State of Play: A first Look

Für unsereins der Pflichtbesuch im Kinosommer: State of Play (Kinostart, morgen). Ein Film über investigativen Journalismus, über Zeitungskrise und das Binnenverhältnis zwischen Onlinern und Print-Leuten. Wirklich sehenswert ist die Karre von Cal McCaffrey (Russell Crowe) vom Washington Globe. Natürlich ein 1990er Saab (Koenigsegg) – offenbar das globale Lieblingsvehikel der Medienmeute. Hier schon einmal tolle Autobilder und ein schöner Dialog.

Online: Ich bin Della, Della Fry, ich schreib den Capitol Hill Blog, Online-Redaktion. Ich bin ein großer Fan von ihnen. Ich schreib gerade etwas über private Beziehungen innerhalb der Politik, alleinstehende Frauen, so was. Und wie Sie sicher wissen, gab es mit ihrem Freund heute im Capitol diesen Zwischenfall.

Print: Ist da irgendwo eine Frage in Sicht?

Online: Ja, haben Sie heute mit ihm gesprochen?

Print: Wollen Sie mich etwa in Ihren Artikel einbauen?

Online: Nein, ich will nur etwas Hintergrundmaterial.

Print: Soll heißen: schmutzige Geschichten?

Online: Meinen Sie, das er eine Affäre mit der Frau hatte?

Print: Tja. Della? Keine Ahnung. Da müsste ich wohl vorher ein paar Blogs lesen, um mir eine Meinung zu bilden.

Quelle: trailer/ state-of-play.de

Seine Durchlaucht, der Opel-Zerschlager?

Habe gerade einen harten, klaren, guten Text von Joachim Lottmann zu Guttenbergs US-Mission gelesen. In der taz. Dass Gutti alles hat, nur kein Interesse an einer Rettung von Opel. klick

Lottmann schreibt in der tageszeitung eine Kolumne mit dem müden Namen Marx 2.0. Das heutige Stück ist aber klasse. Manchmal muss eben ein Schriftsteller kommen, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Gerade passend (klack) verlautete es dazu aus Washington: Der Herr Minister leide brutal am Jet Lag, Erschöpfung mache sich breit. Ist die Luft schon aus dem Rettungstrip, bevor der Edelmann wieder im Flieger sitzt? Das Trauerspiel um den Autobauer ohne Deutschland-Lobby geht weiter.

Foto: BMWI

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Ich gebe zu, ich finde Barack Obama nicht sehr sympathisch. Wenn der redet, höre ich einen ehrgeizigen, verbissenen Berufspolitiker, sehe ich einen Monoman, der so tut, als grüße er ins Publikum, dabei sieht er nichts im Glanze der Scheinwerfer. Ich denke dann: Würde ich den gut finden, wenn ich Amerikaner wäre? Nö.

Dieser grässliche Kitsch, fast wie Italien, die gediegene Bühne, die Immitation von Fensterflügeln und Intimität vor 80.000 Parteigängern – als ob Barack Obama schon im Garten des White House vor die Kameras treten würde. Hat er wirklich in einem Hotelzimmer ausgeharrt wie eine Jungfrau vor der Trauung, bis er nach Tagen seiner Partei zugeführt wurde? Hat der eigentlich Humor? Und dann ganz scheußlich – er wird sie nicht dahin gestellt haben – vier Flaggen mit Seeadlern die sich leicht im Wind wiegen. Im Wind? Welchem Wind?

 

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