Von stetig nachlassender Fußball-Leidenschaft und einer stark abklingenden Begeisterung für den BVB

Das leere Stadion des BVB in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Nach einer 1:2-Niederlage beim Zweitligisten FC St. Pauli ist Titelverteidiger Borussia Dortmund  im Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstag ausgeschieden. Das ist ärgerlich für alle, die es mit dem BVB halten. Also auch für mich, der ich seit den 1970er-Jahren ein über viele Jahre hinweg  begeisterter  Anhänger dieses Klubs bin.

Aktuell mache ich aber ohnehin einmal wieder ein längerfristiges Tief in Bezug auf meine Fußballbegeisterung durch. Das war bei mir in dieser Form zuletzt der Fall, als der BVB vor rund 15 Jahren nach sehr erfolgreichen Jahren in den 1990er-Jahren durch eine Mischung aus Missmanagement, Pech und immenser Selbstüberschätzung  plötzlich in die Gefahr geriet nach finanziellen Kapriolen und einer daraus folgenden enormen Verschuldung in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Erst nachdem Jürgen Klopp im Sommer 2008 seine sieben phantastischen Jahre als Trainer in Dortmund begann, und aus der ‚grauen Maus‘ wieder einen vitalen, erfolgreichen Klub machte, stieg auch meine Leidenschaft für den Fußball insgesamt, und für den BVB im Speziellen, wieder deutlich an.

Doch jetzt, wo sich die zehnte Deutsche Meisterschaft in Serie des FC Bayern München anbahnt, Corona seit knapp zwei Jahren nahezu jede Begeisterung der Fans aus den Fußballstadien des Landes verbannt hat und auch mein Lieblingsverein seit Jahren schon scheinbar keine erkennbaren Fortschritte in seiner Entwicklung mehr machen mag, nehme ich mir wieder einmal eine solche Fast-Auszeit. Das Aus in Hamburg am Dienstag habe ich sogar halb verschlafen. Früher eine undenkbare Tatsache.

Ich frage mich inzwischen sogar ernsthaft, ob meine frühere Fußballleidenschaft in Zukunft (nach Corona?) überhaupt noch einmal ihr altes Maß zurückerlangen kann bzw. wird, oder ob es das für mich jetzt war, in der Gruppe der Fußballenthusiasten und BVB-‚Fanatiker‘.

Dass man auch als selbsternannter Meisterschaftsanwärter bei einem Zweitligisten im DFB-Pokal verlieren kann, das ist ja keine neue Erkenntnis. Nicht umsonst kursiert ja seit Jahrzehnten auch schon die alte Phrase ‚Der Pokal hat seine eigenen Gesetze‘. Immer wieder sind in der Geschichte dieses Wettbewerbs ‚Große‘ bei unterklassigen Vereinen gescheitert. Das macht ja gerade auch den Reiz dieses Wettbewerbs  aus. Insofern mussten alle Dortmunder auch am Dienstag ein Aus im Pokal einkalkulieren. Zumal es für den BVB ja zu einem selbstbewussten Spitzenteam der zweiten Liga ging.

Dass der Gegner gegen den Titelverteidiger im Pokal extrem top-motiviert zu Werke gehen würde, war daher nur logisch. Die Schwarzgelben hingegen drohten ihrerseits nach dem Titelgewinn in 2021 die 100-prozentige Motivation vermissen zu lassen. Und so kam es dann ja wohl auch. Ärgerlich aus Dortmunder Sicht, aber für sich genommen beileibe noch kein sportliches Drama.

Was mich am Tag danach viel mehr ärgert, das ist die Regelmäßigkeit, mit der so etwas in Dortmund zuletzt zu beobachten war und immer noch ist. Spieler, die im Nachgang geloben in Zukunft alles besser machen zu wollen, ratlose Trainer, jubelnde Underdogs. Das Alles hat man als BVB-Fan in den Jahren seit 2017, als Thomas Tuchel den Verein verlassen musste, leider viel zu häufig erlebt. Lerneffekt? Bisher ist offenbar keiner zu erkennen.

Dazu die leeren Stadien, die Langeweile an der Tabellenspitze in der Fußball-Bundesliga, die immer mehr am Kommerz ausgerichteten Strukturen in der UEFA Champions League, die drohende WM in Katar am Ende dieses Jahres, Spieler, die jede Identifikation mit ihren Arbeitgebern vermissen zu lassen scheinen….

Die Gründe für meine nachlassende Leidenschaft für den Fußballsport sind vielfältig und komplex. Das macht mir grundsätzlich deutlich mehr Sorgen als ein verlorenes Achtelfinalspiel meines Lieblingsklubs im DFB-Pokal. Und ich vermute, mit dieser Entwicklung und diesen Befürchtungen bin ich in diesen Tagen nicht allein….

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16 Kommentare

  1. #1 | DEWFan sagt am 19. Januar 2022 um 13:28 Uhr

    Ja, der BVB wird mit dem teuren Kader sicher nicht mehr Preis/Leistungssieger. Das der BVB mit 5 Niederlagen trotzdem 8 Punkte Vorsprung auf Platz 3 hat, spricht nicht gerade für die Bundesliga und ihre Stärke, wohl eher für deren "Ausgeglichenheit".

    Ansonsten kann man sich auch dem Amateurfußball widmen, da gibt es einige spannende Projekte. Auch da gilt natürlich "ohne Moos nix los", aber Türkspor Dortmund und TuS Bövinghausen wissen die vorhandenen Gelder wohl effektiver einzusetzen, als der BVB. Und diese Vereine können ja wenigstens noch Meister ihrer Spielklassen werden und aufsteigen.

  2. #2 | thomas.weigle sagt am 19. Januar 2022 um 16:01 Uhr

    @ DEWFan Zur Ergänzung ihres Beitrages: Heute abend 23.30 ard eine Sendung über Geldströme im Amateurfußball von dem nicht ganz unbekannten Hajo Seppelt. Auch schon in der ard-mediathek,wie mir @ Robin mitteilte.

  3. #3 | Manni sagt am 19. Januar 2022 um 21:08 Uhr

    "die Langeweile an der Tabellenspitze in der Fußball-Bundesliga, die immer mehr am Kommerz ausgerichteten Strukturen in der UEFA Champions League"

    Ja, in Summe ist das alles schlimmer als das 0:12 unter Otto Torhagel.
    Und ehrlich: wenn ich mal zufällig wieder den Zirkus sehe, dann Frage ich mich inzwischen, was ein "echter Fan" daran noch gut findet.
    120€ für ein Fanshirt, damit die Jungprofis im Lambo vorfahren können?
    Also echt, brauch ich nich.

  4. #4 | Drohn sagt am 20. Januar 2022 um 00:20 Uhr

    Warum berichtet ihr eigentlich immer über den BVB so viel, aber nicht über den VFL? Der wäre mal interessanter. Nix gegen den BVB, aber das macht mir hier immer mehr so den Eindruck eines personlichen Fanblogs…

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 20. Januar 2022 um 07:29 Uhr

    @Drohn: Die Zugriffszahlen sagen etwas anderes. Da haben die BVB-Texte im Vergleich zu Beiträgen über den VfL Bochum fast immer ein vielfaches der Leserzahlen… Aber auch das ist nicht der Grund dafür, was hier wie oft behandelt wird. Das hängt schlicht davon ab, für welche Themen sich unsere Autoren entscheiden. Nicht vergessen: Wir werden hier im Blog ja nicht bezahlt für unsere Arbeit. Also beschäftigt sich jeder Autor im Regelfall mit den Themen, die es ihm persönlich wert erscheinen. Das ist hier bei den Ruhrbaronen immer so. Nicht nur im Sport. Mich haben hier auch schon Leute gefragt, warum wir nicht häufiger über die Flüchtlingssituation auf dem Mittelmeer o.ä. schreiben. Da ist es die gleiche Antwort. Es muss sich eben jemand finden, der ggf. seine Freizeit damit verbringt sich intensiv in das Thema einzuarbeiten und dann auch etwas darüber zu schreiben. Im Übrigen bemühe ich mich schon stets um eine gewisse Abwechslung bei meinen Fußballthemen. Wenn du mal ins Archiv der Rubrik Sport schaust, siehst du aktuell Texte über den BVB, den VfL, den FC Schalke, den MSV Duisburg und auch den FC Bayern München aus dem letzten Monat. Auch die Nationalmannschaft thematisiere ich regelmäßig. Nur spielt die jetzt gerade eben nicht. Kommt dann aber auch wieder, wenn Länderspielzeit ist. Früher habe ich auch über Vereine wie Hamburg, Hoffenheim, Freiburg usw. geschrieben. Nur hatten die Beiträge hier im Blog im Vergleich zu den Ruhrgebietsvereinen eben eine wesentlich geringere Resonanz. BVB, Schalke und Nationalmannschaft laufen im Bereich Sport halt seit Jahren schon mit Abstand am besten. Und selbst Texte über den FC Bayern sind häufig beliebter bei den Lesern als welche über den VfL. Das hindert uns nicht daran auch über den VfL zu schreiben, erklärt aber vielleicht ein wenig die Hintergründe.

  6. #6 | thomas.weigle sagt am 20. Januar 2022 um 14:08 Uhr

    Ist ja alles richtig,was hier geschrieben wurde, nicht nur heuer. Aber wer gestern den ard-Beitrag zum Amateurfußball gesehen hat, der weiß, dass dieser quasi das Miniaturwunderland des Ptrofifußballs ist. Dreistellige Beträge bis in die 8.Liga-wow. Tw im Umschlag am Finanzamt vorbei.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 20. Januar 2022 um 15:37 Uhr

    @Thomas: Das Alles ist nicht neu. Schon in den 1980er-Jahren, als ich noch zur Schule ging, bekamen einige im Fußball-Verein aktive Mitschüler von mir, also Jugend-Spieler in den Niederungen des Ruhrgebietsfußballs, nach eigener Aussage mir gegenüber Lehrverträge in Aussicht gestellt, Sachprämien (Mofas etc.) angeboten und Punktprämien ausgezahlt, wenn sie nach der Schulzeit dem Verein treu blieben, oder auch nur die Spiele des Wochenendes erfolgreich bestritten. Mich überrascht es also nicht, dass es in der Gegenwart nicht 'besser' geworden zu sein scheint 😉

  8. #8 | thomas.weigle sagt am 20. Januar 2022 um 16:39 Uhr

    Logo,@Robin, nur die Summe überrascht mich doch ein wenig.Der hiesige Kreisschiriboss, der heute noch in der Oberliga pfeift, war in den 90ern Zivi an meiner Schule und war damals schon in Schwarz bei Jugendspielen unterwegs.Der erzählte seinerzeit, dass es ihm einige Male passiert war, dass ihm von Eltern ein Fuffi bspw angeboten wurde, wenn er entsprechend pfeift. Da waren wir doch etwas überrascht.

  9. #9 | Walter Stach sagt am 20. Januar 2022 um 17:28 Uhr

    Robin,
    als "alter Fußballer" und auch heute noch "Szenenkundiger" im Amateurfußall, insbesondere im Jugendbereich, kann ich nur bestätigen,. daß " das Alles nicht neu ist". Das deckt sich mit dem, was thomas weigle -6- dazu mit Verweis auf einen ARD-Beitrag zum Amateurfußball ausführt. Robin, wenn Du abschließend sagst, dass es in der Gegenwart nicht "besser" geworden zu sein scheint, dann widerspreche ich zweifach: Es scheint nicht nur so, es ist so. und es isst es nicht nur nicht Besser geworden, sondern wesentlich "schlechter".
    Robin, "ohne Moos nichts los". Das gilt spätestens ab der sog. C-Jugend in unseren Amateurvereinen. Ein Fakt, der als solcher nicht zu leugnen ist, der m.E. jedoch "an sich" nicht verdammenswert ist in einer "vom Geld regierten Welt"..

    "Gut/schlecht"…….
    Das sind allerdings Begriffe, die ich persönlich nicht verwende, wenn es um Beschreibungen/Erklärungen des Zustandes des Fußballsportes in unserer Zeit geht.

    Ansonsten;
    Bei mir haben Leidenschaft, Freude, Begeisterung, außerordentliches Interesse am Fußballsport generell rapide abgenommen. Das gilt speziell für "unseren BVB". Dass ließe sich mehrfach begründen/erklären. Nachdenken könnte ich zudem darüber, ob mein generell wachsendes existentes Desinteresse am Fußballsport resultiert aus meiner wachsenden Distanz zu "unserem BVB" oder ob es umgekehrt sein könnte, d.h. meine wachsende Distanz zu "unserem BVB" führt zu wachsendem Desinteresse am Fußballsport im allgemeinen.

    Ob sich diese meine gegenwärtigen "Fußball-Gefühlswelt" alsbald zum Positiven ändern wird -zum Fuballsport generell, zum BVB konkret? Ausschließen kann ich das nicht. Für den Fußballsport im allgemeinen und den BVB im besonderen ist das auch egal, solange eine überwältigenden Mehrheit der Fans weiterhin dem Fußball "treu bleibt" und die überwältigende Mehrheit der BVB-Fans im Gegensatz zu mir bei sich keine wachsende Distanz zu "unserem BVB" verspürt.

  10. #10 | SvG sagt am 20. Januar 2022 um 18:33 Uhr

    @ Thomas Weigele und Autor:
    Vor sehr langer Zeit, geschätzt >10 Jahre, habe ich einmal eine Doku über einen 5.Ligaverein gesehen, der sich weigerte, seinen Spielern auch nur die Spritkosten zu ersetzen. Ergebnis war eine Mannschaft aus atemnötigen, adipösen und untrainierten Spielern, die sich teils dreistellige Packungen abholten. Die Verwertungsketten reichen doch in jeden Bereich des s.g. Amateurfußballs, Vati undMutti bekommen €urozeichen in den Augen, wenn der zweijährige Scheisser einmal den Ball am Fuß hatte. Die am Spielfeldrand pöbelnden Eltern träumen doch insgeheim alle davon, demnächst als Berater für den Sohn Cash zu machen.
    Die vielgelobten Fußballgymnasien sind knallharte Ausschlußschulen; wer nicht spurt oder paßt, fliegt. Und wenn sich die jungen Menschen dann im Wettbewerb um BuLi-Arbeitsplätze befinden, werden sie bei den Gehaltsverhandlungen gegen importierte Afrikaner, Asiaten und Spieler aus dem früheren Ostblock ausgespielt.
    Fußballromantik à la "…in den unteren Ligen wird noch ehrlich Fußball gespielt…" ist doch Selbstbetrug.

  11. #11 | thomas.weigle sagt am 20. Januar 2022 um 20:59 Uhr

    Früher/heute: ich finde die Pokalauslosungen im TV mit dem ganzen Tamtam mehr als überflüssig. Vor einiger Zeit beim Aufräumen fiel mir ein Kicker aus 3/64 in die Hände. Da wurde über die Auslosung der 1.Pokal-Hauptrunde 1964. berichtet. In der Halbzeit eines BL-Spiels auf Schalke wurden die Pressevertreter per Lautsprecher in den Presseraum gebeten. Dort wurden ohne weitere Umstände aus dem Hut eines DFB-Gewaltigen die Lose gezogen. Wenn man bedenkt,dass es um immerhin 16 Paarungen ging, muss das doch sehr zügig abgelaufen sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Herren Pressevertreter den Anpfiff zur 2.Halbzeit versäumen wollten. Vllt wurde ja auch die Pause verlängert, da wäre dann sicherlich das Publikum unruhig geworden.

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