Alice im Weltmachtland: Weidel erklärt die AfD zur diplomatischen Großmacht

Alice Weidel
Alice Weidel (AfD), 2025. Foto: Elekes Andor / Wikimedia Commons, CC BY 4.0; seitlich mit KI erweitert.

An Selbstbewusstsein fehlt es Alice Weidel (AfD) definitiv nicht.

Für die USA und Russland hat sich herauskristallisiert, dass als verlässlicher Ansprechpartner in Deutschland nur noch die AfD in Frage kommt“,

verkündete die AfD-Chefin am 21. September auf X.

Die Bundesrepublik hat zwar eine Regierung, ein Auswärtiges Amt und Botschaften. Aber das ist offenbar nur diese komplett überschätzte Bürokratie der Altparteien: Im Weltmachtland der Alice Weidel reicht eine Erklärung, und schon erscheinen Washington und Moskau wie zwei Großmächte, die nervös auf den Rückruf aus der AfD-Zentrale warten.

Ein Mandat ist dabei eher hinderlich. Wer sich selbst zur letzten verlässlichen Ansprechpartnerin des Westens und des Ostens erklärt, muss schließlich keine Regierung bilden, keine Verträge verhandeln und vor allem niemanden fragen, ob sie überhaupt mit am Tisch sitzen darf.

Wenn Washington und Moskau nur noch auf Alice warten

Direkt zum Video von Alice Weidel auf X (21. September 2026)

Das klingt, als hätten Washington und Moskau gemeinsam die deutsche Parteienlandschaft geprüft und anschließend der AfD den Zuschlag erteilt.

Nur hatte offenbar niemand daran gedacht, Washington darüber zu informieren.

Der Weltgipfel, von dem Amerika noch nichts weiß

Alice Weidel bestätigte auf der Bundespressekonferenz, ihre Partei wolle gemeinsam mit den USA einen „Gesprächskanal zur russischen Seite“ öffnen. Washington und Moskau sähen inzwischen nur noch die Alternative für Deutschland (AfD) als verlässlichen Partner in Deutschland.

Das Interesse aus Moskau ist tatsächlich dokumentiert. Kirill Dmitrijew, Chef des russischen Staatsfonds und Sondergesandter Wladimir Putins, bereitet nach Informationen von Reuters gemeinsam mit der AfD-Spitze ein Treffen für das kommende Jahr vor. Dabei soll es um die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Deutschland und möglicherweise auch um Nord Stream gehen.

Als Teilnehmer werden Dmitrijew sowie die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla genannt. Die Organisatoren hofften außerdem, die amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner für das Treffen gewinnen zu können.

Dann folgt in dem Reuters-Bericht ein kleines Detail, das Weidels Erzählung empfindlich stört: Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung erklärte, Witkoff und Kushner seien über den geplanten Gipfel weder informiert noch dazu eingeladen worden.

Von einer gemeinsamen amerikanisch-russischen Entscheidung für die AfD als bevorzugten deutschen Ansprechpartner kann also keine Rede sein.

In Moskau ist die Nummer immerhin bekannt

Auf der russischen Seite sieht das anders aus. Dmitrijew umwirbt die AfD seit Wochen öffentlich. Bereits am 9. September kündigte er ein russisch-deutsch-amerikanisches Wirtschaftsforum unter Beteiligung der Partei an. Die Ruhrbarone haben darüber in dem Beitrag „Liebesgrüße aus Moskau: Putins Mann fürs Geschäft umwirbt die AfD“ berichtet.

Die politischen und persönlichen Verbindungen reichen weiter zurück. AfD-Politiker reisen nach Russland, treten bei Veranstaltungen der russischen Botschaft auf oder pflegen Kontakte zu russischen Medien und Organisationen. Diese Verbindungen haben wir in „Russlands nützliche Netzwerke“ ausführlich dokumentiert.

Gesprächskanäle darf eine Oppositionspartei selbstverständlich unterhalten. Ein Mandat, für Deutschland über Gaslieferungen, Sanktionen oder Nord Stream zu verhandeln, besitzt die AfD allerdings nicht. Sie stellt weder die Bundesregierung noch den Wirtschafts- oder den Außenminister.

Was bislang übrig bleibt, ist daher weniger beeindruckend als Weidels Auftritt vermuten lässt: Ein Vertreter Putins möchte mit der AfD Geschäfte besprechen. Die Organisatoren schreiben zwei prominente Amerikaner auf ihre Wunschliste. Die Amerikaner wissen davon nach eigener Auskunft nichts.

Alice Weidel erklärt sich trotzdem schon einmal zur einzig verbliebenen Vertrauensperson zweier Weltmächte.

Man kann das Diplomatie nennen.

Bislang ist es vor allem eine außenpolitische Luftnummer.


Andere Beiträge zu diesem Thema auf Ruhrbarone:

Liebesgrüße aus Moskau: Putins Mann fürs Geschäft umwirbt die AfD

Alice Weidel (AfD) will der Ukraine eine Rechnung schicken

Russlands nützliche Netzwerke: Wo sich AfD, BSW und Kreml-Propaganda berühren

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