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Ein Egoist wie wir

In Ruhrgebiet | Am 8 Oktober 2012 | Von Martin Niewendick

Der einfallslose Stonebridge (www.peer-steinbrueck.de)

Es sind die üblichen Rituale im politischen Betrieb zu Wahlkampfzeiten. Kaum wurde Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD ausgerufen, hagelte es Kritik an seinen Nebeneinkünften. Als Abgeordneter habe er Vorträge gehalten und dafür unangemessene Vergütungen kassiert. Für ein Interview mit dem Baukonzern Bilfinger Berger soll er gar 20.000 Euro erhalten haben.

Der Sturm der Kritik, der jetzt über Steinbrück hereinbricht, könnte scheinheiliger nicht sein. Er habe die Bodenhaftung verloren, ihm fehlten Maß und Mitte, heißt es. Dabei sollten sich diejenigen, die sich nun kräftig empört zeigen, die Frage stellen: Würden sie sich allen Ernstes eine solche Gelegenheit entgehen lassen? Würden sie die Beantwortung von zehn Interviewfragen für 20.000 Euro ablehnen, weil ihnen der Betrag unangemessen hoch vorkommt? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, ist entweder reich oder sehr dumm. Auch wenn nun allzu billige Lippenbekenntnisse abgesondert werden – ein Großteil der Menschen würde sich die Hände reiben.

Gerade das ist es, was Steinbrück eben nicht zu dem weltfremden Funktionär macht, der den Blick für Alltags-Realitäten verloren hat. Er handelt, wie (fast) jeder von uns handeln würde. Persönliche Vorteilsnahme, Streben nach Wohlstand und Egoismus sind Eigenschaften, die menschlicher nicht sein könnten. Es sind schlicht völlig normale Symptome unserer konkurrenzorientierten, kapitalistischen Gesellschaft. Das heißt nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss wäre. Aber wer „unverhältnismäßige“ Bereicherung anprangert, sollte Alternativen anbieten, die ebenjenes Konkurrenzprinzip abschaffen. Damit sprechen wir über das Ende des Kapitalismus. Alles andere ist Quark.



51 Kommentare zu »Ein Egoist wie wir«

  1. #51 | Walter Stach sagt am 14. Oktober 2012 um 14:01

    Bundestagspräsident Lammert “warnt” nach den heutigen Medienberichten in Sachen “Nebentätigkeiten/Nebeneinkünften” vor umfassender Transparenz.
    Die SPD strebt eine “Erweiterung” der jetzigen Regelungen an also keinesegs eine generelle Neuregelung der Veröffentlichungspflicht sämtlicher Nebentätigkeiten von Abgeordneten, den bezahlten, den nicht bezahlten – ggfls.die Höhe der Bezahlung in jedem Einzelfall eingeschlossen, und zwar ausnahmeslos.

    (Über einer Pflicht zur Veröffentlichung der jährlichen Einkommensteuererklärung wird nicht einmal nachgedacht -in keiner Partei!)

    Überraschung?
    Ich darf auf meinen Beitrag -19-verweisen -sh.zur Sache, vor allem auf den dortigen letzten Satz.
    Leider ist mir zudem bis heute kein Anlaß geliefert worden, meinen unter PS -19-geäußerten Pessimismus wegen einer wünschenswerter, bundesweiten Kampagne der PIRATEN aufzugeben.

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