
Am 7. Juni 1951 wurde im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg Paul Blobel gehängt. Es waren die letzten Vollstreckungen von Todesurteilen auf deutschem Boden. Paul Blobels Name dürfte nur eher Insidern bekannt sein, und das ist auch gut so, seine Verbrechen sind historisches Allgemeinwissen. Von unserem Gastautor Manfred Albers
Am bekanntesten sind die bis dahin größte Massenerschießung der Menschheitsgeschichte, die Ermordung der Juden Kiews in Babyn Yar, die er kommandierte, und die Sonderaktion 1005, das grauenhafte Ausgraben der 1941 und 1942 Ermordeten im ganzen Osten und das Verbrennen der Leichen durch noch lebende Juden, die im Anschluss daran erschossen wurden. Der Düsseldorfer Architekt Paul Blobel war ein Monster. Es wirft das typische peinliche Licht auf die Nachkriegsgesellschaft der Bundesrepublik, dass es massenweise Gesuche an die Amerikaner gab, die letzten zum Tode verurteilten SS-Mörder zu begnadigen, wobei sich das Engagement für Blobel persönlich in Grenzen hielt, was allerdings mehr daran gelegen haben könnte, dass er ein unsympathischer Alkoholiker war, als an seinen ungeheuerlichen Verbrechen.
Jetzt stelle man sich vor, nach Übergabe der Leiche Blobels an die Bundesrepublik hätte das Staatsoberhaupt ein würdiges Begräbnis für einen Soldaten Deutschlands angeordnet, Zehntausende Deutsche wären zu seiner Trauerfeier zusammengeströmt, die live im Fernsehen übertragen worden wäre, in der Kirche hätten viele Menschen den mit seinen Orden und der Offiziersmütze der SS geschmückten Sarg geküsst, während katholische Priester Gebete sprachen. Deutsche Minister und der japanische Botschafter wären unter den Trauergästen gewesen. Das ist absurd?
Genau das geschah gestern in Serbien. Blobels serbisches Alter Ego, der Menschenschlächter Ratko Mladić, der drei Jahre lang Zehntausende Bosnier erschießen ließ, Konzentrationslager einrichtete und Vergewaltigungslager seinen Soldaten auslieferte, der im 21. Jahrhundert zu lebenslanger Haft verurteilt worden war und in der Haft krepiert war und mit Srebrenica und Žepa entsetzliche Berühmtheit erreicht hatte, wurde heute exakt wie beschrieben beigesetzt. Es gibt nichts, wirklich nichts, das Mladić von Blobel unterscheidet. Es war krank, wirklich krank, was Serbien sich heute erlaubt hat: ein nachträgliches stolzes Bekenntnis zum Genozid. Von einem lauten, wirklich markerschütternden Aufschrei dieser Welt höre ich gerade nichts.
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