Der Abgang von Raphaël Guerreiro vom BVB droht zum nächsten Nackenschlag für den Klub zu werden

Sebastian Kehl muss unangenehme Fragen beantworten. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Spielerwechsel gehören im Profifußball zum Geschäft. Auch wenn die große Mehrheit der Fans sich schwer damit tut, wenn ein geliebter Kicker den eigenen Klub verlässt um sich einem Konkurrenten anzuschließen, gilt es diese Entwicklungen als ‚normal‘ zu akzeptieren. Die Angestellten des Vereis sind im Regelfall natürlich weniger emotional mit dem Arbeitgeber verbunden als die Anhänger mit ihren Farben.

Je älter man wird, je besser kommt man als Fan mit solchen Entwicklungen klar. Das ist zumindest meine Erfahrung aus den vergangenen gut 40 Jahren, in denen ich mich mit dem BVB verbunden fühle. Und trotzdem hat mich die Nachricht, dass die Borussia sich nach sieben Jahren in diesem Sommer von  Raphaël Guerreiro trennen wird, vor ein paar Tagen mächtig aufgeschreckt.

Noch mehr beschäftigt mich diese Meldung seit gestern, als Spekulationen die Runde machen, der Portugiese könne womöglich ausgerechnet zum FC Bayern München wechseln. Und das auch noch ablösefrei, nachdem die Dortmunder seinen Vertrag Ende Juni auslaufen lassen werden.

Das weckt böse Erinnerungen, an die ohnehin schon länger kritikwürdige Personalpolitik des Vizemeisters der vergangenen Jahre. Echte Charakterspieler, die den BVB über weite Phasen ihrer Karriere treu begleiten, sie sind zuletzt sehr rar geworden in Dortmund.

Das bittere Saisonende mit der verpassten Meisterschaft 2023 steckt einem als BVB-Anhänger aktuell noch immer in den Knochen, da gilt es zusätzlich mit dem Gedanken an einen Wechsel von Raphaël Guerreiro zum Hauptkonkurrenten aus München klarzukommen. Trotz stabiler Leistungen zuletzt, haben Sebastian Kehl und seine Mitarbeiter und Vorgesetzten sich offenbar nicht für eine Vertragsverlängerung mit dem Spieler entscheiden können.

Der Kader der Borussia verliert damit eine weitere Identifikationsfigur. Guerreiro mag aufgrund seiner ruhigen Ausstrahlung nicht so sehr im Mittelpunkt stehen, wie die vieldiskutierten Abgänge von Jude Bellingham, Erling Haaland oder Jadon Sancho in den vergangenen Jahren, doch setzt auch sein Abgang eine Entwicklung fort, die es dem BVB erschwert sich an die Ligaspitze zurückzuspielen.

Mit einem zu unerfahrenen und jungen Kader geht es nicht. Das hat das vergangene Wochenende noch einmal sehr eindrücklich gezeigt. In Drucksituationen braucht man auch eine größere Anzahl von erfahrenen Akteuren, die der Nervenbelastung in einem Alles-oder-nichts-Spiel gewachsen sind.

Die aktuelle, sehr junge und unerfahrene Mannschaft der Schwarzgelben ist von der Zusammensetzung her einfach nicht mit dem Kader zu vergleichen, mit dem die Dortmunder in der Vergangenheit häufig ihre Titel gewinnen konnten. Al der BVB noch europäische Spitze war, da hatte er mehr Erfahrung auf dem Platz. Auch auf der Trainerbank übrigens. Insbesondere auch der 1997er-Champions-League-Sieger-Kader war auf und neben dem Platz mit deutlich mehr Routiniers ausgestattet als der aktuelle.

Seit Jahren schon verlassen in jedem Sommer die besten Spieler Dortmund, um durch jüngere und im Regelfall unerfahrene  Talente ersetzt zu werden. Das ist zweifelsohne ein spannender und wirtschaftlich erfolgversprechender Weg, den der BVB da seit einigen Jahren eingeschlagen hat. Dem sportlichen Erfolg ist er hingegen nicht sonderlich zuträglich, wie die bestenfalls als stagnierend zu bezeichnende Entwicklung der vergangenen Jahre gezeigt hat.

Der bevorstehende Abschied von Raphaël Guerreiro ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Und sollten sich ausgerechnet die Bayern die Dienste des verdienten Dortmunders sichern, es wäre umso mehr eine Entwicklung, die einem als Dortmunder schlicht nicht gefallen kann.

 

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thomas weigle
thomas weigle
11 Monate zuvor

Da habe ich doch just gelesen,dass “ Das ist Demokratie-Watzk“( verkündete,dass der BVB eine starke Mannschaft habe und man wieder angreifen wolle.Das hört sich etwas anders an als obiger Artikel.
Als neutraler Beobachter von meiner ostwestfälisch-hessischen Warte sehe ich den BVB keineswegs so trantütig wie er hier gerne dargestellt wird. Dass man wichtige Punkte nicht einfährt,wie bspw. in Stuttgart,passiert anderen auch. Kann ich ein garstig Lied von singen.

Im übrigen kann ich den Schmerz der Dortmunder gut nachvollziehen. Es ist ein ganz beschissenes Gefühl,wenn am letzten Spieltag die Meisterschale aus den Händen flutscht. 92 kein 11er für die SGE als Weber im Strafraum, als er das 2:1 machen wollte, brutal umgesenst wurde da an der Ostsee,so gab es auch am Samstag in Dortmund. keinen solchen. Wollten Schiri und VAR einfach keinen zweiten Elfer nur kurz nach dem ersten geben? Gab es gar eine Standleitung da in den Süden? Ich erinnere noch gut den Tor-und Meisterjubel eines DFB-Präsidenten da in HH 2001. Peinlich.

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[…] wenn es sich hier bekanntlich ‚nur‘ um Profisport, sprich Unterhaltung und eine gehörige Portion ‚Geschäft‘, handelt, dieses Erlebnis werde ich wohl Zeit meines Lebens nie wirklich überwinden können. Und […]

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