
Morgen ist wieder der 11. September. Und plötzlich sind tatsächlich 25 Jahre vergangen, seit die Anschläge auf das World Trade Center in New York City die Welt erschütterten. Ein Vierteljahrhundert. Allein diese Zahl fühlt sich für mich irgendwie unwirklich an.
Wie in jedem Jahr wird diese Erinnerung auch diesmal meinen Tag prägen. Ich werde Dokumentationen anschauen, vielleicht wieder in einem Buch blättern und unweigerlich an die Bilder denken, die sich damals in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Für mich ist der 11. September 2001 bis heute eines der prägendsten Ereignisse meines Lebens. Und das, obwohl ich persönlich überhaupt nicht betroffen war. Niemand aus meinem Umfeld starb an diesem Tag.
Ich frage mich deshalb manchmal, wie es wohl den Menschen geht, die damals Angehörige oder Freunde verloren haben. Für sie muss dieser Tag eine völlig andere Dimension besitzen. Ich habe damals „nur“ einen Ort verloren. Aber dieser Ort bedeutete mir bis heute sehr viel.



Es gibt für den sesshaften Menschen nur ein ernstes philosophisches Problem: die Heimat. Die Entscheidung, ob und wo das Leben in Sesshaftigkeit sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Moderne. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen oder der Geist neun oder zwölf Kategorien habe – kommt erst später. Das sind Spielereien; zunächst heißt es Antwort geben. Und wenn es wahr ist, dass – nach Nietzsche – ein Philosoph, der ernst genommen werden will, mit gutem Beispiel vorangehen müsse, dann begreift man die Wichtigkeit dieser Antwort, da ihr dann die endgültige Tat folgen muss.



