Bundesligaspiele zukünftig komplett ohne Auswärtsfans? Bloß nicht!

Das stimmungsvolle Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt
Das stimmungsvolle Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Am Wochenende sorgten vermummte Idioten im Köln-Block beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach bekanntlich für Negativ-Schlagzeilen rund um die Fußball-Bundesliga, als diese unmittelbar nach Spielende nicht nur auf den Platz des Stadions in Mönchengladbach zu stürmen begannen, Pyrotechnik einsetzten und sich zudem etliche Rangeleien mit Polizei und Ordnungshütern lieferten.
Der 1. FC Köln reagierte im Nachgang des Derbys sofort. Doch auch seine umgehende, harte Reaktion konnte die einsetzende öffentliche Debatte bisher nicht stoppen, in deren Verlauf, wie das dann häufig und gerne der Fall ist, inzwischen auch die ersten ‚Hardliner‘ zu Wort kommen. Einschüchternde Überlegungen aus reiner Taktik, oder tatsächlich eine ernstgemeinte, echte Drohung? Jedenfalls will DFB-Sicherheits-Chef Hendrik Große-Lefert, wie er sich nun gegenüber der ‚Rheinischen Post‘ geäußert hat, nun ebenfalls harte Konsequenzen durchsetzen.
Sogar ein Verbot von Auswärtsfahrten für Bundesligafans wird von ihm offenbar dabei nicht ausgeschlossen!
„Wenn der Veranstalter sonst keine Möglichkeiten mehr hat, muss man solch drastische Sanktionen ergreifen.“

 

 

Hieße im Klartext wohl: Wenn die Grenzen der Sicherheits-Maßnahmen aus Sicht der Heim-Klubs erreicht sind, dann sollen Auswärts-Fans im Ganzen letztendlich die Konsequenzen dafür tragen.
Große-Lefert dann weiter: „Ob Auswärtsfahrten verboten werden, muss die unabhängige Sportgerichtsbarkeit prüfen und entscheiden.“

 
Klingt in meinen Ohren erst einmal ziemlich unwahrscheinlich, aber auch deutlich zu drastisch!
Wollen wir wirklich wegen ein paar Dutzend Krawallschlägern in einem Derby zukünftig alle zusammen auf die komplette Faszination solcher Spiele verzichten?

Krawalle auf den Rängen sind im Fußball doch längst nicht Gang und Gebe, sondern, zum Glück, immer noch eine ziemlich seltene Ausnahmesituation in den Stadien des Landes.

 
Wer zudem mal einige Jahre lang z.B. den US-Sport beobachtet hat, wo es nicht nur eine völlig andere Fankultur gibt, sondern Auswärtsfans (u.a. durch die vergleichsweise großen Reiseentfernungen zwischen den Städten) völlig unüblich sind, zumindest in größeren Gruppen, der weiß eine prickelnde Derbyatmosphäre auf den Tribünen hier bei uns in Europa doch sehr zu schätzen. Zumindest eben eine gewaltfreie.

 
Auf dieses faszinierende Schauspiel zukünftig eventuell komplett verzichten zu müssen, nur weil einzelne ‚Knallköpfe‘ die Bühne des (Profi-)Fußballs für ihre eigene Selbstdarstellung und als Ergebnis ihrer schlechten Erziehung missbrauchen wollen, das kann und darf nicht die Konsequenz sein! Man darf die reisefreudigen Fußballfreunde und damit auch die gesamte Fankultur bei uns nicht komplett in Sippenhaft nehmen! Das wäre nicht nur völlig falsch, das wäre letztendlich wohl auch das Ende des Fußballs wie wir ihn kennen und mehrheitlich so sehr lieben.

 
Realistischer scheint mir da schon ein Vorschlag von Andreas Rettig, aktuell und bis zum Sommer noch in Diensten der DFL (Deutsche Fußball Liga), den dieser nun gegenüber dem ‚Express‘ in Köln äußerte. Er schlägt dort eine andere Lösung vor: Für sicherheitsrelevante Spiele wie brisante Derbys will Rettig Tickets zukünftig personalisieren lassen. Wenn es nach ihm ginge, dann könnten Ticket-Inhaber nach möglichen Ausschreitungen so deutlich einfacher ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.
Ob das am Ende tatsächlich viel bringen würde, darüber ließe sich sicherlich streiten. Doch scheint mir dieser Ansatz deutlich angemessener als ein komplettes Verbot von Auswärtsfans in der Bundesliga.

 
Mal sehen was die Diskussionen der nächsten Tage noch so bringen. So, oder so erschreckend, was ein paar Dutzend Idioten einem Sport den Millionen lieben offenbar antun können…

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Thorsten Stumm
7 Jahre zuvor

Also ich rate jedem der DFB Allmachtsfantasten mal ein Blick ins Grundgesetz….und dann denn Rat von Dieter Nuhr befolgen …einfach mal die ….

Hank
Hank
7 Jahre zuvor

Wieso eigentlich nicht? Bei Clubs deren Fans regelmäßig auffallen ist es allemal eine Überlegung wert. Dann bleibt es einem auch erspart mit volltrunkenden Deppen in einem Zug zu sitzen. Ich denke aber, letztendlich haben es die Fans und Vereine selber in der Hand.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

Robin, es sind nicht die paar Volltrottel aus Köln vom letzten Wo.ende, es sind die uneinsichtigen Fangruppen und Vereine, die seit zig Jahren das Problem intern nicht in den Griff bekommen bzw. eine „Selbstreinigung“ innerhalb der eigenen Fanszene komplett verweigern. Also wird nach all den vergeblichen Angeboten und Freiräumen für die Vereine irgendwann eine externe Zuständigkeit – DFB, DFL, Polizei, Innenministerien – die vermeintliche Lösung umsetzen und dieses „Irgendwann“ rückt mit jedem neuen Vorfall von Gewalt bzw. Pyros in den Stadien oder drumrum um Monate näher.

Ich halte ein komplettes „Away“-Verbot ebenso nicht für umsetzbar, weil es u.A. den Vereinen illegalerweise Umsätze streichen kann und der DFB deswegen keine Rechtsstreits risikieren wird. Aber viel härtere Auflagen bez. Einsatz und Ausbildung von privater Security (und damit Kostensteigerungen für die Vereine), personalisierte Tickets, Schnellrichter-Verfahren an jedem Stadion und „Säuberungsaktionen“ der Vereine im eigenen Fanclub-Umfeld werden zwangsläufig kommen, das haben die Fans schon selbst hinbekommen…

WALTER Stach
WALTER Stach
7 Jahre zuvor

Thorsten Sturm,
es geht nichts ums Fahren -wohin und warum auch immer.

Es geht darum, ob und wie die Vereine im Rahmen ihres Hausrechtes zukünftig „nicht mehr jeden ins Stadion lassen“, in diesem Falle „jeden vom Gastverein“. Und wenn die Vereine sich mit oder ohne DFB/DFL auf eine gemensame Praxis einigen, dann………..
Dann halte ich das jedenfalls für rechtlich möglich.

Andere Fragen sind:
a.)wäre das eine dem Fußballsport letztendlich „bekömmliche Lösung“? Ich denke nicht!
b.)wäre das praktikabel? Ich denke, daß das nur „sehr bedingt“funktionieren kann.
Bekanntlich finden „auswärtige Fans“ schon heute Mittel und Wege, um an Karten heranzukommen -außerhalb des für den Gastverein vorgesehenen Kontingents.
Hank,
wir Fans, die wir uns nicht zu den „volltrunkenen Deppen“ zählen, haben letztendlich eigenverantwortlich daürber zu entscheiden, ob wir , z.B. wegen unseres BVB, breit sind, volltrunkene Fans, Randale pp., auch wenn sie noch so lästig ist, zu ertragen oder nicht.
Gewalt im Stadium müssen wir allerdings nicht ertragen. Und um der Gewalthinreichend repressiv und präventiv zu begegnen, egal ob Heimische oder Auswärtige die Gealttäter sind,haben die gastgebenden Vereine noch seh, sehrr viele Möglichkeiten, auch solche „die Geld kosten“. Letztendlich zwingt (!!)sie ihr Hausrecht dazu, alle Mittel, eben auch solche, die mehr Geld kosten als bisher, um ihre Gäste hinreichend gegen Gewaltakte jeglicher Art zu schützen.

Ich gehe aber weiterhin davon aus, daß die Vereine -über erste spontane Reaktionen hinaus- weiterhin nicht bereit sein werden, mit allen ihren rechtlich zulässigen Mitteln und Möglichkeiten repressiv und präventiv Gewalttaten/Gewaltäter soweit es möglich ist, aus den Stadien herauszuhalten. Wir diskutieren hier bekanntlich zum X-ten Male über ein altes, ein sehr altes nicht gelöstes -nicht lösbares?- Problem.

Hank
Hank
7 Jahre zuvor

Okay, recht habt ihr-die Stimmung ist dann natürlich dahin und die Zugfahrten sind zu ertragen wenn es friedlich bleibt. Was ich mich aber frage ist-sind die Randalierer nicht Vereins- und Polizeibekannt, wäre das Problem nicht mit ein bißchen Repression in den Griff zu kriegen?

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

@Hank: Wenn die einzelnen Randalierer nicht schon ein lokales oder bundesweites Stadionverbot „genießen“, dann kann die Polizei höchstens eine sog. „Gefährdungsansprache“, also ein „DuDuDu!!“ bei Tass Kaff anbieten. Für andere Repressalien wie z.B. Hausarrest fehlen (noch) die gesetzlichen Grundlagen.

Ob die Ordner, die vereinsseitig für die Zugangskontrolle verantwortlich sind, konsequent solchen Idioten den Eintritt verwehren können oder wollen, ist noch eine ganz andere Geschichte, wo die Vereine wohl noch jede Menge Zeit (also Geld) für Ausbildung und Organisation investieren müssen.

WALTER Stach
WALTER Stach
7 Jahre zuvor

8-Thorsten Stumm
o.k, allerdings sollte er das, was er gesagt hat, buchstäblich so gemeint haben, dann finde ich das, gelinde gesagt, irre. Insofern ist ihre Aussage -einschl.Nuhr- ohne Wenn und Aber zutreffend.

WALTER Stach
WALTER Stach
7 Jahre zuvor

SPIEGELonline NETZWERK
„Diskussionskultur im Internet-
eine Kolumne von Sascha Lobo.

Da ich gerade hier „unterwegs bin“, der o.a.Hinweis an dieser Stelle.
Deplaziert ,ja,aber……….

Für mich ist der Inhalt der Kolumne jedenfalls interessant und dazu angetan,über meine Internetaktivitäten, speziell über meine Kommentare hier bei den Ruhrbaronen, nachzudenken, über das OB, das WIE, das WARUM:

Hank
Hank
7 Jahre zuvor

Ich glaube niemand will halbleere Stadien. Ich erinnere mich noch an meine Kindheit in den Achtzigern als die Buli ein wahrlich trauriges Bild abgab.
Ich meine mal in einem Artikel gelesen zu haben dass Engländer eigens wegen der Stimmung nach Dortmund fliegen. Eine Stimmung wie es sie in UK nicht mehr gibt. Wäre schade wenn man sich das was die Bundesliga erreicht hat wieder zunichte machen würde.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
7 Jahre zuvor

@Hank, Robin: Der Artikel aus dem letzten Oktober findet sich hier: http://www.ran.de/fussball/bundesliga/news/borussia-dortmund-was-machen-1000-englaender-beim-bvb-1374162

81 Euro für den Wo.end-Dortmund-Trip inkl. Ticket, zwei Bier, Unterkunft und Transport versus 64 Euro allein nur für das Ticket bei z.B. Arsenal ist schon eine Ansage. Allerdings vermarktet der BvB das auch offensiv, so dass mehr Tommies darauf aufmerksam werden.

Und in den Achtzigern wäre wohl kein einziger Fan-Engländer hier froh geworden, das kann ich als damaliger Hardcore-Fan nur bestätigen;-)

trackback

[…] für die bundesdeutsche Öffentlichkeit, nachdem in den letzten Tagen bekanntlich doch eher über Chaoten in Fußballstadien diskutiert werden musste. Doch leider blieb auch dieses optische Highlight nicht […]

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