Klaus Lederer und die Genossen mit dem guten Gewissen

Klaus Lederer liest bei „Lesen gegen das Vergessen“ am 10. Mai 2019 vor rotem Hintergrund.
Klaus Lederer bei „Lesen gegen das Vergessen“, 10. Mai 2019 (Foto: Olaf Krostitz / Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Klaus Lederer erinnert die politische Linke daran, dass sie selbst ein Antisemitismusproblem hat. Der frühere Berliner Kultursenator verlangt Selbstkritik. Eine Zumutung für alle, die ihr gutes Gewissen schon mit dem passenden Parteibuch erworben haben.

Am 2. Oktober 2026 hat der Verein Progressive Linke einen Text Lederers zum linken Antisemitismus erneut veröffentlicht. Er erschien bereits im August 2026 im Gemeindeblatt der Israelitischen Kultusgemeinde München. Anlass der Wiederveröffentlichung ist der dritte Jahrestag des Hamas-Massakers. Die Redaktion betont ausdrücklich, dass der Text nicht für den aktuellen Berliner Parteienkonflikt geschrieben wurde.

Klaus Lederer, der die Linkspartei im Oktober 2024 verlassen hat, schreibt:

„Es gibt wenig Anlass anzunehmen, dass Linke schon qua besonders edler Gesinnung gegen Antisemitismus immun wären.“

Eigentlich ein überschaubrer Gedanke. Wer gegen Menschenfeindlichkeit antritt, sollte sie auch bei den eigenen Freunden erkennen können. Eine rote Fahne ist schließlich kein polizeiliches Führungszeugnis fürs Weltbild.

Die richtige Gesinnung ersetzt keine Prüfung

Lederer beschreibt, wie Antizionismus unterschiedliche linke, nationalistische und islamistische Milieus zusammenführen kann. Er kritisiert die Abwehr gegen Selbstprüfung und erinnert zugleich an die linken Traditionen, aus denen entschiedene Kritik am Antisemitismus kommt.

Damit lässt sich arbeiten. Wer jede Nachfrage nach den eigenen Bündnispartnern als Angriff auf die gute Sache abtut, hat sich eine ausgesprochen bequeme politische Welt eingerichtet. Die anderen liefern den Hass. Man selbst liefert die Erklärung, weshalb gerade jetzt die Kritik daran unpassend sei.

Wie nötig eine genaue Prüfung ist, zeigt der hier dokumentierte Berliner Aufruf zum 7. Oktober 2026. Er erzählt den Tag des Hamas-Massakers als Erfolgsgeschichte:

(Ruhrbarone Der 7. Oktober als Heldengeschichte)

Dieser Aufruf ist kein Parteibeschluss der Linken. Er zeigt aber, was bei der Rede vom Widerstand unter den Tisch fallen kann: die ermordeten Menschen und die Verantwortung ihrer Mörder. Wer Menschenrechte ernst nimmt, muss dafür keine Ausnahme erfinden.

Konsequenzen wären dann der praktische Teil

Für die Berliner Partei wird es dort konkret, wo auf Distanzierungen verbindliche Regeln folgen sollen. Welche Maßnahmen angekündigt wurden und welche Fragen offenblieben, haben wir bereits aufgeschrieben:

(Ruhrbarone Die Linke Berlin: Konsequenzen fordern. Nachfragen aussitzen.)

Parteimitglieder können Lederers Argumente prüfen, ihnen widersprechen oder Konsequenzen daraus ziehen. Sich auf die eigene moralische Überlegenheit zu berufen, wäre die billigste Variante.

Antisemitismus verschwindet schließlich nicht, weil seine Kritiker beim falschen Medium schreiben.

Das gute Gewissen darf bleiben. Es sollte nur gelegentlich zur Überprüfung vorgelegt werden.

Autorenseite: Peter Ansmann
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