
Vier Spiele sind vorbei, und eigentlich ist es höchste Zeit, auch hier bei den Ruhrbaronen einmal nüchtern auf das neue deutsche Fußballwunder namens Jürgen Klopp zu schauen. Das Ergebnis könnte allerdings ein paar Romantiker enttäuschen:
Auch der neue Bundestrainer kann nicht zaubern.
Fünf Punkte aus vier Spielen, ein Sieg, drei Tore. Platz drei in einer Nations-League-Gruppe, die nun wirklich nicht mit den ganz großen Kalibern des europäischen Fußballs gespickt ist. Gegen Griechenland gab es in zwei Partien keinen einzigen deutschen Treffer. Der einzige Sieg gelang gegen Serbien, den vermeintlich schwächsten Gegner.
Nun könnte man daraus den Schluss ziehen: Der Klopp-Start ist eher durchwachsen. Man könnte aber auch einfach Klopp fragen. Der findet nämlich vieles „herausragend“, „unglaublich“ und „richtig top“. Und plötzlich fragt man sich als Zuschauer, ob man vielleicht ein anderes Spiel gesehen hat.
Wenn 0:0 plötzlich Weltklasse ist
Genau das ist vermutlich Klopps größte Stärke. Er kann Menschen mitnehmen. Er kann aus einem Fußballer, der gerade drei Fehlpässe produziert hat, einen Spieler machen, dem man trotzdem gerne beim nächsten Versuch zusieht. Und nach dem 0:0 in Thessaloniki schafft er etwas Ähnliches mit der gesamten Nation.
„Die Jungs haben ein unglaubliches Fußballspiel gemacht“, erklärte Klopp. Aha.
Ich habe dagegen eine deutsche Mannschaft gesehen, die eine ordentliche erste Halbzeit spielte, einige gute Chancen hatte, nach der Pause aber zunehmend den Faden verlor und am Ende wieder einmal ohne Tor dastand. Das ist nicht schlecht. Aber „unglaublich“? Nun ja.
Vielleicht ist das eben der Klopp-Trick: Er redet so überzeugend über das Positive, dass man beinahe vergisst, nach dem Ergebnis zu fragen.
Drei Tore sind drei Tore
Natürlich gibt es Gründe für Optimismus. Klopp hat 44 Spieler ausprobiert, neue Gesichter eingebaut und innerhalb kürzester Zeit zumindest wieder eine gewisse Begeisterung rund um die Nationalmannschaft entfacht. Das ist nicht nichts.
Aber irgendwann muss aus dem guten Gefühl auch guter Fußball werden. Und aus gutem Fußball sollten dann möglichst Tore entstehen.
Florian Wirtz hat es nach dem 0:0 deutlich ehrlicher formuliert: Man habe viel Druck aufgebaut, aber „einfach das scheiß Tor nicht gemacht“. Eben. Man kann Chancen herausspielen, pressen, laufen und taktisch interessante Dinge veranstalten – am Ende zählt beim Fußball trotzdem, was auf der Anzeigetafel steht.
Und die erzählt momentan eine ziemlich unspektakuläre Geschichte: Deutschland ist Dritter, hat fünf Punkte und liegt vor dem Endspurt im November bereits drei Zähler hinter den Viertelfinalplätzen. Nach zwei Spielen gegen Griechenland steht zudem fest, dass dieses Duell verloren wurde. Für den Vorgänger wäre das vermutlich schon Anlass für reichlich Diskussionen gewesen.
Kritik muss auch beim Lieblingstrainer erlaubt sein
Bei Klopp ist das natürlich anders. Und das ist vermutlich auch richtig. Der Mann braucht Zeit. Er hat nie behauptet, innerhalb von vier Spielen eine Weltmeistermannschaft bauen zu können. Im Gegenteil: Klopp weiß selbst, dass Deutschland derzeit kein Weltklasseteam ist.
Genau deshalb sollte man aber auch nicht anfangen, aus jedem ordentlichen Auftritt eine Offenbarung zu basteln.
Der Stimmungsumschwung ist gelungen. Die Spieler scheinen Klopp zu mögen. Die Fans mögen Klopp sowieso. Und vermutlich würde ihm Fußballdeutschland sogar dann noch geduldig applaudieren, wenn die Nations League im November vorzeitig beendet ist.
Aber irgendwann wird auch der größte Sympathieträger der Branche daran gemessen werden müssen, ob seine Mannschaft gewinnt. Klopp kann Menschen verzaubern. Er kann Spieler besser machen. Er kann eine ziemlich ramponierte Fußballseele wieder aufrichten.
Nur eines kann auch er nicht: Tore herbeireden.
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Endlich mal wieder ein anderes Thema.
Das Thema Berlin, Linke ….. Linke, Berlin ist tief im Westen kaum noch zu verstehen. Zumal der Rhein immer noch sehr wenig Wasser hat. Doch anscheinend merken selbst Ruhrpottler Duisburg dieses nicht.
Endlich wieder eine positive Stimmung, auch wenn es nur um Fußball geht. Es wird einiges ausprobiert, der Fußball wird aber nicht überkopft.
Florian Wirts hat’s auf den Punkt gebracht, wir haben gepresst angegriffen aber nicht das Tor gemacht.