Der gefährlichste Tech Bro sitzt in Peking

Xi Jinping Foto (Ausschnitt): Simon Dawson / No 10 Downing Street Lizenz: CC BY 4.0


Europa führt einen Kulturkampf gegen amerikanische Tech-Unternehmer, während China systematisch seine technologische Macht aufbaut.

Sie entwickeln die leistungsfähigsten KI-Systeme der Welt, bauen Raketen, entwerfen Computerchips und verändern ganze Industrien. Sam Altman, Jensen Huang, Alex Karp, Elon Musk, Dario und Daniela Amodei, Larry Page, Sergey Brin und Demis Hassabis gehören zu den mächtigsten Unternehmern und Forschern unserer Zeit. Für viele Kritiker bilden sie den Kern einer der derzeit meistgehassten Gruppen der Welt: der Tech Bros.

Auf der NGO-Show re:publica standen sie neben der AfD im Zentrum der Kritik, die Stiftung Mercator finanziert großzügig den Widerstand gegen sie, und Politiker fast aller Parteien warnen vor ihnen und stellen sie als die größte Gefahr für die Demokratie und „unsere Werte“ dar. Fast ist man verwundert, wenn man auf YouTube feststellt, dass Sam Altman Turnschuhe trägt und keinen Ziegenfuß hat und Elon Musk keine Hörner aus dem Kopf wachsen. Wenn Alex Karp in seinem Buch The Technological Republic schreibt, dass manche Gesellschaften wissenschaftliche und technische Durchbrüche hervorbringen, während andere stagnieren, gilt das vielen bereits als anrüchig. Dabei ist die Geschichte voll von Beispielen für kulturelle und technologische Unterschiede: Athen war nicht Sparta, Rom nicht Germanien, die industrielle Revolution entstand nicht zufällig in Großbritannien und das Silicon Valley nicht im Schwarzwald.

Bei allem aktivistischen Furor, der sich, wie in Deutschland üblich, vor allem gegen die USA richtet und immer von der Ablehnung des Kapitalismus und des Westens bestimmt ist, wird der gefährlichste Tech-Bro von allen übersehen: Er ist 72 Jahre alt, kann wahrscheinlich keine Zeile Code in Python schreiben und ist von Beruf Diktator: Xi Jinping ist Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Vorsitzender der Zentralen Militärkommission, Staatspräsident und „Überragender Führer“.

Seit 2017 verfolgt sein Land das Ziel, die USA auch auf dem Sektor der Künstlichen Intelligenz als Technologieführer abzulösen. Und es läuft gut für China: Nach dem Artificial Intelligence Index Report der Stanford University war China schon 2023 die weltweit führende Nation bei der KI-Forschung. Neun der zehn produktivsten Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet stammen inzwischen aus der Volksrepublik. Sicher, die großen Frontier-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini kommen nach wie vor aus den USA, und China ist bei High-End-Chips nach wie vor von Nvidia abhängig, kommt das chinesische Modell DeepSeek V4 Pro nach Einschätzung der KI-Plattform MindStudio in agentenbasierten Benchmarks mittlerweile in die Nähe von GPT-5.5 und Opus 4.7 und das zu einem Bruchteil der Kosten. Die in Deutschland gefürchteten Tech-Bros sind in Wahrheit Getriebene. Ihnen sitzen chinesische KI-Unternehmen im Nacken, die sich auf die politische und wirtschaftliche Unterstützung der größten Diktatur der Welt verlassen können, für die KI nicht nur eine Technologie, sondern ein Machtinstrument ist.

Wenn Karp also schreibt, dass das Atomzeitalter zu Ende geht und eine neue Ära der auf KI basierenden Abschreckung beginnt, hat er schlicht recht. Und auch wenn er sagt, die Frage sei nicht, ob KI-Waffen entwickelt werden, sondern von wem und zu welchem Zweck, ist das eine Beschreibung der Realität.

Europa spielt in dem Tech-Wettkampf zwischen den USA und China nicht mit. Es hat sich in den vergangenen Jahren teuren Visionen wie dem Green Deal verschrieben und glaubte vielleicht wirklich daran, mit seinen Regeln die Welt so zu verändern, dass es auf Innovation und Wachstum verzichten kann. Es war eine Wette auf die Zukunft, und Europa hat sie verloren. Dass nun zumindest versucht wird, die technologische Lücke zu verkleinern und zumindest in Nischen wie der industriellen Nutzung von KI mitzuhalten, ist vernünftig. Europa wird kein eigenes Frontier-Modell entwickeln, sollte aber hoffen, dass auch in den kommenden Jahren Unternehmen aus den USA zumindest bei den Spitzenmodellen weiter vorn liegen. Denn sobald die Menschen eine KI mit ausreichenden Programmierfähigkeiten entwickelt haben, wovon der Google-Entwicklungschef Ray Kurzweil ausgeht, die sich selbst programmieren kann, könnte sehr schnell eine positive Rückkopplungsschleife auftreten und die KI den Menschen in allen Bereichen überlegen sein. Man kann sich nur wünschen, dass eine solche KI aus der Ideenwelt des globalen Westens heraus entsteht und nicht aus dem Denken einer der brutalsten Diktaturen der Menschheitsgeschichte. Und diese Gefahr besteht, und sie ist ungleich größer als alles, was an Entwicklungen aus den USA kommen kann, auch wenn es nicht den Bullerbü-Träumen hiesiger Tech-Kritiker entspricht.

 

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