[So war es bei „The Libertines“ in Düsseldorf]

 michalak-186 

Es war ein Abend, den man erstmal sacken lassen mußte. Nicht nur aus musikalischer Sicht, auch auf zwischenmenschlicher Ebene blieb man nicht ganz unberührt. So erging es mir vor zehn Jahren auf einem ihrer letzten Konzerte vor dem Aus und so war es auch am Sonntag.

Man geht nachdenklich nach Hause…

The Libertines, das waren und sind die vier Engländer Pete Doherty (Gesang, Rhythmus-Gitarre), Carl Barât (Gesang, Lead-Gitarre), Gary Powell (Schlagzeug) und John Hassall (Bass). In der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle gaben sie am Sonntagabend das siebte und vorerst letzte Konzert ihrer Comeback-Europa-Tour und wer weiß, ob und wann man sie so wiedersehen wird.

Aber vorgestern waren sie da, pünktlich auf die Minute. Doherty trat noch seine Kippe am Boden aus und nahm einen Schluck eines nicht zu definierenden Getränks aus einem großen Becher, das später in der Menge landete…dann kam der Soundcheck à la Doherty und Barât.

Musikalisch war es eine Reise in die Vergangenheit. Es gab keine neuen Songs, gespielt wurde aus dem Repertoire ihrer beiden und einzigen Studioalben „Up The Bracket“ (2002) und „The Libertines” (2004).

Damals galten sie damit nach nur zwei Jahren Bandgeschichte als neue Hoffnung der britischen Indie-Rockszene, aber sie scheiterten an sich selber und gingen unter.

Aber sie ertranken nicht.

Was Pete und Carl vor allem ihrer tiefen und innigen Freundschaft zu verdanken haben, die zwar zeitweise in Hass umschlug, aber am Sonntagabend in Düsseldorf wieder mehr denn je zelebriert und gelebt wurde.

Und genau diese Verbindung ist auch heute noch das Besondere an The Libertines. Powell und Hassall liefern zwar musikalisch brillant ab, aber stehen doch am Rande, und grade letzterer wirkte am Sonntagabend eher wie ein weiterer Zuschauer des Geschehens auf der Bühne.

Ansonsten war alles wie immer, nur einige Spuren gediegener.

The Libertines sind und bleiben Punk und leben ihn. Ihr Auftritt ist gekonnt improvisiert, Dohertys Textsicherheit läßt wie immer zu wünschen übrig, das “Kaputte” und “Unperfekte” schimmert gewollt durch und wird gefeiert ..aber Schwamm drüber.

Das, was beim Publikum ankommen soll, schwappt auf jeden Fall über den Bühnenrand und das gewaltig.

Es ist Leidenschaft, Schmerz, Wehmut und viel Liebe, die besungen und transportiert wird und man nimmt es vor allem Doherty und Barât ab, dass sie ihr Zusammenspiel wieder genießen.

Pete ist während des Auftritts sehr auf ihn fixiert, sucht immer wieder seine Nähe und Blickkontakt, man hat den Eindruck, er wirke etwas verloren ohne ihn, suche Halt. Dann ist er wieder sehr in sich gekehrt, konzentriert, hat die Augen geschlossen. Carl ist da wesentlich selbstsicherer und präsenter, aber unter dem Strich liefern alle fast zwei Stunden auf ihre Art professionell und souverän ab.

Ich ziehe meinen Hut vor diesem Auftritt. Grade im Hinblick auf die letzten zehn Jahre, die vor allem an Doherty sehr gezerrt haben und gewisse Problematiken es auch immer noch tun, haben alle vier diese Tour brillant und ohne Zwischenfälle gemeistert.

Ob und wie es nun weitergehen wird, ist die größte aller Fragen, die im Raum steht. Zwar ist ein neues Album geplant, aber man verläßt kein Konzert der Libertines mit der Gewißheit, sie so noch einmal wiederzusehen.

So war es damals schon und so wird es wohl immer bleiben.

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