Choreografie Y Foto: Katja Illner/Ruhrtriennale Lizenz: Copyright
Verwandlungen über Zeit und Raum hinweg.
Nichts zu hören, nichts zu sehen? Unsicher schauen die Gäste am Eingang um sich. Vorsichtig betreten wir den abgesperrten Bereich und schrecken fast zurück, als wir höchstens drei Armlängen entfernt auf eine reglos am Boden liegende Frau treffen. Wir hören die „Musik“ noch nicht, zu der sie „tanzt“. In einem
Want Absolute Beauty, Regie: Ivo Van Hove. Sandra Hüller, (LA)HORDE Foto: Jan Versweyveld Lizenz: Copyright
Der neue Leiter der Ruhrtriennale Ivo van Hove stellt sich mit “I want absolute beauty” als Regisseur vor. Das Publikum klatschte begeistert und fühlte sich offensichtlich bestens unterhalten.
Hochgemut und voller Erwartungen angereist, wie wir es seit den allerersten Ausgaben der Ruhrtriennale zu tun pflegen, hofften wir, dass sich auch in der Ausgabe 2024 wieder eine Ritze öffnen würde in unbekanntes Terrain. Aber zack schlug das Fenster vor unseren Augen zu: Wir erlebten eine PJ Harvey-Cover Show mit Sandra Hüller und einigen tänzerischen Zutaten und fragten uns, was die hochdekorierte Schauspielerin aus dem Ensemble des Schauspielhauses
Olympischer Kessel im Tuileriengarten, Paris. Foto: Chabe01 Lizenz: CC BY-SA 4.0
Waren die Erfindungen des olympischen Eröffnungsspektakels nicht „schön wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“? Also lohnt es sich, die erstaunlichen Bilder dieser Aufführung im öffentlichen Raum näher zu beäugen. Das Zitat entstammt Lautréamonts einflussreichem Werk „Die Gesänge des Maldoror“ und ist eine Inkunabel des Dada und des Surrealismus. Fraglos wirken die Grundsätze dieser Kunstströmung bis in unsere Zeit und beeinflussten offenbar auch die Regisseure Thomas Jolly und Patrick Boucheron, denen es sichtbar um eine radikal andere Umsetzung der in der Olympischen Charta festgelegten Vorschrift geht, „künstlerischer Darbietungen, die die Kultur des Gastgeberlandes repräsentieren“, zu erfinden.
Als „eine Erzählung ohne Worte, um die Fähigkeit einer Stadt zu inszenieren, aus sich heraus Bilder hervorzubringen“, bezeichnete Patrick Boucheron in der FAZ die Eröffnungszeremonie. Gespielt wird mit vielerlei
Es war einmal im Ruhrgebiet. Ein junger Mann hatte den Traum, einen Film zu machen. Da erbte er etwas Geld, das gerade für einige Dosen Orwo-Film reichte, und er bestellte das 16mm-Material in Wulfen / DDR. Obwohl es viele Ideen aber noch kein Drehbuch gab, konnten er und seine Freunde es kaum erwarten, die Beaulieu-Kamera in die Hand zu nehmen
Karin Kneffel Ohne Titel Foto: Achim Kukulies Lizenz: Copyright
„Karin Kneffel hat uns das Gesicht des Jesuskindes sichtbar gemacht“, begeistert sich eine Musemswärterin und zeigt auf eine Holzskulptur der Jungfrau Maria und ihres Erstgeborenen von Ewald Mataré, die erhöht an der Musemswand hängt. In zwei malerischen Abbildern des exotisch anmutenden Marien-Antlitzes und des Neugeborenen-Gesichts rückt die Künstlerin ihrem „Vorbild“ auf den Leib und gibt uns gleichzeitig in ihrer Hommage an den berühmten Vorgänger einen Fingerzeig für ihre neue Werkgruppe in der jüngst eröffneten Ausstellung „Face of woman. Head of Child“ im Kurhaus-Museum Kleve. Das Auge wandert über Diptychen, auf denen jeweils ein Muttergesicht einem Kinderporträt beiseite gestellt ist.
Die selten gewordene leise Überwältigung durch Kunst erwartet dieser Tage Kunstsinnige im K20. Chaïm Soutine hat auf 48 Gemälden das Unsichtbare im Sichtbaren gebannt. Der Künstler porträtierte das subalterne Personal der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg. Orientierungslose Randgestalten, Hungerleider, Schwermütige wie er. Nicht in der selbstbewussten Haltung
Das unendliche Dunkel des hohen Himmels mit seinem Sternengefunkel spiegelt sich in den schwarzen Tiefen der Erde, wo aber auch winzige Helligkeiten aufblitzen, die nur der Bergmann sieht. Das Weiße in seinen Augen ist, wenn er wieder ins Tageslicht tritt, unvergleichlich weiß. Diese seltsamen
Ein Sommernachtstraum Foto: Matthias Horn/Ruhrtriennale Lizenz: Copyright
Barbara Frey inszeniert zum Auftakt der Ruhrtriennale 2023 William Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“.
Da stehen wir also am Eingang einer Riesenhalle und schauen erwartungsvoll in eine schier endlose Dämmerung. Dann ist Einlass, alle Zuschauer schreiten die knapp 170 Meter des Industriedenkmals Kraftzentrale ab, und Schritt für Schritt nähern wir uns einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang, obwohl doch
Jedes Bild ist Täuschung, aber während der Ursprungsmythos der Kunst von Zeuxis und Parrhasios erzählt, den Malern, die darum streiten, die Welt der Dinge täuschend echt nachzuahmen, und von Vögeln, die an gemalten Trauben picken, will der digitale Alchemist Anadol uns weißmachen, wir könnten Algorithmen beim Träumen zuschauen. Seine LED-Installation „Natur Dreams“, zelebriert virtuelles Farbmagma.
Am Anfang stand die Nachahmung wirklicher Natur, die Transformation dreidimensionaler Dinge in die Zwei-Dimensionalität zwischen der senkrechten und der waagrechten Koordinate eines Zeichenblattes. Nach tausenden Jahren der Kulturgeschichte haben wir es gegenwärtig offenbar mit der Transformation digitaler Bilddateien in „virtuelle Natur“ zu tun. Die täuschend echte Darstellung einer Rebe hier als höchst Kunst, amorphe Farbwallungen dort, die begleitender Erzählungen in Gestalt von Musik und Sprache bedürfen.
Soll der Geier Vergißmeinnicht fressen? fragt Hans Magnus Enzensberger in seinem berühmten Gedicht vor mehr als sechzig Jahren, in dem er uns Menschen in unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit aufspießt. Die Absurdität der menschlichen Existenz ist damals bei Philosophen und Dichtern hoch im Schwange, und die Konzeptkunst macht sich auf, mit Raffinesse und Tiefgang Widersprüche in der Gesellschaft zu beleuchten.