Lewandowski nur ein ‚eiskalter Söldner‘? – Auch der FC Bayern München kommt im 21. Jahrhundert an

Robert Lewandowski. Quelle: Wikipedia, Foto: Sven Mandel, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wir haben Anfang Juli und noch immer beschäftigt die Personalie Robert Lewandowski den FC Bayern München und die gesamte Fußball-Bundesliga. Der Pole liebäugelt nach wie vor mit einem Wechsel. Die Fronten scheinen inzwischen verhärtet.

Die Kollegen von ntv schrieben jetzt einen Text unter dem Titel ‚Eiskalter Söldner beim FC Bayern – Das traurige Ende des Robert Lewandowski‘. Als langjähriger Beobachter der Fußballszene in diesem Lande kann man sich über die Empörung nur wundern. Ein solches Verhalten, wie es Lewandowski in diesen Tagen an der Isar an den Tag legt, ist weder neu noch überraschend. Eigentlich hätte jedermann im Umfeld der Bayern wissen können bzw. müssen, wen man da im Kader hat, und welche Risiken damit verbunden sind.

Bei Borussia Dortmund hat man sich in den vergangenen Jahren schon ein Stück weit daran gewöhnt, dass im 21. Jahrhundert die Spieler am ‚längeren Hebel‘ sitzen, wenn es um vorzeitige Abgänge geht. Etliche Profis erzwangen zuletzt ihre Abgänge vom BVB. Trotz laufender Verträge und anderer Vorstellungen der Spieler. Genannt seien hier nur die Namen Dembele und Aubameyang.

Auch andere Vereine der Bundesliga mussten sich immer wieder mit solchen Ärgernissen auseinandersetzen und im Laufe der Zeit erkennen, dass im ‚modernen Fußball‘ die Klubs häufig hilflos zusehen müssen, wenn ein begehrter Spieler plötzlich unbedingt weg will.

In München sind sie das in dieser Ausprägung offenbar noch nicht gewohnt. Hier unterliegt man bisher offensichtlich noch immer der trügerischen Selbsteinschätzung, dass der FC Bayern das höchste Glück für einen Profikicker darstellt, dass der Klub jeden Spieler bekommen kann, wenn er denn will und entscheiden kann, wann er den Klub den wieder verlässt.

In den vergangenen Jahren hat das ja auch häufig geklappt. Durch das vermeintliche Schwächen der Konkurrenz haben die Münchener seit Jahren ihre Ausnahmestellung in der heimischen Liga untermauert. Jetzt aber scheint auch bei ihnen die Gegenwart an die Tür zu klopfen.

Dass Lewandowski in diesen Tagen scheinbar unbedingt mit dem Kopf durch sprichwörtliche die Wand will, lieber seine Zukunft in Spanien verbringen möchte, glaubt man an der Isar noch durch ein Veto verhindern zu können. Nur klappt das mit den Machtworten des Vereins seit Wochen nicht, entwickelt sich eine zunehmend nervig werdende Posse rund um den Top-Stürmer.

Dabei wusste man von Anfang an, dass Lewandowski ein reiner Pragmatiker ist, der stets als ein wahrer ‚Profi‘ galt, aber nie als großer Sympathieträger. Was einst als anerkennenswerte Charaktereigenschaft allseits zumindest respektiert wurde, soll plötzlich ein nicht zu ertragender Nachteil sein? Dass der Pole die Bayern nicht liebt, war so lange akzeptiert, bis er seinen Wechselwunsch mit Macht durchdrücken wollte.

Zur Erinnerung: Schon in Dortmund verließ Lewandowski den Verein als ‚Profi‘. Sein damaliges Karriereziel war der FC Bayern. In Dortmund mochten sie das nicht. Nur mit einer gehörigen Gehaltserhöhung gelang es dem BVB damals nach einer schier endlosen Diskussion den Stürmer zur Erfüllung seines Vertrages, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, zu ‚überreden‘.

Damals schon hieß es überall, er sei ein Musterprofi, da er seinen Vertrag in Dortmund erfüllte. Eine Einschätzung, die man schon vor neun Jahren nicht wirklich nachvollziehen konnte, wenn man es mit den Schwarzgelben hielt. Eigentlich hätte es auch ohne diesen Gehaltsbonus gehen müssen. Jetzt, acht Jahre nach dem Wechsel, läuft das Spielchen in München ähnlich ab. Lewandowski sieht seine Zukunft offenbar in Barcelona. Der Unterschied: Mit zusätzlichem Geld kann man ihn jetzt offenbar nicht mehr so leicht beruhigen, wie damals. Er hat schon genug davon und würde in Spanien wohl auch noch mehr davon bekommen. Das Argument zieht also nicht mehr. Zumal seine Karriere jetzt auch schon in ihrem Herbst angekommen ist.

Plötzlich wird er medial vielerorts als Söldner betitelt und ihm ein liebloser Abgang aus München vorgeworfen. Dabei war das schon 2014 in Dortmund ähnlich. In München scheinen sie dies nicht wirklich ernst genommen zu haben. Kein Wunder: Damals profitierte man ja auch am Ende von Lewandowskis Wechselgelüsten.

Jetzt, wo man selber der verschmähte Arbeitgeber ist, schmerzt es die Beteiligten an der Isar offenbar deutlich mehr, wie wenig Vereinsliebe Lewandowski an den Tag legt. Wirklich erstaunlich, wie kurz das Gedächtnis mancher doch offenbar ist….

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4 Kommentare

  1. #1 | Roland Mitschke sagt am 3. Juli 2022 um 17:36 Uhr

    Lewandowski macht nichts anderes als andere Profis. Seine Torbilanz spricht für sich. Er hat nie für sich den Heiligenstatus beansprucht. Also verkauft er sich so teuer wie möglich. In der Branche sind Sentimentalitäten höchst selten. Also kein Grund zur Aufregung.

  2. #2 | Werntreu Golmeran sagt am 3. Juli 2022 um 22:27 Uhr

    Wenn ich mich richtig erinnere, gab es auch bei Bayern München Situationen, in denen der FCB Spieler gedrängt hat, Spieler, die noch einen Vertrag hatten abzuschieben. So z.b. 2019 Boateng, der von Hoeneß schon fast gemobbt wurde. Wenn’s darum geht, einen Spieler loszuwerden, den man angeblich nicht mehr braucht, versuchen doch die meisten Vereine, frühzeitig noch eine ordentliche Ablöse rauszuholen. In dem Geschäft, geben sich beide Seiten nicht viel. Der „Fall Boateng“ zeigt aber exemplarisch, wie verlogen das „Führungspersonal“ bei den Bayern ist.

    Ich wünsche Herrn L. dass er schnell wechseln kann, auch wenn ich ihn eigentlich nicht sehr leiden kann.

    Aber wenn man anschaut, was er alles für die Bayern gewonnen hat, hätte er es eigentlich verdient, dass man ihn gehen lässt.

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