„Corona in Wahnistan“ von Hans Peter Thurn: Gleichnis zur Zivilisierung

Der Krefelder Künstler Jürgen Rahn illustrierte den Text mit zwölf feinnervigen Tusche-Zeichnungen à la chinoise.

„Bei manchen Wahrheiten genügt die Überzeugung nicht, man muß auch erreichen, daß sie empfunden werden. Zu diesen Wahrheiten gehören die der Moral.“, schreibt Montesquieu in seinen Persischen Briefen (1721) König Friedrich II, der keiner sein will und – zum Herrschen gezwungen – ein „großer“ wird, legt, angeregt vom französischen Vorbild im Jahr 1760 seine

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Kindheit im Ruhrgebiet: Erzählungen fehlen

 

Rudorf Holtappel, Rollerfahren auf der Henkelmann-Brücke in Oberhausen (um 1960)

Im Ruhrmuseum läuft derzeit die Ausstellung „Kindheit im Ruhrgebiet“. Meine Erwartung anregender Geschichten von unten (oral history) wurde leider enttäuscht. Zu sehen ist Spielzeug, das Menschen aus dem Ruhrgebiet zur Verfügung stellten, deren Erinnerungen an ihren Teddybär oder Spielwürfel uns vorenthalten werden. Tonmurmeln und bunte Heftchen waren nun mal für alle Kinder das gleiche Glück, egal ob in Wanne oder in Garmisch. Leider fehlen die individuellen Geschichten der Leihgeber mit ihrem Spielzeug. Auch die Kinder, deren Lichtbilder, fotografiert von Berufsfotografen, die Wände zieren, kommen selbst nicht zu Wort. Was würden sie uns erzählen von ihren Spielen? Von ihren Abenteuern in verbotenen Zonen jenseits der Bahngeleise oder auf Brachen zwischen Zechensiedlung und Bergwerk, von Hechtsprüngen in den Kanal und von den Kohledeputaten und Brieftauben des Großvaters. Und die Jüngeren? Blieb die Trinkhalle Treffpunkt und Umschlagplatz für getauschte Kostbarkeiten aus der Hosentasche? Aus ihren Erzählungen hätte sich ein Zeitpanorama entfalten können aus der Perspektive der „kleinen Leute“ im Schatten der Halden und in wachsenden Naturarealen.

Ausstellung 100 Jahre Ruhrgebiet: Die Geschichten zur Geschichte fehlen


„100 Jahre Ruhrgebiet“ im Ruhrmuseum

Ruhrgebiet 2020. Wo stehen wir? Der erhebende Gedanke, Teil des „werdenden Abendlandes“ ­– so Titel einer vielbesuchten Ausstellung in der Villa Hügel im Jahr1956 ­– und damit mehr als der Kohle- und Schwermetallproduzent Westdeutschlands zu sein, hat sich längst verflüchtigt, und händeringend wird nach selbstbewussten neuen Ideen gesucht, die vielfältigen Aspekte dieser Region unter einen Hut zu bringen.

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Zwei Süppchen?


Von Anfang Februar bis Mitte September diesen Jahres war in Düsseldorf die erste Fotoausstellung zu sehen, die sich der 150jährigen Geschichte des Mediums widmete: 150 exemplarische Lichtbilder, ausgewählt aus einem Konvolut von 3000 Artefakten, dessen Erwerb im Jahr 2018 auch deshalb als Glücksfall galt, weil die Landeshauptstadt sich um das

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Die Dateien hinterm schönen Schein

Thomas Ruff, Motiv aus der Serie Tableaux chinois, Kunstpalast Düsseldorf

Vidiwalls haben längst die Kuriositätenkabinette und Kaiserpanoramen ins Vergessen gedrängt und begeistern heute die Massen wie die Zauberlaternen einst. Und weil der technologische Fortschritt voranstürmt, tut es not, innezuhalten und zurückzuschauen auf „historische Dinge“. Seit zwanzig Jahren erforscht der weltberühmte Fotograf Thomas Ruff die Frühgeschichte seines Metiers und präsentiert derzeit in einer großen Schau der Kunstsammlung NRW Werke, deren Besonderheit in der raffinierten Kombination von anziehenden ästhetischen

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Augenlust mit Gedankenblitzen

Wendekopf aus der Sammlung Nekes

„Die Deutschen Filmmuseen beschäftigen sich mit Mode. Berlin hat das Nachthemd von Marlene Dietrich, Potsdam die Perücke von Hans Albers und Düsseldorf die Schuhe von Kinski“, urteilte einst Werner Nekes, nun drei Jahre nach seinem Tod scheint sich seine Kritik auf traurige Weise zu bestätigen: In keinem der sieben deutschen Filmmuseen wird seine weltweit einzigartige Sammlung von Objekten zur Vor- und Frühgeschichte der audiovisuellen Medien und der Medienkunst aus den letzten fünf Jahrhunderten in ihrer Gesamtheit zu sehen sein. Der Schatz, den der Filmregisseur in fast vier Jahrzehnten aus aller Welt zusammengetragen hatte, wird auseinandergerissen. Dieser Tage wurde bekannt, dass die drei Jahre währenden Verhandlungen zu keinem guten Ende kamen. Die Witwe Ursula Rickert-Nekes hat die Sammlung an ein »Konsortium« in drei Bundesländern veräußert. Künftig teilen sich Schloss Wahn (die Theaterwissenschaftliche Sammlung der

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Unheilbare Entfremdung

Landschaftspark Duisburg Nord Foto: Ra’ike Lizenz: CC BY-SA 3.0

Um keinen Preis lässt sich die Entfremdung des Menschen von der Natur umkehren, die mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzte. Friedrich Schiller stellt in seinen Briefen „Über die ästhetischen Erziehung des Menschen“ u.a. Natur und Kultur gegenüber und sieht in der Kunst ein Potential, die verlorene Ganzheitlichkeit zu überwinden. In diesem Zusammenhang ist ein Projekt zu betrachten, das von heute bis Sonntag im

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