Es gibt Geschichten, bei denen man sich als Zuschauer ziemlich schnell fragt, warum man sich eigentlich für das Leben fremder Menschen interessieren sollte. Und dann gibt es Geschichten, die gerade deshalb funktionieren, weil sie so persönlich sind. „Fritz Litzmann, mein Vater und ich“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Die Dokumentation von Aljoscha Pause ist kein gewöhnliches Künstlerporträt, sondern eine sehr persönliche Reise in eine Familiengeschichte – und damit zugleich in ein Stück deutscher Kabarett- und Zeitgeschichte.
Am Montag, 21. September 2026, ist der Film erstmals im Fernsehen zu sehen. 3sat zeigt „Fritz Litzmann, mein Vater und ich“ um 21.45 Uhr im Rahmen der „3satDokumentarfilmzeit“. Wer den Termin verpasst, hat allerdings noch etwas Luft: In der 3satMediathek ist der Film anschließend bis zum 20. Dezember verfügbar.
Ein Vater, der nicht gerade gewöhnlich war
Im Mittelpunkt steht Rainer Pause, vielen vor allem als Kabarettist und als Fritz Litzmann bekannt. Er gründete das Bonner Pantheon und prägte über Jahrzehnte die deutsche Kabarettszene. Namen wie Helge Schneider oder Michael Mittermeier gehören zu den Künstlern, deren Karrieren mit dem Pantheon verbunden sind.
Für seinen Sohn Aljoscha ist Rainer Pause allerdings nicht in erster Linie der bekannte Kabarettist. Er ist der Vater. Und genau dort beginnt der ungewöhnliche Blickwinkel dieses Films.
Denn Aljoscha Pause beschäftigt sich mit seiner eigenen Kindheit, dem Aufwachsen in einer Kommune voller Individualisten, mit fehlenden festen Strukturen, einer rebellischen Jugend und der schwierigen Suche nach dem eigenen Weg. Die politische und gesellschaftliche Welt der 68er-Bewegung bildet dabei den Hintergrund. Im Zentrum steht aber die Frage, was davon bei einem Kind hängen bleibt, wenn der Vater seine persönliche und künstlerische Freiheit konsequent über vieles andere stellt.
Keine Abrechnung mit dem Vater
Das hätte leicht zu einer filmischen Abrechnung werden können. Genau das wollte Pause ausdrücklich nicht. Stattdessen wagt er eine ergebnisoffene Annäherung an den eigenen Vater – mit allen Widersprüchen, Verletzungen und Erinnerungen, die dazugehören.
Mehr als 16 Stunden saß Aljoscha Pause allein mit seinem Vater vor der Kamera. Über einen Zeitraum von rund sechs Monaten entstand so ein Film, der nicht nur zurückblickt, sondern auch versucht, Zusammenhänge zu verstehen. Was hat die eigene Herkunft mit dem späteren Leben zu tun? Welche Eigenschaften übernimmt man von seinen Eltern, vielleicht sogar gegen den eigenen Willen? Und wie verändert sich der Blick auf die eigene Kindheit, wenn man längst erwachsen ist?
Gerade dadurch bekommt die Geschichte eine Bedeutung, die weit über die Familie Pause hinausreicht.
Das Persönliche wird plötzlich universell
Aljoscha Pause sagt selbst, er habe aus der Arbeit an dem Film gelernt, dass „das Persönlichste manchmal gleichzeitig das Universellste ist“. Genau darin liegt vermutlich die größte Stärke dieser Dokumentation.
Denn auch wer mit der Bonner Kabarettszene, Fritz Litzmann oder der 68er-Bewegung wenig anfangen kann, dürfte sich in einigen Fragen wiederfinden. Wie sehr prägen uns unsere Eltern? Was bleibt von einer ungewöhnlichen Kindheit? Und kann man sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, ohne sie entweder zu verklären oder die Schuldfrage zu stellen?
Zu Wort kommen neben Rainer Pause unter anderem Bastian Pastewka, Helge Schneider, Jürgen Becker, Georg Schramm, Norbert Alich, Carolin Kebekus und Nina Hoger. Sie helfen dabei, aus der Familiengeschichte zugleich ein Stück Kabarettgeschichte zu machen.
„Fritz Litzmann, mein Vater und ich“ ist deshalb ein TV-Tipp für alle, die mehr erwarten als die nächste glattpolierte Promi-Biografie. Hier geht es nicht nur darum, wer Fritz Litzmann war und ist. Es geht darum, wer hinter der Bühnenfigur steckt – und was davon bei seinem Sohn geblieben ist.
„Fritz Litzmann, mein Vater und ich“ – Montag, 21. September 2026, 21.45 Uhr auf 3sat. Anschließend bis 20. Dezember in der 3satMediathek.
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