Die Linke Hamburg: Die Hamas verurteilen. Den Angriff verklären.

Rote Fahnen der Partei Die Linke bei einer Kundgebung in Berlin am 3. Februar 2024
Linke-Fahnen bei der Kundgebung gegen den Rechtsruck in Berlin, 3. Februar 2024 (Symbolbild). (Foto: DIE LINKE, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Die Hamburger Palästina-LAG der Linken verurteilt die Verbrechen der Hamas. Zugleich beschreibt sie deren Angriff als Durchbrechen kolonialer Unterdrückung. Ihr Aufruf vom 7. Oktober 2026 zeigt, wie die Distanzierung von den Taten neben einer politischen Aufwertung des Angriffs stehen kann.

Die Landesarbeitsgemeinschaft veröffentlichte auf Instagram einen vierteiligen Demonstrationsaufruf. Auf der Auftakttafel stehen auch die Logos der Linksjugend-Gruppen Bergedorf und Wandsbek.

Auf der zweiten Tafel wird der Angriff vom 7. Oktober 2023 als ein Vorgang beschrieben, der die „physische Mauer der kolonialen Unterdrückung durchbrach“. Im selben Absatz werden Folter und Morde an Zivilisten durch die Hamas ausdrücklich abgelehnt. Anschließend führt der Text die Gewalt auf extreme Unterdrückung zurück. Israel hatte 2005 sämtliche Siedlungen im Gazastreifen geräumt und seine dort dauerhaft stationierten Truppen abgezogen. Wesentliche Kontrollmöglichkeiten blieben bestehen. Daraus wird der Angriff auf israelische Zivilisten am 7. Oktober 2023 jedoch kein Befreiungsakt.

Zweite Tafel des Hamburger LAG-Aufrufs: antikoloniale Einordnung des Angriffs und ausdrückliche Verurteilung von Folter und Morden
Zweite Tafel des Aufrufs. Screenshot: LAG Palästinasolidarität Die Linke Hamburg / Instagram, 7. Oktober 2026. Zum Original.

Die Verurteilung steht da. Die Verklärung auch.

Die letzte Tafel betont nochmals, die Gräueltaten weder rechtfertigen noch leugnen zu wollen. Diese Sätze darf man bei der Kritik nicht unterschlagen. Eine ausdrückliche Billigung der Morde lässt sich aus dem Beitrag nicht ableiten.

Die Kritik setzt an der politischen Beschreibung an: Wer den Angriff als Durchbruch gegen koloniale Unterdrückung darstellt, gibt ihm einen emanzipatorischen Sinn. Die Verbrechen erscheinen damit neben einem vermeintlich befreienden Vorgang.

Diese Deutung ist eine politische Wertung der Verfasser, keine neutrale Beschreibung.

Historische Bedingungen zu untersuchen ist sinnvoll. Dafür muss man einen Angriff auf Zivilisten nicht in die Sprache eines Befreiungskampfes übersetzen. Die Verantwortung der Täter verschwindet nicht hinter dem Hinweis auf die Verhältnisse.

Der Blick nach Berlin

Der Aufruf verweist selbst auf Berlin: Die Palästina-LAGen seien wegen ihres Widerspruchs zur deutschen Staatsräson angreifbar. In Berlin wirbt die dortige LAG seit dem 2. Oktober 2026 gegen einen Parteiausschluss von Hannah Bruns. Die Solidaritätskampagne ist ein eigener Vorgang. Sie zeigt, dass der Streit um politische Grenzen auch innerhalb der Partei geführt wird.

Über die Verknüpfung von Gedenken und Israel-Anklage in der Erklärung der Parteispitze und Fraktionsführung haben wir am 7. Oktober 2026 berichtet: Die Linke: Zum Gedenken an den 7. Oktober 2023 gibt’s die Israel-Anklage.

Der Hamburger Aufruf geht mit seiner Deutung des Angriffs einen eigenen Schritt.

Die Hamas-Verbrechen werden verurteilt. Ihr Angriff bekommt trotzdem eine politische Aufwertung.

Genau diese Verbindung verdient Widerspruch.

Autorenseite: Peter Ansmann
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