„Im Traum stand ich wieder einmal vor meinem Geburtshaus“

Dogan Akhanli Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Vor fünf Jahren verstarb der Kölner Schriftsteller und Menschenrechtler Doğan Akhanli. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold .

„… ein weiterer, unwiderlegbarer Beweis dafür, was für ein Glückspilz ich bin“ (Doğan Akhanli 2018)

Der Kölner Schriftsteller und Menschenrechtler Doğan Akhanli, 1957 in einem kleinen Dorf in der Türkei geboren, gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte an den osmanischen Völkermord an den Armeniern erinnerten. Er tat dies in unnachgiebiger, aber stets freundlicher Weise – in Reden, aber auch in seinen Romanen. Als Türke, der er von Geburt her war, und als Kurde, für den er projektiv gehalten wurde, zahlte er hierfür einen sehr hohen Preis: Ab seinem 18. Lebensjahr wurde der Student der Pädagogik und Geschichte politisch verfolgt. Und er radikalisierte sich hierdurch.  Doğan  wurde mehrfach in türkischen Gefängnissen schwer gefoltert. Seine Familie – er hatte gemeinsam mit Ayce, seiner ersten Frau, in der Türkei zwei Kinder – zahlte für seine Ungebrochenheit, seinen außergewöhnlichen Mut und seine äußerste Entschlossenheit einen hohen Preis. Nach dem Militärputsch in der Türkei ging  Doğan  Akhanli als Mitglied einer linksradikalen Gruppierung  in den politischen Untergrund, Er wurde ab 1985 erneut für zwei Jahre inhaftiert und gefoltert. 1991, da war  Doğan  34, gelang ihm die Flucht nach Deutschland, seit 1992 lebte er in Köln.

Nach einer schweren Nacht in Köln beschloss er, ein Schriftsteller zu werden, was ihm glänzend gelang. Seine literarischen, nicht leicht zugänglichen Werke behandelten durchgehend politische sowie historische Themen. Seine eigene traumatische Biografie war hierin immer eingeflochten.  Doğan  hatte in der türkischen Community sowie in Teilen der Linken viele Freunde. Einer breiteren Öffentlichkeit war er hierzulande jedoch lange nahezu nicht bekannt.

Erst seine Inhaftierungen in der Türkei im Jahr 2010 sowie in Spanien im Jahr 2017 machten ihn unfreiwillig international bekannt. Nun wurden einige seiner Bücher auch ins Deutsche übersetzt.

Ich hatte im Laufe der Jahre, seit dem Jahr 2010, ihn unterstützend, häufig über  Doğan  geschrieben, unter verschiedenen Autorennamen.  Doğan  haben meine Texte sehr gefallen, so sagte er mir.

Vor fünf Jahren, am 31.10.2021, ist Doğan nach einer kurzen, schweren Krankheit im Alter von 64 Jahren verstorben. An seinem Grab versammelten sich wohl 1000 Menschen. In Nachrufen erinnerte ich an seinen außergewöhnlich mutigen Lebensweg. Hieran anknüpfend möchte ich noch einmal an einige Szenen und Freunden aus seinem Leben und an sein literarisches Gesamtwerk erinnern.

Doğans Mutter

Doğan hat in seinen literarischen Werken und Erzählungen verschiedentlich von dem prägenden Charakter seiner liebevollen Mutter erzählt: Sie war der Mittelpunkt seiner großen Familie. Sie war das Glück. Und sie ermutigte ihn mit ihren regelmäßigen Vorleserunden vor und mit ihren Kindern, Jahrzehnte später und nach ihrem Tode doch noch den Weg zur Weltliteratur, zur Existenz als Schriftsteller zu beschreiten.

Nach seiner Flucht nach Deutschland im Jahr 1991 konnte Doğan seine Eltern nicht mehr besuchen. Sie telefonierten regelmäßig, Doğan wohnte anfangs noch in einem Flüchtlingshaus in Bergisch Gladbach bei Köln.

Im Sommer 1992 hatte er eine düstere Vorahnung vom Tod seiner Mutter. Sein Bruder Erkan Abi beschrieb ihm in einem Brief diese familiäre Abschiedsszene: Die ganze Familie traf sich im Haus ihrer Eltern. Ihre Mutter hielt zum Abschluss eine kurze Rede: „Doğan und Ayse sind mit ihren Kindern in Deutschland in Sicherheit. Es wäre ungerecht, wenn jemand in diesem Haus vor mir stirbt“, sagte sie zu ihren Kindern (S. 76).[i] Beim Abschied schaute sie ihnen im Minibus hinterher und winkte.

Doğans letzter Anruf bei seiner Mutter war Ende 1992. Dies erwähnt er ausdrücklich, und beschreibt die Szene:

„Ein ganz gewöhnlicher Morgen. Ich schaute auf die Uhr. Mutter musste das Morgengebet verrichtet haben und nach unten gegangen sein, um den Tee aufzubrühen, da war ich mir sicher. Gleich beim ersten Klingeln ging sie dran. Es kam mir so vor, als sei sie aufgeregter als bei meinen früheren Anrufen. Vater schlafe noch. „Soll ich ihn wecken“, fragte sie.“ (S. 73)

Sie tauschten sich über seine Geschwister und deren Kinder aus, über Dorfneuigkeiten und die Dörfler, die in der letzten Zeit verstorben waren: „Gegen Ende des Gesprächs sagte sie: „Sohn, wie gut, dass du angerufen hast!““ (S. 74)

Wenige Tage später, am 3.1.1993, verstarb seine Mutter. An diesem Tag weilte Doğan, wie so oft, bei Adnan, Nese und weiteren türkischen Freunden in Köln. Auch der Pariser Profi-Passfälscher, der für Doğans „illegale“ Ausreise seinen Pass gefälscht hatte, war dabei. Doğan hatte seinen Lebensretter erstmals persönlich getroffen und fühlte sich zu hilflos, um seine tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Er versuchte, seine Mutter zu erreichen. Niemand hob ab, auch nicht bei seinen Geschwistern. Dann erreichte er seinen Bruder Abi, verspürte den Verlust. Zuerst dachte er, dass sein Vater verstorben sei: „Warum auch immer war mir meine Mutter immer unsterblich vorgekommen.“ (S. 75)

Doğan ahnte sprachlos, dass der Tod seiner Mutter ein Wendepunkt in seinem Leben war.  Nese Keskin weinte, als sie von ihm seinen furchtbaren Verlust vernahm. „Etwas Unbegreifliches hatte sich zugetragen. Ich steckte eine Weile in einer merkwürdigen Leere fest.“ (S. 75) Doğan vermochte nicht zu weinen. Er betrank sich in dieser Nacht bis zur Besinnungslosigkeit und musste bei Adnan und Nese übernachten.

Seine Sehnsucht nach seiner Mutter und seinem Vater war immer mit dem Gefühl des Exils verknüpft. Exil war für ihn auch immer Trauer, und Sehnsucht. Das Gefühl wurde immer stärker in Köln, bei seinen sonntäglichen Besuchen bei Nese und Adnan Keskin.

Die Kindheitserinnerung blieb in ihm lebendig, wie sein großer Bruder Erdal Abi mit einem großen Koffer vollgestopft mit Büchern zu ihnen kam. Der junge Schriftsteller Doğan erinnert sich an seinen Bruder: „Sein gesamtes Taschengeld hatte er in Bücher investiert, ja sogar die Uhr verkauft, die ihm Vater geschenkt hatte. Der Koffer voller Bücher war mir vorgekommen wie ein Zauberkasten, aus dem Hunderte von Träumen und Geschichten sich aufmachten, durch die Zimmer des Hauses zu flattern.“ (S. 78)

Und doch nährte ihn die Erinnerung an seine liebende, belesene Mutter, inspirierte ihn zum Schreiben:

„Meine liebsten Erinnerungsbilder an meine Mutter haben immer mit Büchern zu tun. Mutter muss ihre Liebe zu Büchern auch meinem zehn Jahre älteren Bruder weitergegeben haben, meinem ewigen Vorbild, der ein Leben lang damit beschäftigt war, mich zu schützen, meinem geliebten Erdal Abi, der damals in einem Lehrerinstitut studierte. (…) Meine Mutter begnügte sich nicht damit, die Bücher selbst zu lesen. Nachmittags sammelte sie uns Kinder um sich und las uns vor. Als ich mit zwölf Jahren das Dorf verließ, um aufs Gymnasium zu gehen, war ich auf all das fremde Leben vorbereitet, das dank der Romane längst Einzug in unser Dorf gehalten hatte Deshalb haben mich weder in Ankara noch in Istanbul noch, viele, viele Jahre später, in Köln all die anderen Lebensweisen befremdet, die mich erwarteten.“ (S. 71f)

Regelmäßig machte seine Mutter Leseabende für die ganze Familie: „Das erste Buch, das wir im Familienverband lasen, war, ich erinnere mich wie heute, Les Misérables. Vor dem Einschlafen sprachen wir darüber und nahmen Anteil an Glück und Leid der Helden der Geschichte. Ich erinnere mich wie heute, dass Mutter, meine Schwester und eine Nachbarin einen Romanlesewettbewerb veranstalteten. Als wir Steinbecks Früchte des Zorns ausgelesen hatten, hatte Mutter gesagt, hoffentlich wird unsere Familie nicht so auseinanderbrechen wie die im Buch. Mag sein, dass es uns Geschwister an unterschiedliche Orte verschlagen hat, aber da wir immer wussten, dass wir ein Elternhaus haben, in das wir zurückkehren können, sind wir letzten Endes nicht auseinandergebrochen.“ (S. 78f.)

1985-1987: Die Folter

1975 war Doğan 18-jährig aus einem einzigen Grund festgenommen und misshandelt worden. Er hatte eine linke, legale Tageszeitung am Kiosk gekauft. Es war sein erstes schweres Trauma,[ii] das ihn mehrere Jahrzehnte lang nicht mehr loslassen sollte. Fünf Monate lang wurde er im Gefängnis Toptasi „befragt“. Als er wieder frei kam hatte er, so schrieb er 2008 in seinem Beitrag Die Fremde und eine Reise im Herbst mit ironischem Unterton, „nicht nur die Aufnahmeprüfungen für die Universität verpasst“, sondern ihm waren  auch viele Wege versperrt, die ihm das Leben hätte bieten können: „Seit jenem Tag war es mir nicht mehr möglich, meinen Frieden mit dem Staat der Türkischen Republik zu schließen“, formuliert Doğan Akhanli im autobiografischen Rückblick.“ (Akhanli 2008/10).

In seiner Erzählung blickt Akhanli auf diese türkische Geschichtslosigkeit und Feindseligkeit zurück: „Damals beharrte der Staat auf seinem Staatsein und ich auf meiner Widerspenstigkeit. Und ich wurde 10 Jahre später zusammen mit meiner Frau und unserem damals 16 Monate kleinen Sohn erneut „befragt“. Die „Befragung“ dauerte einen Monat. Meine Frau habe ich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht wieder erkannt. Meinen Sohn habe ich, da er noch während des Krankenhausaufenthaltes einem Verwandten übergeben wurde, lange Jahre nicht wieder gesehen. Als meine Frau ein Jahr später und ich drei Jahre später freigelassen wurden, waren wir drei unter dem Erlebten brotkrumenklein geworden.“

1998: Der Rauswurf aus der Türkei

1998, sieben Jahre nach seiner Flucht aus der Türkei, ereilte  Doğan  Akhanli die Nachricht von seiner Entlassung aus der türkischen Staatsbürgerschaft. Dies empört ihn, immer noch: „Ich muss wohl sehr verletzt und wütend gewesen sein. Ich muss geradezu herausgeschrien haben: „Kein heiliger Staat wird mir mein Recht nehmen können, den Boden zu betreten, auf dem das Grab meiner Mutter liegt, auf dem meine Freunde leben!“ schrieb er 2008 in Die Fremde und eine Reise im Herbst[iii].

Und er kündigte zugleich, voller Hoffnung und Trotz, an, dass er trotz der Despotie und der staatlichen Unbarmherzigkeit weiter darauf bestehen werde, „auf jenen Boden“ zurückzukehren, „auf dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin, auf dem ich mich zum ersten Mal verliebt habe. So wie ich diesen Boden aus eigenem Willen verlassen habe, werde ich, wenn der Tag gekommen ist, zu meinem Dorf gehen, im zweistöckigen Holzhaus meines Vaters, im Zimmer meiner Kindheit in den Gerüchen von Rosen, Fichten und der Mutter schlafen, bis die Morgensonne mich weckt.“ (ebd.)

Drei Jahre später, 2001, erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft.  Doğan  Akhanli war nun „gerettet“. Die Jahre der Angst, der staatlichen „Duldung“, waren vorbei. Die Liebe zu seiner toten Mutter und zu seinem Vater half ihm, den Schmerz der gewaltsamen Vertreibung zu ertragen.

2010: Die erste und die zweite Schuld: Ralph Giordano und Peter Finkelgruen

Doğan Akhanli verwendet in seinen Schriften den Begriff der „ersten“ sowie der „zweiten“ Schuld. Es kann für mich kein Zweifel daran bestehen, dass er, der in der Kölner Germania Judaica unendlich viel über die Shoah gelesen hatte, dabei an den 34 Jahre älteren jüdischen Kölner Schriftsteller Ralph Giordano dachte. Vieles verband Giordano und Akhanli – wenn sie auch, so sagt man mir, auch aufgrund ihres Altersunterschiedes, nie persönlich miteinander gesprochen haben: Giordano war der erste Filmemacher, Schriftsteller und Shoahüberlebende, der die „Aufarbeitung“ der Naziverbrechen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte. Er war auch der erste prominente Autor, der 1986 im Fernsehen zur besten Sendezeit den Völkermord an den Armeniern, unter Mitbeteiligung von deutschen Militärs, zum Hauptthema machte – was einen Sturm von Entrüstung und von Morddrohungen durch die „rechte“ türkische Leugnerszene zur Folge hatte (Finkelgruen 2013, Kaufhold & Finkelgruen 2022, Giordano 1984, 1987, 2003, Kaufhold 2013, 2014a, 2015a, 2016a, 2023a). Dies verband ihn mit Doğan Akhanli.

Doğan las alles, was es über den Völkermord an den Armeniern gab – und ganz gewiss auch die Texte und Filme seines Kölner Nachbarn Ralph Giordano. Indirekt war  Doğan  auch über Peter Finkelgruen mit Giordano verbunden: Doğan, der gemeinsam mit Giordano und Peter Finkelgruen dem PEN-Zentrum deutscher Autoren im Ausland / ehem. Exil-Pen angehörte, suchte sehr früh den persönlichen Kontakt zu Peter Finkelgruen und dessen Frau Gertrud Seehaus-Finkelgruen (1934-2021). Peter Finkelgruen beteiligte sich mehrfach an Kölner Erinnerungsaktionen für den Völkermord an den Armeniern, so auch 2015, als in Köln in einer zentralen großen Erinnerungsveranstaltung des 100.ten Jahrestages des Völkermordes erinnert wurde.

Den Begriff der ersten und der zweiten Schuld verwendete Giordano in seinen öffentlichen Auftritten immer wieder. Der Begriff war auch der Buchtitel seines 1987 erschienenen Werkes Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein (Giordano 1987). Giordano sprach in dem auflagenstarken Buch von dem „großen Frieden mit den Tätern“ als einer Grundkonstante bei der Gründung des Staates West-Deutschland nach der Shoah. Adenauer sei der Schöpfer dieser Schuld gewesen, die Galionsfigur der „zweiten Schuld“. Eine wirkliche Anklage, ein Bemühen um eine juristische „Aufklärung“, um eine Anzeige gegen Naziverbrecher habe es im Nachkriegsdeutschland nie gegeben. Giordano schrieb über Jahrzehnte zahllose journalistische Beiträge und Bücher über NS-Prozesse und trat hierzu als sehr streitbarer Diskutant und Zeitzeuge regelmäßig in Fernseh-Diskussionssendungen zur „Aufarbeitung“ der Shoah auf. Die Zahl der Morddrohungen, die er hierdurch erhielt, dürfte um die Zahl 500 liegen. Seinerzeit, so sei erinnert, wurden solchen Morddrohungen noch per Brief oder telefonisch übermittelt. Ralph Giordano, der in Köln-Bayenthal wohnte, stand mit Name, Anschrift und Telefonnummer im Kölner Telefonbuch. Regelmässig klingelte bei ihm das Telefon…

Die Mehrzahl seiner Bücher kreisen über diese Themenbereiche (Kaufhold 2013, 2014a, 2015a, 2023a).

Den Begriff der ersten und der zweiten „Schuld“ verwendet Doğan Akhanli auch in seinem Buch Verhaftung in Granada (Kaufhold 2018b, c). In dem 3. Kapitel Abschied beschreibt er die Szene im Sommer 2010, als er „dennoch“ in die Türkei reist, um seinen totkranken Vater zu besuchen. Es war eine Schlüsselszene für seine „zweite Schuld“. Freunde hatten ihn gewarnt. Und seine beiden Kinder hatten Angst um ihren mutigen Vater:

„“Wann bist du, im schlimmsten Fall, wieder da?“, fragt meine Tochter beim Abschied. An ihrer Frage haften sämtliche Formen der Angst. Ja, wirklich, sollte das Schlimmste eintreffen, wann würde ich zurückkehren können? Ich zögerte, sah in den grünen Silberblick meiner Tochter und in das Gesicht meines Sohnes, der versuchte zu lächeln. Ich hatte eingecheckt. In einigen Minuten würde ich mich verabschiedet haben und weg sein. Mir war bewusst, dass ich eine riskante Reise antrat. Anders als meine Reise nach Granada, Jahre später.“ (Akhanli 2018, S. 20)

Dennoch schob Doğan alle Bedenken beiseite – selbst als ihm sein mit der Türkei vertrauter Anwalt dringlich von der Reise abriet.

Sein Sohn Can, der bereits 1985 als Kleinkind bei Doğans schweren Misshandlungen durch die türkische Justiz zwangsweise dabei war, verspürte gleichfalls die tiefe Angst um seinen Vater: „“Papa“, sagte mein Sohn, „ich habe so ein ungutes Gefühl, die werden dich verhaften.““ (S. 21)

Doğan beschreibt 2018 seine tiefen Schuldgefühle, die er sieben Jahre nach seiner Haftzeit erneut spürte: 2017 hatte er sich keinem Risiko ausgesetzt. Es war eine profane kurze Urlaubsreise mit seiner Freundin nach Spanien. Und dennoch war er von Erdogans Rachsucht mittels einer juristischen Finte erneut festgenommen worden.[iv] Erdogans Justiz hoffte, dass die spanische Justiz Doğan Akhanli auf Grundlage der fingierten Vorwürfe in die Türkei überführen würde. Der Plan misslang, vor allem dank der überwältigenden Solidaritätsbewegung für Doğan aus Köln. Selbst Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel vermochten sich dem Druck nicht zu entziehen und schalteten sich öffentlich für Doğan ein.

Doğan führt die Gründe für seine damalige Reise an: Sein Hoffen darauf, dass sich die Situation in der Türkei in den vergangenen Jahren gebessert habe. Und auch sein Roman Der letzte Traum der Madonna wurde 2008 auf der Frankfurter Buchmesse in den staatlichen Katalogen der Türkei gelobt. Es wurde sogar erwähnt, dass in Doğans Die Richter des jüngsten Gerichts der Genozid an den Armeniern thematisiert worden sei. Und dass der Holocaust sowie die Erinnerungskultur „meine Hauptmotive“ seien (S. 22).

Doğans Vater

Doğan beschreibt einige seiner Träume, die ihn über Jahrzehnte an seine am 3. Januar 1993 – „ein Jahr nach meiner Ankunft in Deutschland“ (S. 23) – verstorbene Mutter, an seinen Vater und generell an die Krankheit des Exils erinnerten: „Seit 35 Jahren träumte ich immerzu von dem Haus, in dem ich geboren wurde. Immerzu stand ich davor und kam einfach nicht hinein. Entweder war das Haus eine einzige Ruine, oder es begann lichterloh zu brennen, sobald ich den ersten Schritt  über die Schwelle trat.“ (S. 23) Die Träume, sein erzwungenes Exil in Köln, ließen ihn nicht mehr los. In seinen Träumen rief seine verstorbene Mutter aus den Maisfeldern am Hang nach ihm, und Doğan wachte schweißgebadet auf.

Um seine Angst etwas zu reduzieren rief er danach oft voller Sehnsucht seinen Vater in seinem Heimatdorf an, führte mit ihm lange Gespräche: „Je länger wir sprachen“, so erinnert sich Doğan in seinem Madrider Exil, „desto mehr wuchs in mir wieder die Gewissheit, dass mein Geburtsort doch keine Illusion war.“ (S. 23)

Im Sommer 2010 dann ein Traum, in dem die Wunscherfüllung ein klein wenig näher zu rücken schien: Doğan stand erneut in einer verschneiten Winternacht vor seinem Geburtshaus. „Anders als in meinen früheren Träumen kam ich hinein und schlich über den Balkon in den obersten Stock mit den Schlafzimmern.“ (S. 23) Sein Vater lag in Doğans Traum nicht mehr in seinem Bett. Er sah im Traum ein schwaches Licht, rief nach seinem Vater: „Bin hier unten, antwortete er.“ (ebda.) Dann jedoch war die Treppe verschwunden, Doğan fiel im Traum ins Leere, sah seinen Vater, wie er aus einem Stapel Deutsche Markenbutter ein Päckchen nach dem anderen nahm und diese gegen die Wand warf.

Nach diesem mit Gefühlen von Glück angereicherten Traum war ihm klar, dass er alle Bedenken, selbst die Ängste seiner beiden Kinder, beiseite schieben musste. Es war mir, so schreibt Doğan acht Jahre später, „klar geworden, dass die Heimreise nicht länger aufzuschieben sei.“ (S. 24)

Doğan stand auf und besorgte sich sogleich ein Ticket für den 9.8.2010.

Kurz danach saß Doğan in dem Hochsicherheitstrakt, den er und seine Freunde Sibirien nannten. Sibirien blieb vier Monate lang Doğans Hölle. Er entkam ihr nur wegen der internationalen Solidaritätsbewegung, für die der in der Türkei bis heute hoch angesehene Günter Wallraff als Symbol gelten kann. Nach vier Monaten wurde Doğan Akhanli doch freigelassen. Jeder Beteiligte wusste, dass die konstruierten Vorwürfe – ein Mord – absurd waren. Selbst die Verwandten des Ermordeten bestätigten dies öffentlich. Darum geht es hier nicht. Sein Vater war während seiner Haftzeit verstorben. Dies war für Doğan, den Heimatlosen, der Bruch mit der Türkei – und der Bruch mit seiner seelischen Weigerung, endlich Deutsch zu lernen.

Die „zweite Schuld“

Und doch blieb die übermächtige Schuld in Doğan. Die Schuld wegen seines dennoch törichten Entschlusses, seinem seelischen Verlangen nachzugeben und die tödliche Bedrohung durch die türkische Despotie schlicht zu verleugnen.

65 Seiten weiter im Buch greift er das Thema erneut auf: 1987 war er erstmals aus Sibirien entlassen worden. Sein etwa einjähriger Sohn Can wurde 1985 oder 1986 gemeinsam mit seiner gleichfalls schwer misshandelten Mutter Ayse in Doğans Zelle gebracht, musste seinen furchtbar misshandelten Vater anschauen. Man drohte Doğan, auch seinen Sohn zu misshandeln, wenn er nicht „auspacken“ würde.

Bei seiner Entlassung im Jahr 1987 stand sein dreieinhalb jähriger Sohn Can vor den Gefängnismauern. Die Entlassungszeremonie war noch nicht abgeschlossen. Doğan beschreibt die Szene 31 Jahre später eindrücklich: „Als er auf mich zulief, ohne sich um die Vorschriften zu kümmern, beschleunigte auch ich meine Schritte und begann schließlich zu rennen. Wohl oder übel musste der Soldat mitlaufen.“ (S. 85)

In ihm sind die sorgenvollen Bilder seiner inzwischen erwachsenen Gesichter von Can und Ceren präsent, als sie sich im August 2010 von ihm am Kölner Flughafen verabschiedeten. Seine Reise nach Istanbul und Maras ruft in ihnen, inzwischen Mitte 20, abgrundtiefe Ängste hervor. Spätestens im Januar 2011 wäre er wieder in Köln zurück, hatte Doğan ihnen versprochen. Für diese Ängste seiner Kinder trug er allein die Verantwortung.

2018 schreibt Doğan Akhanli in direkter Weise über seine zweite Schuld: „Mir war bewusst, dass ich nicht einen einzigen weiteren Tag im Gefängnis würde überleben können, wenn ich im Januar 2011 nicht wieder in Köln wäre. Mich hätten nicht die Haftbedingungen umgebracht, sondern diese zweite Schuld, die ich meinen Kindern gegenüber auf mich geladen hatte.“ (S. 89f.)

Der Wiener Psychoanalytiker und außergewöhnlich mutige antifaschistische Kämpfer Ernst Federn (1914 – 2007), Pionier einer Psychoanalyse des Terrors (Federn 2014, Kaufhold 2014c) hat im Alter in Wien mehrfach betont, dass ein Widerstand von Innen gegen ein totalitäres Regime wie Nazideutschland nicht mehr möglich war. Auch für Antifaschisten gab es spätestens im Jahr 1940 nur noch die Möglichkeit, Nazideutschland von außen erfolgreich zu bekämpfen. Sie hätten emigrieren müssen. Auch Doğan hätte, als er mit Ayse seine beiden Kinder bekam, aus der Türkei fliehen müssen. Oder er hätte seinen Untergrundkampf in der Türkei beenden und ein Familienvater, Instrumentenbauer und ein Schriftsteller werden müssen.

Die erste Schuld

Das achte Kapitel seiner Verhaftung in Granada überschreibt Akhanli direkt mit „Erste Schuld“ (S. 91-105). Doğan erzählt vom Militärputsch am 12.9.1980 und seinem – zusammen mit seiner damaligen Frau Ayse – nachfolgenden Leben im Untergrund. Beendet wurde diese Lebensphase durch ihre Festnahme im Jahr 1985.

Doğan studierte Geschichte am Erziehungswissenschaftlichen Institut in Trabzon, hatte aber nach dem Putsch im September 1980 „keinen Fuß mehr in die Fakultät gesetzt und die Stadt verlassen, nachdem meine Freunde ausnahmslos verhaftet worden waren.“ (S. 91)

Im April 1981 kreuzten sich ihre Wege, und ihre Liebe unter den Bedingungen des Untergrundes begann: Ayse – Ayce Sükran Ünver – arbeitete in Ankara als Krankenschwester. Abends setzte sie ihr Studium fort. 20 Jahre blieben sie zusammen.

Seine willkürliche Festnahme im Mai 1975 – da war er 17 – und die anschließende Folter im Instanbuler Polizeipräsidium müsse so „unbändig gewesen sein“, so vermutet er 2018, „dass es mir nicht in den Sinn kam, mich ins Ausland abzusetzen oder mich aus allem zurückzuziehen.“ (S. 92)

Doğan schloss sich der 1980 gegründeten Revolutionären Kommunistischen Partei (TDKP) an. Der 23-Jährige suchte Kontakte zu einigen prominenten Linken wie dem Schriftsteller Ali Balkiz, 13 Jahre später ein Überlebender des Sivas-Pogroms gegen alevitische Intellektuelle und Musiker vom Juli 1993, bei dem 37 Menschen verbrannten.

Mit Mustafa Sevik, den er bewunderte – „Mustafa war unser Bester, ein Bild von einem Mann, ein begnadeter Redner und auch der Mutigste von uns“ (S. 93) – betätigte er sich als Agitator der Teebauern der östlichen Schwarzmeerregion. Tagsüber agitierten sie ohne Unterlass, nachts führten sie lange Gespräche über die gesamte Weltlage, aus linker Perspektive: „Die Nächte gehörten uns.“ (S. 94) Sie waren sich einig darin, dass die Weltlage auf keinen Fall nur mit friedlichen Mitteln gelöst werden könnte. Im September 1980 wurde sein Freund bei Protestaktionen angeschossen, wurde dennoch im Gefängnis gefoltert und verstarb. Zeitgleich setzten sich die Panzer in Ankara in Bewegung: Der blutige Militärputsch begann.

Sein Bruder Erdal Abi bot ihnen einen klandestinen Unterschlupf an: Bis Ende 1981 lebten Doğan, Ayse und Senem bei einem Lehrerehepaar. Doğan  beschreibt sein gefährliches Leben im Untergrund, vor allem in Izmir, mit Tarnidentitäten, das fünf Jahre andauert. 1983 bekamen sie ihren Sohn Can. Die PKK spielte seinerzeit noch keine Rolle, wohl aber linksradikale Gruppierungen wie Dev-Sol (Revolutionärer Weg), der sich Doğan anschloss. Der gleich alte Adnan und dessen Frau Nese Keskin wurden über Dev-Sol zu seinen engsten Verbündeten. Die Beziehung hielt ein ganzes Leben: Adnan und Nese waren maßgeblich an seiner Flucht nach Köln im Jahr 1991 beteiligt; und sie erwarteten ihn auch in Köln.

Adnan war 1987 auf abenteuerlichen Wegen aus dem Militärgefängnis Erzincan nach Köln geflohen. In Köln initiierten sie gemeinsam ab 2007 Projekte zu Menschenrechten. 2014 starb Adnan. Zwei Jahre später gaben Doğan und Nese Keskin Adnans Erinnerungen als Buch auf türkisch und dann unter dem Titel Unbedingt blau auch auf deutsch aus seinem Nachlass heraus: Eine Geschichte seiner Flucht, seiner Sehnsucht nach Freiheit, und ein Text über die Niederlage der revolutionären Linken der 1970er und 1980er Jahre in der Türkei. Doğan las in Köln oft aus Unbedingt blau.

In seinem Text verwendet Doğan, wie häufig, das Stilmittel der Ironie, um die Erinnerung zu ertragen und in Sprache verwandeln zu können, etwa wen er bemerkt, die Menschen in Izmir wären während ihrer Illegalität sehr tolerant und solidarisch gewesen, weil sie ihnen ihre „herzzerreißende Liebesgeschichte“ abgenommen hätten (S. 98f.).

Neuanfang im Untergrund: Instrumentenbau-Lehrling und Untergrunddrucker

Doğan suchte nach Rückzugsmöglichkeiten, um seine illegale Tätigkeit weiter zu betreiben, aber auch, um seelisch etwas zur Ruhe zu kommen. Dies ermöglichte ihm seine Tätigkeit als Instrumentenbau-Lehrling. Diese Leidenschaft sollte er auch in Köln weiter betreiben, wenn die Belastungen und Depressionen zu schwer wurden.

Tagsüber lernte er das Instrumentenbauen. Nachts hingegen schrieb er weiter Untergrund-Flugblätter und druckte diese. In einem ausgeklügelten System gelang es ihnen, diese zu verteilen.

Doğans Instrumenten-Lehrlingsmeister bemerkte durchaus, dass er eher untalentiert für eine solche Tätigkeit war. Er verlor kein Wort darüber, weil er Doğans Not wahrnahm. Er wollte Doğan nicht beschämen.

Nach Cans Geburt kam er unaufgefordert zu Doğan und sagte diesem, in Doğans Worten: „Ich weiß nicht, was für ein Leben du geführt hast, bevor wir uns kennenlernten. Aber das kannst du nun nicht mehr weiterführen. Du hast jetzt ein Kind. Kein Ideal kann jemals so wichtig sein wie dieses Kind.“ (S. 104, Hervorheb. RK))

Es war diese Worte, die es  Doğan  später ermöglichten, sich schrittweise von seinem radikalen politischen Aktivismus zurück zuziehen – und wirklich Verantwortung zu übernehmen: Verantwortung für seine Kinder. Verantwortung für seine Familie. Im Rückblick benennt Doğan dies, im Geiste Ralph Giordanos wie auch Ernst Federns, als „meine erste Schuld“. (S. 105)

Kurz danach war es mit der Illegalität vorbei: Am 18.5.1985 wurden Doğan und Ayse  festgenommen; Doğan, der junge Familienvater, war 34 Jahre alt. Seiner ersten Schuld vermochte er nun nicht mehr zu entkommen. Er zog nun auch seinen kleinen Sohn mit in das Unglück, das Verderben. Die Militärpolizei hatte ihre Identität schon länger gekannt und sie observiert. Dann schlugen sie zu.

Ein benachbarter Polizeibeamter versuchte, für sie zu intervenieren. In seinem Roman Fasil (Akhanli 2010), der nicht ins Deutsche übersetzt worden ist, hat Doğan diesen Polizisten als einen Protagonisten literarisch eingebunden. Doğan beschreibt darin die Folter, aus der Sicht des Opfers wie auch, in einem zweiten Erzählstrang, des Täters. Der Leser muss beim zweiten Teil der Geschichte das Buch herum drehen, um diese Geschichte zu lesen. In der Türkei war auch dieses Werk ein Bestseller.

Fasil-Land: Die Folter

Anfang Mai 1985 spürten Doğan und Ayse die Gefahr. Die Polizei war ihnen auf der Spur. Doğan und sein Meister hatten sich im dörflichen Güzelbahce, von dem aus man in einer halben Stunde mit der Bahn nach Izmir gelangen konnte, eine große Instrumentenwerkstatt zugelegt. Doğan und Ayce beschlossen, Izmir so rasch wie möglich zu verlassen. Sein Chef wollte ihm noch rasch seinen letzten Lohn auszahlen. Dafür begab er sich in die Stadt. Doğan kaufte eine legale und die (seinerzeit) linke Zeitung Cumhuriyet. Letztere steckte er in die legale Tageszeitung, um nicht aufzufallen. Er bestieg den Bus, spürte noch nicht die Gefahr. Die größere Gruppe von Männern im Bus wirkte nicht bedrohlich. Als Doğan den Bus verlassen wollte wurde er von ihnen umringt und auf den Rücksitz eines Autos geworfen. Niemand bekam seine Festnahme mit. Er verwies auf seine – gefälschten – Papiere. Er hatte keine Chance: „Wir wissen, wer du bist, seit wann du in Izmir lebst, mit wem du seit zweieinhalb Jahren zusammenarbeitest, wie und wo ihr die Flugblätter und Zeitungen druckt und verteilt“, sagten sie (S. 109).

Die Observierung war vollständig gelungen. Doğan galt als ein gefährlicher Todfeind des türkischen Systems. Dann kam der perfide Todesstoß: Sie wüssten, dass er mit Ayse und einem Kind zusammen lebten. Er habe nun eine einzige Chance: Niemand habe seine Festnahme mitbekommen. Seine wahre Identität sei noch nicht öffentlich bekannt. Sie würden ihn unverzüglich wieder freilassen und er könne wieder hach Hause gehen, wenn er ab sofort für sie arbeiten würde.

Für  Doğan  Akhanli war dies keine Lebensoption. Er würde niemals seine Freunde, seine Genossen verraten. Er würde sie niemals dem aussetzen, von dem er wusste, dass er sie nun selbst durchleiden musste.

In Verhaftung in Granada (Akhanli 2018) schreibt er erstmal auch auf Deutsch über die Folter. Dieses bei der Lektüre zutiefst schmerzhafte Buchkapitel überschreibt er mit Fasil-Land (S. 106-113).

Doğan, der die Folter bereits vor vielen Jahren durchlebt hatte und zugleich die eigene linke Struktur sehr präzise kannte, wusste, was dies bedeutete: „Die Zahl derer allerdings, die ich durch meine eigene Hand in die Folter schicken würde, war zu groß.“ (S. 109) Doğan verweigerte den Spitzeldienst – und gefährdete dadurch seinen kleinen Sohn und seine Frau unmittelbar. Er spürte bereits seine erste Schuld. Und doch hatte dieser Gedanke keinen Platz angesichts der furchtbaren Folter, die ihm bevor stand und von der er wusste, dass er sie nun als Linksradikaler durchleben musste. „Ich habe jetzt nicht die Kraft wiederzugeben, was sich bei der Vernehmung zugetragen hat“ (S. 109) notiert Doğan 2017 bei der Abfassung seines Buches Verhaftung in Granada in Madrid. Wenige Wochen zuvor war er erst aus der spanischen Haft entlassen worden. Seine Abschiebung in die Türkei war zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine konkrete Gefahr.

Doğan beschreibt dennoch in diesem Kapitel Fasil eigene furchtbare Foltererlebnisse. Ich möchte sie an dieser Stelle weitgehend nicht wiedergeben. Man kann sie nachlesen; Doğan verweist auf Theateraufführungen in Köln, an denen er mitgewirkt hatte – so 2017 das Stück Istanbul – und in denen seine furchtbaren Foltererlebnisse „in einem geschützten Raum erzählt“ worden sind (S. 110).

Und er hebt hervor, dass ihn soeben die Nachricht erhalten habe, dass sein Sohn Can seine eigene Rolle in diesem Theaterstück übernommen hatte. Durch seine willkürliche Festnahme in Granada war seine Mitwirkung hieran verunmöglicht worden.

Doğan kommt erneut auf seine eigene Schuld zu sprechen, für die er allein die Verantwortung trägt: „In Istanbul habe ich vorrangig versucht, meine Verantwortungslosigkeit und mein Schuldgefühl gegenüber meinem Sohn zu erläutern. Die Quintessenz des Stücks ist meines Erachtens nichts Geringeres als unsere Sehnsucht danach, allen politischen Differenzen zum trotz Gewalt und Diskriminierung aus unserem Leben auszuschließen und Gemeinsamkeiten zu schaffen, um dieselbe Luft atmen zu können.“ (S. 110)

Bei der Theaterpremiere hatte sein Sohn im Zuschauerraum gesessen. Doğan hatte so sehr gewünscht, ihm doch von dem unendlich Furchtbaren zu erzählen, von den Tagen und Nächten, was er im Alter von 16 Monaten erleben musste, als sein kleiner Sohn ein unfreiwilliger Zeuge von Doğans Folterung wurde. Doğan fügt hinzu: „Aber ich fand keinen direkten Weg, es zu tun. Ich finde ihn auch heute nicht. Der mittelbare war die lange Erzählung Fasil.“ (S. 111)

In der psychoanalytischen Fachliteratur spricht man hier von den intergenerationellen Folgen von Traumata. Die Diskussion über den aktuellen, ungebremsten Wahlerfolg der rechtsradikalen AfD und der öffentlichen Relativierung und faktischen Leugnung der Shoah könnte nahelegen, dass letztlich wohl doch gar nichts „aufgearbeitet“ wurde. Meine eigenen Erfahrungen mit den „Stolpersteinen“ sind zumindest ambivalent. Ich schreibe lieber nichts dazu.

Dann schreibt Doğan doch über die viele Wochen anhaltende Folter. Einige Details seien dennoch erwähnt: Seine Geliebte Ayse musste, an einem Heizungsrohr gekettet, ausharren. Man ließ sie nicht schlafen; und wenn sie doch einmal zusammensackte wurde Ayse mit Tritten wieder geweckt. Sie wird noch viel Furchtbareres erlebt haben, als er unfreiwillig Zeuge wurde.

Doğan, im Widerstand über Jahre geschult, hatte sich eine eigene Widerstandsstrategie zusammen gestellt. Er schrie bei den Folterungen nicht auf.

Dann begannen die Folterer, als sie über Wochen seine fortdauernde Sprachverweigerung erlebten, Ayse und seinen 16-monatigen Sohn vor seinen eigenen Augen zu foltern. „Das war nach meiner Erinnerung das einzige Mal, dass ich das Bewusstsein verlor. Den Rest erfuhr ich von Ayse.“ (S. 112)

Ayse, die politische Widerständlerin, junge Mutter und Krankenpflegerin, wurde bestialisch gefoltert. Auch sein Sohn Can verlor das Bewusstsein. Erst als ihre Blutungen nicht aufhörten brachte man sie und Can in ein Krankenhaus. Anhand der Eintragungen war es möglich, das Unerträgliche zu rekonstruieren. „Als man sie zurückbrachte, war Ayse um hundert Jahre gealtert. Ich weiß nicht, wie sie mich gesehen hat. Ich habe sie auch später nicht gefragt.“ (S. 112)  Der Schriftsteller und Psychoanalytiker Hans Keilson (Keilson 2011, Kaufhold 2008, 2009, 2011), der gemeinsam mit Doğan, Ralph Giordano, Peter Finkelgruen und Weiteren dem kleinen Exil PEN / Pen Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland als Vorsitzender angehörte, hat als psychoanalytischer und literarischer Perspektive Grundlegendes über das Trauma und dessen sekundären Folgen geschrieben. Ernst Federn (Federn 2014) gleichfalls.

Ayces und Cans Einlieferung in das Krankenhaus war ihre gemeinsame Rettung. Der politische Widerständler Doğan wusste, dass er „geredet“ hätten, wenn die Folterer seine Frau und seinen Sohn weiter gefoltert hätten. Zugleich wusste er: Es wäre für ihn sehr viel schwerer geworden, später einmal ein „neues Leben zu beginnen“ (S. 113) (Hans Keilson), wenn er Freunde in die Folter geschickt hätte.

Can wurde in die Obhut einer Tante gebracht, die in der Nähe Izmirs wohnte. Und Doğan wurde zur Staatsanwaltschaft geführt. Abschließend betont Doğan: Dass er seine politischen Tätigkeiten auch nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes fortgesetzt hatte war „ungerecht und verantwortungslos.“ (S. 113) Und es wäre besser gewesen, wenn er nach dem Putsch „meinen persönlicheren, individuellen Weg des Widerstandes“ gefunden und sich „statt der politischen Tätigkeit der Literatur“ gewidmet hätte (S. 113).

Vier Jahre später, 1991, gelang ihm und seinem Sohn mit gefälschten Papieren, die Flucht nach Köln, mit Hilfe Adnan Keskins. Ayce und ihre Tochter folgten kurz darauf auf klandestinen Wegen. Adnan lebte seit 1987 in Köln. Adnan hatte ihnen die gefälschten Papiere besorgt (S. 134f.). Zeitgleich mit seiner Flucht erlebte er, wie sich seine eigene linksradikale Gruppe spaltete und Teile von ihr begannen, eigene Mitkämpfer zu ermorden. Das Morden wurde zu einem Selbstläufer (Akhanli, S. 123-127) – ein Thema, das man bereits in den deutschen Konzentrationslagern, insbesondere bei der sog. „Häftlingsselbstverwaltung“ der stalinistischen Kommunisten von Buchenwald erlebte[v], und was man auch später bei palästinensischen Gruppierungen und einigen ihrer deutschen Freunde erleben sollte. In seinen Büchern schrieb Doğan seitdem durchgehend mit ironischer Distanz über einige seiner dogmatischen linken Freunde – eine Grundhaltung, eine Bereitschaft zur intellektuellen und seelischen Dissidenz, die mich immer mit Doğan verbunden hat.

Wenige Jahre später gelang ihm sein Lebenstraum: Er widmete sich zwar weiterhin in gewissem Maße politischen Themen – Menschenrechte, die Anerkennung des türkischen Völkermordes an den Armeniern. Seine eigentliche Lebensaufgabe aber war es nun, ein Schriftsteller zu werden. Dies gelang Doğan großartig.

Ilias Uyar, der deutsch-armenische Freund

Im Studium in Köln in den späten 1980er Jahren hörte der Jurastudent Ilias Uyar, dass es in Köln einen türkischen Schriftsteller geben solle, der den türkischen Völkermord nicht mehr leugne. Ilias Uyar kam aus einer armenischen Familie, viele seiner Familienmitglieder waren Opfer des türkischen Pogroms geworden (Kaufhold 2023b). Ilias Uyar vermochte einfach nicht zu glauben, dass es einen solchen Schriftsteller gibt. Er nahm zu Doğan Kontakt auf. Hieraus erwuchs eine enge, solidarische Zusammenarbeit. Gemeinsam traten sie bei zahlreichen Kölner Erinnerungsveranstaltungen auf (Kaufhold 2015a), insbesondere auch bei dem armenischen Mahnmal Dieser Schmerz betrifft uns alle in Köln, und er legte immer wieder auch wissenschaftlich Zeugnis für diesen Völkermord an den Armeniers ab (Uyar 2024, 2024b).

Als Doğan Akhanli 2014 in Köln die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe erhielt, die Laudatio hielt der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin (Akin 2014, Kaufhold 2014b), achtete Doğan darauf, dass Ilias bei allen Zeremonien und Presseauftritten gemeinsam mit ihm und Fatih Akin auftrat.

Wenn ich an Doğan denke, so ist diese Erinnerung mit IIias Uyar verbunden

Sein Freund Ilias Uyar reiste 2017 bei Doğans Festnahme in Granada noch am gleichen Tag nach Spanien. Er wurde auch in Spanien sein Anwalt und besorgte sogleich einen weiteren, sehr erfahrenen spanischen Anwalt, Gonzalo Boye (Akhanli 2018, S. 142ff)

Ilias Uyar wurde in Köln Doğans persönlicher und politischer Freund und Wegbegleiter. Dies begann in dieser Weise: In seinem Jurastudium hörte Ilias Uyar, dass es in Köln einen türkischen Schriftsteller geben solle, der den türkischen Völkermord anerkenne. Das vermochte Ilias nicht zu glauben. In einem Interview mit haGalil (Kaufhold 2015c, s. auch Kaufhold 2023b) zeichnete er den gemeinsamen Kampf für das öffentliche Erinnern an den Völkermord nach:

„Doğan habe ich schon als Jura-Student kennengelernt, vor vielen Jahren. Ich hörte, dass ein türkischer Autor ein Buch zum Völkermord an den Armeniern geschrieben hatte. Einige Zeit später rief ich ihn an und er schickte mir sein Buch Die Richter des Jüngsten Gerichts. So begann unsere Freundschaft. (…) Doğan hatte es sich auch nicht nehmen lassen, eine Führung für die Teilnehmer des Armenischen Jugendkongresses durch das EL-DE Haus zu leiten.

Ilias erzählt in persönlicher Weise, wie er den türkischen Völkermord erinnert – und wie ihn die ganz Wenigen der Überlebenden seiner Familie innerfamiliär weitervermittelt haben:
„Jede armenische Familie, möchte ich behaupten, hat zumindest einen Verwandten, der Opfer des türkischen Völkermordes von 1915 geworden ist. Wir sind die Generation der Nachfahren, die den Völkermord noch aus Erzählungen kennen, Zeitzeugen sind zumeist schon tot. (…) Während des Völkermordes wurde die gesamte Familie meines Großvaters ausgelöscht, bis auf seinen Vater Dzerun und seine beiden Tanten, die ihn unter ihren Röcken versteckt hielten, während der Todesmärsche. Nur diese drei haben überlebt.  (…)

Als die Deportation meiner Familie aus Adiyaman begann, verwahrten sie ihre Töpfe bei den türkischen Nachbarn, da sie glaubten, irrig glaubten, bald heim kommen zu können. Sie wussten nicht, dass sie nur noch der Tod erwartete. Eines Tages, Jahre später, kommen diese drei ausgemergelten Seelen tatsächlich zurück. Sie hatten die Barbarei, den Völkermord, die Deportationszüge überstanden, Hunger, Seuchen getrotzt und wie durch ein Wunder das Konzentrationslager der mesopotamischen Wüste überlebt. Als mein Urgroßvater als Kind mit seinen beiden Tanten zurück in Adiyaman an der Tür der türkischen Nachbarn klopfte, war das erste was sie hörten: „Dahe gebermediniz mi?“ – „Seid ihr noch nicht verreckt?!“

Auch heute, wenn meine Oma diese Geschichte erzählt, weint sie, zittert sie vor dieser Barbarei.“

Doğan Akhanli hat auch solche ihm erzählten Überlebensgeschichten in seine Romane literarisch eingebunden.

Ilias Familie musste, wie Doğan selbst, nach Deutschland fliehen und dort um Asyl bitten. Sowohl Doğan als auch Ilias erhielten Asyl, erhielten danach auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ilias erinnert in diesem Interview auch an sein eigenes und das Engagement vieler armenischer Freunde, die in Köln an die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink erinnerten, gemeinsam mit Doğan. Ich war bei einigen dieser hartnäckigen Erinnerungsaktionen dabei. Es gab selbst hierbei immer konkrete Versuche meist junger, hier lebender Türken, diese Erinnerung an die Ermordung Hrant Dinks zu verhindern. Es waren immer gefährliche, aggressive Situationen. Die Störungen waren nie erfolgreich.

In Istanbul nahmen über 100.000 Menschen an dem Erinnerungsmarsch für Hrant Dink teil.

Doğan erinnert dies in vergleichbarer, persönlicher, Anteil nehmender Weise:

„Alle nationalistischen Presseorgane, unter ihnen auch Hürriyet, erklärten Hrant Dink zur Zielscheibe, und er wurde mitten in Istanbul kaltblütig ermordet. Hrant Dinks Beisetzung gestaltete sich zu der bis dahin größten Demonstration in der Türkei. Hunderttausende bekannten: Wir sind alle Hrant Dink, wir sind alle Armenier.“ (Akhanli 2017, S. 154)

Ilias Uyar fügt im Interview (haGalil 2015) hinzu: „Ich bin überzeugt davon: Es war der türkische Staat. Hrant Dinks entwaffnende Art, sein Mut scheinen viele Kräfte im Staatsapparat verunsichert zu haben. Er wurde nach und nach zur Zielscheibe erklärt. Angefangen hatte dies mit seinem Artikel über Sabiha Gökcen, die Adoptivtochter Atatürks, die in Wahrheit eine Armenierin war und ihre Eltern während des Völkermordes verlor. Das war der Beginn des Endes. (…) Hrant Dink hat sich stark für die Aufarbeitung eingesetzt, er war die Stimme der armenischen Minderheit in der Türkei und all der Türken, die vor der Wahrheit nicht mehr die Augen verschlossen haben. Hrant Dink ist nicht nur für die Anerkennung des Völkermordes eingetreten, er hat auch gegen die Diskriminierung der Armenier und anderer Minderheiten in der heutigen Türkei gekämpft. Das war gefährlich, und deswegen wurde er ermordet.“ Sein Freund Doğan hätte jede Zeile von Ilias Uyar unterschrieben.

Ilias fügt im Geiste Doğan Akhanlis hinzu: „Und diese Leugnungspolitik ist nicht auf die Türkei beschränkt, sondern wird auch im Ausland betrieben. Von offiziellen türkischen Stellen, aber auch türkische Vereine und Verbände haben sich diese Leugnungspolitik zu eigenen gemacht. Auch in Deutschland. Oder haben Sie mitbekommen, dass ein türkischer Verband sich der Verantwortung gestellt hätte und vom Völkermord an den Armeniern spricht?“

Ilias Uyar schlägt in dem Interview auch den Bogen zu unserem gemeinsamen Freund Ralph Giordano sel. A.:

„Ja, das erste Mal bin ich ihm vor fast 25 Jahren im Belgischen Haus in Köln anlässlich eines Gedenkabends begegnet. Ich war sofort Feuer und Flamme für diesen wortstarken, streitbaren und beharrlichen Menschen. Seine Art zu sprechen imponierte mir sehr. Da war ich noch ein Jugendlicher. Später habe ich ihn dann persönlich kennengelernt. Er war bei vielen Gedenkveranstaltungen als Redner zu Gast. Seine Fernsehdokumentation „Die armenische Frage existiert nicht mehr – Tragödie eines Volkes“, 1986 in der ARD ausgestrahlt, hat zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit den Völkermord an den Armeniern zugänglich gemacht. Ralph Giordano hat sich auch unermüdlich dafür eingesetzt, dass offen vom Völkermord an den Armeniern gesprochen wird. Er wurde mit dem Kulturorden „Surp Sahak-Mesrop“ der Armenischen Kirche für seine Verdienste ausgezeichnet. „Ich bin der jüdische Sohn des Armenischen Volkes“, so hatte er es einmal sehr treffend formuliert. Und Recht hat er!“ (Kaufhold 2015c)

Als Doğan Mitte Oktober 2017 aus Spanien wieder nach Köln zurückkehrte wurde er am Kölner Flughafen von einem offensichtlich türkischstämmigen Mann offenkundig erwartet, gezielt beleidigt und massiv bedroht: Akhanli sei ein Verräter und auch Deutschland könne ihn nicht schützen. Seine Begleiter Ilias Uyar, Berivan Aymaz, seine Freundin und seine Tochter versuchten Doğan zu beruhigen. Die eindrückliche Szene am Flughafen mit der gezielten Provokation wurde filmisch festgehalten.

Der NRW-Innenminister Reul teilte daraufhin öffentlich mit, dass Doğan auch wegen der gezielten Provokation nun in Deutschland unter Polizeischutz stehe. In Köln wurde Doğan Akhanli zusammen mit Ilias Uyar – was sehr rührend war – unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Spanien von der Kölner Oberbürgermeisterin Reker persönlich im Rathaus empfangen.

Türkische Freunde: Adnan und Nese Keskin

Wenn man Doğan verstehen möchte so muss man an Doğans türkische Freunde denken. Einigen von ihnen verdankte er sein Überleben, seine Flucht nach Deutschland. Mit ihnen blieb er über Jahrzehnte eng verbunden, mit ihnen teilte der Heimatlose das Gefühl der „Heimat“ – deren er nicht bedurfte und auf die er doch angewiesen war.

Ich möchte über den bereits erwähnten Adnan Keskin schreiben – ich habe ihn nach meiner Erinnerung nie kennengelernt. Aber ich traf Doğan einmal auf der Strasse, als er eine Lesung aus Adnans Roman „Unbedingt blau“ halten wollte. Daraufhin ging ich auch zu dieser Lesung. Doğan schreibt über Adnan in einer besonderen, brüderlichen Wärme.

Adnan und Nese Keskin holten Doğan und Can 1991 am Kölner Flughafen nach ihrer Flucht aus der Türkei ab. Adnan hatte ihm von Köln aus die gefälschten Reisepässe besorgt und so ihre lebensrettende Flucht erst ermöglicht. Adnan riet ihm auch von Angang an, möglichst rasch deutsch zu lernen. Doğan verweigerte dies seelisch sehr lange, weil er weiterhin an die Türkei gebunden blieb.

Es gibt übrigens ein exaktes Datum, ab dem Doğan seine endgültige Trennung von der Türkei, seiner früheren Heimat, verkündete – und damit seelisch bereit war, wirklich deutsch zu lernen, deutsch als seine neue Muttersprache zu akzeptieren:
Als die türkische Justiz am 4. Oktober 2013 –  Doğan lebte da schon seit über zwei Jahren wieder in Freiheit in Köln – verkündete, den absurden, kafkaesken Prozess gegen ihn doch erneut neu aufzulegen – von dem alle Beteiligten wussten, dass er nichts mit der Realität zu tun hatte – , gab Doğan Akhanli am 4.10.2013 eine Presseerklärung heraus, die mit „Freiheit vom Prozess“ betitelt war: Das Istanbuler Gericht habe für den 20.12.2013 eine Entscheidung gegen ihn angekündigt. Der groteske Haftbefehl gegen ihn bleibe weiterhin in Kraft. Daraufhin teilte Doğan mit, dass er sich ab sofort „selber für die Freiheit vom Prozess entschieden“ habe: „Als Literat kenne ich die erschreckende Anpassungsfähigkeit und das tragische Ende von Josef K., des Protagonisten von Kafkas Roman „Der Prozess““, führte  Doğan aus. Deshalb habe er sich bereits am 8.12.2010, bei der „berühmten“ Istanbuler Gerichtsverhandlung gegen ihn, die mit seiner Freilassung endete, zum absoluten Schweigen entschlossen. Doğan teilte der internationalen Presse via seinem Sprecher Albrecht Kieser mit:

„Nun will das Gericht mich mit aller Macht zurück in diesen Raum zerren. Ich stemme mich dagegen, ich werde nicht zurückkehren. Der türkischen Justiz gilt auch künftig mein Schweigen. Ich bin nicht Kafkas Romanfigur, die sich am Ende ihres „Prozesses“ mit einem Fleischermesser „freiwillig“ hinrichten ließ und doch von jedem Leser wieder neu zum Leben erweckt wird. Ich habe im Unterschied zu einer Romanfigur nur ein einziges Leben. Und ich will dieses Leben nicht in einer Kafkaesken Farce verbringen.

Ich steige aus. Ich werde vor der türkischen Justiz nicht mehr erscheinen, nicht freiwillig, nicht erzwungen. Ich nehme mir damit die Freiheit, die sie mir verweigern will. Ich werde frei sein, aus eigenem Willen.“ (Akhanli 2013)

Er werde auch keinen Rechtsanwalt mehr zu diesem kafkaesken Prozess schicken. Sein Leben sei endlich. Der kafkaeske Prozess gegen ihn sei „menschenrechtlich und politisch betrachtet“ ein Teil der zahlreichen ungerechten Prozesse, die in der Türkei „mit lärmender Willkür und Arroganz eröffnet, durchgeführt und beendet“ würden. Er verweigere sich deshalb vollständig und für alle Zeiten diesem und weiteren Gerichtsverfahren.  (Akhanli 2013)

Mit diesem Datum war  Doğan endgültig und unwiderruflich von der Türkei geschieden. Daraufhin begann  Doğan, auch als internationaler Schriftsteller, gemäß der früheren Empfehlung seines Freundes Adnan Keskin, deutsch zu lernen. Er zahlte seinem Sohn ein symbolisches Honorar, um von ihm die deutsche Sprache wirklich zu lernen.

15 Jahre lang war Doğan, wegen seiner eigenen Verfolgungserlebnisse, von Adnan und Nese getrennt gewesen. Im Untergrund hatte Doğan von Adnans Festnahme gehört. Als er 1987 selbst im Hochsicherheitstrakt „Sibirien“ saß hörte er von der unglaublich anmutenden Flucht seines Freundes. In Köln setzten sie ihre Freundschaft fort, als wenn keine 15 Jahre vergangen seien.

In Köln hatte Adnan einen Kiosk eröffnet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Doğan ging gelegentlich früh morgens vor Sonnaufgang dort hin, um den Kiosk zu eröffnen

Für viele Jahre waren sie seine engsten Vertrauten, was in Doğans Sprache zum Ausdruck kommt:
„Es wurde mir in Köln zur Gewohnheit, sonnige Sonntage bei Adnan und Nese zu verbringen. Dann aßen wir den schmelzigen Käse der Region Savsat, in der wir geboren waren, und sprachen von der Heimat, den alten Tagen und Freunden. Beide waren wir heimwehgeplagt. Und beide waren wir herzkrank, ohne es zu wissen.“ (S. 135)

Im Herbst 2013 ging Doğan, der nicht immer pfleglich mit seiner Gesundheit umging, doch einmal in Hamburg zum Arzt – und wurde auf der Stelle ins Krankenhaus überwiesen und operiert. Als er aufwachte stand Adnan an seinem Krankenhaus. Doğan nötigte Adnan daraufhin mehrfach – welcher noch mehr rauchte und trank als er selbst – endlich zu einem Arzt zu gehen. Immerhin trat die Verjährung für Adnan in der Türkei in fünf Jahren ein. Für den 17.1.2014 war der Termin festgemacht. „Sein Herz hörte am 3. Januar, genau am Todestag meiner Mutter, auf zu schlagen.“ (S. 136)
Als Doğan am 19.9.2014 von der evangelischen Kirche Kölns einen Preis erhielt – die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe – , der Kirchenraum war mit über 200 Menschen überfüllt – stellte er in seiner Dankesrede sein Erinnerungsprojekt eines „transnationalen Gedächtnisraumes“ vor. Hierüber habe ich geschrieben (Kaufhold 2014b). Dieses Erinnerungsprojekt bildet auch den Abschluss seines Buches Verhaftung in Granada (Akhanli 2018, S. 273-186). Auch hierin erinnert er an Nese und Adnan.

Ein weiterer deutsch-türkischer Freund Doğans sei hervor gehoben: Nur wenige türkeistämmige Intellektuelle und Künstler trauten sich, öffentlich, auch gemeinsam mit Doğan, für die Anerkennung des türkischen Völkermordes an den Armeniern einzutreten. Erinnert sei an die berühmte Resolution des Bundestages im Jahr 2016, bei der dieser Völkermord offiziell als historische Realität anerkannt wurde.

Ein Cem Özdemir ließ sich nie durch die hiesige türkischstämmige Leugnerszene einschüchtern. Und er besuchte, gemeinsam mit Doğans enger Weggefährtin Berivan Aymaz, der Grünen Landtagsabgeordneten von NRW, am 6.5.2022 demonstrativ das armenische Mahnmal in Köln, als dieses vom Abtransport durch die Stadt Köln bedroht war (Kaufhold 2026a, 2016b).

Für mich berührend bleibt auch die Filmaufnahme der Lesung der Berliner Kinderanalytikerin Esther Schulz Goldstein und Kemal Hür zusammen mit Dogan im Jahr 2019 aus seinem Buch Verhaftung in Granada.

Doğan Akhanlis Bücher

1998/1999 erschien Dogans Trilogie Die verschwundenen Meere in der Türkei. Die Bände trugen den Namen Warten auf das Meer, Das Mohnblumenfeld sowie Die Richter des jüngsten Gerichts. Dieses anspruchsvolle Werk war das Erste, das 2007 auch ins Deutsche übersetzt wurde. Es handelt von Opfern wie auch von einzelnen Überlebenden. Der Völkermord an den Armeniern wird in dem Werk immer wieder thematisiert. In seinen Erzählungen erinnerte er an die politische Geschichte der Türkei zwischen den 1970er und 90er Jahren.

Annes Schweigen (2012) ist das erste Theaterstück Doğan Akhanlis, und es ist das wohl einzige literarische Werk, welches er auf Deutsch geschrieben hat.

Sabiha heißt die Heldin seines Theaterstückes. Sie wächst in Deutschland auf, fühlt sich dort aber nie ganz heimisch. Sie wendet sich daraufhin den türkischen Nationalisten zu. Ihre Mutter schweigt. Sabiha Gökcen (1913-201), so hieß auch eine Adoptivtochter des türkischen Staatsgründers Atatürk. In Bursa geboren traf sie Atatürk im Alter von zwölf Jahren und wurde von Atatürk daraufhin adoptiert. Sie gilt als die erste türkische, wenn nicht sogar als weltweit die erste Kampfpilotin und schrieb nebenbei auch noch Gedichte. Sie war Armenierin. 1915 soll sie ihre Eltern im türkischen Völkermord verloren und deshalb nach Urfa in ein Waisenhaus gekommen sein. Anne heißt auf Türkisch Mutter.

Akhanlis verwirrende, an Kafka erinnernde Erzählung Die Tage ohne Vater erschien 2016 auf Deutsch (vgl. Kaufhold 2016b, 2016c); auf Türkisch war sie 2008 erschienen. Die Tageszeitung Hürriyet verlieh ihr den Preis für die wichtigste Neuerscheinung des Jahres.

Ein in der Literaturwelt vollständig unbekannter Autor, Doğan Akhanli, schickt einer Lektorin ein Manuskript, welches so beginnt: „In der Nacht, in der der Rhein über die Ufer trat, war alles, was ich wusste, dass die Liebe zu Ende ging und hierbei ein Ereignis, welches sich zwischen Vater und Sohn zugetragen hatte, einen ernsten Einfluss ausübte.“ Die Geschichte bleibt so verworren-zeitlos wie das Unbewusste. Türkische politische Geschichte, Kölner Gegenwart, Sehnsucht, Liebe, Musik und die Tragik einer komplizierten Familiengeschichte fließen zusammen. Ein nach Köln geflohener türkischer Musiker, Mehmet Nazim, streift durch die Straßen Kölns und spürt die Vorboten einer Katastrophe.

Mehmet hatte sich bereits als Kind und auch danach unverstanden gefühlt. Er revoltiert gegen seinen Vater, einen Mathematik-Professor, der nur in der Welt der Zahlen lebt. Am Ende scheint er doch die Liebe gefunden zu haben.

Verhaftung in Granada erschien 2018 direkt auf Deutsch, kurz nach Doğans willkürlichen Festnahme in Granada auf Ersuchen Erdogans. [vi]

Auf dieses Buch habe ich in diesem Text immer wieder Bezug genommen. In abgeklärter, dennoch eindringlicher Weise beschreibt Akhanli die unwirklich anmutenden, kafkaesken Szenen seiner Verhaftung am 19.8.2017 mitten in Europa, im spanischen Granada. Doğan hatte mit seiner Freundin einen ganz gewöhnlichen Kurzurlaub in  Spanien gebucht. Einen Tag zuvor hatten sie das Haus des aus Granada gebürtigen Lyrikers Lorca besucht. Dieser war auf den Tag genau 61 Jahre zuvor in Grenada inhaftiert und ermordet worden. Seine sterblichen Überreste sind bis heute nicht gefunden worden. Akhanli bindet in seiner Erzählung seine traumatische Erfahrung in Granada ein in seine früheren Verfolgungserlebnisse in der Türkei, seit seinem 18. Lebensjahr.

Trotz der Schwere der Themen, die Akhanli in seinem Buch und zeitlebens in außergewöhnlicher Unerschrockenheit behandelt, ist sein literarisches, stark autobiografisches Buch dennoch durchgehend von tiefer, lebensbejahender Ironie geprägt. Er reflektiert, wie in einer Psychoanalyse, seinen inneren Wandlungs- und Reifungsprozess von einem linksradikalen Aktivisten hin zu einem europäischen Schriftsteller, der nach vielen Jahren dann doch Verantwortung für seine eigene Familie übernimmt. Die Szene seiner Freilassung nach einem Tag Untersuchungshaft erzählt Doğan und verbindet diese mit einer Ironisierung der selbstgerechten, vielleicht an die katholische Kirche erinnernde Moralität seiner linken politischen Szene: „Ich wurde aus dem Saal geführt. Ich war zwar frei, aber das schützte mich nicht davor, erneut in Handschellen gelegt zu werden. Ihr seid ja schlimmer als die Türken, hätte ich gern angemerkt, aber dann wäre ich Gefahr gelaufen, von meinen linken Freunden in Köln des Rassismus bezichtigt zu werden, wenn sie davon erfahren hätten. Also schwieg ich.“

Doğan Akhanli lässt das harte politische und soziale Leben in der Türkei Anfang der 1980er Jahre aufleuchten, in dem er als linksradikaler Untergrundaktivist eingebunden war und das ihn prägte: „Die Nächte gehörten uns. Wir tranken nicht, wir rauchten so viel, dass uns gegen Mitternacht die Augen tränten von dem Qualm. In den schlaflosen Nächten wälzten wir die Probleme dieser Welt, von China über Kanada bis hin zu Südafrika und Finnland.“ Er schreibt auch über die barbarische Folter, die er mehrfach in türkischen Gefängnissen erleiden musste. Viele Jahre lang waren seine Tränen eingetrocknet, auch noch in Köln.

Doğan beschreibt seinen Weg hin zur Literatur. Diesen hatte sein Jugendfreund, der politische Widerständler Adnan Keskin, zeitgleich mit ihm beschritten.

In Köln las Doğan erstmals – weil es ihm nur hier, nicht in der Türkei, wirklich möglich war – Zeugnisse über die Shoah: „Ich begnügte mich nicht damit, Bücher über den Holocaust zu lesen. Ich kam kaum noch aus der Judaica-Abteilung der Kölner Stadtbibliothek heraus. Ich las Erinnerungen von Überlebenden.“ Beim Versuch, den Hass der Türkei auf nichttürkische, auf nichtmuslimische Mitbürger zu verstehen erinnert er sich an den israelisch-österreichischen Psychoanalytiker Zvi Rix. Dieser hatte vor einem halben Jahrhundert die klarsichtige Formulierung prägte: „Auschwitz werden uns die Deutschen niemals verzeihen!“ (S. 181) Jeder Jude, jeder Israeli, dem ein Deutscher der Nachkriegsjahrzehnte begegnete, erinnerte ihn an sein dumpfes Gefühl der Schuld. Walser und Grass waren die „literarischen“ Prototypen dieser Deutschen. Die AfD der 42 Prozent ist ihr Nachfahre

Und dann besuchte Doğan Akhanli schließlich Auschwitz, „jenen Ort, der, so empfand ich es, nicht zu dieser Welt gehören sollte.“

2019 erschien Doğan Akhanlis Roman Madonnas letzter Traum – eine rasante Flüchtlingsgeschichte und zugleich eine verzweifelte Spurensuche, die in Deutschland, Polen, der Türkei wie auch in der NS-Zeit spielt. Auf Türkisch war dieser Roman bereits 2005 erschienen und vielfach ausgezeichnet worden. Die Türkei war in Doğans Madonna-Roman nicht der Haupttäter, das erleichterte dessen wohlwollende Rezeption. Akhanli verbindet hierin erzählend die türkische mit der deutschen Schuld. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Schicksal der jüdischen Musikerin und Malerin Maria Puder. Der türkische Schriftsteller Sabahattan Ali (1906-1948), der 1948 auf der Flucht von Angehörigen des türkischen Geheimdienstes erschossen wurde, hatte ihr mit Die Madonna im Pelzmantel ein literarisches Denkmal gesetzt. In einem Video können wir Doğan mit seinem Kölner Freund und Schriftstellerkollegen Gerrit Wustmann  im Gespräch über seinen Madonna-Roman erleben. Als Doğan 2010 seine Reise zu seinem totkranken Vater antrat war sein Plan, zuerst das Grab seiner Anfang 1992 verstorbenen Mutter zu besuchen und dort vor Sonnenaufbruch ein Exemplar seines Letzten Traum der Madonna zu hinterlegen.

Doğan bindet in seine Erzählung auch das tragische Schicksal des jüdischen Flüchtlingsschiffes Struma ein: 780 jüdische Flüchtlinge, viele von ihnen waren mit Glück aus deutschen Vernichtungslagern entkommen, hatten sich in der rumänischen Hafenstadt Constanta an Bord der Struma begeben, um ihrer Ermordung doch noch zu entgehen. Zehn Wochen lang schlingerte das völlig überladene Schiff über das Meer, wartete vor der türkischen Küste, in der verzweifelten Hoffnung, doch noch das rettende Eretz Israel zu erreichen. Die Briten ließen die Einreise nach Eretz Israel nicht zu. Am 23.2.1942 schleppte die türkische Küstenwache das Schiff mit einem Motorschaden aufs offene Meer, trotz des verzweifelten Widerstandes seiner jüdischen Passagiere. Wenige Stunden später versenkte ein sowjetisches U-Boot der Struma, nur ein Passagier überlebte.

Doğan verbindet erneut Reales mit Fiktivem. „So ist Maria Puder nicht gestorben“, heißt es am Anfang seines Romanes „Madonna…“. Maria Puder ist in seinem Roman Fiktion.

Gerrit Wustmann hat 2019 ein Interview mit Doğan über seinen Roman geführt, in dem Doğan sein eigenes Werk auch aus autobiografischer Perspektive deutet. Bei der Shoah gebe es keine Unschuld. Täter sei nicht nur Nazideutschland gewesen.

2024 erschien posthum Sankofa. Sankova, so erzählt uns Ceyda Nurtsch in ihrer Rezension, hat mehrere Bedeutungen – ein Sprachspiel, welches Doğan häufig anwendete.

Es steht auch für einen Vogel, der nach vorne fliegt, dabei aber zugleich zurück blickt. Es ist unschwer zu erkennen, dass Doğan hierbei, am Ende seines Lebens, was er beim Abfassen nicht ahnen konnte, auch an sich selbst, an seinen eigenen Entwicklungsprozess, dachte.

Doğan – auch sein letzter Roman ist gleichermaßen literarisch wie politisch – befragt die türkische Vergangenheit mit der weltweiten gesellschaftlichen Entwicklung, einschließlich der Femizide heute. In seinem posthumen Roman tritt auch ein „Oberstleutnant“ auf, der die Türkei verlassen musste und nun in Köln als Fotograf lebt. Dieser tritt eine innere Reise an, als er seine Ausstellung „Sankofa“ zusammen stellt. Akhanli erzählt, wie dieser Fotograf eine zunehmende Obsession zu den Liebesbriefen eines ehemaligen linken Revolutionärs an dessen Ehefrau entwickelte; er hatte die Verhöre dieses Linken in der Türkei selbst überwacht. Die Erinnerung an Adnan Keskins Erzählung „Unbedingt blau“ drängt sich unweigerlich auf. Realität und Fiktion vermischen sich fortgesetzt, springen ineinander über. Über allem steht das Thema der politischen Gewalt, der Willkür. Die Erschießung George Floyds in den USA findet bei ihm literarisch parallel zu der Theateraufführung eines Stückes von Peter Weiss über den Frankfurter Auschwitzprozess statt.

Übersetzt wurde auch dieser Roman von Recai Hallac; ich kenne ihn nicht. 2024 erzählte Hallac im DLF über Doğans Roman. Sein Übersetzer hatte Doğan in dessen letzten Monaten, es war Corona, dessen Romanfragment vorgelesen, damit dieser ihn auch noch mit einer dritten Stimme hört. Doğans Tod kam der Vollendung seines Romans zuvor. Recai Hallac hat den Roman formal abgeschlossen. Für Hallac sind die Dimensionen der Hoffnung und des Glückes Doğans hervorstechendste Eigenschaften. Doğan sprach auch mit Menschen, deren Einstellung nicht seiner eigenen entsprach. Ich teile Racais Wahrnehmung und Wertschätzung.

2014 wurde Doğan Akhanli in Köln mit der Georg-Fritze-Gedächtnis-Gabe ausgezeichnet. 2018 erhielt Doğan in Österreich den Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte und 2019 wurde er für sein literarisches Gesamtwerk mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet.

Am 31.10.2021 ist Doğan Akhanli nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Doğan wurde in Köln beerdigt.

Der Text erschien bereits auf Hagalil

Autorenseite: Gastautor
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