Panorama der falschen Gefühle

Szene aus Marina Abramović Balkan Erotic Epic Foto (Ausschnitt): Marco Anelli/​ Ruhrtriennale


Ruhrtriennale: Marina Abramovics Balkan Erotic Epic gastiert nach einem Ausstellungsvorspiel im Berliner Gropiusbau jetzt in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Nord Duisburg ehe es ab Oktober in der Hauptstadt zu sehen sein wird.

Ulays Pfeilspitze auf ihrem Herzen („Rest Energy,“ 1980), die Liebespilgerin auf der Chinesischen Mauer („The Lovers“, 1988) und die Sitzperformance „The artist is present“ (2010), in der die Künstlerin siebenhundertsechsundreißigeinhalb Stunden schweigend auf einem Stuhl verharrte, als personifizierter Widerstand gegen die Zeit sind uns im Gedächtnis geblieben als anrührende  Performances. Auch die Bonner Retrospektive „The Cleaner“ (2018) hatte manche Inspiration.

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Die innere Flamme der Künstler

Anne Teresa De Keersmaeker Foto: Anne Van Aerschot
Lizenz: Copyright


Anne Teresa Keersmaeker und Solal Mariotte begeisterten bei der Ruhrtriennale mit ihrem Programm „Brel“.

Die Suche nach dem „unerreichbaren Stern“, den Jacques Brel als Don Quijote besingt, steht als Sinnbild für die Kunst, die rebellische, träumerische, ja närrische Kunst, wie er sie uns schenkte, und mag Anne Teresa Keersmaeker, die große Tänzerin, umtreiben wie einst ihn, den großen Sänger, Textdichter und

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Eine Art von Über-Realismus?

Les Apaches „Vorhang“ Foto: Thomas Berns, Ruhrtriennale 2026 Lizenz: Copyright


„Les Apaches!“ erinnert mit „Vorhang!“ an einen frühen Versuch multimedialen Theaters.

Von weitem hört man die Klavierklänge, Ton um Ton im selbstverständlichen Takt eines tropfenden Wasserhahns erfüllt die Gebläsehalle und scheint den Raum mit Zeit auszupolstern. Wie lang schon spielt der Mann am Klavier (Philippe Hattat) da? Nach und nach gesellen sich Musikerinnen und Musiker hinzu, nehmen auf ihren Stühlen Platz, prüfen ihre Notenblätter und fangen an, sich einzuspielen. Immer lauter wird es, bis alle Instrumente  –  Schlagwerk, Saxofon und Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Piccoloflöte, Oboe und Klarinette, Fagott, Trompete und Posaune – das Orchester „Les Apaches“ als Klangkörper hörbar machen.

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„Ich male, was mir Freude macht“

Konrad Klappeck „Alphabet der Leidenschaft“ Bildrechte : Bundesbank


Aus der frühen Schaffensphase des Konrad Klapheck: eine Ausstellung in der Deutschen Bundesbank Düsseldorf

Etwas vom Geheimnis des Isidor Ducasse umweht die Kunstwerke Konrad Klaphecks. Das dargestellte Objekt verbirgt auf den ersten Blick, mehr als bloßes Abbild zu sein. Immer gehe es um den Menschen und um die Freiheit, erinnert Konrad Klapheck an seinen verehrten Freund André Breton, und in seinem Schaffen folgt er dessen Prämisse, den Menschen etwas freier zu machen, indem er die Wirklichkeit erweitert.

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Von der Bewegung der Blätter

Botanischer Garten Ii, Heuchera micranthe (Purpurglöckchen) Düsseldorf 2020 Bild: Gino Bühler

 

Thomas Schütte eröffnet seine „GARAGE“ mit Photographien von Gino Bühler.

Der weltweit gefragte Künstler Thomas Schütte hat jüngst in seiner Wahlheimatstadt Düsseldorf in einem mäzenatischen Akt die „Garage“ aus dem Boden gestampft: 750 Quadratmeter neuer Spiel-Raum für Kunst. Die temporäre Galerie an der Hüttenstraße, die Kulissen und Bühnenelemente aus der Anna Viebrock-Ausstellung in der Skulpturenhalle 2024 aufnahm, besticht in ihrer schlichten, stimmigen Lichtführung und Raumaufteilung

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Wolfgang Tillmans’ Fotoschau im Deutschen Werkzeugmuseum Remscheid


Ein Pendler zwischen Dunkelkammer und Milchstraße, zwischen Berlin und London, der – die Kamera immer im Anschlag – seinem Lebensgefühl folgt: Wolfgang Tillmans, Jahrgang 1968, ist Fotograf, Aktivist und Musiker seit über 35 Jahren, in denen er sich und seine Kunst entwickelte bis hin zur internationalen Anerkennung und Würdigung seines Werks.

Dass Remscheid nach New York, Dresden und Paris derzeit Ausstellungsort ist, liegt wohl nicht allein daran, dass der junge Tillmans von hier aufbrach in die weite Welt, sondern auch am hier beheimateten einzigen deutschen Werkzeugmuseum und dem benachbarten spätbarocken Haus Cleff, das nach aufwendiger Sanierung gerade wiedereröffnet wurde. Für dessen

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Tanz des Lebens

Delay the Sadness Foto: Vitali Akimov/Ruhrtriennale Lizenz: Copyright


Sharon Eyal und die S-E-D-Kompanie bei der Ruhrtriennale.

Zeit vergeht nicht, der Mensch schon, und so kommt jede Feier des Lebens dem Tod ganz nah. Das führt uns Sharon Eyals neues Projekt „Tanz des Lebens“ eindrucksvoll vor Augen. Die achtköpfige Tanzgruppe versetzte die Besucher auf der voll besetzten Zuschauertribüne der Jahrhunderthalle Bochum mit ihrem harmonischen, gleitenden und schwebenden Ganzen, in

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Missglücktes Debut: Hildur Gudnadóttier und ihre Gruppe bei der Ruhrtriennale

Hildur Gudnadóttier und ihre Gruppe Foto: Thomas Berns /Ruhrtriennale Lizenz: Copyright


Für klingende Namen hat Ivo van Hofe offenbar eine Schwäche: Zum Auftakt der zweiten Spielzeit seiner Ruhrtriennale-Intendanz verführte er einen Schauspieler zum Schiffbruch mit Gesang und Tanz, und jetzt hatten wir das Missvergnügen, eine oscarprämierte isländische Komponistin und Cellistin mit ihren drei Mitstreitern ohrenbetäubend aber belanglos vorübergehen zu hören, während wir doch Tracks von ihrem neuen Album „Osmium“ erwartet hatten.

Außer Kontrolle geratene Naturkräfte fordern Menschen heraus, die „Naturgewalt jenseits musikalischer Genres“, der sich jetzt das Publikum in der Gießhalle des Landschaftspark Nord aussetzen wollte, blieb nicht spürbar. Dafür schlug den Besuchern unverhohlenes Desinteresse entgegen.

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Im Hallraum der Geschichte

Último Halecho Foto: Heinrich Brinkmöller-Becker/Ruhrtriennale Lizenz: Copyright


“124 Years of Reverb” und „Último Halecho” bei der Ruhrtriennale

Jonny Greenwood war für den Intendanten Ivo van Hove wohl gerade prominent genug, um ihn innerhalb der aktuellen Ruhrtriennale als ein weiteres Aushängeschild einzusetzen. Im ursprünglichen Vorhaben half der Radiohead-Musiker, in seiner italienischen Wahlheimat, erdbebenzerstörte Kapellen zu sanieren, und verfiel dabei der Schönheit alter Orgeln. Die historischen Instrumente inspirierten ihn zu seiner Komposition „X Days of Reverb“: Greenwood lauschte

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„Sag mal Seidl – schläfst Du?“

Rupert Seidl Anfang der 1980er Jahre Foto: Privat


Als der Schauspieler und Regisseur Rupert Seidl und ich uns kürzlich nach Jahren wiedersahen, gab es viel zu erzählen, und zwischendurch „pling“ mischte sein Handy sich ein: Eine Nachricht von Claus Peymanns Vertrauter Jutta Ferbers, die im Namen des kranken Regisseurs sich für einen Brief Seidls bedankte. Kaum eine Woche später ließ uns die Nachricht von Peymanns Tod erstarren. Als der Schock abgeklungen war, fragte ich Seidl, ob er mir nicht von seiner besonderen Beziehung zu Peymann und dem Ruhrgebiet erzählen wolle.
 

Rupert, Du hast Schauspiel und Regie an der HMDK Stuttgart studiert, wo Peymann seit 1974 als Intendant im Schauspielhaus waltete. Wie lerntest Du ihn kennen?

Seidl: Ich hatte schon einen Vertrag mit dem Theater Bielefeld in der Tasche, das vom klugen und liebenswerten Heiner Bruns geleitet wurde, einem Intendanten, wie er heute wohl schwer zu finden

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