Juden nicht erwünscht: Ein Hotel im Bayerischen Wald will keine Touristen aus Israel

Kjetil Ree: „Juden Werden Hier Nicht Bedient“, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Kjetil Ree: „Juden Werden Hier Nicht Bedient“ Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Ein Israeli buchte über die Online-Plattform „Booking.com“ ein Zimmer im Hotel „Zum Hirschen“ im Bayerischen Wald. Als Antwort erhielt er eine Nachricht, in der es hieß, dass Juden dort nicht erwünscht seien. In einem Statement versuchte ein Vertreter des Hotels eine Begründung.

Anfang Juli entschied sich ein Israeli, über dessen Identität keine Einzelheiten bekannt sind, Urlaub im Bayerischen Wald zu machen. Im Luftkurort Lam nahe der tschechischen Grenze fand er über das Online-Portal „Booking.com“ das Hotel „Zum Hirschen“ und buchte dort ein Zimmer. Als Antwort erhielt er eine Nachricht des Hotels, in der „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel“ stand. Durch einen Post der israelischen Generalkonsulin Talya Lador-Fresher wurde der Fall öffentlich und schlug medial hohe Wellen.

Juniorchef Andreas Vogl beteuerte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich um einen Irrtum handele. Man habe mit Antisemitismus nichts zu tun, und so etwas passe überhaupt nicht in das Weltbild des Hotels.
Aufgrund vieler falscher Reservierungen, bei denen Gäste ein Zimmer buchen, um dann nicht zu erscheinen, habe man vermutet, dass es sich bei dieser ebenfalls um eine solche handle. Außerdem habe es vermehrt Phishing-Versuche gegeben, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden seien.

Allerdings gab es bei der Buchung überhaupt keinen Anlass, den Gast mit einer Fake-Buchung oder Datendiebstahl in Verbindung zu bringen, außer man zieht tradierte antisemitische Stereotype zu Rate.

Im Mittelalter durften Juden oft nicht in landwirtschaftlichen oder handwerklichen Zünften arbeiten. Ihnen wurden daher Berufe im Geldverleih zugewiesen, was zu dem haltlosen Vorurteil führte, sie seien gierig, würden betrügen oder sich auf Kosten anderer bereichern. Diese Narrative wurden in Karikaturen, in der Literatur (z. B. Shylocks Figur in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“) und später durch die NS-Propaganda weiter verbreitet.

Zur Dämonisierung wurden im Mittelalter absurde Mythen erfunden, wie die „Ritualmordlegende“. Juden wurde fälschlicherweise vorgeworfen, sie würden das Blut christlicher Kinder stehlen, oder sie wurden beschuldigt, Brunnen zu vergiften und Krankheiten wie die Pest zu verbreiten. Diese Legenden zielten darauf ab, Juden als existenzielle Bedrohung darzustellen. Heute wird eine modernisierte Variante dieses Vorwurfs genutzt, wenn zum Beispiel vom Landraub der Israelis fabuliert wird oder vom „Kindermörder Israel“, der gezielt palästinensische Kinder töten würde.
Diese Stereotype sind keine isolierten Vorurteile, sondern bilden den ideologischen Kern, der oft zu offener Gewalt oder Ausgrenzung führt.

Was den Vorwurf angeht, man habe angenommen, dass es sich um eine Fake-Buchung gehandelt habe, lässt sich dieser damit zurückweisen, dass es bei „Booking.com“ möglich ist, als Dienstleister verschiedene Zahlungsarten auszuwählen. Neben der direkten Zahlung in der Unterkunft und der Vorauszahlung durch die Unterkunft, bei der die Kreditkarte des Gastes belastet wird, ist auch die Zahlung über „Booking.com“ möglich. Bei letztgenannter Variante bekommt das Hotel bei einem nicht erschienenen Gast trotzdem sein Geld abzüglich einer Provision.
Die Justizbehörden wurden tätig und der zentrale Antisemitismusbeauftragte leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Es gehe, so die Generalstaatsanwaltschaft, um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Die Plattform „Booking.com“ reagierte auf den Vorfall, indem sie das Hotel „Zum Hirschen“ entfernte. Die Gemeinde Lam hat das Hotel nach Angaben des Betreibers bis auf Weiteres auf touristischen Webseiten gesperrt.

Zwar habe man dem israelischen Staatsbürger eine Entschuldigung ausgesprochen und ihm zu einem kostenlosen Urlaub eingeladen, allerdings wollte sich der Betroffene nicht dazu äußern, und es ist fraglich, ob ein solches Angebot angenommen wird. Die Geschäftsleitung des Hotels „Zum Hirschen“ reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf Nachfragen unsererseits.

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