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Corona-Krise: Relativierung der Shoa und offener Antisemitismus

Anja Heussmann: Die Querfrontlerin ist bei Corona-Rebellen beliebt; Screenshot Facebook

Anja Heussmann: Die Querfrontlerin ist bei Corona-Rebellen beliebt; Screenshot Facebook

Es ist, zum Glück, nur eine Minderheit die aktuell auf Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor einer erhöhten Infektionsrate pfeift und sich in Menschenmassen auf deutschen Straßen und Plätzen trifft.

Der Gebrauch rationaler Argumente, um auf die Gefahr dieses Trends hinweisen: Sie bringen nicht wirklich was gegen den organisierten Wahnsinn.

Um ihren Protest gegen das „Corona-Regime“ und den „neuen Faschismus“ lautstark kundzutun.

Gewöhnlich passiert dies medienwirksam vor Kamera, was der Theorie von der „zerstörten Meinungsfreiheit“ irgendwie widerspricht.

Vielleicht sollten sich die Teilnehmer solcher Demonstrationen in Zukunft genauer anschauen, mit wem man sich da einreiht.

Nein, „Corona Rebellen“ sind nicht alle rechtsextrem und antisemitisch. Aber antisemitische Stereotype und rechtsextreme Meinungen machen sich in diesen Gruppen breit.

Es ist an der Zeit, sich abzugrenzen.

Zusammen mit Nazis, Antisemiten und Verschwörungstheoretikern zu marschieren ist keine gute Idee:

„Wer mit Hunden zu Bette geht, steht mit Flöhen wieder auf. “

Vor wenigen Tagen erlang Professor Homburg mit einem Tweet, in dem die Nazizeit mit der heutigen Situation gleichgesetzt wurde, Aufmerksamkeit. Vergleiche mit der Nazizeit werden in der Corona-Krise immer öfter gezogen. Vor allem von Menschen im Dunstkreis von Rechtsextremisten: Was irgendwie bizarr ist.

Antisemitische Vorfälle auf Demonstrationen häufen sich

Die Recherche-& Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) dokumentiert auf Twitter antisemitische Propaganda. Auch Thema: Entgleisungen auf Corona-Demonstrationen. Diese Vorgänge häufen sich.

Im Moment: Widerwärtiger geht’s kaum noch

„Trust me – I’m a Doctor“ ist auf einem Aufkleber zu lesen, der an einer Laterne haftet.

Das Foto davon machte gestern die Runde auf Facebook.

Darauf zu sehen: Die Konterfeis von Dr. Josef Mengele und Prof. Dr. Christian Dorsten.

Erstgenannter war ein Massenmörder und gesuchter NS-Kriegsverbrecher. Berüchtigt für barbarische  Menschenexperimente, die er als Lagerarzt im KZ Auschwitz-Birkenau durchführte.

Prof. Dr. Christian Drosten ist hingegen Arzt an der Charité und einer der an vorderster Front gegen das Corona-Virus kämpft.

Unsäglicher Vergleich zwischen einem Arzt und einem Massenmörder; Screenshot Facebook

Dieser Aufkleber ist nicht die einzige Entgleisung.

Die Querfront reiht sich bei den Corona-Rebellen ein

Auf der Facebook-Seite Adornochrom wurde gestern auf eine Sprachnachricht in der Gruppe „Corona-Rebellen“ aufmerksam gemacht. Inhalt der Nachricht:

Kommt alle. Manche von uns sind links, andere rechts. Manche sind Christen, manche Antisemiten – ist alles okay, wir sind alle eins!

Eisenfrass, der Verfasser des Tweets, kommentiert zutreffend:

Besser kann man das Problem dieser #Querfront nicht erklären.

Womit zum nächsten Thema kommen: Die Querfront!

"Manche sind Christen, manche Antisemiten - ist alles okay" Screenshot Facebook

„Manche sind Christen, manche Antisemiten – ist alles okay“ Screenshot Facebook

Äußerst beliebt in der Facebook-Gruppe der Corona Rebellen, die den Widerstand gegen das sogenannte „Corona-Regime“ auf ihre Fahne geschrieben hat: Videos von Anja Heussmann, der Initiatorin des Projekts Lovestorm-People.

In den meisten ihrer Videos fordert die rechtslastige Mahnwachentante lautstark Angela Merkel zum sofortigen Rücktritt auf:

Wenn Größenwahn, Verschwörungsglaube und ein YouTube-Kanal zusammenkommen, kommt da meistens nicht gutes bei raus.

Auf ihrer Facebook-Seite zeigt sich Anja Heussmann mit „Judenstern“. Dieser ist, durch die Aufschrift „Nicht geimpft“, auf den – aus ihrer Sicht – neuen Faschismus zugeschnitten.

Querfrontlerin Anja Heussmann schwurbelt rum; Screenshot Facebook

Querfrontlerin Anja Heussmann schwurbelt rum; Screenshot Facebook

Microchips für Kinder? Mit dieser Verschwörungstheorie haben wir uns bereits beschäftigt.

Plumper Antisemitismus

Nein, Benjamin Netanjahu, der israelische Regierungschef, möchte keine Chips in Kinder einpflanzen. Ebensowenig wie Bill Gates.

Was der israelische Ministerpräsident plant: Die Ausstattung der Kinder mit Sensoren, die dafür sorgen, dass Sicherheitsabstände einfacher eingehalten werden können. Verlinkt ist in diesem Beitrag ein irreführendes Video auf dem russischen Desinformationsportal Russia Today.

Fake-News in der Gruppe "Corona-Rebellen"; Screenshot Facebook

Fake-News in der Gruppe „Corona-Rebellen“; Screenshot Facebook

Die Kommentare zum Beitrag sprechen Bände: Benjamin Netanjahu wird mit dem Teufel gleichgesetzt…

Nicht der einzige üble Kommentar; Screenshot Faaceook

Nicht der einzige üble Kommentar; Screenshot Faaceook

Der Vergleich mit dem Holocaust, der Industriellen Vernichtung von Menschen, wird bei den Corona-Rebellen oft herangezogen.

Corona-Rebellen: Kommentare wie diese werden in der Facebook-Gruppe toleriert; Screenshot Faaceook

Corona-Rebellen: Kommentare wie diese werden in der Facebook-Gruppe toleriert; Screenshot Faaceook

Beiträge und Kommentare mit solchen Aussagen: Sie werden nicht moderiert oder entfernt.

„Corona Rebellen gegen Corona“ = „Pest gegen Cholera“

Natürlich: Kann man mit solchen Menschen weiterhin demonstrieren.

Ob diese Leute, mit denen man sich versammelt, aber wirklich für Werte wie

  • Meinungsfreiheit,
  • liberale Gesellschaft,
  • Demokratie,
  • Menschenrechte
  • Freiheitsrechte

oder auch nur irgendeinem anderen Inhalt stehen, der entfernt mit unserem Grundgesetz (Das man gerne auf Demos mitschleppt!) zu tun hat:

Das darf bezweifelt werden.

Was auf jeden Fall sinnvoller ist: Politische Mitwirkung um eigene Themen aufs Parkett zu bringen. Mit Desinformation und Verschwörungstheorien ist kein Staat zu machen.

Wer mit Hunden zu Bette geht, steht mit Flöhen wieder auf.

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8 Kommentare zu “Corona-Krise: Relativierung der Shoa und offener Antisemitismus

  • #1
    Robert Müser

    Gruselig und auch noch ekelhaft,
    da wünscht man sich glatt für den einen oder anderen Verstrahlten einen längeren Aufenthalt in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt, früher auch Irrenhaus genannt …

  • #2
    Mira

    Eine Anmerkung zu den "antisemitischen Thesen", die unter den Corona-Rebellen kursieren: Hier wäre ein Begriff wie Narrativ, Stereotyp o.ä. passender. Eine These müsste sich ja mit wissenschaftlichen Methoden verifizieren oder falsifizieren lassen. Judenhass fällt nicht in diese Kategorie.

  • #3
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Mira:

    Stimmt, Du hast da Recht.
    Ich werde das nachher abändern.

  • #4
    Karl Schlechta

    Guten Morgen,

    ist zB ein Vergleich Dorsten/Mengele nicht als Verharmlosung des Holocaust strafbar? Wenn ja, dann Anzeige erstatten, Unterlassung durch Abmahnung fordern?

    Karl Schlechta

  • #5
    Dagmar Schatz

    @Karl Schlechta: das muss nicht unsereiner herausfinden. Ich habe ein "Judenstern-"Profil auf fb angezeigt. Einschreiben-Rückschein für 6,70 (Internet-Anzeige kann man sich, glaube ich sparen). Ich will jetzt nicht behaupten, daß das jetzt einen Mega-Durchbruch bringt, aber Versuch ist es wert. Denn der Rückschein muss ja quittiert werden. Das Bild Drosten/Mengele stammt aus München. Diese Frau Heussmann könnte man namentlich anzeigen. Ob das dann Verharmlosung ist, muss nicht unsereiner klären.

  • #6
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Dagmar Schatz:

    Ich gehe davon aus: Du bist nicht die einzige die da angezeigt hat. Und ja: Die werden ermitteln. Ich habe vor ein paar Monate eine Gruppe im Bereich QAnon angezeigt und gehe davon aus, dass die Person die damals etwas gepostet hatte zumindest Besuch von der Polizei hatte: Sie hat kürzlich zumindest in ihren Postings aufgeräumt.

  • #7
    Dagmar Schatz

    "Ich gehe davon aus: Du bist nicht die einzige die da angezeigt hat. " Das hoffe ich doch sehr. Mein Kommentar sollte auch nicht signalisieren" "Kuckuck, ich bin der Mordsmolli…". Ich habe bloß manchmal den Eindruck, daß Viele meinen, ein empörter FB-Kommentar, eine Anzeige bei der Internetwache – und sie haben ihre Pflicht getan. Ich hab auch schon Leute persönlich angeschrieben, die so einen Dreck gepostet hatten. Reaktionen von "huch, Hilfe, zu was hab ich mich hinreissen lassen!" bis "Du dreckige Jüdin, wir wissen, wo Dein Haus wohnt".Einschreiben/Rückschein (!) halte ich momentan, sofern man Einzelkämpfer ist, für das probateste Mittel. Wenn sich das häufte, wäre es schön. Gruß Dagmar

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