Juicy Beats – dieses Jahr mit viel ganz viel Weiblichkeit auf der Bühne

Gehören am Freitag zu den Hauptacts: SXTN aus Berlin (Foto: Christian Hasselbusch)

Dieses Wochenende werden rund 40.000 feierwütige Fans zum Juicy Beats Festival erwartet. Neben über 100 DJs und 50 Bands aus der Rock und Electro-Szene fällt auf den insgesamt 14 Bühnen vor allem eins auf: noch nie gab es hier so viele weibliche Akteure auf der Bühne – mittlerweile ist etwa jede vierte Bühnenkünstlerin eine Musikerin: fast 40 Bands und DJ-Kollektive setzen auf volle Frauenpower. Tendenz: steigend!

Wie kommt es, dass die Frauen derzeit so sehr auf dem Vormarsch sind? Für den Dortmunder Szenekenner und DJ MLM hat das ganz plausible Gründe: „Bands und Künstler wie Gurr, Hayiti oder Juliet Sikora zeigen beim Juicy Beats in diesem Jahr nicht nur die musikalische Bandbreite des Festivals auf, sondern auch das die männliche Domäne auf den Bühnen bröckelt. Von mir aus darf sie dies gerne noch weiter tun. Musik sollte nicht an ein Geschlecht oder irgendetwas anderes gebunden sein, sondern den größtmöglichen Ort der Freiheit repräsentieren“, sagt DJ MLM (das steht für Max Loves Music), der am Freitag ebenfalls ein DJ-Set im Westfalenpark auflegt.

Nura und Juju von SXTN zum Beispiel sind vielleicht die bekanntesten Performerinnen innerhalb des Juicy Beat Festivals. Diese beiden Berliner Rüpelgören sind mittlerweile ein fester Bestandteil im sonst vom Männer-dominierten Rap-Genre. Ihre Texte bewegen sich zwischen Feminismus, Parties, Drogen und zotigen Sex-Phanatsien. „Wir schämen uns nicht, das zu sein, was wir sind. Als rappende Frau, muss man damit rechnen auch mal beschimpft zu werden – das lasse ich mir nicht gefallen und drehe den Spieß lieber gleich um“, sagt Juju in Richtung ihrer männlichen Kollegen. Und wie finden die das? „Ich bin froh, dass das Selbstverständnis in unserer Szene gewachsen ist und irgendwie gleichberechtigter geworden ist“, sagt Editors-Drummer Ed Lay und ergänzt: „als ich groß geworden bin musste man Sängerinnen wie Blondie oder Joan Jett tatsächlich mit der Lupe suchen.“

Die Editors stehen für hymnischen Pop. Aber von Hip Hop und Electronic Beats über Independent, Punk und Alternative-Rock – bis hin zu Urban-Beats und Songwriter-Folk gibt es im Westfalenpark von Freitag Nachmittag an viele Acts zu entdecken. Zum Beispiel die aus Österreich stammende Rapperin Mavi Phoenix. Sie will ein internationaler Star werden. Das mag schon ein bisschen phantastisch klingen – aber unmöglich ist das sicher nicht. Ihr Ziel: in zehn Jahren den ersten Grammy zu kassieren. Das klingt vielleicht größenwahnsinnig, jedoch weiß die Rapperin um ihre Qualitäten. Ihre Texte schreibt sie selbst, die Arrangements stammen auch von ihr und beinahe jedes Lied wird von ihr produziert.

„In der Anfangsphase vom Juicy Beats hatten wir immer Probleme an hochkarätige Frauen-Acts zu kommen. Du willst ja auch niemand ins Billing nehmen, nur weil Frauen netter aussehen, oder so – aber als Musikerin nicht so viel drauf haben. Mittlerweile ist das wirklich besser geworden“, sagt Paul Baranowski vom Juicy Beats Trägerverein UPop, der als Organisator das Festival seit dem Gründungsjahr 1996 begeleitet. Damals fand es nur unter dem Sonnensegel im Westfalenpark statt. „Meine Lieblingsmomente, das sind Momente wenn alles gut läuft, die Künstler zufrieden sind, die Besucher glücklich, die Sicherheitsvorkehrungen greifen. Wenn man sich dann gegen Vier Uhr morgens mit den Kollegen zusammensetzt und mit einem kühlen Bier anstoßen kann, das sind entspannte Momente, das sind meine Lieblingsmomente“, erklärt Paul Baranowski.

Übrigens: in der ersten Edition befand sich unter den Künstlern keine einzige Frau. Wie gut, dass sich das bis heute geändert hat. Wer noch beim Juicy Beats dabei sein will, der sollte sich beeilen: es gibt nur noch wenige Tickets an der Abendkasse.

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