Israel, Mai 2024, Teil 2: „Alle Entführten sind Familienmitglieder. Alle Israelis sind eine Familie.“

#Bring_Hersh_Home - Tel Aviv, Mai 2024 (Foto: Peter Ansmann)
#Bring_Hersh_Home – Tel Aviv, Mai 2024 (Foto: Peter Ansmann)

28. Mai 2024: Morgen geht es mit El Al nach Deutschland. Mein letzter Bericht (Teil 1) aus Tel Aviv in diesem Monat. Während ich diese Zeilen schreibe, im Bayz am Hilton-Beach in Tel Aviv, tobt um mich herum das Leben.

Was, trotz des fortlaufenden Krieges gegen den islamitischen Terror und der immer noch offenen Geisel-Situation optimistisch stimmt:

Die islamistischen Terroristen lieben den Tod.

Israelis lieben des Leben.

Israel wird siegreich sein, gegen den Terror. Wie schnell das geht, hängt auch von uns – dem Westen – ab.

Israel, Mai 2024

Tag 4: Wir haben für diesen Tag eine Tagestour geplant. Wir wollen meinem Sohn Masada, En Gedi und das Tote Meer zeigen. Treffpunkt ist die alte Textilfabrik an der Kaufmannstreet. Von da geht es mit dem Kleinbus nach Jerusalem, wo der Rest der Touristengruppe eingesammelt wird. Mit uns wartet noch ein Paar, mit Kleinkind, vor dem Gebäude der alten Textilfabrik. Mit sechs Passagieren geht es nach Jerusalem. Die Gruppe, die dort wartet, ist zahlenmäßig auch eher in der Kategorie „übersichtlich“ einzuordnen. Fünf Touristen und der Tourguide.

In Masada, En Gedi und am Toten Meer: Hier ist wesentlich weniger los, als zu früheren Zeiten.

Maxim, mit dem ich mich auf der Tour in En Gedi länger unterhalte, merkt an, dass seit des Terrorangriffs der Hamas 99% der Kunden im Tourismusbereich weggefallen sind.

Max: "99% der Touristen sind weggefallen!" (Foto: Peter Ansmann)
Max: „99% der Touristen sind weggefallen!“ (Foto: Peter Ansmann)

In En Gedi ist alles wie immer, nur mit deutlich weniger Touristen. Und man sieht mehr israelische Familien, die dort zu Besuch sind: Bewaffnet mit Maschinenpistolen.

Sicherheit geht vor: Israelischer Vater mit Maschinenpistole in En Geri (Foto: Peter Ansmann)
Sicherheit geht vor: Israelischer Vater mit Maschinenpistole in En Geri (Foto: Peter Ansmann)

Rückfahrt nach Tel Aviv, vom Hotel geht es – nachdem wir das Salz vom Toten Meer unter der Dusche losgeworden sind – zum Dizengoff-Café.

Wer die Dizengoffstraße kennt weiß: Hier ist es immer voll. Ohne Reservierung oder Wartezeit ist kein Platz zu bekommen.

An diesem Abend ist das allerdings kein Problem: Wir bekommen sofort einen Tisch. An der Tür des Cafés hängt ein Plakat, auf dem auf das Schicksal einer Entführten aufmerksam gemacht wird. Viele „Bring-Them-Home-Now“-Banner vor der Terrasse. Die Kellnerin erinnert sich an uns. Weiß, was jeder gegessen und getrunken hat. Sie hat offensichtlich ein gutes Gedächtnis. Außerdem ist offensichtlich weniger los als früher.

Ich spreche eine der Kellnerinnen auf das Plakat an. Sie verweist mich auf die dafür verantwortliche Mitarbeiterin, Ronni. Ich möchte wissen, ob es sich um ein Familienmitglied handelt. Ronni erklärt mir, dass es sich um eine Mitarbeiterin handelt, die in einer anderen Filiale arbeitet und dass ihr Name Romy Gonen lautet. In der anderen Filiale gibt es einen Erinnerungstisch. Der solange stehen bleibt, bis Romy zurück ist.

Von den Hamas-Bestien verschleppt: Romi Gonen (Foto: Peter Ansmann)
Von den Hamas-Bestien verschleppt: Romi Gonen (Foto: Peter Ansmann)

Neben #BringThemHome-Bannern und Plakate, die an Romy erinnern, gibt es auf einer Sitzbank vor dem Café auch zwei Schrifttafeln:

Vor dem Café Dizengoff: #BringThemHomeNow (Foto: Peter Ansmann)
Vor dem Café Dizengoff: #BringThemHomeNow (Foto: Peter Ansmann)

Meine Augen schließen, damit mich der Schlaf umhüllen kann. Ich zittere vor Angst, dass auch das passieren könnte. Ich schlafe mit Angst ein, die die Dunkelheit überwindet. Ich träume jede Nacht davon, dass alle zurückkommen.

Uns bleiben nur Fragmente eines Herzens,

Bring sie nach Hause.

Jetzt.

Streichle das Mädchen vor dem Schlafengehen, um ihr beim Einschlafen zuzusehen. Unschuldiger Seelenfrieden. Befreie das Kind aus meinen Armen.

Das Leben selbst kennen, lachen, schreien, wütend werden.

Es lieben, zu umarmen und zu küssen.

Leg dich hin, um zu kämpfen.

Aufregen, weinen, verletzt, rausgehen, abhängen, trinken, sich betrinken, rauchen, leben.

Lass mein Herz schlagen!

Sei aufgeregt!

Um zu wissen, dass ich ein Freigeist bin.

Ronni: „Alle Entführten sind Familienmitglieder. Alle Israelis sind eine Familie.“

Romi Gonen, Geisel der Hamas-Bestien (Foto: Peter Ansmann)
Romi Gonen, Geisel der Hamas-Bestien (Foto: Peter Ansmann)

Während ist hier sitze, lese ich auf X einen Tweet von meinem Ruhrbaron-Kollegen Robert Herr. Sein Beitrag über das Terrorhilfswerk UNRWA hat auf X eine Reaktion hervorgerufen. Ein User namens „Antizionist irgendwas“ hat irgendeinen dummen Kommentar geschrieben. Ich mache den Fehler, auf dieses Profil zu gehen. In einem anderen Beitrag ist etwas über die ermordete deutsch-israelische Geisel Shani Louk zu lesen: „Shani Louk gibt es nicht und hat es nie gegeben!“

Ein Moment, in man einfach nur richtig wütend ist.

Tag 5: Es geht nach Jerusalem. Wir sind zusammen mit etwa zehn Menschen im Bus. In einem Café in Jerusalem, erster Zwischenstopp, laufen auf einem großen Bildschirm Videos über die Entführten. Alle paar Sekunden ist „#BringThemHomeNow“ zu lesen. Eyal, der Tourguide, erklärt mir dass es leider keine Hilfen von der Regierung gäbe. Er hat circa 1% des Auftragvolumens von früher, vor der Zeit der Terrorattacke. Er bekommt zwischenzeitlich, wenn das Geld nicht reicht, Unterstützung vom Staat.

Eyal (Foto: Peter Ansmann)
Eyal (Foto: Peter Ansmann)

In der Altstadt von Jerusalem ist kein großer Unterschied zu früheren Zeiten zu bemerken. 

Aber Details fallen auf: An der Chabd-Lubawitch-Synagoge, im jüdischen Viertel von Jersusalem (neben der Synagoge steht, BTW, eine Moschee) ist ein Fotoplakat „Support our Soldiers“ der IDF erneuert worden.

IDF: Support our Soldiers (Foto: Peter Ansmann)
IDF: Support our Soldiers (Foto: Peter Ansmann)

Am Garten Getsemani, an der Jericho Road, in der Nähe des alten jüdischen Friedhofs, kann ich ein Foto von der Kirche aller Nationen aus machen. Von der Straßenseite aus. Problemlos. Im letzten September fuhren die Touristenbusse hier im Sekundentakt vorbei, was die Anfertigung eines Fotos unmöglich machte.

Abends, in Jaffa, speisen wir in der Shuffle-Bar. Auch hier auf der Straße: überall Plakate, die auf Geiseln hinweisen.

#BringHimHomeNow (Foto: Peter Ansmann)
#BringHimHomeNow (Foto: Peter Ansmann)

Die Bars und Pubs im Viertel schließen früher als zu Vorkriegszeiten. Um Mitternacht setzten wir uns wieder richtig Tel-Aviv-Zentrum in Bewegung.

Tag 6: Ein Tag am Strand. Abend geht es nach Sarona. Einige Angehörige der Geiseln, demonstrieren an dieser Stelle seit Wochen gegen die Regierung. Am Vorabend war hier eine Demo. Auch an diesem Abend sind einige Demonstranten in unmittelbarer Nähe des IDF-Hauptquartiers zu sehen.

IDF-Hauptquartier in Tel Aviv (Foto: Peter Ansmann)
IDF-Hauptquartier in Tel Aviv (Foto: Peter Ansmann)

Das Café Landwer, unser eigentliches Ziel, schließt leider gerade. Dort ist eine optimistische Botschaft an die Terroristen der Hamas und ihre Supporter zu lesen:

„We stay Happy.“

"We stay Happy" (Foto: Peter Ansmann)
„We stay Happy“ (Foto: Peter Ansmann)

Wir speisen in einem italienischen Restaurant. Neben uns am Tisch sitzen junge Soldatinnen, in Uniform. Solche Szenen sieht man oft in diesen Tagen in Tel Aviv.

Tag 7: Vorletzter Tag in Israel, letzter Tag mit Programm. Am nächsten Abend ist noch ein Dinner mit Arye Sharuz Shalicar – Autor, Podcaster, Freund und Politologe – geplant. Das Programm an diesem Tag ist kompakt: Aaron, mein Sohn, und ich besuchen das Bauhaus-Center in Tel Aviv. Ich habe uns eine Tour durch die Weiße Stadt gebucht. Danach soll es zum Strand gehen.

Im Bauhaus-Center Tel Aviv: Hier ist sonst mehr los! (Foto: Peter Ansmann)
Im Bauhaus-Center Tel Aviv: Hier ist sonst mehr los! (Foto: Peter Ansmann)

Auch hier, im Bauhaus-Center,  sieht man die Folgen, die der Krieg gegen den Terror mit sich bringt, dramatisch. Der Saal, in dem ein Film über Bauhaus und Tel Aviv gezeigt wird, ist leer. Wir können den Film deshalb in deutscher Sprache schauen.

Eine Woche Tel Aviv liegt hinter uns: Ein schöner Urlaub, trotz Raketenbeschusses durch die islamistischen Terrorgruppen in Gaza.

Was Mut macht: Das Leben in Tel Aviv geht, auf kleinerer Flamme als vor dem Krieg, weiter. Die Geiseln sind nicht vergessen.

Ich freue mich auf meinen nächsten Trip nach Tel Aviv. In hoffentlich ruhigeren Zeiten, in denen die islamistischen Terrorgruppen zumindest nicht mehr so agieren können, wir zum aktuellen Zeitpunkt.

Weshalb die Terroristen den Krieg nicht gewinnen werden und können, erlebt man in Tel Aviv. Und Tourguide Maxim hat es, in En Geri, auf den Punkt gebracht.

„Israelis lieben das Leben. Das Leben steht über allem.“

Und die islamistischen Terroristen lieben den Tod. Sie werden nicht gewinnen.

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[…] zu erinnern. Rivka Young legte in ihrer Rede vor dem Beginn des Spaziergangs den Fokus auf die Geisel Romy Gonen, über die ich letzte Woche im Rahmen meines Tel-Avivs-Urlaubs hier im Blog berichtet […]

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[…] spricht, viel weiter weg vor. Wie aus einem anderen Leben. Dort, am Café Landwer, hängt jetzt (Am 26. Mai 2024 war ich dort!) ein Schild: „We stay […]

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[…] Geiseln, die Terrorattacke vom 7. Oktober 2023, die islamistischen Terrororganisationen, die Charta der […]

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