
Vor ein paar Tagen stand hier bei den Ruhrbaronen einer von den klassischen „Die katholische Kirche ist immer Scheiße“-Texten, die egal, was der Papst macht, alles doof finden.
Die Begründungen dieser Mainstreamigen immergleichen Texte sind auch immer gleich. Der Papst ist doof wegen: Kinderschändung durch Priester, Verfolgung von Andersgläubigen im Mittelalter und wenigstens die Kreuzzüge. Aber auch wegen seiner Weigerung aus der katholischen Kirche eine Basisdemokratie zu machen und Frau Käsmann zur Bischöfin von Köln zu weihen.
Meinetwegen kann man die Kirche deswegen auch immer Scheiße finden. Wir leben in einem freien Land. Keiner ist gezwungen, Katholik zu sein.
Aber das ganze Auskotzen gegen die Kirche am Besuch des Papstes Franziskus auf der Insel Lampedusa, beim Besuch der Elendsflüchtlinge aufzuziehen, ist in meinen Augen zu billig und zu unreflektiert. Das muss nicht sein.
Der Besuch des Papstes ist einer von mehreren Hebeln, mit denen Papst Franziskus die Kirche in neue Bahnen lenkt. Es geht wie immer bei der Steuerung großer Einheiten um Symbole, die in diesem Fall zum Vorbild werden für die Abermillionen Katholiken, die sich fragen: Was ist richtig, was ist falsch, was kann ich tun, um Gutes zu tun?
Papst Franziskus gibt Antworten:
– Verzichtet auf Luxus: Er hat das Goldkreuz abgelehnt und ein Eisenkreuz angenommen. (Allein was es für einen Katholiken bedeutet, dass der Papbst auf seine roten, handgenähten Lederschuhe verzichtet und stattdessen schwarze Schuhe trägt, kann offenbar keiner der Kirchenfeinde begreifen)
– Macht Euch frei: Er hat sein Mercedes-Papamobil aufgegeben und nutzt einen billigen offen Fiat.
– Gebt den Armen: Er hat den Namen Franziskus angenommen, einem Bettelmönch, der sich um die Armen kümmerte.
– Nutzt Eure Möglichkeiten: Er baut die Vatikanbank um zu einer Art globaler GLS-Förderbank.
– Öffnet Eure Herzen: Er segnet die Kinder der Menschen, denen es am dreckigsten geht.
– Setzt Prioritäten: Er fährt bei seiner ersten Reise nicht nach Argentinien oder nach Berlin. Er geht vor die eigene Tür. Nach Lampedusa. Er hätte jeden Menschen der Welt besuchen können. Er hat sich für die Elenden entschieden.
Was bewirkt das? Mehr als alle Kirchengegner zusammen jemals bewirken können: mit ihren mit Milchschaum aufgeschäumten Wohlstandskinder-Pamphleten.
Jeder Katholik sieht im Handeln von Papst Franziskus ein Vorbild. Etliche werden sein Vorbild ignorieren, sicher. Und es wird sicher weiter Verbrecher und Böse Menschen in Reihen der Kirche geben.
Aber der eine oder andere Priester wird sich an dem Vorbild des Papstes ein Beispiel nehmen. Er wird seine Kirche für Flüchtlinge öffnen. Er wird sein Kloster für die Armen öffnen. Er wird vielleicht sogar seine auf Essener Bankkonten gehüteten Schätze hergeben, um den Hunger der Flüchtlinge zu stillen. Es gibt genügend leerstehende Gotteshäuser, die man für Armutsflüchtlinge herrichten kann.
Der eine oder andere Gläubige wird vielleicht einfach in Katernberg auf die Strasse gehen und dem einsamen Kind aus Bulgarien Trost spenden, das zum Betteln geschickt wird.
Der eine oder andere Katholik wird das, was in seiner Macht steht, nutzen, um die Flüchtlinge nicht zurück ins Meer zu stoßen, sondern um ihr Schicksal besser zu machen. Vielleicht ist dieser Katholik ja sogar der Polizist, der irgendwann sagt: „Leckt mich am Arsch“, wenn der Befehl kommt, ein Kind aus Afrika ins Abschiebeflugzeug zu stecken.
Das alles stößt Papst Franziskus an, wenn er sich zu den Elenden begibt und sein Bild mit der segnenden Hand über einem Kinderkopf um die Welt geht. Er beeinflusst Millionen und Abermillionen Menschen. Papst Franziskus will das Blatt zum Guten wenden. Er bemüht sich.
Und er tritt dabei allen auf die Füße, die bisher ihre Macht missbraucht haben. Papst Franziskus hat die Kirchenbankenchefs rausgeworfen. Er hat sich als Bettelmönch auf den Papstthron gesetzt.
Wer das nicht sieht und anerkennt – auch als harter Kirchenkritiker – dem kann ich auch nicht helfen.
Der versteht auch nicht, wieso Papst Johannes Paul einen der wichtigsten Grundsteine zum Sturz des Kommunismus gelegt hat. Damals als er den Ziegel aus dem Petersdom mit nach Polen brachte und dort gegen den Widerstand der Kommunisten begann seine Kathedrale zu bauen. Als die Menschen in die Kirchen strömten und die Diktatoren es nicht wagten, die Inseln der Freiheit zu schleifen.
Ignoranz gibt es eben überall, nicht nur in der katholischen Kirche.
Im Moment sieht es, was die Bundestagswahl betrifft, nicht besonders gut auf für die Piraten. Aber die lassen, zumindest in NRW, den Kopf nicht hängen. Das zeigt eine Pressemitteilung von heute:
1) Wie steht