Sandro Wagner und der Augsburger Dornröschenschlaf, der bleibt

Sandro Wagner. Quelle: Wikipedia, Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Als der FC Augsburg im Sommer Sandro Wagner als neuen Trainer präsentierte, war das Medienecho eindeutig: ein Coup.

Der frühere Nationalstürmer, einst als impulsiver Querdenker auf dem Platz bekannt, hatte sich nach seiner aktiven Karriere schnell einen Namen als moderner, selbstbewusster Fußballlehrer gemacht. Authentisch, analytisch, ambitioniert – und vor allem: begehrt.

Wagner galt als einer der kommenden Männer des deutschen Trainerjahrgangs, ein Vertreter jener Generation, die mit Laptop und Leidenschaft zugleich arbeitet. Dass ausgerechnet der FC Augsburg ihn verpflichtete, wirkte wie ein cleverer Schachzug eines Klubs, der lange als graue Maus der Bundesliga galt. Inzwischen wirkt das Ganze völlig anders.

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Zwei Sterbende zusammenzulegen, verlängert nicht automatisch ihr Leben

Die Fußgängerzone in Waltrop ist inzwischen häufig menschenleer. Foto: Robin Patzwaldt

Bei mir vor der Haustür hier in Waltrop flammt sie gerade wieder auf, die altbekannte Diskussion um den Wochenmarkt. Seit Jahren taucht das Thema immer wieder in der Öffentlichkeit auf – meist dann, wenn die Leere auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone nicht mehr zu übersehen ist.

Nun also erneut der Vorschlag, den Wochenmarkt von seinem angestammten Platz in die Innenstadt zu verlegen. Ein Versuch, Leben dorthin zu bringen, wo es kaum noch pulsiert. Eine Idee, die im Kern sympathisch ist – und dennoch kaum das leisten kann, was man sich von ihr erhofft.

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Der alte Verdacht lebt wieder auf – Gibt es in der Bundesliga einen Bayern-Bonus?

Foto: Michael Kamps

Es war am Ende ein klarer Sieg auf dem Papier: 3:0 gewann der FC Bayern München am Samstagnachmittag bei Borussia Mönchengladbach, spielte abgeklärt, effektiv, fast schon routiniert. Doch so souverän das Ergebnis aussieht – auf den Rängen, in den sozialen Medien und in den Talkrunden danach ging es nicht um die Tore, sondern um das alte, leidige Thema: Wird der Rekordmeister in der Bundesliga bevorzugt? Gibt es bei den Schiedsrichtern einen Bayern-Bonus?

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Fußball zum Gähnen, Punkte zum Feiern – das ist der FC Schalke 04 2025/26

So hoch her wie hier ging es auf Schalke am Freitag nur selten. Foto: Michael Kamps

Schalke ist wieder da! Nach dem 1:0 gegen Darmstadt 98 stehen die Königsblauen mit 24 Punkten aus zehn Spielen ganz oben in der 2. Liga. Tabellenführer! Zumindest bis am Samstagmittag Elversberg in Bielefeld spielt. Und klar, das sorgt auf Schalke für gute Laune – endlich mal wieder.

Nach all den Jahren zwischen Absturz, Chaos und Zweitliga-Graupenkick fühlt sich dieser Blick von oben verdammt gut an. Auch Fußballromantiker außerhalb des Ruhrgebiets dürften sich freuen. Schließlich gehört ein Klub wie Schalke doch irgendwie in die Bundesliga, oder?

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Ein Besuch in der Villa Hügel in Essen – zwischen Staunen und Beklemmung

Die Villa Hügel in Essen im Oktober 2025. Foto(s): Robin Patzwaldt

Vor ein paar Tagen war ich zum ersten Mal in der Villa Hügel in Essen. Für jemanden, der seit Anfang der 1970er-Jahre im Ruhrgebiet lebt, wurde das höchste Zeit. Schließlich ist die Geschichte dieser Region untrennbar mit der Familie Krupp verbunden – und damit auch mit diesem Haus, das so viele Mythen, Machtfantasien und Widersprüche in sich trägt.

Ich wusste natürlich, wie die Villa aussieht. Aus Filmen, Fotos, Dokumentationen. Aber sie dann tatsächlich zu betreten, über diese makellos gepflegten Wege zu gehen, auf die weiten Rasenflächen zu blicken, das war etwas anderes. Es war – das klingt vielleicht pathetisch – fast wie ein kleiner Kulturschock.

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Ein Film, der bleibt – Aljoscha Pauses Dokumentation ‚Fritz Litzmann, mein Vater und ich‘ jetzt fürs heimische Regal

Im Juni lud der Bonner Filmemacher Aljoscha Pause einige Leserinnen und Leser der Ruhrbarone ins Kino nach Dortmund ein, um gemeinsam die Premiere seines neuen Films „Fritz Litzmann, mein Vater und ich“ zu erleben. Es wurde ein besonderer Abend – intensiv, nachdenklich und berührend. In seinem neuen Werk widmet sich Pause der eigenen Familiengeschichte und stellt Fragen nach Schuld, Erinnerung und Verantwortung, ohne dabei den Humor und die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Nun haben endlich alle, die damals nicht im Kino dabei sein konnten, die Gelegenheit, den Film zu entdecken

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Vincent Kompany – Vom belächelten Notnagel zum langfristigen Hoffnungsträger des FC Bayern München

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Als der FC Bayern München im Sommer 2024 Vincent Kompany als neuen Cheftrainer präsentierte, war die Skepsis groß. Zu unerfahren, zu unerprobt auf höchstem Niveau, zu riskant für einen Klub, der sich traditionell nur mit Titeln zufriedengibt.

Während in München noch über seine Verpflichtung diskutiert wurde, wurde anderswo gelacht – vor allem auch in Dortmund. Dort schien man sich sicher: Der FC Bayern habe nach einer chaotischen Trainersuche die Notlösung gewählt, während Borussia Dortmund mit Nuri Sahin den „Wunschtrainer mit Stallgeruch“ gefunden zu haben glaubte.

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BVB zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Spitzenspiele als schmerzhafter Realitätscheck

Ernüchterung bei BVB-Trainer Niko Kovac. Foto: Robin Patzwaldt

Borussia Dortmund wollte in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga wieder ein echtes Wörtchen im Titelrennen mitreden. Nach dem vielversprechenden Saisonstart war Euphorie spürbar – endlich schien die Mannschaft stabil, reifer, konstanter.

Doch die beiden jüngsten Spiele gegen RB Leipzig (1:1) und Bayern München (1:2) haben ernüchternd deutlich gezeigt: Der BVB ist noch nicht da, wo er sein möchte. Und vor allem – wo einige in Schwarzgelb glaubten, schon zu sein.

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Phoenix des Lumières in Dortmund: Mit Monet und Rousseau zurück zu den Wurzeln

Phoenix des Lumières in Dortmund im Oktober 2025. Foto(s): Robin Patzwaldt

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als Phoenix des Lumières Anfang 2023 in Dortmund seine erste immersive Ausstellung eröffnete. Damals standen die Werke von Gustav Klimt und Friedensreich Hundertwasser im Mittelpunkt – und die Kulturszene des Ruhrgebiets hatte plötzlich eine neue Attraktion.

Inmitten der rauen Industriearchitektur des ehemaligen Stahlwerks entstand ein Ort, an dem klassische Kunst mit modernster Projektionstechnik verschmolz. Farben, Formen und Klänge hüllten die riesigen Hallen in eine fast magische Atmosphäre. Ich war damals begeistert – und nicht die Einzige.

Von Pharaonen zu Impressionisten: ein Konzept entwickelt sich weiter

In den Jahren danach haben die Macher einiges ausprobiert: von „Im Reich der Pharaonen“, einer Reise ins Alte Ägypten, bis hin zu „Asterix & Obelix“, einem immersiven Abenteuer für die ganze Familie. Unterhaltsam waren diese Ausstellungen durchaus, doch der künstlerische Tiefgang, der bei Klimt und Hundertwasser spürbar war, rückte dabei etwas in den Hintergrund. Umso gespannter war ich, als ich hörte, dass das neue Programm zurück zu den klassischen Wurzeln führt.

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Apotheken vor Ort: Teuer, träge, überflüssig

Diese Apotheke am Rande des Ruhrgebiets gibt es inzwischen schon nicht mehr. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Wer heute noch brav in die Apotheke um die Ecke stapft, bezahlt nicht nur zu viel – er hält auch an einem System fest, das längst überholt ist. Das habe ich seit August, als bei mir im örtlichen Krankenhaus eine kleine Operation mit anschließender medizinischer Nachbetreuung und Medikamentenversorgung notwendig wurde, am eigenen Leibe in den vergangenen Wochen immer wieder leidvoll erfahren müssen. Jetzt habe ich mich von den Apotheken vor Ort endgültig frustriert verabschiedet. Zu häufig habe ich mich nach meinen Besuchen dort in den vergangenen Wochen über diese geärgert.

Der Grund: Stationäre Apotheken wirken inzwischen vielfach wie museale Schaukästen: teuer eingerichtet, vollgestellt mit überflüssigen Kosmetikartikeln, aber wenn man etwas Konkretes braucht, heißt es erstaunlich oft: „Müssen wir erst bestellen.“ Ironischerweise also genau das, was Online-Apotheken sowieso besser können – nur ohne den Umweg über eine Ladentheke und den dazugehörigen Fahr- bzw. Zeitaufwand.

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