Das blaue Gespenst

 

Demo gegen die AfD in Duisburg Foto: Peter Ansmann

Die CDU ringt mal wieder um den Umgang mit der AfD. Die Frage ist jedoch nicht Zusammenarbeit mit ihr oder nicht, sondern: Wann machen Union und SPD endlich eine Politik, die wieder mehr Bürger von ihnen und der Lösungsfähigkeit der Demokratie überzeugt?

Die Lage ist dramatisch: Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in knapp einem Jahr wollen 40 Prozent AfD wählen; die CDU müsste mit allen anderen Parteien zusammengehen, um sie von der Regierung fernzuhalten. Nicht viel anders in Mecklenburg-Vorpommern, wo der regierenden SPD von Manuela Schwesig der Absturz droht. Auch bundesweit rangiert die rechtextreme Partei inzwischen vor der Union. Im wohlhabenden Baden-Württemberg, wo im März gewählt wird, hat sie die Grünen in Umfragen von Platz zwei verdrängt. Doch das Einzige, was dem CDU-Vorsitzenden und Kanzler Friedrich Merz, der mitregierenden SPD und den Grünen dazu einfällt, scheint zu sein, die Brandmauer zu beschwören.

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„Die kulturelle Hegemonie, der politische Zeitgeist sind oft entscheidender als die Frage, welche Partei grade den Kanzler stellt“

Martin Hagen Foto: FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Während viele über die AfD reden, sucht R21 nach Antworten: Martin Hagen, Geschäftsführer von R21,  erklärt im Ruhrbarone-Interview, warum Deutschland einen neuen Liberalismus braucht – und warum Abgrenzung allein keine Politik ersetzt.

Ruhrbarone: Was R21 von den meisten Denkfabriken, die es in Deutschland gibt – wie das Institut Solidarische Moderne, das Zentrum Liberale Moderne oder Agora Energiewende – unterscheidet, ist seine liberal-konservative Ausrichtung. War die Gründung vor vier Jahren überfällig?

Martin Hagen: Wir haben auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt in Deutschland zwar einige wirtschaftsliberale Thinktanks. Aber eine bürgerliche Denkfabrik, die sich neben

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„Ich lehne jede Form von Kulturrelativismus ab“

Güner Yasemin Balcı und Gastgeber Ahmad Omeirate von der Caritas Herne Foto: Laurin

Güner Yasemin Balcı ist Autorin, Filmemacherin und die Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. Am Freitag las sie in Herne in der Volkshochschule aus ihrem Buch Heimatland.

Mit einer Lesung Güner Balcıs aus ihrem neuen Buch Heimatland startete der Herner Caritasverband seine neue Gesprächsreihe „Sicht im Schacht“. Balcı ist Autorin, Filmemacherin und die Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. Sie streitet mit Islamisten und Antisemiten, setzt sich als Old-School-Feministin für Frauenrechte ein und hält nichts von dem postmodernen Stuss, die Burka als Zeichen der Selbstermächtigung von Frauen umzudeuten.

Heimatland, sagt Balcı, sei ein sehr persönliches Buch geworden, eines, in dem sie auch viel aus ihrem Privatleben erzählt. Das Buch sei eine Liebeserklärung an ihr Land, weil sie finde, dass man in Zeiten des extremen Rechtsrucks sich die Begriffe zurückholen und sich ganz klar zu unserer Verfassung bekennen müsse.
„Mein Heimatland“, liest sie aus ihrem Buch vor, „sind tanzende Schneeflocken im Scheinwerferlicht einer stürmischen Winternacht. Spaziergänge im Dunkeln mit zu vielen Kindern auf einem Schlitten. Hermannplatz, Hasenheide und Wärme. Die Hände meiner runden Tanten, die nach Zwiebeln riechen. Blubbernde Kessel mit rot-schwarzem Tee. Knarzende Treppenaufgänge in Altbauwohnungen. Der würzige Duft von roter Bohnensuppe. Der Anblick meiner tanzenden Mutter. Wettspringen vom Beckenrand im Columbia-Bad. Die rauen Hände meines Vaters.“

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Apotheken vor Ort: Teuer, träge, überflüssig

Diese Apotheke am Rande des Ruhrgebiets gibt es inzwischen schon nicht mehr. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Wer heute noch brav in die Apotheke um die Ecke stapft, bezahlt nicht nur zu viel – er hält auch an einem System fest, das längst überholt ist. Das habe ich seit August, als bei mir im örtlichen Krankenhaus eine kleine Operation mit anschließender medizinischer Nachbetreuung und Medikamentenversorgung notwendig wurde, am eigenen Leibe in den vergangenen Wochen immer wieder leidvoll erfahren müssen. Jetzt habe ich mich von den Apotheken vor Ort endgültig frustriert verabschiedet. Zu häufig habe ich mich nach meinen Besuchen dort in den vergangenen Wochen über diese geärgert.

Der Grund: Stationäre Apotheken wirken inzwischen vielfach wie museale Schaukästen: teuer eingerichtet, vollgestellt mit überflüssigen Kosmetikartikeln, aber wenn man etwas Konkretes braucht, heißt es erstaunlich oft: „Müssen wir erst bestellen.“ Ironischerweise also genau das, was Online-Apotheken sowieso besser können – nur ohne den Umweg über eine Ladentheke und den dazugehörigen Fahr- bzw. Zeitaufwand.

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Zehn Jahre Deutsches Fußballmuseum in Dortmund – ein trauriger Geburtstag

Großer Bahnhof bei der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund 2015. Foto: Robin Patzwaldt

Am 25. Oktober 2025 feiert das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund seinen zehnten Geburtstag. Zehn Jahre, in denen der DFB mit großem Anspruch ein „Ort der Erinnerung und Emotionen“ schaffen wollte. Zehn Jahre, in denen aber auch deutlich wurde, dass die Erwartungen vieler Besucher und Beobachter nicht erfüllt wurden.

Im Rückblick wirkt das Museum wie ein Symbol für die Selbstinszenierung des deutschen Fußballs – glänzend verpackt, aber inhaltlich erstaunlich dünn.

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