Warum es zynisch ist, höhere Benzinpreise zu bejubeln

Selbst Markus sah seine Grenze bei etwa 3,10 DM. Die haben wir längst gerissen. Grafik: DALL-E
Selbst Markus sah seine Grenze bei etwa 3,10 DM. Die haben wir längst gerissen. Grafik: DALL-E

Der Benzinpreis steigt mal wieder. Daran, dass das scheinbar willkürlich geschieht, unabhängig von tatsächlicher Marktlage und von Rohölpreisen, hat man sich irgendwie bereits gewöhnt. Daran, dass es Zeitgenossen gibt, die das ganz großartig finden (und dabei nicht dem Vorstand einer Tankstellenkette angehören), nicht. Vor allem nicht, wenn die Erklärung für diesen Jubel erahnen lässt, welche Denkweise dem zugrunde liegt.

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Die Republik diskutiert sich um den Verstand

Auf der Autobahn. Quelle: Wikipedia; Lizenz: Gemeinfrei

Man hat ja inzwischen das Gefühl, dass in diesem Land kaum noch ein Thema zu klein, zu absurd oder zu offensichtlich widersprüchlich ist, um nicht zur großen gesellschaftlichen Grundsatzdebatte aufgeblasen zu werden. Es wird diskutiert, debattiert, empört und moralisiert – und am Ende bleibt oft nur ein schales Gefühl zurück: Was genau war jetzt eigentlich der Punkt?

Nehmen wir doch mal diese herrlich schiefe Schieflage: Da strandet ein Buckelwal an der Ostsee, und plötzlich überschlägt sich die Republik vor Anteilnahme. Sondersendungen, Expertenrunden, Tränen in den Augen. Gleichzeitig rollen jeden Tag zehntausende Tiere anonym durch die Schlachthöfe dieses Landes – still, effizient und vor allem ohne öffentliche Betroffenheit. Der Wal bekommt einen Namen, die Kuh eine Nummer. Willkommen in der moralischen Lotterie unserer Zeit.

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