Rückkehr mit Perspektive: Warum Jadon Sancho dem BVB guttun könnte

Jadon Sancho. Archiv-Foto: BVB

Borussia Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren als Sprungbrett für einige der vielversprechendsten Talente Europas etabliert. Spieler wie Ousmane Dembélé, Jude Bellingham, Christian Pulisic, Jadon Sancho oder Erling Haaland kamen jung, entwickelten sich rasant – und verließen den Verein häufig, bevor sie zu echten Führungsspielern reifen konnten. Die Bilanz: gute Transfererlöse, aber ein Kader, dem es immer wieder an Persönlichkeit, Konstanz und echter Siegermentalität fehlte.

Das Resultat war eine Mannschaft, die in der Bundesliga häufig hinterherlief und in Europa zwar für Aufsehen sorgte, aber den ganz großen Sprung ebenfalls verpasste. Die individuelle Klasse war oft da – aber eben nicht die Reife und die Mentalität, um konstant auf höchstem Niveau zu bestehen. In Dortmund entstand so ein schleichender Umbruch ohne echte Achse, ohne Köpfe, die ein Team tragen.

Umso interessanter ist nun die Aussicht

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Stillstand statt Aufbruch – Borussia Dortmund droht den Sommer der Chancen zu vertrödeln

Vorstellung von BVB-Trainer Niko Kovac (2.v.r.) in Dortmund im Februar. Foto: Robin Patzwaldt

Es sollte ein Sommer des Umbruchs in Dortmund werden. Ein Neuanfang. Nach einer Saison voller Widersprüche, in der der BVB zwar dank eines starken Endspurt erneut die Champions-League-Qualifikation klar machte, aber gleichzeitig in der Bundesliga über weite Strecken enttäuschte, war die Marschroute eigentlich klar: Die Mannschaft muss neu strukturiert, mit frischer Qualität und neuer Mentalität aufgeladen werden.

Doch Stand Ende Juli wirkt die vielbeschworene Erneuerung eher wie eine leere Worthülse. Denn von einem Umbruch ist bislang kaum etwas zu sehen. Im Gegenteil: Der BVB droht, eine einmalige Gelegenheit zu verspielen.

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TikTok statt Patienten: Wenn Pflege zur Online-Show wird

In einem Dortmunder Hospital streamten drei Pflegerinnen während der Arbeitszeit. KI-Grafik: Sora

Was derzeit in einem Dortmunder Krankenhaus passiert, wirkt wie eine bitterböse Parodie auf die Realität in deutschen Kliniken. Drei Pflegekräfte streamten während ihrer Nachtschicht auf einer Intensivstation stundenlang live auf TikTok – vor bis zu 500 Zuschauern. Alarmsignale piepten, vertrauliche Daten waren im Bild, aber Hauptsache: Likes, Herzchen, Reichweite.

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Mario Götze und das Tor, das zu groß wurde

Mario Götze, hier noch im BVB-Trikot. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Am 16. Juli 2014, also heute vor genau elf Jahren, schrieb Mario Götze Fußballgeschichte. In der 113. Minute des WM-Finales gegen Argentinien nahm er eine Flanke von André Schürrle mit der Brust an und versenkte den Ball mit dem linken Fuß im Netz – ein Moment für die Ewigkeit, der Deutschland zum vierten Weltmeistertitel führte.

Joachim Löw hatte ihn zuvor mit den Worten aufs Feld geschickt, er solle zeigen, dass er besser sei als Lionel Messi. Götze tat genau das – und dennoch war dieses Tor nicht der Beginn eines glanzvollen Aufstiegs, sondern eher der Höhepunkt einer Karriere, die danach mehr Fragen aufwarf als Antworten lieferte.

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Emscherrenaturierung in Dortmund: Aus Scheiße wird wieder Landschaft

Blick auf die renaturierte Emscher im Dortmunder Norden. Foto(s): Robin Patzwaldt

Als Kind des Ruhrgebiets, das seit den 1970er-Jahren in dieser Region lebt, gehörte die verrohrte Emscher zu meinem Alltag. Fast egal, wo man hinkam – dieses verächtlich „Köttelbecke“ genannte Abwasserrohr gehörte irgendwie zum Leben dazu.

Deshalb war es auch für mich eine gute Nachricht, als vor einigen Jahren die Meldung die Runde machte, dass die Emscher – wenn auch für sehr viel Geld – zu großen Teilen renaturiert werden soll. So wohlwollend ich diese Neuigkeit damals auch zur Kenntnis nahm, so wenig habe ich mich in der Praxis über Jahre hinweg darum gekümmert. Immer wieder begegneten einem entsprechende Bauarbeiten, ohne dass ich sie intensiver in Augenschein genommen hätte.

Erstmals entdeckte ich dann vor einigen Jahren ein Stück der renaturierten, das heißt dort in erster Linie wieder offengelegten Emscher im Landschaftspark Duisburg-Nord. Hier hatte das Ganze mit Natur noch nicht wirklich viel zu tun – schließlich präsentierte sich der Fluss dort noch in einem offenkundig künstlichen Bett.

Doch immerhin

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100 Jahre Westfalenhalle Dortmund – Symbol einer verpassten Zukunft

Die Westfalenhalle in Dortmund. Quelle: Wikkipedia, Foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

2025 feiern die Westfalenhallen in Dortmund offiziell ihren 100. Geburtstag – ein stolzes Jubiläum für eine Einrichtung, die einst ein Wahrzeichen der Moderne war. Doch von dieser Strahlkraft ist heute kaum noch etwas übrig. Was früher ein architektonisches und gesellschaftliches Aushängeschild der Stadt Dortmund war, wirkt inzwischen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: funktional veraltet, städtebaulich isoliert und ohne nennenswerte Relevanz im heutigen Kultur- und Veranstaltungsbetrieb.

Die Westfalenhalle ist längst kein Symbol des Aufbruchs mehr – sondern vielmehr ein Mahnmal für den Stillstand des Ruhrgebiets.

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FIFA-Klub-WM in den USA: Noch schlimmer, als befürchtet

BVB-Trainer Niko Kovac steht in den USA vor vielen Herausforderungen. Foto: Robin Patzwaldt

Dass die FIFA mit der aufgeblähten Klub-WM ein weiteres Monument ihrer Gigantomanie errichtet, war abzusehen. Dass das Turnier ausgerechnet im Hochsommer 2025 in den USA stattfindet – in einem ohnehin überfrachteten Fußballkalender – ist eine Zumutung für Spieler, Trainer und Fans.

Besonders hart trifft es europäische Topklubs wie den FC Bayern München und Borussia Dortmund. Beide sind in diesen Tagen in Nordamerika als Teilnehmer dabei – und zeigen schon jetzt, warum dieses Turnier nicht nur überflüssig, sondern für die sportliche Zukunft der Teams auch gefährlich ist.

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Watzke und der verpasste Absprung: Wie ein BVB-Denkmal ins Wanken gerät

Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es hätte ein triumphaler Abgang werden können. Ein verdienter Funktionär, der Borussia Dortmund über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt hat, tritt mit Applaus von der großen  Bühne.

Spätestens nach der Amtszeit von Trainer Thomas Tuchel im Sommer 2017 wäre das für Watzke noch möglich, ja sogar garantiert gewesen. Hans-Joachim Watzke aber hat diesen Moment lange verpasst. Statt rechtzeitig loszulassen, läuft der langjährige Geschäftsführer und heutige Aufsichtsratschef nun möglicherweise in eine Kampfkandidatur um das Präsidentenamt des BVB – gegen einen Kontrahenten aus den eigenen Reihen, Thomas Lunow. Es ist ein riskantes Spiel mit dem eigenen Vermächtnis, das Watzke bei näherer Betrachtung eigentlich jetzt schon verloren hat.

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Die Dortmunder Stadtgesellschaft zerreißt vor unser aller Augen

Das Konzerthaus auf der Brückstraße in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Als vor Jahren das Dortmunder Konzerthaus ausgerechnet auf der von Niedergang geprägten Brückstraße errichtet werden sollte, waren viele Dortmunder entsetzt. Ausgerechnet in diese Schmuddelecke sollte das neue Aushängeschild der Stadt kommen? Vielen leuchtete das nicht ein.

Die Begründung der Planer war jedoch nachvollziehbar: Man wollte dem dort seit Jahren anhaltenden Niedergang Einhalt gebieten, dafür sorgen, dass auch besser situierte Besucher dort anzutreffen waren – und nicht nur Drogensüchtige, Obdachlose etc., um es einmal überspitzt auszudrücken.

Wirklich aufhalten konnte das neue Aushängeschild der Reviermetropole den Abwärtstrend im Viertel jedoch nicht.

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Warum ich trotz allem im Ruhrgebiet bleibe

Im Ruhrgebiet. Schön ist anders. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Immer wieder fragen mich Menschen aus anderen Regionen des Landes, warum ich eigentlich nicht längst aus dem Ruhrgebiet weggezogen bin. Und ganz ehrlich: Das habe ich mich selber auch schon gefragt. Viele meiner ehemaligen Mitschüler hat es quer durch die Republik verteilt.

Für mich war das aber nie wirklich eine Option – auch wenn die beruflichen Perspektiven andernorts vielfach besser gewesen wären und ich nicht mehr Tag für Tag all die Mängel betrachten müsste, die diese sterbende Region inzwischen prägen. Trotz meines regelmäßigen Gemeckers liebe ich das Ruhrgebiet. Insbesondere meine Geburtsstadt Dortmund und die Gegend drumherum.

Als ich

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