„Gaza hätte sich in eine Oase am Mittelmeer verwandeln können“

Arye Sharuz Shalicar Foto: Privat

Arye Shalicar ist Major der Reserve der Israelischen Armee und ehemaliger Pressesprecher der israelischen Streitkräfte. Der in Göttingen geborene Politologe und Buchautor ist heute Abteilungsleiter im Geheimdienstministerium im Büro des Ministerpräsidenten Israels. Mit seinem Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ über seine Jugend in Berlin gelang ihm 2010 ein Bestseller. Stefan Laurin sprach mit ihm über die Zusammenstösse an der Grenze Gazas zu Israel.


Ruhrbarone:
Von Camps an der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Israel wurde Israel in den vergangenen Tagen mehrfach angegriffen. Es gab Tote. Was ist das Ziel dieser Demonstrationen?

Arye Shalicar: Wie alles was die Hamas unternimmt und an dem sich die Hamas beteiligt, ist das Ziel die Vernichtung Israels. Der Hamas geht es nicht darum, die Lebenssituation der Menschen in Gaza zu verbessern, für Jobs oder Schulen zu sorgen, das könnte sie alles tun. Die Hamas will die Grenzen Israel stürmen um Israel zu vernichten.

Ruhrbarone: Diese Demonstrationen haben gerade erst angefangen….

Arye Shalicar:  Das sehe ich anders. Das ist nicht der Anfang. Der Anfang war vor 13 Jahren, als wir aus Gaza abgezogen sind und die Hamas die Herrschaft nach und nach übernommen hat. Seitdem lebt dort kein Israeli mehr, kein Soldat, kein Bauer und kein Kind. In Israel war die Gesellschaft damals gespalten: Die einen hofften, der Rückzug bringt Frieden – Land gegen Frieden, das war die Idee. Die anderen glaubten, der Abzug wird Gaza in eine Terrorbasis verwandeln. Ich war damals auch für den Abzug und habe auf Frieden gehofft. Drei Kriege und unzählige Terrorangriffe später wissen wir heute, dass die Skeptiker Recht behielten. Die Hamas führt von Gaza aus Krieg gegen Israel. Gaza hätte sich in eine Oase am Mittelmeer verwandeln können, aber Hamas ist nunmal eine radikalislamische Terrororganisation und denen gehts um Dschihad, nicht um friedliches Beisamensein.

Ruhrbarone:  Die Demonstrationen und die Angriffe auf die Grenze sollen Israel provozieren.

Arye Shalicar:   Wir haben klar gemacht, dass wir uns nicht am Grenzzaun provozieren lassen werden. Wir beobachten die Dinge um uns herum sehr genau. Im Westen glauben alle immer, wir machen was wir tun um der westlichen Welt etwas zu beweisen. Aber das ist Unsinn.   Unser Ziel ist es, dass die Hamas, der Palästinensischer Islamischer Dschihad, ISIS, die Hisbollah und der Iran unsere Botschaft verstehen und die ist klar und deutlich: Wir wissen wer ihr seid, wie wissen dass ihr Terroristen seid, wir wissen was ihr plant – lasst uns in Ruhe und kümmert euch endlich um euren eigenen Kram.

Den terroristischen Hintergrund von zehn Toten legt die israelische Armee offen.

Ruhrbarone: Hier werden wohlmöglich bald wieder Demonstrationen gegen Israel durch die Straßen ziehen.

Arye Shalicar:  Ja, das kann geschehen und das ist absurd: Wenn in Syrien Kurden  ermordet werden, wird nicht demonstriert. Die Türken,  die Iraner, die Russen können dort machen was sie wollen. In Ägypten und im Jemen gibt jeden Tag Tote – niemand protestiert. Auch in den Medien, der Politik oder im UN-Sicherheitsrat regt sich niemand auf. Wenn im Iran friedliche Demonstranten verhaftet, vergewaltigt und ermordet werden, dann ist da kein Sicherheitsrat, der sich um sie sorgt. Sobald aber Israel sich an seiner eigenen Grenze gegen Angreifer wehrt, stehen alle bereit: Das stinkt schon gehörig nach Antisemitismus.

Ruhrbarone: Immerhin bezeichnet Maas Abbas nicht als seinen Freund.

Arye Shalicar:  Es ist an der Zeit, dass sich die deutsche Politik ändert. Ich habe Hoffnung da auf den neuen Außenminister Heiko Maas. es gibt Fortschritte, aber das reicht nicht. Ich hätte gerne, dass nicht nur die USA im Sicherheitsrat ihr Veto einlegen, sondern dass auch die Deutschen sich klar zu Israel bekennen. Man kann nicht sagen, dass die Sicherheit Israel gehört zur deutschen Staatsraison gehört und dann nicht hinter Israel stehen, wenn es darauf ankommt.

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