Mermaid Parade 2010 from Tele Fantastic on Vimeo.
Petra Engelke hat ein sehr schönes Video über die Mermaid Parade in New York gemacht. Die Musik ist von Volker Wendland.
Mermaid Parade 2010 from Tele Fantastic on Vimeo.
Petra Engelke hat ein sehr schönes Video über die Mermaid Parade in New York gemacht. Die Musik ist von Volker Wendland.
Durch Essen führt ein Kulturpfad. Unser Gastautor Tobias Steinfeld ist drübergelaufen. Hier ist sein Bericht:
0 Schritte: Montag, 20. September im Jahre der Kulturhauptstadt Essen, 18.06 Uhr. Im Halbkreis stehen wir zusammen: Dutzende Menschen, teils mit roten Fahnen behangen. Davor ein spätgotischer Hallenbau: weiße Wände, schwarzes Dach, Fenster mit Spitzbögen. 1543 wurde die Marktkirche am Flachsmarkt von Bürgern besetzt. Sie schrien nach evangelischen Predigern. Sie setzten sich durch.
Knapp 500 Jahre später: “Offenes Mikro”. Ein Mann namens “Horst” spricht. Über die “Sarrazin-Hetze“, darüber, dass Arbeiter sich länderübergreifend helfen müssen. Der Flachsmarkt ist eine Stätte des Protests. Es ist die 305. Montagsdemo gegen Hartz IV. Ich stehe auf dem ersten Glas-Stein des Kulturpfades. “Klack”, setze den Schrittzähler auf Null. DIE LINKE verteilt Flugblätter. Zwei Polizisten im grünen Bulli hängen gelangweilt in den Sitzen, die Unterarme halb aus den Fenstern gelehnt, die Hoffnung verloren, ihr Einsatz könnte ausgerechnet bei der 305. Auflage verlangt werden. Rechts davon auf einem Podest: Alfred Krupp, der das Geschehen vom besten Platz überwacht. Genau hier am Flachsmarkt kam er zur Welt. Im Haus Nr. 9. 1812 war das. Der größte Waffenhersteller seiner Zeit forderte von seinen Arbeitnehmern Gehorsam, bot dafür aber Gegenleistungen. Er garantierte umfassende Sozialleistungen, wie Krankenversicherung und Rente, sah seine Arbeiter somit gut behandelt. Krupp führte eine Dauerfehde mit der Sozialistischen Arbeiterpartei. Auf seiner schwarzen Liste standen Arbeiter, die zu Demos gingen. Sie wurden entlassen. Türkis und in Stahl gegossen erträgt er nun die Unbeugsamen von 2010.
“Danke Horst” sagt ein Mann mit Rauschebart, der jetzt das Mikro hält. Applaus.
“Studiengebühren abschaffen“, fordert er, kommt dann auf Burschenschaften, floskelt: “Lieber ein Geschwür am After, als ein deutscher Burschenschaftler.” Das sei nicht “politisch gemeint“, soll nur zeigen “was wir von diesem rechten Gesocks halten.” Ich mag Burschenschaften auch nicht, gehe jetzt aber besser los, bevor die Glatzen, die, wie jeden Tag hinter der Marktkirche rumlungern, auf die Idee kommen, den gelangweilten Polizisten im Bulli zu einem unverhofften Einsatz zu verhelfen.
Unmittelbar vor mir sind sechs blaue Steine ins Pflaster eingelassen Form und Größe einer Ritter-Sport-Tafel. Sie liegen genau in Schrittweite auseinander. Ich gehe, schaue auf den Schrittzähler an meinem Gürtel. Sechs. Stimmt.
Ich folge dem Pfad die Kettwiger Straße hoch, durch eine Douglas-Duftwolke, vorbei an H&M und O2 Shop.
223 Schritte: Links von mir der Essener Münster. Ein hagerer, leicht gebräunter Mann Anfang dreißig steht hier. Er trägt Tarnkleidung. Die Gitarre stört sein Erscheinungsbild, Gewehr würde ihm besser stehen. Ich weiß nicht, was er spielt. So leise. Vor ihm auf dem Boden liegt der Gitarrenkoffer. Leer. Keiner hört ihn.
An der braunen Sandstein-Fassade des Münsters hängen Plakate. “Komm zur Ruhe” steht darauf. Jeden Tag um 12 Uhr wird zur Andacht geladen. Ich vermute, es handelt sich um ein Wortspiel, angelehnt an Grönemeyers gefloppten Song zur Kulturhauptstadt “Komm zur Ruhr” Für Marketing-Gurus ist Ruhr 2010 wie ein Abenteuerspielplatz zum austoben. Statt aufgeschlagenen Knien gibt es andere Wunden: Ruhr-Atoll, Ruhrlights, Ruhrblicke. Eines dieser Ruhrlights erlebe ich in diesem Augenblick. Hallender Disco-Sound. Kommt näher, wird lauter, verschluckt das Geklimper vom Tarn-Mann ganz. Ein Mann kommt vom Kennedy-Platz auf den Münster zu. Der rechte Arm stützt den ausladenden Recorder auf seiner Schulter. Das schwarze T-Shirt steckt in der zu großen Jeans. Von Weitem erinnert sein grooviger Gang an Detlef D! Soost. Aus der Nähe erkennt man unter der weißen, zur Seite gedrehten, Van Dutch-Cap getönte Brillengläser und ein froschliches Gesicht, wie das von Wolfgang Lippert, das Anfang der 90er ein paar mal Wetten Dass ??? moderierte. Es dröhnt wie aus einem aufgemotzten Kadett: “Here we go, hear me say! It´s Revolution in Paradise!” Ein ähnliches Leitmotiv liegt Ruhr 2010 zu Grunde: Wandel durch Kultur Kultur durch Wandel. Mir wird klar: Heath Hunter war 1996 seiner Zeit voraus. Lippert wandelt die Kettwiger runter, Richtung Demonstranten, Polizisten, Glatzen und Krupp. Die revolutionären Klänge verebben, das Klimpern des Tarnmannes schleicht sich ein. Ich muss weiter.
544 Schritte: Rast an der 1. Dellbrügge vor dem Grillotheater. 1892 wurde hier Lessings Minna von Barnhelm uraufgeführt. Momentan ist Spielpause. Links und rechts hängen Plakate an den Wänden. Eine Frau mit gekochten Spaghetti als Haarpracht und der Schriftzug “Mit Essen spielt man nicht” sind zu sehen. Die Kampagne soll zeigen, dass Kultur auch Lebensmittel ist. Mitten auf der 1. Dellbrügge steht ein älterer Mann. Er spielt Quetschkommode, laut, tanzt von einem Bein aufs andere. La Cucaracha (Die Kakerlake) singt er mit Herzblut und einem Lächeln unter dem schwarzen Schnauzbart. Die Musik ist sein täglich Brot. Die Leute laufen an ihm vorbei, Einkaufstaschen in den Händen, den Kopf nach vorn gerichtet, als hätten sie Kopfhörer auf, müssen zum Bahnhof. Ein Mann, der die Obdachlosenzeitung verkauft, bleibt vor ihm stehen. Sie verneigen sich voreinander. Er geht seines Weges in Richtung des Spaghetti-Plakats. Dass man mit Essen nicht spielt, weiß er. Plötzlich Stille. Kein La Cucaracha mehr. Er blickt aufs Handy und packt die Quetschkommode ein. Essen ist fertig.
Ich gehe weiter. Das Glockenspiel spielt Das Bergmannslied: “Glück auf Glück auf. Der Steiger kommt“. Ein metallenes Quietschen mischt sich in den Spieluhr-Klang. Es ist das Sicherheitstor vom Juwelier Deiter. Der damalige Geschäftsführer versteckte das Glockenspiel während des zweiten Weltkrieges erfolgreich vor den Nazis.
897 Schritte: Ich habe die Fährte verloren. Ein einzelnes Steinchen leuchtet auf dem Willy-Brandt-Platz. Ich laufe kreuz und quer über den Platz am Bahnhof und weiß jetzt wie Hänsel und Gretel sich fühlten, als ihre wegweisenden Brotkrumen von Vögeln gefressen wurden. Mein Blick fällt auf ein riesiges Banner. “Wir sind Kulturhauptstadt”. Das gibt Sicherheit. Einer von uns wird mir sicher helfen auf den rechten Pfad zu gelangen. Wie aus dem nichts taucht er auf. Das Lippert-Double samt Recorder. Es tut gut, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Er scheint unbeschadet durch die Montagsdemo getanzt zu sein und verkündet jetzt eine frohe Botschaft: die “Love Message” zu der sich Scooter, Fun-Factory, E-Rotic und andere Größen 1996 für einen guten Zweck vereinigt hatten. 2010 haben wir uns zusammen getan, um gemeinsam Kulturhauptstadt zu sein. “We are sending out a love message to the world, a love message to the world. Can you hear the message of love?” Die Musik weckt Erinnerungen. Ich schließe die Augen, sehe mich lässig an einem Auto-Scooter stehen. Ich rieche gebrannte Mandeln und Zuckerwatte, dann schales Bier. Ich öffne die Augen. Eine alte Frau schüttet neben mir eine PET-Flasche aus und packt sie in eine der prallen Lidl-Tüten am Fahrradlenker. Lippert kräht den Refrain mit und verschwindet hinter dem Handelshof, in dem einst ein kleiner Junge namens Heinz Rühmann ein und ausging. Die Familie Rühmann führte das Hotel zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.
Ich sehe blaues Licht. Es ist der Pfeil an der Rolltreppe zur U-Bahn. Ich fahre runter. Unten gibt es keine blauen Steine. Ich fahre wieder hoch.
Vor mir stehen Lippert und ein Mann auf dessen Jacke “Ordnungsamt” steht. Der Rekorder ist stumm. Der Ordnungsmann belehrt Lippert, der die Brille abgenommen hat, die schiefe Kappe aufbehält. Viele hätten es anders gemacht, wenn sie seriös wirken wollten, Lippert nicht. Einsichtig und tonlos tanzt er davon Schritte wie Detlef D! Soost.
Es riecht nach Abgas. Unter der Brücke westlich vom Bahnhof nehme ich meine Fährte wieder auf. Exakt jeder zwölfte Schritt trifft einen blauen Stein.
Ein kleiner Junge steht mit seiner Oma an einer Haltestelle. Er liegt total im Trend des Kulturpfades, trägt Turnschuhe, die bei jedem Schritt blau aufleuchten. Nach Scooter, Heath Hunter und Lippert jetzt auch noch blinkende Sneaker Der Kulturpfad ist voll Neunziger. Im Dunkeln der Unterführung will ich die Lichtquellen im Stein mal genauer anschauen, werde jetzt von drei Jugendlichen überholt. Einer von ihnen rotzt auf den Stein an dem ich stehe. Ich bin empört: “Was soll der Scheiß?” Die Jungs bleiben stehen: “Wieso?” Ich: “Wisst ihr eigentlich was das ist?” Sie: “Hä? Nö.” Ich: “Der Kulturpfad.” Sie: ”Ach, echt?” Ich: “Ja.” Der Rotzer kommt auf mich zu. “Wusst ich nich. Hier haste ne Kippe. Sorry!” Ich: “Schon gut“. “Wenn se dir nich schmeckt, brich den Filter ab, die hab ich aus Lloret, weißte?” Sie gehen weiter, auf den Pfaden der Kultur, und das Beste: Sie wissen es. Ich folge.
1301 Schritte: Bereits 19.36 Uhr. Vor mit bauen sie sich auf wie Riesen: RWE, Postbank, Evonik, VodaPhone, ThyssenKrupp. Bevor ich mich hindurch kämpfe, stelle ich mich ans Brückengeländer. Unter mir die A 40, der Ruhrschnellweg. Autos sausen unter mir her, auf ihrem eigenen Kulturpfad. Es dämmert. Ich zünde mir die Zigarette aus Lloret an. Der Wind weht stark, hier über der Autobahn. Qualm zieht in alle Richtungen. Hinter mir steht ein Denkmal für die Bergarbeiter der Stadt Essen. “Steile Lagerung” von Max Kratz: Bergmänner mit Grubenhelmen und -lichtern, eingepfercht in einem engen Stollen. Sie hacken in Kohle. Drahtige Körper, leere Blicke, rußige Lungen. “Freiheit” heißt es hier, wo Essens Skyline über allem wacht. Ich breche den Filter ab und rauche auf. Der Tipp war gut.
Vereinzelt kommen mir Menschen entgegen. Feierabendzeit. Männer mit Aktenkoffern im sicheren Griff. Sie tragen Mäntel die Frauen Pumps: klackernde Absätze auf dem Bordstein zwischen den Wirtschaftsriesen. Alle gehen Richtung Bahnhof. Sie sind “Vorweggeher“. Das verraten die Plakate und Schilder vor dem RWE-Powergebäude. “Kultur elektrisiert” steht hier auf einem weiteren Plakat. Darauf zu sehen ist ein Künstler mit elektrisiertem Haar und Pinsel in der Hand. Ich schaue auf den Messer: 1374 Schritte Kultur habe ich hinter mir. In der Fensterscheibe prüfe ich meine Frisur: alles platt wie immer. Nix elektrisch. Weiter gehts. Ich warte bis das rote Licht der Ampel dem grünen weicht und folge den blauen Lichtern, in den Stadtgarten hinein. Da ist das Aalto-Theater. Der Verkehrslärm hinter mir verflacht. Die Bäume rauschen. Ich höre leise Musik. Es könnte ein Klavier sein.
1906 Schritte: Ich stehe vor einem erleuchteten Fenster. Im Kellerraum mit weißen Wänden und altem Teppich sitzt ein Mann. Von oben sehe ich sein lichtes Haar, vor ihm ein Notenständer, in seinen Händen Cello und Bogen. Er übt. Aus Angst beobachtet zu werden, bleibe ich nur kurz.
2300 Schritte: Ich setze mich auf einen Begrenzungsstein an der Philharmonie. Es ist dunkel. Ich höre Flugzeuge, schaue hoch, sehe sie nicht, tiefe Wolken am Himmel. Ein Karnickel hoppelt über den Kulturpfad. Ein junges Pärchen verlässt ihn, geht über die Wiese. Die Frau hat Sorge in Hundescheiße zu treten, doch der Mann kann sich durchsetzen. Wenn sie wüsste, dass Sekunden später eine Ratte hier vorbeihuscht Sie würde das Gemecker einstellen und dankbar sein. Weiß sie aber nicht.
Ein Walker und eine Walkerin kommen, stapfen die Stufen vor der Philharmonie hinauf. “Da sind ja die drei Kollegen” Sie meinen die Statuen “Ganz große Geister” von Thomas Schütte. Baumhohe, Angst einflößende Wesen, zumindest jetzt im Dunkeln. Sie tragen Raumanzüge. Schwer zu sagen, ob sie in Tanzpose oder in Kampfhaltung dastehen. Die Sportler dehnen sich, lehnen an den dicken Beinen der Geister. “Wer sind hier die Geister?“ ist die aufklärerische Frage, die Schütte mit seiner Kunst stellt. Die Frau macht Gymnastik, der Mann zählt stets von 15 runter. Er ist ihr persönlicher Trainer. Jetzt macht sie “die Brücke”, er geht in die Hocke: Fünf Geister der großen Gesten in der Dunkelheit des Stadtgartens.
Er checkt jetzt ihren Puls, singt dabei “Listen to your heart” von Roxette. Sie lacht. Er erzählt von Felix Magath: “Wir können froh sein, dass der nicht Bundestrainer geworden ist. Der war nämlich erster Kandidat“, weiß er. “Aber so erfolglos, wie der gerade ist. Außerdem ist der eh nur n Schleifer.” Muss er gerade sagen. Mein Hintern wird kalt. Ich stehe auf und geistere weiter auf den Pfaden der Kultur.
Immer mehr Bäume stehen am Rand des Weges. Die blauen Lichter leuchten den Pfad vor mir aus, hunderte Meter, wie die Landebahn am Flugplatz. Aber hier geht es hoch und runter, rechts und links. Alle elf Schritte ein Stein. Die Laternen am Rand leuchten orange, weißlich und gelb die Glassteine im Boden alle im selben blau.
2665 Schritte: Es riecht nach Seehundbecken. Etwas steht am Wasser. Hüfthoch. Dahinter die rauschende Fontäne. Ich zünde mein Feuerzeug an. Ein bärtiger Kopf blickt mich an. Er gehört H.J. Stefen: Stadtgartendirektor 1883 bis 1907. Stefen erweiterte den Park 1888, als dieser den Besuchermassen nicht mehr genügte. Die Basis für den Stadtgarten entstand 1863: Bürger gründeten die “Essener Gemeinnützige Aktiengesellschaft”. Zu dieser Zeit sehnten sie sich nach einem exklusiven Volksgarten, der Wohlstand demonstrieren und zu gesellschaftlicher Anerkennung führen sollte. Unbemerkt hat sich ein Mann hinter mir auf die Bank gesetzt. Das Licht einer Laterne bescheint den Tetrapack Wein zu seinen Füßen. Gesellschaftliche Anerkennung sucht er hier nicht. Er holt Holz-Stäbchen aus seiner Cord-Jacke, isst Sushi. Ich wünsche guten Appetit. Er bedankt sich. Zufriedene Erschöpfung liegt in seiner Stimme. “Das tut nach der Arbeit immer ganz gut.” Mein Magen knurrt. Auch wenn Kultur Lebensmittel sein soll ich hätte jetzt gerne ein Brot.
3135 Schritte: Am Ende des Stadtgartens steht ein Wegweiser. Je näher ich dem Folkwang komme, desto gewissenhafter scheint der Weg gewiesen zu werden.
Der Bürgersteig an der Rüttenscheider Straße ist menschenleer. Meine Nase beginnt zu laufen. Es ist kalt geworden.
3581 Schritte: Ich kann das Folkwang sehen. Der kastenartige Komplex wirkt von außen steril. Davor stehen in regelmäßigen Abständen junge Bäume. Das Ganze sieht aus, wie ein Modell in einem Architekturbüro. Ich muss nur noch über die neue Fußgängerbrücke mit ihrem blauen Geländer. Mich beschleicht ein euphorisches Gefühl. Ich wähne mich am Ziel, sehe das Kulturwissenschaftliche Institut, so steht es am Gebäude am Ende der Brücke.
3783 Schritte: Ich stehe wieder auf dem Boden und sehe, dass es weiter geht: Überall blaue Steinchen. Ich laufe einmal um das gefeierte Museum Folkwang. So akkurat und klar seine graue Fassade, so glatt ist auch die Rasenfläche umher gestutzt. So sieht Kulturrasen aus. Vielleicht ist es auch die elektrisierende Wirkung der herausragenden Gemäldesammlung drinnen, die seine Halme streng nach oben zieht. Innen läuft gerade die Sonder-Ausstellung “A star is Born Fotografie und Rock seit Elvis“. Hieße es “Fotografie und Disco seit Dr. Alban” würde vielleicht auch Lippert kommen. Ich folge der Goethestraße bergab.
4794 Schritte: Montag 20. September im Jahre der Kulturhauptstadt Essen, 20.31 Uhr. Ich stehe auf dem letzten Stein des Kulturpfades am Ziel.
Vor mir der mächtige neoromanische Bau der Erlöserkirche. Außer ein paar Autos, die vorbei fahren ist hier niemand. Sie ragt in den Himmel, ich bin ein kleiner Punkt auf dem Pflaster. Wir sind beide da.
“Klack”, setze ich den Schrittzähler auf Null.

Aller Aufwand erwies sich letztlich als vergebene Liebesmüh: die groß angelegte Langzeit- und Querschnittsstudie konnte die Existenz Gottes nicht beweisen. Von unserem Gastautor Werner Jurga.
Auch für ein Leben nach dem Tode konnte kein zweifelsfreier Nachweis erbracht werden. Zahlreiche Indizien ergaben sich jedoch zur Stützung der Hypothese von der Reinkarnation. Die vielen Zeugnisse deuten jedoch darauf hin, dass ausschließlich Menschen höherer Stände in den Genuss einer Wiedergeburt kommen, während für Angehörige des Fußvolkes mit dem letzten Atemzug definitiv Feierabend zu sein scheint. So konnten viele Interviewpartner davon berichten, im Vorleben Kaiser, König, Prinzessin oder Courtisane gewesen zu sein, wohingegen das Forscherteam auf der Suche nach ehemaligen Stallknechten, Waschfrauen oder an von einer Kinderkrankheit hinweg gerafften Straßenkindern nicht fündig geworden ist.
„Ich denke, also bin ich“. Wie kein anderer Satz markiert eben dieser den Beginn der Aufklärung. „Cogito ergo sum” – das war der Beweis. Ergo: das Cogito war der Beweis für das Sum. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Diesem Satz folgt ein seitenlanges Traktat Descartes´, mit dem der Universalgelehrte beabsichtigte, die Existenz Gottes zu beweisen. Diese Absicht ging gründlich in die Hose, die ganze Schrift ist nicht weiter erwähnenswert, ein einziger Unfug. Okay, auch ein Descartes hat mal seine schlechten Tage. Wie wir alle, wenn wir uns Dinge vornehmen, die nicht menschenmöglich sind. Wenn man Gott wäre, vielleicht … – so aber, als Normalsterblicher kann das einfach nicht gut gehen: die Existenz Gottes beweisen. Mal ehrlich: wenn Sie Gott wären, würden Sie dann einer von Ihnen geschaffenen Kreatur erlauben, Ihr Dasein wissenschaftlich zu beweisen?! Na also!
Descartes´ Gottesbeweis: einfach lächerlich. Aber egal: der erste Satz war der Bringer. „Ich denke, also bin ich“ kennt jeder, ein echter Hit. Evergreen. Etwas idealistisch, zugegeben. „Ich bin, also denke ich“ wäre mir plausibler vorgekommen. Aber wir sind halt alle Kinder unserer Zeit. Wir sind aufgeklärt, meinen wir. Descartes leitete die Epoche der Aufklärung ein. Klar: wenn man schon meint, die Existenz Gottes beweisen zu müssen, ist es um selbige schlecht bestellt. Nicht nur, dass man bis dato davon ausgegangen ist, dass sie sich von selbst verstehe. Sondern auch die von Descartes vermutlich nicht bedachte Implikation: heute beweist einer, dass es Gott gibt. Morgen kommt der nächste und beweist das Gegenteil. Übermorgen stellt jemand fest, dass Gott eine Frau ist. Armer Gott!
Nach dem gegenwärtig allgemein anerkannten Schöpfungsmythos stellt ein Urknall den Anfang aller Dinge dar. Gegenüber dem lieben Gott hat die Theorie des Urknalls den unbestreitbaren Vorteil, dass sie zu beweisen ist. Und tatsächlich: sie ist bewiesen. Es hat nachweislich geknallt. Man kann heute noch, wenn man entsprechende Instrumente zur Hand hat, das Rauschen hören. Damit ist die Angelegenheit empirisch belegt. Auch theoretisch erweist sich der Urknall als gut belastbar. Zumindest für die Phase vom Knall bis heute, die Zeit davor – so haben es die Physiker festgelegt – ist „nicht definiert“. „Nicht definiert“, Ende, Aus. Tja, es ist schon geil, wenn man die Definitionsmacht hat.
Fest steht: es hat urig geknallt. Wir wissen halt bloß noch nicht, wo und vor allem warum. Es knallt ja nicht einfach so; es muss doch einen Grund geben, warum es „auf einmal“ so – ich möchte fast sagen: nachhaltig – geknallt hat. Da Sie mir ohnehin nicht glauben würden, wenn ich behauptete, dass es daran gelegen habe, dass der liebe Gott gerade mit Streichhölzern gespielt habe, schlage ich vor, wir einigen uns darauf, dass kein metaphysischer, sondern ein ganz „natürlicher“, also physischer Grund für den Big Bang vorliegen dürfte. In Kürze werden die Physiker auch dieses Rätsel entschlüsselt haben.
Damit wäre dann wirklich das letzte Rätsel entschlüsselt, wenn wir davon absehen, dass es freilich auch für den Auslöser des Urknalls eine Ursache geben muss. Und auch dafür wieder einen Auslöser, eine Ursache, einen Grund. Und so weiter und so fort. Ein Regressum ad infinitum. Unendlichkeit am Anfang, sprich: Anfangslosigkeit. Beweist dies irgendetwas? – Ja. Die Welt / das Universum ist prinzipiell erkennbar, und wir werden die Welt letztlich nicht erkennen können. Denn jede beantwortete Frage wird eine Reihe neuer Fragen auf. Lenin hat Recht, der liebe Gott aber auch. Auch der kritische Rationalist, der sich jenseits leninistischer Ideologen und verbohrter Moraltheologen wähnt, muss damit irgendwie zurecht kommen.
Was bleibt, ist die Ethik. Aber wo kommt die nun wieder her? Fest steht, dass diejenigen, die sich schwerer Verstöße gegen die Ethik schuldig gemacht haben, keinen Monopolanspruch auf Ethik erheben können. Damit sind wir aber bei der Beantwortung der Frage, wo denn wohl die Ethik herkomme, keinen Schritt weiter. Ethik aus einer dem Menschen vermeintlich innewohnenden Vernunft herzuleiten, erscheint abwegig. Einerseits sind Geschichte und Gegenwart voll von Beispielen unethischen – insofern also unvernünftigen – Verhaltens. Zweitens könnte ich etliche Beispiele dafür anführen, dass das – ethisch kaum vertretbare – Ausschalten unliebsamer Konkurrenten ein hohes Maß an Rationalität aufweist. Wer an die Allmacht der Vernunft glaubt, braucht kein Strafgesetzbuch.
Die eingangs erwähnte, groß angelegte Langzeit- und Querschnittsstudie über die Religiosität ist nicht völlig ergebnisfrei abgeschlossen worden. Vielmehr konnte sie nachweisen, dass Menschen, die an Gott glauben, zufriedener, gesünder und auch – am einfachsten zu quantifizieren – länger leben. Ein, wie ich finde, guter Grund, an Gott zu glauben. Das Blöde ist: die Sache funktioniert nur, wenn man auch wirklich an Gott glaubt, und nicht einfach nur so tut, als ob. Man weiß nicht warum. Ob es daran liegt, dass der liebe Gott alles sieht? Oder an bislang unerforschten psycho-neuro-immunologischen Abläufen? Wie gesagt: man weiß es nicht. Dennoch: man muss wirklich glauben und nicht nur so tun, als ob. Scheiße! Wie soll man das denn bloß machen. Das scheint mir ja ein ganz schönes Arschloch zu sein, dieser Gott.
Vor knapp drei Jahren bin ich in ein kleines Appartement in einer netten Gegend gezogen. Ich genoss die Ruhe und den schönen Garten. Wie oft habe ich draußen die Stille des Abends genossen. Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.
Aber zu mir: Ich bin 32 Jahre alt und habe einen Abschluss in Geschichte, Sozialpsychologie und –anthropologie gemacht. Lange Zeit habe ich gedacht, ich könnte mit dem zweiten Teil meines Studiums, besonders mit der Anthropologie, nicht viel anfangen. Und dann geschah das Unvorstellbare.
Ich muss aufgrund der Geschehnisse eine neue paläoanthropologische These aufstellen, die so bahnbrechend wir unglaublich ist. Nach nun etwa zwei Jahren intensiver wie teilweise unfreiwilliger Feldforschung kann ich sie erheben. Die Wissenschaft wird sich auf den Kopf stellen.
Der homo neanderthalensis ist nicht etwa, wie man bisher glaubte, einfach ausgestorben. Er hat sich auch nicht, wie manche Theorien sagen, mit dem homo sapiens vermischt. Nein, er muss sich irgendwo, an einem abgeschiedenen Platz über lange Zeit doch so weit entwickelt haben, dass er sich gerade so an die ihn heute umgebenden Bedingungen angepasst hat.
Und dann ist er nebenan eingezogen.
Eine Gruppe des homo neanderthalensis von variierend fünf bis sieben Individuen. Nur ein ausgewachsenes Individuum ist weiblich.
Beschauen wir noch einmal die gängigen Theorien und vergleichen sie mit den von mir gemachten Beobachtungen aus dem Fenster des zweiten Stock unseres Hauses.
Bezüglich des Körperbaus lassen sich fast keine Unterschiede zu den bisher bekannten Theorien feststellen. Sie sind alle relativ klein, wirken gedrungen und sind muskulös. Die Hände sind zu einem Präzisionsgriff fähig, was ich immer wieder beobachten konnte, wenn eines der Individuen nach einer Bierflasche griff. Während die männlichen Individuen der Gruppe die bekannte Schädelform aufweisen (dominanter Kiefer und Überbaugeschwülste), wirken die weiblichen eher zierlich. Alle weisen einen kräftigen Kauapparat auf.
Zum Thema Sprache muss ich die bisherige Theorie an dieser Stelle fortführen. Wir wissen, dass man in den 1980ern das Zungenbein eines Neandertalers fand, womit die anatomischen Voraussetzungen zur Sprache gegeben sind. Die Isolierung des FOXP2-Gens bei einem anderen Fund, weist ebenso auf die Fähigkeit zur Sprache hin, denn das Gen wird für die Entwicklung der Sprache als bedeutend erachtet. Bisher konnte man jedoch keine triftigen Beweise für Sprache bei den Neandertalern finden. Ich habe sie. Sie verständigen sich in einer äußerst simplen und verkürzten Sprache, die zwar minimale Grundzüge der Sprache des homo sapiens aufweist, aber dennoch nicht zu vergleichen ist.
Die männlichen Individuen verständigen sich durch relativ einfache, allgemeine Grunzlaute und Worte. „Bier, Schlafen, Essen, Nein, Ja, Ey Alter“, sind von mir schon gehört und aufgezeichnet worden. Die Sprache des weiblichen Individuums ist beschränkter als die der männlichen. Sie gibt auch keine Grunzlaute von sich, sondern eher ein Gekreisch, das noch immer an den Menschenaffen erinnert. Bisher gehört wurden Laute wie: „Chantal, Kiki, Essen, Nein, Schluss.“
Währen die männlichen Individuen eine einfache Vorstufe von Kleidung tragen, stellt das weibliche Individuum seine Vorzüge offen zur Schau. Damit folgt sie wohl einem angeborenen Locktrieb. Die Gruppe scheint sich aus Gründen des Überlebens und der Fortpflanzung zusammengeschlossen zu haben. Das Sexualverhalten variiert in der Gruppe, Monogamie scheint es nicht zu geben. Außerdem werden sexuelle Handlungen recht offensichtlich und öffentlich durchgeführt.
Die männlichen Individuen sind für das Beschaffen von Nahrung verantwortlich, die sie täglich auf einem offenen Feuer innerhalb ihres Territoriums zubereiten. Hauptsächlich nehmen sie Fleisch zu sich. Ihr angestammtes Territorium verlassen sie nur zum Sammeln und Jagen. Das weibliche Individuum ist mit der Aufzucht der Kinder beschäftigt.
Kommen wir zu kultischen Handlungen, die oft zu beobachten waren. Die Männchen sind bereits ab Mittag auf dem Territorium sichtbar, während das weibliche Individuum immer erst später mit der Nachkommenschaft hinzukommt. Es wird gekreischt und gegrunzt und eine Mange Alkohol konsumiert. Das schätze ich als eine kultische Handlung ein. Es ist bekannt dass bei den Neandertalern eine Vorstufe der Emergenz von Religion vorhanden war. Und der Alkoholkonsum ist für mich eine Huldigung der Ahnen, die wahrscheinlich auch immer blau waren. Sobald die Sonne untergeht, wird noch mehr Alkohol konsumiert und das verbale Verhalten lauter. Das lässt auf eine Angst vor der Dunkelheit schließen, gegen die sie sich wappnen und die sie außerdem mit Gekreisch und Gegrunze zu vertreiben suchen. Damit haben sie, wie der homo sapiens weiß, keinen Erfolg und ziehen sich dann in ihre Höhlen zurück.
Erstaunlicher Weise gibt es einige schüchterne Versuche ihrerseits, Kontakt zur Gattung des homo sapiens aufzunehmen, was aber immer wieder an den doch sehr großen Unterschieden scheitert.
Nun gut, ich werde weiterhin meine Feldforschung betreiben, mich vielleicht noch genauer mit den kultischen Handlungen beschäftigen und dann ein Buch oder Filmsequenzen herausbringen. Dank meiner Nachbarn hat mein Studium also doch einen Sinn gehabt. Aber wer hat schon das Glück solche Nachbarn zu haben?

Marketing ist alles. Auch dann, wenn das angepriesene Produkt gar nicht vorweisbar ist? Von unserem Gastautor Reinhard Matern.
Typische Metropolen wie New York, London, Paris haben nicht nur viele Einwohner, sie ziehen nicht bloß Wirtschaft, Kultur und Touristen an. Die Städte wurden und werden auch gestaltet. Metropolen waren und sind eigenständige politische Räume. Als Metropoleregion gelten hingegen Verflechtungsgebiete mit wenigstens einer Metropole. Typische Beispiele für solche Regionen sind Tokyo-Yokohama, Berlin-Brandenburg. Im Ruhrgebiet ist man auf die Idee gekommen, dass es auch anders geht. Im Vorfeld und Rahmen der Events zur europäischen Kulturhauptstadt ist aus dem Ballungsraum eine Metropole geworden, die auch ohne eigenständigen politischen Raum auskommt.
Dem Vorgehen stehen Defizite gegenüber, die dem Bemühen diametral entgegenstehen. Das Ruhrgebiet war in der Zeit von Kohle und Stahl eine hochgradig politisierte Region. Die Mitgliedschaft und das Engagement in einer Partei, nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend in der SPD, gehörte zum Alltag der Menschen. Die Einflussmöglichkeiten reichten jedoch nur bis zu den jeweiligen Stadt- und Gemeindegrenzen. Das Leben gestaltete sich primär im Ortsteil. Privater Hort war der Schrebergarten, die Laube. Die Region ist bis heute kein politischer Raum. Eine Identifikation mit dem Ruhrgebiet fehlt. Die Region ist drei verschiedenen Bezirksregierungen zugeordnet, die allesamt außerhalb des Ruhrgebiets liegen: in Düsseldorf, Münster und Arnsberg. Diese noch aus preussischer Zeit (1816) stammenden unterschiedlichen Zuständigkeiten haben eine Metropolenbildung wirksam unterbunden.
2003 formulierten acht Großstädte Ziele für eine Kooperation: im ‘Stadtregionalen Kontrakt’. Inzwischen gelten diese Ziele als Grundlage aller Städte und Gemeinden, die im Regionalverband Ruhr, dem Zweckverband der Kommunen, vertreten sind. Doch beschränken sich diese Vorgaben auf Flächenplanungen und ein Standortmarketing. Seit Herbst 2009 obliegt dem Zweckverband die Koordinierung der Flächennutzungspläne als hoheitliche Aufgabe. Für die Schaffung eines gemeinsamen Regierungsbezirks, obwohl seit den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts immer wieder darüber diskutiert wurde, war und ist bis heute keine Einigung aller Beteiligten zu erzielen. Die notwendige Verwaltungsreform beträfe nicht bloß die Region, sondern ganz Nordrhein-Westfalen. Ebenso gibt es derzeit keine Pläne, dem Regionalverband der Kommunen weitere hoheitliche Aufgaben der verschiedenen Bezirksregierungen zukommen zu lassen. Anstatt dem Ruhrgebiet die geeigneten Rahmenbedingungen bereitzustellen, um eine Entwicklung zur Metropole zu ermöglichen, eine, die dem gesamten Bundesland neue Impulse geben könnte, gefällt man sich darin, die Region faktisch als Provinz zu erhalten.
Die regionale Moibilität ist rückständig. Der Nahverkehr, der die überlasteten ‘Stadtautobahnen’ A40 und A42 wirksam entlasten könnte, lässt Fahrten innerhalb des Ruhrgebiets unter Umständen länger dauern als eine Zugfahrt nach Frankfurt. Jede Großstadt hat ihre eigene Verkehrsgesellschaft, die Fahrpläne sind schlecht abgestimmt, nicht bloß untereinander, auch mit der Deutschen Bahn. Der Nahverkehr befördert nur 11% des regionalen Personenverkehrs. In Berlin sind es gut 25%. Während der Vorbereitungen zum Jahr der Kulturhauptstadt, eingedenk der erhofften auswärtigen Besucher, sah man sich genötigt, übergangsweise den Eindruck von regionaler Mobiltät vermitteln zu müssen und investierte punktuell in den Nahverkehr. Eine Lösung des strukturellen Problems sähe anders aus. Die zur Verfügung stehenden Verkehrsverbindungen werden den Einwohnern und der regional notwenigen wirtschaftlichen Entwicklung kaum gerecht.
Auch die Wirtschaftsförderung ist primär lokal angesiedelt. Seit 2007 ergänzt eine aus dem Zweckverband entstandene Einrichtung die separaten, in Konkurrenz ausgetragenen Bemühungen der Städte und Gemeinden. In dieser Kooperation hat man ‘Kompetenzfelder’ der ansässigen Wirtschaft ausgewählt, sowohl Branchen-Cluster als auch Branchen-Konzentrationen, um die Region im nationalen und internationalen Vergleich zu positionieren. Die Cluster Energie, Logistik und Chemie werden von der ansässigen Großindustrie dominiert. Die Gesundheitswirtschaft besteht primär aus den Kliniken in der Region, die in hoher Konzentration vorzufinden sind. Zusätzlich geförderte Zweige stehen überwiegend in einem direkten Zusammenhang mit den neu entstandenen Technologie- und Wissenschaftszentren. Mit diesem ‘Kompetenzfeldmarketing’ erhofft man sich den Ausbau von Clusterbildungen und ein weiteres Fortschreiten der Konzentrationen. Es ist schon einmal geschehen, dass sich die Wirtschaft im Ruhrgebiet zu sehr an den Großbetrieben orientiert hat. Der Mittelstand war schwach und einseitig auf die herrschende Kohle- und Stahlindustrie bezogen, wie in der ‘Regionalkunde’ des Verbandes betont wird. In einer politischen Diskussion hätte die Frage nach dem Mittelstand öffentlich aufgeworfen werden können und auch müssen.
Das Fehlen einer regionalen Politik hat jüngst zu einer kaum ermessbaren Katastrophe beigetragen. In Duisburg sind durch die Loveparade vom 24. Juli 2010 einundzwanzig Menschen zu Tode gekommen und über fünfhundert zum Teil schwer verletzt worden. Der Plan, die Loveparade im Jahr der europäischen Kulturhauptstadt und im Zusammenhang mit der Kampagne ‘Metropole Ruhr’ in Duisburg stattfinden zu lassen, hat zu einem Sicherheitskonzept geführt, das den ungeeigneten Bedingungen angepasst worden ist. Sowohl die Ruhr.2010 GmbH, Betreiber der Kampagne ‘Metropole Ruhr’, als auch die ehemalige Landesregierung haben auf eine Durchführung gedrungen. Für die Sicherheit zu sorgen, lag fraglos bei der Duisburger Genehmigungsbehörde und dem privaten Veranstalter: Diese Verantwortung ist ihnen nicht zu nehmen. Zu den Rahmenbedingungen der Loveparade gehörte jedoch auch ein von außen produziertes Drängen. Fritz Pleitgen sah sich als Geschäftführer der Ruhr.2010 GmbH veranlasst, seine moralische Mitschuld öffentlich (ZDF, 29.07.10) einzugestehen. Eine regionale Planung der Loveparade hätte völlig anders verlaufen können: Duisburg wäre aufgrund der ungeeigneten Bedingungen als Ausrichtungsort kaum in Betracht gezogen worden, unabhängig von einem lokal herrschenden Ehrgeiz. Alternativen hätte es in der Region gegeben.
Das Ruhrgebiet benötigt sowohl für die weitere Entwicklung als auch zur Vermeidung zukünftiger Katastrophen einen politischen Raum. Ohne ein gemeinsames politisches Planen und Gestalten würde die Region ein in sich zerrissener Ballungsraum bleiben, der den gestellten Aufgaben nicht gerecht wird. Die Frage nach einer Metropole ist hingegen nachrangig. Zwei Wege, eine regionale Politik betreiben zu können, sind bislang angedacht worden: 1. Eine Verwaltungreform, die das gesamte Bundesland beträfe, 2. die Überantwortung von Aufgaben und Ressourcen der verschiedenen Bezirksregierungen auf den Regionalverband. Der zweite Weg ist unter den derzeitigen Bedingungen leichter zu beschreiten. Auf diesem Weg wäre allerdings zu erörtern, ob die neu zu schaffende politische Institution nicht einer gesonderten politischen Legitimität durch die Bürger der Region bedarf. Als Kommunalverband besonderer Art wäre eine solche Möglichkeit durchaus gegeben. Das Versammlungsgremium des Regionalvebandes nennt sich bereits ‘Ruhrparlament’. Warum nicht ein echtes Parlament entstehen lassen?
Der Text ist aus der aktuellen Ausgabe des politischen Kulturmagazins Gazette.
„Was geht auf Deutsch, und was geht nicht?“ fragt sich Andreas Lichte. Ein Sprach- und Vokal-Kurs mit einem Lied von Mina.
Vokale geschrieben (fast!) wie gesungen, Text wörtlich übersetzt, Wortstellung wie im Italienischen:
Non Credere
Nicht glauben
Noooooo, nooooooo, noooooooo,
Nein, Nein, Nein
No-oooo, non crederleeeeee
Nein, nicht glauben ihr
non gettare nel ventooooooo
nicht werfen in den Wind
in un solo momentoooooo
in einem einzigen Moment
quel che esiste fra noi-iii
das, was existiert zwischen uns
Noooooo, nooooooo, noooooooo
Nein, Nein, nein
n-oooo ascoltamiiiiiiiii
nein, hör zu mir
tu per lei-ii sei un giocattolooooooo,
du für sie bist ein Spielzeug
il capriccio di un attimooooooo
die Laune von einem Augenblick
e per me sei sei la vi-itaaaaaa.
und für mich du bist das Leben
Se lei ti amasse, i-iooooooo,
Wenn sie dich liebte, ich
se lei ti amasse, i-iooooooo,
Wenn sie dich liebte, ich
saprei soffrire ed anche morire
ich würde wissen leiden und auch sterben
pensando a teeeeeeeeee.
denkend an dich
Ma non ti ama, noooooooo,
Aber nicht dich sie liebt, nein
lei non ti ama, noooooooo,
sie nicht dich liebt, nein
ed io non voglio vederti morire,
und ich nicht will sehen dich sterben
morire per leiiiiii.
sterben für sie.
Noooooo, nooooooo, noooooooo,
Nein, Nein, Nein
No-oooo, non crederleeeeee
Nein, nicht glauben ihr
non gettare nel ventooooooo
nicht werfen in den Wind
in un solo momentoooooo
in einem einzigen Moment
quel che esiste fra noi-iii
das, was existiert zwischen uns
Se lei ti amasse, i-iooooooo,
Wenn sie dich liebte, ich
se lei ti amasse, i-iooooooo,
Wenn sie dich liebte, ich
saprei soffrire ed anche morire
ich würde wissen leiden und auch sterben
pensando a teeeeeeeeee.
denkend an dich
Ma non ti ama, noooooooo,
Aber nicht dich sie liebt, nein
lei non ti ama, noooooooo,
sie nicht dich liebt. nein
ed io non voglio vederti morire,
und ich nicht will sehen dich sterben
morire per leiiiiii.
sterben für sie.
Ma non ti ama, noooooooo,
Aber nicht dich sie liebt, nein
lei non ti ama, noooooooo,
sie nicht dich liebt. nein
ed io non voglio vederti morire,
und ich nicht will sehen dich sterben
morire per leiiiiii.
sterben für sie.
Heute ist Mittwoch. Markttag. Der Tag in der Woche, an dem etwas mehr los ist, im Herz von Gelsenkirchen-Hassel. Man kommt zusammen, redet miteinander über wichtige und unwichtige Dinge des Lebens. Irgendwann dann, am Stand mit den Blumen, stehen sie neben mir. Frauen, eingehüllt in schwarze Tüchern. Zu sehen ist nur das blasse Gesicht, das aus den Tüchern herausschaut. Die Tücher sind der so genannte „Tschador“, der vor allen Dingen im Iran getragen wird. Von unserem Gastautor Malte Trösken.
Der Rest der muslimischen Frauen auf dem Markt trägt Kopftuch oder Hidschab. Der „Koran“ hat den Frauen Freiheit gebracht, sagen muslimische Männer und Frauen mir oft. Und dass muslimische Männer ihre Frauen ehren. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
Seit 4 Jahren lebe ich hier im Gelsenkirchener Norden. Als ich hier hin zog, glaubte ich zu wissen, worauf ich mich einlasse. Ich war auch mal einer, der daran geglaubt hat, das „Multi-Kulti“ funktioniert und es hier ganz toll wird. Ein Ruhrpott-Abenteuer zwischen Orient und Okzident. Weit gefehlt.
In Hassel, im Norden von Gelsenkirchen, gibt es drei „offizielle“ Moscheen. Das urbane Leben hier ist sehr stark durch Muslime geprägt. Das ist seit vielen Jahren so. Aber seit zwei Jahren etwa verändert sich hier alles. Viele Geschäfte wurden geschlossen. Schon bald werden sie von muslimischen Geschäftsleuten übernommen. Dasselbe gilt für Häuser die frei werden, oder Wohnungen.
Die Grundstimmung in Hassel ist schlecht. Deswegen gehen viele Geschäftsleute, ziehen weg. Denn auch hier gibt es Unterdrückungen seitens der türkischen Community gegenüber den Deutschen. Vor allen Dingen in den Schulen. Aber auch auf der Straße. Dort wird die Abneigung gegen Juden und auch Christen auch schon mal recht deutlich zum Ausdruck gebracht.
Wir alle in Hassel geben uns Mühe, über dieses Dinge hinweg zu sehen, aufeinander zu zugehen. Veranstalten interreligiöse Gottesdienste und Feste. Doch es funktioniert nicht. Veranstaltet der Stadtteil ein „Straßenfest“, bleiben die Muslime meist weg. Veranstalten diese wiederum ein Straßen bzw. Gemeindefest, bleiben die „Deutschen“ weg. Interreligiöse Gottesdienste weisen ein Ungleichgewicht auf, wenn viele Christen und wenige Muslime den Worten von Pfarrer und Imam lauschen.
Wie sollte es auch funktionieren, in einem Stadtteil in dem kleine Kinder täglich verschleiert in die Koranschule gehen. Später dann besuchen sie einen Kindergarten, in dem sie größtenteils unter sich sind, wie, wieder später, in der Schule auch. Kontakt zu „Deutschen“ wird zwar, meist oberflächlich, gepflegt, aber eigentlich braucht man den nicht, wofür auch? Hier in den Geschäften gibt es alles, was man braucht und, man spricht türkisch oder arabisch. Auch wenn zumindest die Mitarbeiter deutsch sprechen können.
Als nichtmuslimische Frau ist es hier gar nicht ratsam, nach Einbruch der Dunkelheit allein über die Straße zu laufen. Es ist dann nicht mehr sicher, wie man so schön sagt. Um nur mal ein Beispiel zu nennen, wenn meine Liebste mal allein abends vor die Tür geht, wird sie oft „angepöbelt“. Weil sie dunkle Haare hat, nennen muslimische Halbwüchsige sie „Sarah“.
Raubüberfälle. Einbrüche. Körperverletzungen. Meist steht in solchen Zeitungsmeldungen einen Hasseler Adresse. Tags und nachts geschieht so etwas. Wenn die Täter mal geschnappt werden, sind es meist Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn es nur um die Kriminalstatistik geht, müsste jeder Polizist in Gelsenkirchen Pro-NRW recht geben, was sie in Teilen auch tun, nur halt nicht öffentlich! Viele junge Männer aus dem Stadtteil haben den Gerichtssaal mehr als einmal von innen gesehen. Und sei es nur, weil ältere gegenüber jüngeren körperliche Züchtigungen getätigt haben, um diese zu „erziehen“. Eine harte Hand, die hier an einigen Stellen völlig normal ist.
Was mich in letzter Zeit sehr stark bewegt ist, dass ich an mir selbst eine Veränderung festgestellt habe. Schleichend entwickelt sich eine Abneigung gegen diese Menschen, die unsere Grundrechte nicht achten. Und das, obwohl ich viele von denen mag. Aber ich stelle auch fest, dass sie einfach zu wenig tun, um gänzlich in unserer deutschen Gesellschaft aufgenommen zu werden. Und viele von ihnen wollen das auch gar nicht. Egal ob sie jetzt einen deutschen Pass haben oder nicht, sie sind und bleiben Türken, Araber oder Libanesen.
Das alles macht nachdenklich, traurig. Gerade wenn man sieht, wie die Stadt sehr viel Geld investiert um diese Situation zu ändern. Bei Gesprächen mit den Menschen, die denselben Hintergrund haben, aber es geschafft haben sich zu integrieren, ohne ihre eigene Identität zu verlieren, höre ich immer raus, dass die ihre eigenen „Landsleute“ nicht verstehen. Eine sagte mal zu mir, dass sie schon versucht habe, über Gespräche etwas zu ändern, dass sie da nicht mehr rankommt. Denn sie sei schon zu westlich, zu „angepasst“, als dass diese Menschen auf sie hören würden.
Die momentan laufende „Integrationsdebatte“ interessiert hier viele nicht. Ich bin mir fast sicher, dass ein Thilo Sarrazin durch Hassel laufen könnte, ohne Probleme zu bekommen. Denn entweder wird er nicht erkannt, weil hier ohnehin keiner eine Zeitung liest. Und wenn, dann ist es „Hürriyet“. Oder den Migranten hier ist es einfach scheißegal, was der sagt. So egal, wie Pro-NRW, die können hier in den Straßen und auch direkt vor türkischen Läden ihre „Propaganda-Plakate“ aufhängen, ohne dass einer der Betroffenen reagiert, während wir für deren rechte auf die Straße gehen.
Überhaupt regen mich viele sehr scheinheilig geführte Diskussion zum Thema Islam ziemlich auf, denn schaut euch an, was da passiert. Während man als Christ in Deutschland vielfach belächelt, ja sogar gegängelt wird, soll auf einmal alles Muslimische und der Koran „ganz toll“ sein und das Essen „halal“, also rein? Und „wir“ haben die „Pflicht“, diese Menschen zu integrieren. Wir?
Wenn ich ins Ausland fahre, muss ich doch die Sitten und Gesetze des jeweiligen Landes achten. Und wenn ich dort leben möchte, umso mehr. Bevor jemand fragt, ja, ich war schon in der Türkei, in Tunesien oder Marokko. Abgesehen von Istanbul ist das alles nun mal arabisch/islamisch geprägt. Und jetzt sollen wir, weil einige nicht bereit sind sich anzupassen, ganze Stadtteile aufgeben? Also unsere Identität, die Deutsche oder meinetwegen auch Europäische, aufgeben, weil Deutschland ja ein „Einwanderungsland“ ist? Panislamismus im Kleinen zulassen, im eigenen Land, nur damit Ruhe herrscht?
Das ist paradox. Diese Menschen kommen ja vielfach gerade wegen dem, vermeintlichen, Reichtum hier hin, wegen der Demokratie und der Freiheit. Auch der der Religion. Ich erinnere mich an die Dokumentation über eine Schule in Gelsenkirchen, in der eine junge Muslimin sagte „Wenn alle Deutschen für einen Tag verschwinden, das würde nicht auffallen“. Schön zu hören, wenn man für all seine Anstrengungen den entsprechenden Dank bekommt!
Und was sagt die Regierung dazu, natürlich dass „wir“ uns noch mehr anstrengen müssen. Dass „wir“ noch mehr Geld in integrative Projekte stecken müssen. Aber warum „wir“, warum nicht die Muslime, die dritte Säule des Islams, die Spenden, wäre doch zumindest mal eine finanzielle Quelle um all diese Projekte zu finanzieren, ein Ansatz?
Wohin eigentlich soll das führen, wenn die Formel hierzulande schon heißt „Christ =
Pädophil“ und „Konservativ = Nazi“? Ich für meinen Teil bin weder rassistisch oder islamophob noch fremdenfeindlich. Trotzdem ist es schon so weit gekommen, dass ich meine Meinung nicht laut aussprechen darf. Das ist, so traurig das klingt, gefährlich.
Ömer, ein guter Bekannter, lebt seit Anfang der 70’er Jahre in Deutschland. Ömer lebt seit vielen Jahren mit einer deutschen Frau zusammen. Die beiden haben zwei Kinder. Er kam mit dem Abitur in der Tasche, wollte damals eigentlich Lehramt studieren. Das ging aber in den 70’ern nicht. Er machte eine Ausbildung zum Schlosser. Auf dem Pütt. Seit einigen Jahren ist Ömer selbstständig. Zum Thema „Integration“ hat er seine ganz eigene Meinung, er sagt, dass diejenigen die die „Integration“ strikt verweigern, dieses Land auch wieder verlassen sollten. Er, als Türke, darf das sagen!
Grundsätzlich kann man sagen, dass früher tatsächlich alles besser war. Früher hatten wir noch die Kohle und Stahl Industrie. Deutsche, Italiener, Polen, Türken, Jugoslawen usw. arbeiteten zusammen „unter Tage“. Sie waren aufeinander angewiesen. Zumindest unten, in der Grube. Da waren sie Kumpel. Auch im übertragenen Sinne. Jeder musste auf den anderen aufpassen, das hat die Menschen zusammengeschweißt. Mit dem Ende der großen Stahl und Kohleindustrie haben wir es verpasst, diesen Zusammenhalt auch weiter zu tragen und mit in die Zukunft zu nehmen. Die Zeit der Kumpel ist vorbei. Jetzt haben wir das Zeitalter des Nebeneinanders. Im besten Fall.
In sterbenden Stadteilen blieben meist die Türken, die muslimischen Mitbürger zurück, oft arbeitslos, oft hoffnungslos. Die Regierung hat jahrzehntelang dabei zugesehen, wie sich z.B. in Berlin Neukölln, Duisburg Marxloh oder halt Hassel eine Parallelgesellschaft entwickelt, die von deutschem Recht oder deutscher Kultur nur sehr wenig hält. Dazwischen leben nur noch Hartz IV Empfänger. Und die Alten. Die gehen nicht mehr. Die halten durch. Die geblieben sind, stammen oft selbst aus bildungsfernen Schichten. Das zumindest verbindet sie mit vielen Migranten. Kultur, das ist hier ein gutes Essen, der kleine Garten, die Religion. Intelektuelles Leben geht nur von ein paar wenigen Einrichtungen aus. Und deren Aktionsradius ist einfach begrenzt.
Jetzt sollen wir, also wir Bürger, gefälligst mal ein wenig toleranter sein und das kitten, was die Politiker in Jahrzehnten versaut haben. Weil sie weggeschaut haben. Weil sie die unangenehmen Diskussionen nicht führen wollten. Dabei sind sie heute noch viel schlimmer. Politische Extreme konnten sich nur ausbilden, weil die Probleme nicht auf den Tisch kamen. Der Protest der Menschen formierte sich in Gruppierungen wie Pro NRW.
Es wird nicht funktionieren, der echte Austausch, das sich befruchtende Miteinander. Da bin ich mir sicher. Ich selbst werde bald aus dem Hassel wegziehen. Nicht nur weil ich eine neue Bleibe brauche. Nein. Auch weil ich einfach Abstand brauche von diesem tollen multikulturellem Leben hier. Vom Schmelztiegel, der ein Pulverfass ist. Denn auf Dauer ist das einfach zu heiß.
Malte Trösken betreibt das Blog Hometown-Glory
Ein Beitrag von unserem Gastautor Andreas Lichte zur „Integrationsdebatte“.
„Dann kommt auch der Sandmann …“
und sofort ist da dieser Blick … der „Sandmann“?
„Hilfe! Wie soll ich Xinying das jetzt erklären? Natürlich ist der »Sandmann« in China unbekannt!“ denke ich, zu spät, das hätte mir auch vorher auffallen können.
„Der Sandmann ist eine Märchengestalt. Er bringt die Kinder zum Schlafen. Dazu streut er ihnen Sand in die Augen“, sage ich, und diesmal schaue ICH ungläubig, über meine eigenen Worte: „Sand in die Augen streuen, zum Einschlafen?“ Das ist doch Folter!
Und richtig, als ich es später bei wikipedia nachschaue, lese ich: „E.T.A. Hoffmanns Schauernovelle „Der Sandmann“ entwirft mit der Sandmanngestalt eine typische traditionelle Kinderschreckfigur, deren Auftreten Furcht und Schrecken verbreitet. Sie setzt den Sand als eine für die Augen gefährliche und verletzende Waffe ein.“
Das sage ich Xinying natürlich nicht. Zweifel unerwünscht. Ich möchte doch, dass Xinying „La Le Lu“ singt. Als Ausspracheübung. Und das kam so. Ich rufe Prof. Klaus Prange an, frage: „Wie bringe ich einer Chinesin Deutsch bei? Wie schaffe ich es, dass sie die Angst vor der Aussprache verliert, vor dem bösen »r«?“ „Da gibt es doch Bücher für Schauspieler …“ sagt der Pädagoge. „Grossartig! Eine Freundin ist Professorin an der Schauspielschule.“ Und da ist er, „Der kleine Hey. Die Kunst des Sprechens“. Aber: alles viel zu schwierig, bekomm’ ich ja kaum selber hin. Also alles wieder auf Anfang. Fangen wir doch mal mit etwas an, dass JEDER kann … ein Kinderlied, Wiegenlied?
Und nun hat Youtube wirklich VIELE Zugriffe. Das gefällt mir alles nicht. Das würde ich nie selber singen, mir nie selber glauben. Aber dann kommt Heinz Rühmanns grosser Auftritt: „La Le Lu“ … Heinz Rühmann, ausgerechnet, den fand ich früher immer doof.
Aber als ich mir die Begleitung für die Gitarre zusammenbastele, werde ich selber wieder zum Kind:
La Le Lu
nur der Mann im Mond schaut zu
wenn die kleinen Babys schlafen
drum schlaf auch du.
La Le Lu
vor dem Bettchen stehn zwei Schuh
und die sind genau so müde
gehn jetzt zur Ruh.
Dann kommt auch der Sandmann
leis tritt er ins Haus
sucht aus seinen Träumen
dir den schönsten aus.
La Le Lu
nur der Mann im Mond schaut zu
wenn die kleinen Babys schlafen
drum schlaf auch du.
Jetzt nicht lesen. Singen! Und dran glauben!
Ich weiss nicht, ob mir Xinying geglaubt hat, aber sie hat „La Le Lu“ gesungen. Und ich – ich –habe dazugelernt. Nicht nur, wer der Sandmann wirklich ist.

Ich kann nicht sagen, ob Herr Dr. Thilo Sarrazin, der an einem altsprachlichen Gymnasium sein Abitur gemacht hatte, wirklich keine Ahnung von Geschichte hat, oder nur so tut. Mir fällt nur auf, Herr Sarrazin zitiert Geschichte chronisch falsch. Von unserem Gastautor Helmut Junge
So sagt er zum Beispiel, daß es seit der Völkerwanderung keine Zuwanderung nach Deutschland in dieser Größenordnung gab, wie zur Zeit.
Das ist falsch, denn in der Zeit der Völkerwanderung sind die Germanen aus Deutschland herausgewandert, es ist nicht umgekehrt jemand eingewandert.
Hier bei den Ruhrbaronen hatte Werner Jurga in einem Kommentar, den 30-jährigen Krieg als Beispiel für eine Phase der Zuwanderung nach Deutschland genannt. Während des dreißigjährigen Krieges ist die Zahl der Bevölkerung in Deutschland auf etwa 4 Millionen, von vorher etwa sechzehn-achtzehn Millionen geschrumpft. Wer den Simplizissimus gelesen hat, wird auch eine Vorstellung davon haben, wie brutal die Soldateska mit der Zivilbevölkerung umgegangen ist, und aus wie vielen Ländern diese Söldner kamen. Die durch Vergewaltigung entstandenen Nachkommen, sind über die Jahrhunderte mit der restlichen Bevölkerung so vermischt, dass man sagen kann, wir sind allesamt Nachkommen dieser Söldner.
Ein zweites Beispiel für die massenhafte Zuwanderung von Ausländern bietet die Zeit der Industrialisierung des Ruhrgebiets. Dort wurden aus kleinen Bauernschafften in kürzester Zeit große Städte. So hatte zum Beispiel Marxloh im Jahr 1843 nur 321 Einwohner. Im Jahre 1925 waren es dann infolge der Industrialisierung bereits 35.872 Einwohner! Ähnliches gilt für alle kleinen Gemeinden im Ruhrgebiet, so dass man sagen kann: Im Ruhrgebiet hat sich die Zahl der Einwohner wegen des Bergbaus in kurzer Zeit verhundertfacht.
Die Mehrzahl dieser zugewanderten Leute kam von weit her, meist aus anderen Ländern, meist aus Süd-und Osteuropa, wo es billige Arbeitskräfte in so großer Zahl gab, so daß ich ziemlich sicher bin, daß höchstens einer von Hundert Einwohner im Ruhrgebiet rein deutsche Wurzeln hat. Sehr geehrter Leser, wenn sie das nicht glauben, empfehle ich Ihnen, mal aus Spaß etwas Ahnenforschung über alle Abstammungslinien zu betreiben, und sie werden sich wundern. Sarrazin selber stammt laut Wikipedia aus einer Hugenottenfamilie, die lange vor der Industrialisierung Zuflucht in Deutschland gefunden hatte. Wenn man von Geschichte spricht, muss man auch sagen, dass historisch gesehen, nicht alle Teile Deutschlands zum ursprünglichen Kern dieses Deutschlands gehörten. So wurde das westliche Ruhrgebiet erst nach der dritten Reichsteilung endgültig Bestandteil dieses späteren Deutschlands, und die Gebiete östlich von Magdeburg kamen noch 300 Jahre später dazu. Also: Unsere schöne Hauptstadt, und ihr Umland waren vor 1000 Jahren noch nicht dabei. Ich denke, dass meine kleinen Beispiele genügend deutlich gemacht haben, wie leichtfertig Dr. Sarrazin mit historischen Vergleichen umgeht. Dieser leichtfertige Umgang mit der Geschichte macht mich misstrauisch, denn ich weiß ja, dass er es von seiner Bildung her durchaus besser können müsste. Ich frage mich dann, wie dieser Mensch dann mit seinen anderen Anliegen umgeht, ob die vielleicht auch so locker daher geredet worden sind. Nun ist Herr Sarrazin ja nicht deshalb in der Öffentlichkeit so angegriffen worden, weil er Geschichtsdaten strapaziert hätte, sondern weil er sich in das Gebiet Genetik verlaufen hat. So konstruierte er eine Theorie, die Intelligenz von Menschen von deren genetischem Ausstattung her begründet. Es ist wahr, dass jeder Mensch eine von anderen Menschen abweichende genetische Ausrüstung besitzt.
Wenn ich jemanden betrachte, der nicht haargenau so aussieht, wie ich, hat der eine andere genetische Zusammensetzung, als ich. Daher, von den Genen, kommt das ja.
Wenn ich auf eine Gruppe Menschen treffe, die sich untereinander ähnlicher sind, als ich es hnen gegenüber bin, dann sind sie eben als Gruppe genetisch von mir verschieden.
Das ist so, wie ich es hier schreibe, seit langer Zeit allen Menschen bekannt.
Sarrazin gelingt es nun aber, den Leuten zu suggerieren, daß es sich dabei um allerneueste wissenschaftliche Erkenntnisse handele, und daß diese Unterschiede in der genetischen Ausstattung, auch bewiesenermaßen Ursache für eine unterschiedliche Intelligenz seien.
So etwas hat aber noch nie ein Wissenschaftler beweisen können.
Nur Sarrazin glaubt das zu wissen und verkündet das.
Ein kurzer Blick in ein Lexikon reicht schon, um sich da genau über den Stand der Wissenschaft zu informieren.
Wikipedia sagt:
„Es gibt keine von allen Psychologen geteilte, eindeutige Definition von Intelligenz. Stattdessen existieren verschiedene Intelligenzmodelle.“
Es ist also nicht mal klar, was Intelligenz ist!
Und wie ist es um die Erblichkeit der Intelligenz bestellt?
Dazu sagt Wikipedia:
„Schließlich ist die Debatte um die Erblichkeit der Intelligenz auch nicht frei von Skandalen geblieben. Als äußerst umstritten, gelten dabei zum Beispiel Cyril Burt (der aufgrund von Studien an getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen, die möglicherweise nie stattfanden, eine Erblichkeit der Intelligenz von 70 bis 80 Prozent annahm)[7] und Rick Heber (der aufgrund eines Experimentes, an dessen Existenz ernsthafte Zweifel aufgekommen sind, annahm, dass der IQ sich durch entsprechende Programme um circa 35 Punkte steigern lasse).[8] Obwohl diese Forscher heute als äußerst umstritten gelten, werden sie noch immer (Stand 2009) von anderen Wissenschaftlern aus den entsprechenden Lagern unkritisch zitiert“
Ich wiederhole also meinen Vorwurf, des leichtfertigen Umgangs mit wissenschaftlichen Zusammenhängen, denn noch nie ist der Beweis erbracht worden, daß es eine genetische Ursache für den, von Sarrazin postulierten, hypothetischen Intelligenzunterschied gibt. Wenn es also keinen Beweis dafür gibt, dass Intelligenz genetische Ursachen hat, und damit erblich ist, entfällt natürlich auch Sarrazins Kernbehauptung, dass die Deutschen immer dümmer werden, weil wir einen ungebremsten Zuzug von dummen Migranten hätten. Das ist aus meiner Sicht genau deshalb schlimm, weil diese Behauptung bedeutet, dass an schulischen Leistungsgefällen dieser Art nichts zu korrigieren wäre. Leistungsschwächere Kinder besonders zu fördern hätte dann nämlich gar keinen Sinn, weil die Schwäche ja genetisch bedingt wäre und bei denen Kindern aus Migrantenfamilien wäre sie sogar rassisch bedingt genetisch fixiert. Diese Aussage macht Herrn Dr. Thilo Sarrazin zu einem Rassisten! Ich verstehe nur nicht, wieso er das nicht selber begreift. Möglicherweise hatte er für solche Behauptungen in den Kreisen, in denen er sich üblicherweise aufhält, noch nie Missbilligung erfahren? In diese rassistische Kategorie lässt sich auch sein Spruch über die Juden, die alle ein gemeinsames Gen haben sollen, einordnen. Auch dieser Spruch lässt sich spontan widerlegen. Er müsste sich nur die Frage stellen, ob er selber, im Falle eines Übertritts zum Judentum, sofort und plötzlich im Besitz dieses Gehens wäre. Ich will jetzt hier an dieser Stelle nicht untersuchen, ob Sarrazin ein hartnäckiger Rassist ist, oder ob dieser Rassismus bei ihm nur gelegentlich vorkommt, und eigentlich seinem unqualifizierten, aber populistischen Umgang mit solchem Gedankengut zuzuschreiben ist.
Nun kann niemand Populist werden, weder hier noch anderswo, wenn er nicht Themen aufgreifen würde, die großen Teilen der Bevölkerung und den Nägeln brennen würden. Es gibt ja tatsächlich eine nicht zufrieden stellenden Grad an Integration speziell bei muslimischen Migranten. Es gibt ja tatsächlich häufig unbefriedigenden Lernerfolge bei Kindern muslimischer Migranten und Kindern, die dem so genannten Prekariat entstammen. Es ist ja tatsächlich auffallend, dass Frauen, die einen Beruf ausüben, nur selten Kinder kriegen.
Nur fällt Herr Dr. Thilo Sarrazin als Berater in dieser Angelegenheit aus, weil er ja von falschen Voraussetzungen kommend, an dieseThemen herangeht, was wir ja bereits gesehen haben. Weil er in denen bereits besprochenen Themenbereichen populistische und damit falsche Argumente gebraucht hat, wären seine Vorschläge für diesen sensiblen Zusammenhang äußerst skeptisch zu betrachten.
Darum schlage ich vor, die Diskussion über diese Themenbereiche ohne Herrn Sarrazin zu führen, denn Sarrazin hat mir nichts zu bieten, außer dem Thema. Aber dieses Thema werde ich mit ihm nicht diskutieren. Gerne aber ohne ihn. Wenn einer so einen Stuß verkündet, habe ich keine Lust, den als Diskussionspartner zu akzeptieren. Ich kann ihn, um Sarrazins eigene Worte zu gebrauchen, „nicht anerkennen“. Als Gesprächs-bzw. als Diskussionspartner, versteht sich, als Mensch schon. Das ist ja das mindeste.
Weil ich ja bereits gezeigt habe, wie schnell jemand, der sich auf diesem Gebiet zu einer Aussage entschließt, entgleisen kann, schlage ich vor, zunächst einmal zu fragen, ob es wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema gibt, ob es wirklich Intelligenzunterschiede bei Schulkindern deren Eltern unterschiedlichen sozialen Schichten angehören, gibt, und ob diese, falls es sie gibt, überhaupt einen Einfluss auf die spätere berufliche Karriere haben.
Dazu sagt Wikipedia folgendes:
„Eine neuere Studie von Ceci (1996), die unter der Fragestellung „What is better, to be rich or to be smart?“ stand, zeigte, dass zumindest in den USA die soziale Herkunft einen sehr viel stärkeren Einfluss auf das später erzielte Einkommen hatte, als die Intelligenz. [24]
Zusätzlich kann man dort lesen:
„Es lässt sich feststellen, dass es deutliche Unterschiede im IQ bei Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Schichten gibt. Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern der Unterschicht schneiden auf IQ-Tests deutlich schlechter ab, als Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern der Mittelschicht[26].
In der frühen Kindheit hat die Herkunftsschicht noch kaum einen Einfluss auf die Entwicklung: Bei Kindern aus allen sozialen Schichten zeigt sich im Verlauf der ersten 15 Monate die gleiche Entwicklung der Sprache, des Geistes und des Sozialverhalten. Es gibt einen kleinen Unterschied: Arbeiterkinder sind im Alter von 15 Monaten in ihrer motorischen Entwicklung etwas weiter. Die Gründe dafür sind nicht geklärt[27]. Im Alter von 24 Monaten zeigen sich bereits Unterschiede zu Gunsten der Kinder aus den Mittelschichten. Bei diesen kann nun ein größerer Wortschatz gemessen werden. Mit drei Jahren ist der Wortschatz von Mittelschichtskindern schon drei mal so groß, wie der von Kindern aus der Unterschicht. “
Aus diesen wenigen Zitaten, geht meines Erachtens sehr deutlich hervor, dass alle Kinder bei der Geburt mehr oder weniger gleich intelligent sind. Kinder, die aus denen immer wieder problematisierten Familien stammen, werden offensichtlich, in ihrer frühkindlichen Phase, weniger gefördert, als das bei Kindern im Durchschnitt der Fall ist. Kämen diese Kinder in den Genuss der gleichen Förderung wie die Kinder in den besser situierten Familien, wäre demnach auch keine unterschiedliche Entwicklung in wichtigen Fähigkeiten zu erwarten. Das zu erreichen, ist die m.E. Pflicht unserer Gesellschaft, unserer Politik, schon allein aus Gerechtigkeit diesen Kindern gegenüber, aber auch, weil diese Gesellschaft später einmal auf die Leistung dieser Kinder angewiesen ist.
Außerdem möchte ich noch auf einen anderen Aspekt den ich dem Kommentator Udo Pahl verdanke, hinweisen:
Wer Kinder hat, verliert schnell den Job. Nicht jede Frau kann es sich leisten, für kranke Kinder der Arbeit fern zu bleiben. Die Frauen haben aus diesem Grund Angst, Kinder in die Welt zu setzen.
Das betrifft zwar alle Mütter, aber vor allem solche Mütter, die ihre Kinder ohne Partner aufziehen. Viele alleinerziehende Mütter landen gnadenlos bei Hartz 4.
Und alleinerziehende Mütter vermehren sich heutzutage in Deutschland schneller, als die Gesamtbevölkerung.
Wer allerdings bereits bei Hartz 4 gelandet ist, für den ist es nicht mehr besonders nachteilig, Kinder in die Welt zu setzen. Darum gibt es unter den Frauen, die noch arbeiten so wenig Kinder, und bei den Frauen, die keine Arbeit haben, deutlich mehr Kinder!!! Da müßte doch einer, der ein sozialdemokratisches Parteibuch besitzt, von alleine drauf kommen, oder?
Tauchten während der Ausbildung zum Waldorflehrer [im „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“] auch rassistische Inhalte auf? Ja. Ich möchte drei Ebenen unterscheiden:
1. Betonung der Überlegenheit der Europäer (= Weißen) unter Ausklammerung der Unterlegenen, der Nicht-Europäer
2. Beschreibung des Verhältnisses von Europäern zu Nicht-Europäern unter Verwendung rassistischer Stereotypen
3. Beschreibung der Nicht-Europäer
Zu jeder Ebene hier ein Beispiel:
1. Betonung der Überlegenheit der Europäer (= Weißen) unter Ausklammerung der Unterlegenen, der Nicht-Europäer:
Im Fach „Kunstbetrachtung“, einer anthroposophischen Kunstgeschichte, erläutert der Gastdozent Dr. Weiss* die Entwicklung der Steinerschen „Wesensglieder“ anhand von dafür typischen Kunstwerken: Die alten Ägyper besaßen noch ein „magisches Bewusstsein“, eine unmittelbare Verbindung zur „geistigen Welt“; bei den Griechen bildete sich die „Verstandesseele“ aus; und „um das Jahr 1413 herum begann mit der Entdeckung der Perspektive die Ausarbeitung der Bewusstseinsseele“. „Damit haben die Europäer eine Vorreiter-Rolle übernommen“, erklärt Dr. Weiss. Ich frage nach: „Und der Rest der Menschheit hinkt hinterher?!“ Dr. Weiss: „Sie wollen mich wohl auf’s Glatteis führen!“ Gefahr erkannt, leider aber nicht gebannt:
Dr. Weiss ist durchaus bewußt, dass mit der von ihm – oder besser: von Steiner – festgestellten Überlegenheit der Europäer eine Unterlegenheit aller Nicht-Europäer einhergeht. Aber dazu steht er, betont an anderer Stelle, dass doch gar kein Zweifel daran bestünde, dass Schwarz-Afrikaner ganz anders als Weiße seien: „Das merke ich schon, wenn ich bei einem schwarzen Taxifahrer mitfahre …“ Dr. Weiss muß es ja wissen, spricht er doch aus Erfahrung: Er hatte nach eigenem Bekunden jahrelang in Südafrika gelebt.
Im Zusammenhang mit der Perspektive präsentiert Dr. Weiss noch ein überraschendes Detail: auf nicht nachvollziehbaren Umwegen verortet er den eigentlichen Verdienst an der kulturhistorischen Leistung „Perspektive“ im germanischen Kulturkreis nördlich der Alpen:
eben anthroposophische Kunstgeschichte …
2. Beschreibung des Verhältnisses von Europäern zu Nicht-Europäern unter Verwendung rassistischer Stereotypen:
Im Fach „Erzählübungen“, angeleitet vom Leiter des Waldorfseminars, Herrn Klein*, soll ein als vorbildlich geltender Text mit eigenen Worten wiedergegeben werden – dieser Text ist ausdrücklich als Material für den Waldorf-Schulunterricht vorgesehen. Worum geht es? Um Geographie. Geschildert wird die Begegnung von Stanley mit Livingstone irgendwo im finsteren Kontinent, Afrika. Stilistisch scheint es sich um einen Aufsatz des neunzehnten Jahrhunderts zu handeln, mit klarer Rollenverteilung: Der europäische Entdecker, Wissenschaftler, begegnet dem primitiven, naiven Schwarzen …
Die vorgestellten Sterotypen sind so eindeutig diskriminiernd, dass es zu massiven Protesten der Waldorfseminaristen kommt, was aber für die Dozenten kein Anlaß zur Selbstkritik ist.
3. Beschreibung der Nicht-Europäer:
In der Seminarveranstaltung zum Thema Geographie, die der Dozent Vormann* vom 29.10. – 2.11.2001 durchführt, wird eine der nicht-europäischen Rassen mit Namen genannt: die „Indianer“.
Im folgenden zitiere ich aus meinem Erlebnisbericht „Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand”:
„»Wie unterrichte ich Geographie an der Waldorf-Schule?« ist das Thema des Dozenten Vormann. Sein Ziel ist es, »hinter den äußeren Eindrücken nach und nach den Schleier für eine höhere Ganzheit zu heben«.
Eine Woche hat er dazu Zeit, und er nutzt sie, um zwei Kontinente vorzustellen: »Geographische Polaritäten. Zentral- und Ostasien im Vergleich mit Nordamerika.« Zunächst ist es nur mehr oder weniger eine Wiederholung des altbekannten Schulstoffes – Gelber Fluß und Colorado River werden gegenübergestellt. Dann widmet er sich seinem eigentlichen Thema: »Mensch und Landschaft.« Aus der asiatischen Architektur – der Pagode – folgert er, daß der Asiat sich dem Himmel – »Tien« – zuwendet.
»Und was ist die typische Architekturform Nordamerikas?« fragt Herr Vormann und gibt alsbald die Antwort: »Es ist die Stufenpyramide. Sie steht für die Erdverbundenheit der präkolumbianischen Völker.« L. erlaubt sich die Frage: »Und was ist mit den Indianern Nordamerikas – der Puebloarchitektur? Oder dem Zelt der Nomadenvölker der großen Prärien?« »Die haben im großen Überblick keine Bedeutung, die Indianer waren schon eine absterbende Rasse«, ist die Antwort des Dozenten. »Eine absterbende Rasse, was meinen Sie damit, daß die Indianer von den Weißen aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt wurden?« »Nein, die Indianer waren schon vorher eine absterbende Rasse, ihnen fehlten die Voraussetzungen für eine kulturelle Höherentwicklung.«
Keiner der Seminaristen sagt etwas. In L. brodelt es, er erinnert sich an seine Reise in den amerikanischen Westen: »Finden Sie das nicht unfair, nach all dem Unrecht, was die Indianer erleiden mußten, ihnen auch noch die Schuld daran anzulasten?!« »Was regen Sie sich so auf, die Alten Agypter waren schließlich auch eine absterbende Rasse.«
L. ringt um Worte: »Meinetwegen können Sie das über die Alten Ägypter sagen, aber ich habe keine Lust, einem Indianer, den ich als Anhalter im Auto mitnehme, zu erklären, daß er zu einer absterbenden Rasse gehört!« Herr Vormann ist ob soviel Respektlosigkeit erbost. »Lassen Sie uns im Unterricht fortfahren, diese Frage können wir hier und jetzt nicht hinreichend erörtern!« Ist damit für ihn die Sache erledigt? L. hört nie wieder etwas von ihm …“ [Zitat-Ende]
Was meint der Dozent Vormann, wenn er von den Indianern als „absterbender Rasse“ spricht? Er fasst mit eigenen Worten eine „Erkenntnis“ Rudolf Steiners zusammen, wie sie sich z.B. in „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ findet, Zitat:
„Auf das Drüsen-System endlich – nur auf dem Umwege durch alle anderen Systeme – wirkt dasjenige, was wir bezeichnen können als die abnormen Geister der Form, die im Saturn ihren Mittelpunkt haben. Da haben wir in allem, was wir als Saturn-Rasse zu bezeichnen haben, in allem, dem wir den Saturn-Charakter beizumessen haben, etwas zu suchen, was sozusagen zusammenführt, zusammenschließt das, was wieder der Abenddämmerung zuführt, deren Entwicklung in gewisser Weise zum Abschluß bringt, und zwar zu einem wirklichen Abschluß, zu einem Hinsterben. Wie sich das Wirken auf das Drüsensystem ausdrückt, sehen wir an der indianischen Rasse. Darauf beruht die Sterblichkeit derselben, ihr Verschwinden. Der Saturn-Einfluß wirkt durch alle anderen Systeme zuletzt auf das Drüsensystem ein. Das sondert aus die härtesten Teile des Menschen, und man kann daher sagen, daß dieses Hinsterben in einer Art Verknöcherung besteht, wie dies im Äußeren doch deutlich sich offenbart. Sehen Sie sich doch die Bilder der alten Indianer an, und sie werden gleichsam mit Händen greifen können den geschilderten Vorgang, in dem Niedergang dieser Rasse.“
Dieselbe „These“ wiederholt Steiner auch in anderen Werken, in wechselnder Ausgestaltung, z.B. in „Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis“, Seite 244:
„Wir haben in der amerikanischen Rasse eine primitive Urbevölkerung vor uns, die weit, weit zurückgeblieben ist, auch in bezug auf religiöse Weltanschauung. (…) Aber die Europäer sind hinaufgestiegen zu einer höheren Kulturstufe, während die Indianer stehengeblieben und dadurch in Dekadenz gekommen sind. Diesen Entwickelungsvorgang muß man immer beachten. Er läßt sich darstellen wie folgt. Im Laufe der Jahrtausende verändert sich unser Planet, und diese Veränderung bedingt auch eine Entwickelung der Menschheit. Die Seitenzweige, die nicht mehr in die Verhältnisse hineinpassen, werden dekadent. Wir haben also einen geraden Entwickelungsstamm und abgehende Seitenzweige, die verfallen (siehe Zeichnung).“
Im vorgestellten Zitat aus „Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis“ erläutert Steiner diese „Zeichnung“ auf der gegenüberliegenden Seite, Seite 245 [siehe Abbildung oben].
Fazit:
Im Rahmen der anthroposophischen Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” wurden eindeutig rassistische Inhalte gelehrt.
Das Spektrum reichte von krassen Aussagen über Nicht-Europäer („Indianer”), die diesen letztlich die Existenzberechtigung absprechen, bis hin zum ganz alltäglichen Rassismus, der eine Vorreiterrolle, Dominanz, Überlegenheit des Europäers (= Weißen) gegenüber anderen Rassen ausdrückte.
Steiners esoterische „Menschheitsentwickelung“ wurde in Form seiner „Kulturepochen“-Lehre am Waldorfseminar unterrichtet.
Wie die Steinerschen „Kulturepochen“ und damit seine rassistische „Menschheitsentwickelung“ den Weg über die indirekte Vermittlung durch den Waldorflehrer zu den Waldorfschülern findet, wird im nächsten Kapitel aufzuzeigen sein. [nächstes Kapitel im Gutachten].
* Namen geändert
Anhang: Aus der „Entscheidung Nr. 5506 vom 6.9.2007“ der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“ von Rudolf Steiner, vertrieben vom Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, Zitat Seite 6f.:
„(…) Der Inhalt des Buches ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen.
Der Begriff der zum Rassenhass anreizenden Medien konkretisiert das allgemeine verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG. Mithin ist der Begriff „Rasse“ weit auszulegen. Zum Rassenhass anreizende Träger- und Telemedien sind solche, die geeignet sind, eine gesteigerte, über die bloße Ablehnung oder Verachtung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen, welche zugleich bei Kindern und Jugendlichen einen geistigen Nährboden für die Bereitschaft zu Exzessen gegenüber diesen Gruppen schafft (Nikles, Roll, Spürck, Umbach; Jugendschutzrecht, 2. Auflage; § 18 Rn. 5). Ein Medium reizt mithin zum Rassenhass an, d.h. stellt Rassenhass als nachahmenswert dar, wenn darin Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Rasse, Nation, Glaubensgemeinschaft o.ä. als minderwertig und verächtlich dargestellt oder diskriminiert werden (Ukrow, Jugendschutzrecht, Rn. 284). Auch wenn ein Medium nicht direkt zum Rassenhass anreizt oder aufstachelt, fällt es dennoch unter § 18 Abs. 1 S. 1 JuSchG, wenn es das namentlich aus Art. 3 und 4 GG ersichtliche Toleranzgebot der Verfassung z.B. dadurch verletzt, dass es Kinder und Jugendliche dazu verleitet, andere zu missachten, die eine andere Hautfarbe, einen anderen Glauben und eine andere Weltanschauung haben (Ukrow; a.a.O.; Rn. 284).
Nach Auffassung des Gremiums finden sich im Achtzehnten Vortrag vom 3.5.1909 (S. 277-294) Textpassagen, die aus heutiger Sicht als Rassen diskriminierend einzustufen sind, weil der Autor darin Menschen verschiedener ethnischer Herkunft aufgrund körperlicher Merkmale in unterschiedliche Wertungsstufen einteilt. Dort wird u.a. ausgeführt:
Was wäre nun geschehen, wenn nun keine Veränderung innerhalb der Erdentwickelung eingetreten wäre? Dann hätten überhaupt die besten der Seelen der polarischen Länder nicht hineinsteigen können in eine physische Körperlichkeit. Und auf der anderen Seite wäre sozusagen die Bevölkerung um den Äquator herum mehr oder weniger dem Untergange verfallen. Weil sie zu früh in eine physische Leiblichkeit hinuntergestiegen war, verfiel sie ja gerade in jene Laster und Untugenden, die zum Untergange von Lemurien geführt haben. Und die Folge war, dass der beste Teil der Bevölkerung auswanderte in jene Gegenden, die zwischen dem Äquator und den nördlichen Ländern lagen. Denn in den lemurischen Zeiten haben wir die zukunftssichersten Glieder der Menschheit in den Zwischenländern zwischen dem Äquator und dem Nordpol. Gerade am besten entwickelten sich die Menschenleiber, die dann wieder Träger werden konnten der besten Menschenseelen, in jenen Gegenden der alten Atlantis, die in der heute sogenannten gemäßigten Zone lagen. (S. 283)
Diejenigen Völker, bei denen der Ich-Trieb zu stark entwickelt war und von innen heraus den ganzen Menschen durchdrang und ihm die Ichheit, die Egoität aufprägte, die wanderten allmählich nach Westen, und das wurde die Bevölkerung, die in ihren letzten Resten auftritt als die indianische Bevölkerung Amerikas. Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden. Bis in die körperlichen Eigenschaften hinein tritt das zutage, wenn man die Dinge wirklich geisteswissenschaftlich betrachtet. Wenn der Mensch sein Inneres ganz ausprägt in seiner Physiognomie, in seiner Körperoberfläche, dann durchdringt das gleichsam mit der Farbe der Innerlichkeit sein Äußeres. Die Farbe der Egoität ist aber die rote, die kupferrote oder auch die gelblichbraune Farbe. Daher kann tatsächlich eine zu starke Egoität, die von irgendeinem gekränkten Ehrgefühl herrührt, auch heute noch den Menschen von innen heraus sozusagen gelb vor Ärger machen. Das sind Erscheinungen, die durchaus miteinander zusammenhängen: die Kupferfarbe derjenigen Völker, die nach Westen hinübergewandert waren, und das Gelb bei dem Menschen, dem die „Galle überläuft“, wie man sagt, dessen Inneres sich daher bis in seine Haut ausprägt. Diejenigen Menschen aber, die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die den Sonneneinwirkungen zu sehr ausgesetzt waren, sie waren wie Pflanzen: sie setzten unter ihrer Haut zuviel kohlenstoffartige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz. – So haben wir auf der einen Seite östlich von Atlantis in der schwarzen Negerbevölkerung, auf der andern Seite westlich von Atlantis in den kupferroten Völkern Überreste von solchen Menschen, die nicht in einem normalen Maße das Ich-Gefühl entwickelt hatten. Mit den Normalmenschen war am meisten zu machen. Sie wurden daher auch dazu ausersehen, von dem bekannten Orte in Asien aus die verschiedenen anderen Gebiete zu durchsetzen. (S. 286)
Diejenigen, die nach dem Osten hinüberwanderten und die schwarze Bevölkerung wurden, waren stark beeinflussbar durch die Außenwelt, besonders für die Sonnenwirkung, gerade weil sie ein geringes Ich-Gefühl hatten. Nun aber wanderten in dieselben Gegenden, wenigstens in dieser Richtung, Völkerschaften, die ein starkes Ich-Gefühl hatten. Das ist eine Bevölkerung, die sozusagen die östliche Richtung der westlichen vorgezogen hat. Diese hat gemildert die kupferrote Farbe, welche sie bekommen hätte, wenn sie nach Westen gezogen wäre. Und aus ihr entsprang jene Bevölkerung, die ein starkes Ich-Gefühl hatte, das sich die Waagschale hielt mit dem Hingegebensein an die Außenwelt. Das ist die Bevölkerung Europas, von der wir im letzten öffentlichen Vortrag sagen konnten, dass das starke Persönlichkeitsgefühl von Anfang an bei ihr das Wesentliche war. (S. 287)
Sehen Sie sich diese Farben an, von den Negern angefangen bis zu der gelben Bevölkerung hin, die in Asien zu finden ist. Daher haben Sie dort Leiber, die wiederum Hüllen der verschiedensten Seelen sind, von der ganz passiven Negerseele angefangen, die völlig der Umgebung, der äußeren Physis hingegeben ist, bis zu den anderen Stufen der passiven Seelen in den verschiedensten Gegenden Asiens. (…) So dass wir im Grunde genommen zwei Gruppen von Bevölkerungen haben, welche die verschiedenen Mischungsverhältnisse darstellen: auf europäischem Boden die einen, welche den Grundstock der weißen Bevölkerung bildeten, die das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet hatten, aber sich nicht dort hinwandten, wo das Persönlichkeitsgefühl den ganzen Leib durchdrang, sondern wo das Ich-Gefühl sich mehr verinnerlichte. Daher haben Sie in Westasien, zum Teil auch in den älteren Zeiten in Nordafrika und in den europäischen Gegenden eine Bevölkerung, die innerlich ein starkes Ich-Gefühl hat, aber äußerlich im Grunde genommen wenig sich verliert an die Umgebung, die innerlich starke und gefestigte Naturen sind, aber diesen inneren Charakter nicht der äußeren Leiblichkeit aufgeprägt haben. Dagegen haben wir in Asien Bevölkerungen, die passive, hingebende Naturen sind, bei denen gerade das Passive im höheren Grade zum Ausdruck kommt. (S. 288)
Wenn wir jetzt in die Zeiten zurückschauen, können wir sagen: Daran, dass gewisse Bevölkerungsteile der Erde nicht die Möglichkeit gefunden haben, richtig mit der Erdentwickelung Schritt zu halten in der Herausentwickelung ihres Ichs, daran können wir uns die Lehre nehmen, wie viel verfehlt werden kann in bezug auf die Entwickelung des höheren Ichs aus dem niederen Ich. (S. 291)
Da gab es zum Beispiel in der alten Atlantis Völker, die dann zu Indianern geworden sind, die sich sozusagen verloren haben von der Erdenbevölkerung. (…) Und sie haben dieses Ich so stark entwickelt, dass es bei ihnen bis in die Hautfarbe gegangen ist: sie wurden eben kupferrot. Sie haben sich in der Dekadenz entwickelt. (S. 291/292)
Das andere Extrem waren die, welche da sagten: Ach, das Ich ist nichts wert! Das Ich muss sich selber ganz verlieren, muss ganz und gar aufgehen, muss sich alles sagen lassen von außen! – In Wirklichkeit haben sie es nicht gesagt, denn sie reflektierten ja nicht so. Aber das sind die, welche so ihr Ich verleugnet haben, dass sie schwarz davon wurden, weil die äußeren Kräfte, die von der Sonne auf die Erde kommen, sie eben schwarz machten. Nur diejenigen, welche imstande waren, die Balance zu halten in bezug auf ihr Ich, das waren die, welche sich in die Zukunft hinein entwickeln konnten. (S. 292)
Da gab es auch schon diese drei Teile unter den Menschen: Die einen, die ihr Ich wirklich entwickeln wollten, Neues und immer Neues aufnahmen und dadurch wirklich zu Trägern der nachatlantischen Kultur wurden. Es gab die anderen, die ihren Gottmenschen nur aus sich sprechen lassen wollten, und ihr Ich durchdrang sie mit der kupferroten Farbe. Und die dritten, welche nur nach außen hin den Sinn wandten, und dieser Teil wurde schwarz. (S. 294) (…)“
Andreas Lichte bei den Ruhrbaronen:
„Waldorfschule: Vorsicht Steiner“ – Interview mit Andreas Lichte
„Die Waldorfschulen informieren“
„Drei Gründe für die Waldorfschule“
„Waldorfschule: Lehrer gesucht!“
„Waldorfschule Schloss Hamborn, das anthroposophische Zentrum in Ostwestfalen“
Abbildung aus: Rudolf Steiner, „Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis”, Seite 245