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Die Tabelle lügt nicht! – Revierfußball ist aktuell kein Spitzenfußball mehr

Hat schon mal erfolgreicheren Fußball gesehen: Das Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Hat auch schon mal erfolgreicheren Fußball gesehen: Das Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

In Zeiten in denen viele Medienmacher nicht nur nach jedem Spieltag einen kontrollierenden Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga werfen, sondern bereits vom Eröffnungsspiel des ersten Spieltags an ständig Live- und Blitztabellen unters Volk gebracht werden, verliert man diesbezüglich ja schon mal leicht den Überblick.

 

Früher hieß es einmal die Tabelle gewinnt erst nach den ersten zehn Spieltagen an Aussagekraft. Den zehnten Spieltag haben wir jetzt aktuell gerade erreicht. OK, streng genommen spielen sechs der achtzehn Teams ihr zehntes Bundesligaspiel ja auch erst noch heute, doch möchte ich hier an dieser Stelle heute Vormittag schon einmal die Gelegenheit nutzen und eine kurze Bestandsaufnahme der Bundesliga aus Sicht der beiden größten Ruhrgebietsvereine zur Diskussion zu stellen, denn deren Saisonverlauf lässt sich jetzt schon ganz gut einordnen.
Nachdem das Ruhrgebiet seit ein paar Jahren mit dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund ‚nur‘ noch zwei Erstligisten stellt, haben beide Teams ihre Fans in den letzten Spielzeiten ja überwiegend mit Top-Platzierungen verwöhnt. In diesem Jahr droht es nun wieder ganz anders zu kommen.

 
Der FC Schalke 04 rangiert mit mageren 14 Punkten aus zehn Begegnungen aktuell mit seiner ausgeglichenen Bilanz (4 Siege, 4 Niederlagen) nur im Mittelfeld der Liga. Noch schlimmer stellt sich der Saisonstart bekanntlich für die Dortmunder Borussia dar. Nach zuletzt unglaublichen fünf Liganiederlagen in Serie, war das gestrige 1:2 in München zwar das erste Spiel, in dem man sportlich mit dem jeweiligen Gegner nicht zumindest mithalten konnte, an der katastrophalen Punkteausbeute von sieben (!!!) aus zehn Spielen ändert dies allerdings auch nichts.

 
Auffällig ist bisher, dass die Borussia zwar leistungsmäßig vielleicht nicht in den Tabellenkeller zu gehören scheint, ihr in diesem Jahr aber ungewohnt viele Fehler unterlaufen und dann auch noch das sprichwörtliche Pech hinzukommt.
Wer gestern nach der Niederlage in München mal durch die sozialen Medien stöberte, der musste zudem feststellen, dass der Ton bei den Anhängern da inzwischen auch rauer zu werden scheint. Von ‚ständiger Schönrederei‘, ‚Versagern‘ und  ‘echten’ und ‘falschen‘ Borussen war da die Rede. Anhänger kritisierten Team, Trainer und Verantwortliche, aber auch sich selbst untereinander. Es scheint, als bekäme die in den letzten Jahren stets heile Welt des BVB nun tatsächlich erste, nicht mehr wegzudiskutierende, größere Risse.

 
Auch in Gelsenkirchen war die Welt am Freitag, trotz des 1:0-Erfolges gegen Augsburg keineswegs rosarot. War es doch ein schmeichelhafter Heimsieg für die Knappen, mit zudem sehr überschaubaren offensiven Akzenten.
Der Trainerwechsel von Jens Keller hin zum Italiener Roberto Di Mateo hat nun bisher auch noch nicht gerade sportliche Wunder geschehen lassen. Der Alltag der Schalker unter Di Matteo ist nach dem mäßig unterhaltsamen 0:1 in Leverkusen aus der Vorwoche und dem knappen, eher glücklichen Augsburg-Erfolg zuletzt eher unspektakulär und mäßig unterhaltsam gewesen.

 
Alles in Allem reicht es für beide Revierclubs aktuell, nach inzwischen schon fast 1/3 der Saison, längst (noch) nicht zu den vor der Saison ausgerufenen Saisonzielen, welche bei beiden erneute Champions League-Qualifikation lauteten.
Die Gegenwart ist für die zuletzt verwöhnten Fußball-Fans der großen Revierclubs aktuell eher enttäuschend. Für den Einen natürlich noch etwas mehr als für den Anderen.
Aber die Tabelle lügt halt nach zehn Spieltagen in beiden Fällen nun nicht mehr. Im Herbst 2014 wird Deutscher Spitzenfußball im Revier bei Bundesligaspielen scheinbar nur noch gespielt wenn die in der Tabelle oben stehenden Teams aus München, Wolfsburg und Mönchengladbach zu Gast in Gelsenkirchen und Dortmund sind.

 
Ob sich das in naher Zukunft wieder ändert? Noch kann man angesichts der durchaus hochkarätig besetzten Kader bei den Königsblauen und den Schwarzgelben durchaus Hoffnungen hegen.
Aber beide Teams sollten langsam mal anfangen so richtig Gas zu geben, wenn sie ihren Fans den aus dem Vorjahr gebotenen Standard weiterhin anbieten wollen. Ansonsten droht die Königsklasse des Europäischen Fußballs im kommenden Sommer ohne die Revierclubs zu starten.
Von Meistertiteln wollen wir hier an dieser Stelle mal besser gar nicht erst reden. Der scheint in den nächsten Jahren ja ohnehin bereits für ein den nationalen Fußball aktuell dominierendes Team aus dem Süden reserviert zu sein….

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10 Kommentare zu “Die Tabelle lügt nicht! – Revierfußball ist aktuell kein Spitzenfußball mehr

  • #1
    leoluca

    Beim Blick auf die Tabelle kann man nur enttäuscht sein. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sie in einem Punkt nicht die ganze Wahrheit sagt:

    Während man auf Schalke gerade erst so richtig das Ausmaß des spielerischen Niedergangs der letzten zwei Jahre erlebt und schon heilfroh wäre, im oberen Mittelfeld der Liga zu überwintern , fängt der BvB gerade an, seine alte Klasse wieder zu finden, wobei ihn bisher das Pech nicht verlassen will. Dafür stand die knappe Niederlage gestern in München. Ein klasse Spitzenspiel, der BvB hätte ein Remis verdient gehabt.

    Schalke weiß momentan nicht, wie man guten Fußball spielt, so dass der neue Trainer mit den Basics anfangen muss: Konditionstraining, solides Defensivspiel, Ordnung halten.

    Dortmund weiß es, kriegt aber die eigene und wachsende Nervosität nicht unter Kontrolle.

  • #2
    WALTER Stach

    Als BVBer:
    “Weiterhin ratslos, sprachlos, aber weiterhin auch nicht hoffnungslos -Platz 4 am Ende?

    Als Ruhrgebietler:
    1.
    Warum nicht alle Fans im Revier nun endlich registrieren, daß in absehbarer Zukunft kein Revier-Verein –
    plus Leverkusen- dem FC Bayern auch nur annähernd gefährlich werden könnte, begreife ich nicht.
    2.
    BVB,S04 -Leverkusen- müssen sich auf noch stärkere Konkurrenz einstellen, wenne es um die Plätze 2-6 geht!!
    3.
    S04:leoluca -1-
    Ja, fußballerisch erkenne ich -noch-nicht, daß der neue Trainer die Mannschaft weiterentwickelt hat. Das kann man aber wohl auch so früh noch nicht erwarten. Oder fehlt es doch an Potential?

    4.
    VFL Bochum
    Wenn der VFL einen Mittelplatz in der II.Liga hält, ist das unter den gegebenen Bedinungen ein gorßer Erfolg. Ich kann zudem nicht erkennen, daß sie diese Bedinungen irgend wann zum Positiven verändern werden.

    Zu den Bayern:
    Daß ausgerechnet vor dem Spiel gestern Rummenige und Co. das Thema Reuss problematisieren, ist “bayern-typisch”, entspicht dem Charakter des dortigen Führungspersonales, aber nicht zu ändern. Letzteres gilt auch für den Weggang von Reuss zu den Bayern, der für mich feststeht.

    Vor einigen Tagen hat mir jemand Folgendes erzählt:
    Frage:
    ” Warum besucht ein Vorbestrafter einen Strafgefangenen im Knast?
    Antwort:
    ” Weil die Führung des FC Bayern über den Kauf von Reuss entscheiden will”.

  • #3
    Arnold Voss

    Walter, wenn man jemanden mit außerspielerischen Mitteln zusätzlich unter Druck setzen muss, um zu gewinnen, dann ist das natürlich auch eine Form der Anerkennung von dessen Klasse. 🙂

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Arnold: Aus meiner Sicht kann man aktuell nur anerkennen was die Bayern sportlich abliefern. Ob das auf Dauer aber gut für die Bundesliga ist, da bin ich dann doch eher skeptisch. Und das hat auch nichts damit zu tun wer aktuell der aktuelle Verfolger der Bayern ist. Wenn ein Team so leicht die Meisterschaften gewinnt, wie zuletzt die Bayern, dann kann das auf Dauer, auch für die Bayern selber, einfach nicht gut sein. Es ist doch viel schöner einen Titel nach hartem Kampf und/oder überraschend zu gewinnen. Niemand kann daran gelegen sein, wenn der Titelträger schon Wochen bzw. vor der tatsächlichen Entscheidung so gut wie fest steht. Von dem auf Dauer garantiert nachlassenden Interesse von Fans, Medien und Sponsoren mal ganz zu schweigen. Und wenn sie ehrlich sind, dann werden das auch bekennende Bayern-Fans sicher so einräumen.

  • #5
    Grabotki

    Bei Schalke alles nur nur Mittelmaß, ( Glück inclusive) wenn überhaupt, BVB hat die Punkte den Bayren übertrgagen inform von Spielern, Also was gibt ea da zumekern.

  • #6
  • #7
    WALTER Stach

    Arnold -3-
    Hoeness und Rummenige sind doch prädestiniert für Satire/Kabarett/Glossen, stehen sie doch – jeder für sich und stehen sie noch mehr als Gespann- dafür, daß in einer Person der Straftäter und der Manager eines weltweitbekannten Unternehmens, hier eines Fußballvereines, kompatibel sind.

    (Ich bin mir im übrigen sicher, daß Hoeness und Rummenige gar nicht in der Lage sind zu begreifen, daß es Menschen gibt, die über “Brandstifter und Biedermann”, über “Straftäter und Manger” kritsch nachdenken.)

    Arnold,
    wie mehrfach festgestellt:
    Mein Respekt gilt der Leistung der unbestritten besten Fußballmannschaft in Deutschland. Ich denke, es ist derzeit die beste Vereinsmannschaft, die es jemals in Deutschland gab.
    Das steht nicht im Widerstreit zu meiner Meinung über die Charaktere Honess und Rummenige. Möglicherwiese bedarf es solcher Charaktere, um als Fußball-Unternehmen diese Spiteznstellung zu erreichen. Darauf deuten ja Vergleiche zum Managment des einen oder des anderen Unternehmens außerhalb des Produktbereiches Fußball hin.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @WALTER Stach #7:
    Wenn man sich mal die Zeit nimmt und sich das Hoeneß-Urteil im Wortlaut zu Gemüte führt (http://www.justiz.bayern.de/imperia/md/content/stmj_internet/gerichte/oberlandesgerichte/muenchen/presse/urteil_ulrich_h._30_10_2014.pdf), kommt einem automatisch der Verdacht, dass fußballerischer und finanzieller Erfolg des Fc Bayern in den letzten Jahrzehnten eher eine Folge gewisser “kreativer Buchführung” gewesen ist, auch wenn die Zockerkonten von Wurst-Uli *zunächst* nichts mit den Vereinskonten zu tun haben.

    Aber Jemand, der ganz bewusst von vornherein plant, seine Zocks bloß nicht durch zugestellte Belege dokumentieren zu lassen, ist normalerweise für mit Geld verbundene Managementaufgaben gänzlich ungeeignet – sofern dieses Management nichts mit z.B. Internetbetrug, Puffs oder Telefonabzocke zu tun hat.

  • #9
    WALTER Stach

    -8-Klaus Lohmann
    dem widerspreche ich nicht.

    Interessant, daß Watzke, wie ich so eben lesen konnte -t.online-, zu differenzieren weiß zwischen Hoeness und Rummenige und dabei den Charakter von Hoeness positiver sieht als den von Rummenige.
    Persönlich betrachte ich Rummenige als intellektuell minderbemittelte, charakterlich fragwürdige Person, die der FC Bayern, wenn er international weiter rerüssieren will, schnellsten los werden sollte.

  • #10
    Klaus Lohmann

    @Walter #9: Hoeneß ist auch “dahoam” bei den Nicht-Bayern-Fans als “Hund”, also als gerissen definiert, während Rummenigge irgendwie nix ist, also noch nicht mal eine Kellerassel oder sowas. Das wollte Aki wohl auch rüberbringen;-)

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