Bundestag: Gute Gründe gegen Benedikt
Alle sind ganz wuschig, weil der Papst vor dem Bundestag reden wird. Nur die Grünen sind skeptisch. Zu Recht. Denn es gibt gute Gründe, den Mann nicht ans Mikrofon zu lassen.
Sicher, Benedikt ist ein Staatsoberhaupt, und immer wieder haben Staatsoberhäupter vor dem Bundestag gesprochen. Dass er Oberhaupt eines lächerlich kleinen Staates ist, spielt keine Rolle. Wichtiger ist, was für einem Staat er vorsteht. Der Vatikan ist eine Autokratie, kein demokratischer Staat. Eine kleine Gruppe von Männern kungelt das Staatsoberhaupt aus, der Rest hat zu spuren. Ich habe kein Problem, wenn die Chefs demokratischer Staaten vor dem Bundestag reden. Aber Benedikt steht keinem demokratischen Staat vor. Das reicht eigentlich.
Aber es gibt noch ein paar andere Gründe, denn der Mann ist ja auch Anführer einer recht großen Organisation: Der katholischen Kirche. Die ist Marktführer im Segment Christentum – sowas wie das Coca-Cola unter den Kirchen.
Die katholische Kirche ist keine angenehme Organisation: Wäre sie eine Partei, sie wäre in Deutschland verboten. Frauen und Schwule werden aufs Übelste diskriminiert. Verbrecher in den eigenen Reihen solange geschützt wie es geht – ob Mafia-Kontakte oder Kinderschänder – man pocht erst einmal auf die eigene Gerichtsbarkeit. Das tut jede Räuberbande auch – bis die Polizei ihr rüde erklärt, was ein Rechtsstaat ist. Allein die Positionen zu Aids und Verhütung zeugen von einer tiefsitzenden Menschenverachtung.
Über die Geschichte wollen wir hier mal nicht reden: Die Verbrechen der katholischen Kirche sind ohne Zahl. Sie war gegen jeden Fortschritt. Wäre es nach ihrer Führung gegangen, wir würden heute noch im Mittelalter leben.
Nein, es gibt gute Gründe, Benedikt nicht vor dem Bundestag sprechen zu lassen. Und die Anführer anderer Religionsgemeinschaften auch nicht. Ich will im Bundestag Demokraten sehen. Benedikt ist keiner.






#51 | Arnold Voß sagt am 20. Dezember 2010 um 16:26
@ All
Wenn die Kategorie Schurkenstaat überhaupt auf ein klar begrenztes geographisches Gebilde passt, dann auf den Vatikan. Die eigentliche und zugleich grandioseste Schurkerei besteht aber nicht in seinen – zumindest für aufgeklärte Katholiken – nicht mehr zu leugnenden Verbrechen.
Sie besteht vielmehr in seiner Verfassung als Brückenkopf eines himmlischen Gottesreiches auf Erden, das ihm, obwohl es für sein Vorhandensein nicht den geringsten Beweis gibt, ebendort einen Personenschutz/Immunität verleiht, den kein anderer Staat dieser Welt bieten kann. Aus der Sicht des Bösen eine geradezu teuflisch gute Konstruktion.
Man stelle sich vor, ein ganz normaler Verbrecher gäbe sich als Gottes Stellvertreter auf Erden aus. Er würde sehr schnell in der Klappse landen. Selbst wenn es sich herausstellen würde, dass er gar kein Verbrecher ist. Der Papst dagegen darf vor dem Bundestag reden.
Und selbst “Die Linke” wird Beifall klatschen. Könnte doch sein, dass es Gott wirklich gibt… und was mache ich dann wenn ich in den Himmel komme …und ich habe bei seinem Stellvetreter nicht geklatscht.. Was für ein kollektives Schauspiel struktureller Verblödung und/oder Ängstlichkeit. Der Mann muss unbedingt vor dem Bundestag reden!
#52 | hannesleitlein.de » Der Bundespapst sagt am 20. Dezember 2010 um 16:39
[...] und immer wieder Anstoß sind, die Dinge anders zu betrachten, ist mir in der vergangenen Woche ein Artikel aufgestoßen. Meinen Kommentar dazu möchte ich euch nicht vorenthalten. Insbesondere, da ich vom [...]
#53 | Andi sagt am 20. Dezember 2010 um 17:06
@ Arnold: Der Papst käme nie auf die Idee, sich als “Gottes Stellvertreter” zu bezeichnen. Er ist Stellvertreter Christi auf Erden – paßt also salopp gesagt als Nachfolger von Oberjünger Petrus so lange auf die anderen Jünger auf, bis Jesus vom Kippenholen zurück ist.
(Was mich am Katholiken-Bashing immer so ermüdet ist der Umstand, dass da auffallend häufig Blödsinn erzählt und nur die bunteste Schauergeschichte nacherzählt wird. Leute, ihr verbrennt begeistert einen Strohmann, merkt es endlich.)
#54 | Arnold Voss sagt am 20. Dezember 2010 um 17:23
Andi, er braucht es nicht, weil der Normalchrist das genauso sieht. Wer unterscheidet denn das genau, bei der komplizierten Dreieinigkeit von Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist. “Christi”, ist Gottes Sohn, also Gott. So läuft die Kiste in den Köpfen.
Das ist so ermüdend an der Verteidigung des Papsttums/Katholizismus, dass, wenn man ein Ammenmärchen entlarvt hat, gleich das nächste nachgeschoben wird. Glaube das wer will. Ich will das Niemandem nehmen. Aber Gott ist ein Hirngespinst. Da Hilft auch kein Petrus und kein Kippenholen.
Ich habe übrigens auch nichts gegen Hirngespinste. Sie gehören unvermeidlich zum Hirn hinzu. Das hat die Evolution halt so gemacht. Wer aber daraus ein System konstruiert, das sich der weltlichen Gerichtsbarkeit entzieht, der duldet die Verbrechen die auf diese Weise und unter diesem Schutz begangen wurden und noch werden. Egal welcher Papst da gerade an der Macht ist.
#55 | hermesgolf sagt am 20. Dezember 2010 um 18:26
gegen ermüdung helfen vllt ein paar fakten:
1. die dt. kirchen erhalten jährlich über die kist hinaus zahlungen vom staat ihv € 20 mrd.
zum vgl.: der dt justizhaushalt (bund und länder) beträgt ca € 9 mrd/a; der verteidigungshaushalt (bund) ca. € 28 mrd/a.
eine der gro0ten verschwendungen hierbei sin die sog sonderausgaben auf die kist, die ca. € 3,5 mrd betragen, d.h. ca 1/3 des ges. kist-aufkommens trägt noch einmal der staat/bürger, s. den subventionsbericht der breg.
den etikettenschwindel bei den kindergärten ( € 6 mrd/a) beiseite, ebenso die konkordate (€ 550 mio/a)
2. der “vatikan” ist als stadtteil roms ein völkerrechtlicher bastard von mussolinis gnaden (stichwort: lateranverträge).
3. kirchen und verbrechen
a) der 30-jährige (religions-) krieg hat doppelt soviele opfer gefordert wie der 1. und 2. wk zusammen.
b) das vermögen der kirchen ist durch verbrechen erworben. ppt: der altar von sevilla aus 50 t purem gold.
4. für das IOR (Istituto per le Opere di Religione), die “bank” des vatikan, sind die vorschriften der oecd, insbesondere im hinblick auf die “geldwäsche”, nicht verbindlich. peer steinbrück müsste, wenn er noch könnte, gleich seine “kavallerie” losschicken.
5. zum thema: ein reaktionär dieser güte hat überhaupt kein recht, im btag zu reden:
- wegen seiner haltung im 3. reich als steigbügelhalter der nazis. nicht umsonst hängt das porträt pius12´ in der halle der schande in yad vashem, was j.r. nicht davon abhält, die seligsprechung gerade dieses pabstes, der es leider nicht auf die anklagebank in nürnberg geschafft hat, zu betreiben.
- wegen seiner haltung ggü den nachkommen in südamerika, deren fast vollständige ausrottung vor 500 j. er heute als “warten auf die ankunft des herrn” verkauft,
- weil er sich heute als “bollwerk” gegen die nazis darstellt,
- weil er die nazi-täter – wie in seiner rede in auschwitz- als “verführte” darstellt,
- weil er antisemiten/piusbrüder protegiert,
- weil er kinder, frauen und schwule diskriminiert/deren leben zerstört und damit menschen- und grundrechte mit füßen tritt, s. das von ihm allein verfasste “de delictis gravioribus”.
- weil er zu kondomen nicht schweigt, sondern “mörderische” abwegigkeiten produziert.
will sagen: die rede dient allein der phobopolitik der angst mit religiös codierten mitteln, die, wenn nicht schon durch kant, lessing, schiller, so doch seit nietzsche aufs depot der irrtümer der weltgeschichte gehört.
auf jeden fall sollte man sich die € 20 mio sparen, die der besuch kostet. den betrag könnte man dem “heimkinder”-fond besser zugute kommen lassen. aber das ist eine andere verbrecher-baustelle der nächstenliebe.
#56 | Arnold Voß sagt am 20. Dezember 2010 um 20:10
@ Hermesgolf
20 Millionen kostet die Nummer? Das habe ich nicht gewusst. Ich modifiziere meine Schlussfolgerung: Der Mann hat 20 Millionen herauszurücken, dafür dass er vor dem Bundestag reden darf.
#57 | hermesgolf sagt am 20. Dezember 2010 um 22:17
@ arnold voss
sicher datt: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,436445,00.html
die zahl stammt allerdings aus 2006. da konnte j.r. noch munter kinder auf seinem schoß reiten lassen* und die grünen waren noch keine vp;o)
*heute gibt man sich im vatikann unschuldigeren spielen hin: http://www.youtube.com/watch?v=4VmYBNLnAvQ
#58 | Helmut Junge sagt am 21. Dezember 2010 um 01:10
@Arnold (56)
“Ich modifiziere meine Schlussfolgerung: Der Mann hat 20 Millionen herauszurücken, dafür dass er vor dem Bundestag reden darf.”
Da bin ich aber froh.
Hab mich schon gewundert.
Anderseits sind die Grünen auch schon eingeknickt.
Zumindest Künast.
Jetzt sagen die dazu Ja”, müssen das aber gut als Toleranz verpacken.
Sie wollen jetzt alle Sekten einladen im Bundestag zu sprechen.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,735434,00.html
Da wird wohl der iranische “Religionsführer” Ali Chamene als nächstes in die engere Auswahl kommen.
Aus “Grüner” Sicht sollte der schon wichtig sein.
#59 | Korbiniansbär sagt am 21. Dezember 2010 um 09:16
@ hermesgolf,
noch mehr unschuldiges Weihnachtsspielzeug:
http://www.baerenboutique.de/images/benediktxvi.jpg
Warum wird er eigentlich von unseren Abgeordneten als Intellektueller anerkannt?
Welche Anhaltspunkte gibt es dafür?
Und so sieht die intellektuelle Jahresbilanz im Vatikan aus:
Jahresrückblick: Papst erinnert an Missbrauch und Christenverfolgung
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=448268
Jahresrückblick des Papstes: Zentrale Passagen
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=448328
Deutschland: Kardinal Marx warnt vor überhöhten Erwartungen an Papstbesuch
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=448309
Papst zum Missbrauch
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,735695,00.html
Frohe Weihnachten
Korbiniansbär
http://www.baerenboutique.de/images/korbiniansbaer.jpg
#60 | Ein unwichtiger Ketzer im Vorfeld des Papstbesuchs | Ruhrbarone sagt am 27. Juni 2011 um 17:49
[...] als Oberhaupt der katholischen Kirche. „Keine angenehme Organisation“, wie Stefan Laurin hier bereits im Dezember darlegte: „Wäre sie eine Partei, sie wäre in Deutschland verboten. Frauen [...]