarone haben sich gestern mal auf Telegram umgeschaut.
Und dokumentieren den Irrsinn, der dort so zu finden ist, natürlich im Blog.
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek an der Charité – mit Vorstandsvorsitzendem Prof. Dr. Heyo K. Kroemer (links) und Dekan Prof. Dr. Axel Radlach Pries (rechts). Foto: Peitz/ Charité
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek informierte sich gestern zu COVID-19, über den aktuellen Stand der Krankenversorgung und laufende Forschungsaktivitäten an der Charité in Berlin.
Ein Projekt betrifft auch die Forschung zur Ansteckungsgefahr von Corona durch Kinder: Dieses Thema hat in der letzten Woche heftiger Diskussionen in den Medien geführt.
Christina Möller und Levent Aktoprak, Foto: Michel Boße/FH Dortmund
Inspiriert von dem französischen Intellektuellen Didier Eribon, der mit seiner soziologisch unterfütterten Erfolgs-Biografie „Rückkehr nach Reims“ auch hierzulande auf sich aufmerksam machte, hat die Soziologin Christina Möller und ihre drei Herausgeber19 Lebensgeschichten von Professoren gesammelt. In diesen Tagen ist das Buch erschienen mit dem Titel: “Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft“. Erstmals äußern sich in diesem Buch Professoren unterschiedlicher Fächer über ihren langen Weg zur Professur und zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Wissenschaft. Es ist eine kritische Lektüre. Levent Aktoprak sprach mit der Mitherausgeberin Christina Möller, Vertretungs-Professorin an der FH Dortmund. Unser Gastautor Levent ist Aktoprak, Autor, Moderator und Hörfunkjournalist beim WDR und Deutschlandfunk
Levent Aktoprak: Frau Möller, das Thema gehört seit Jahren zu ihrem Forschungsgebiet. Woher rührt das wissenschaftliche Interesse, hängt es auch mit ihrer Vita zusammen?
Christina Möller: Ein persönlicher Zugang zum Thema lässt sich angesichts meiner Biografie kaum leugnen. Ich stamme aus einem nicht-akademischen Elternhaus (mein Vater war Berufsfeuerwehrmann, meine Mutter Hausfrau) und habe nach zunächst sehr mäßigem
Mit Wagen dieses Typs wurden während des Holocausts Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Proesi, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de
„Von Würzburg nach Theresienstadt“
von unserem Gastautor Thomas Weigle
Max Ansbacher war 1942 15 Jahre alt, ein Alter also, in dem die meisten von uns aus der Nachkriegsgeneration keinerlei existenziellen Sorgen hatten. Max Ansbacher berichtet aus seiner Jugend von Erlebnissen, die ich mir in diesem Alter kaum vorstellen konnte, auch wenn ich da schon Eugen Kogon gelesen hatte. Zunächst wurde er mit der Reichsbahn in einem sog. „Gesellschaftssonderzug“von Würzburg nach Theresienstadt im sog. Protektorat Böhmen und Mähren deportiert. Theresienstadt war das „Vorzeige-KZ der Nazis einige Kilometer von Prag entfernt, bekannt auch durch den zynischen Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“ Auch gab es in diesem KZ eine Fußballliga, deren Ergebnisse teilweise überliefert sind.
Das sonnige Pfingstwochenende hebt unsere Laune. Die Republik ist locker und die Auflagen werden werden von Woche zu Woche gemildert. Wir sitzen zwar alle noch größtenteils Zuhause und machen es uns gemütlich. Die Biergärten, Kneipen und Restaurants haben großenteils wieder geöffnet. Vereinzelt tauchen aber Superspreader auf und heben die Reproduktionszahl. Das sind die Eindrücke der Nachrichtenlage der vergangenen Woche. Mittlerweile wird in Erwägung gezogen, dass die befürchtete 2. Welle ausbleiben könnte. Aber was, wenn nicht?
Ruhrbarone: Kann jetzt noch etwas schief laufen? Ist die Krise bald überwunden?
Memmeler: Ja, die Zahl der Neuinfektionen ist bundesweit erfreulich niedrig. Fragen Sie die sogenannten Superspreader, die Menschen, die derzeit am effektivsten zur Virusverbreitung beitragen. Tatsächlich sorgen sehr wenige Infizierte sehr schnell und sehr effektiv dafür, dass sich regionale Infektionsschwerpunkte bilden können, die dann schnell eingegrenzt werden müssen. Es handelt sich durchweg um Menschen, die den Kontakt zu vielen Menschen in