Stolpersteine in Herne: Erinnern im öffentlichen Raum

In Januar 2026 verlegte Günter Demnig in Wanne-Eickel in Andenken für Familie Hecht einen Stolperstein | Foto: Thomas Schmidt / Bildarchiv der Stadt Herne

Mit den Stolpersteinen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig ein europaweit beachtetes Kunst- und Erinnerungsprojekt geschaffen. Die kleinen Messingtafeln erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Am 9. und 10. November 2026 kommt Gunter Demnig nach Herne, um weitere Stolpersteine zu verlegen. Sie werden an die Schicksale mehrerer Familien erinnern und ihre Geschichten dauerhaft im Stadtbild sichtbar machen.

Sie geben den Opfern ihre Namen und Geschichten zurück und holen ihre Erinnerung dorthin, wo sie einst zu Hause waren: mitten in unsere Städte und Nachbarschaften. Im Jahr 1992 begann Gunter Demnig damit, kleine Gedenktafeln aus Messing im öffentlichen Raum zu verlegen. Die Stolpersteine erinnern dort, wo die Menschen einst gelebt, gearbeitet oder gewirkt haben, an ihre individuellen Lebensgeschichten. Aus einem zunächst lokalen Kunstprojekt ist eine europaweite Bewegung des Erinnerns geworden: Mittlerweile liegen mehr als 120.000 Stolpersteine in über 1.800 Kommunen in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern Europas. Jeder einzelne Stein steht für einen Menschen, eine Lebensgeschichte und ein Schicksal, das nicht vergessen werden darf.

Doch die Erinnerungskultur ist in Bewegung geblieben: Im Frühjahr 2026 wurden in Herne die ersten Stolpersteine verlegt. Die kleinen Messingtafeln machen sichtbar, wo Menschen einst gelebt haben, bevor sie verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Sie holen ihre Geschichten zurück in unseren Alltag – mitten in unsere Nachbarschaften, auf unsere Straßen und vor unsere Haustüren. Denn Erinnerung ist nicht nur ein Blick zurück. Sie lebt davon, dass wir uns heute mit der Geschichte unserer Stadt auseinandersetzen und den Menschen, die einst aus ihrer Mitte gerissen wurden, einen Platz im kollektiven Gedächtnis geben.

Gegen das Vergessen

Im Rahmen einer Abendveranstaltung am 9. November (im Demokratiezentrum Herne, im Stadtforum, Bahnhofstr. 65, 44623 Herne) wird Gunter Demnig persönlich Einblicke in die Entstehung, die Idee und die Entwicklung des Kunst- und Erinnerungsprojekts geben. Wie entstand die Idee zu den Stolpersteinen? Was bedeutet es, Erinnerung im öffentlichen Raum sichtbar zu machen? Und welche Begegnungen und Geschichten stehen hinter den glänzenden Messingtafeln?

Im Anschluss kommen Menschen zu Wort, die sich auf unterschiedliche Weise für die Erinnerungskultur engagieren: Aktivistinnen aus der Zivilgesellschaft sowie Familienangehörige von Menschen, für die Stolpersteine verlegt wurden, berichten von ihren Erfahrungen, persönlichen Verbindungen und ihrem Engagement gegen das Vergessen. Gemeinsam möchten wir darüber sprechen, welche Bedeutung das Erinnern heute hat und wie es auch für kommende Generationen lebendig bleiben kann. Moderiert wird der Abend von Dagmar Vogel, Leiterin der Volkshochschule Herne.

Am Dienstag, 10.11.2026, wird Gunter Demnig Stolpersteine für die Familien Bergwerk und Feuerstein in Herne verlegen. Zu diesem Anlass werden viele Familienangehörige aus den USA und Israel anreisen. Auch die Öffentlichkeit ist zu den Verlegungen eingeladen.

Die Termine: 

Dienstag, 10.11.2026, 09:00 Uhr: Schulstr. 69, 44623 Herne
Stolpersteine für Hilde und Isaak Bergwerk

Dienstag, 10.11.2026, 09:30 Uhr: Neustr. 21, 44623 Herne
Stolpersteine für Selma und Bernhard Bergwerk

Dienstag, 10.11.2026, 09:50 Uhr : Neustr. 27, 44623 Herne
Stolpersteine für Dora und Moritz Feuerstein.

Anschließend Gedenkworte von Bürgermeisterin Gabriele Przybyl und Angehörigen der Familien.

Autorenseite: Peter Hesse
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