Trotz großer, öffentlicher Weltkindertagsfeste stehen die Kinderinteressen vor Ort noch immer allzu häufig hinten an

Quelle: Wikipedia Lizenz: gemeinfrei
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Am heutigen 20. September steht schon wieder der alljährliche Weltkindertag auf der Agenda. In vielen Städten, auch hier im Ruhrgebiet, werden daher in den nächsten Tagen einmal mehr große und bunte Kinderfeste gefeiert, welche die Interessen der Kleinen kurzfristig auf die große Bühne heben sollen. Macht sich ja auch immer gut so etwas!

Mehr als 100.000 Besucher werden zum Beispiel alleine zum Weltkindertagsfest des Deutschen Kinderhilfswerkes am kommenden Sonntag in Berlin erwartet. Auf die dortigen Besucher warten dann rund 100 kostenlose Informationsangebote und Spiel- und Bastelaktionen für Kinder und Familien.

Das Weltkindertagsfest steht in diesem Jahr unter dem Motto „Chancen für Kinder!“. Zur offiziellen Eröffnung wird Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse erwartet. Schirmherr des bundeszentralen Weltkindertagsfestes ist Bundespräsident Joachim Gauck.

Alles schön und gut!

So gut die Aktion aber wohl im Kern auch gemeint ist, kann sie doch nicht vergessen machen, dass die Realität für Kinder und Jugendliche, auch und gerade hier im Ruhrgebiet, derzeit wohl (noch) eine andere ist. Auch wenn hier ebenfalls vielerorts große Feste geplant sind, beobachten zahlreiche Eltern und junge Familien in letzter Zeit im Alltag eine sinkende Akzeptanz von Kindern und deren Interessen.

Hierzu muss man nur einmal beobachten wie viele städtische Kinderspielplätze in letzter Zeit dem Rotstift der Stadtverwaltungen zum Opfer gefallen sind. Auch in Neubausiedlungen wird neuerdings gerne gleich mal auf einen öffentlichen Spielplatz verzichtet. Bestehende Spielangebote werden vielerorts stark reduziert und Beschwerden von lärmgeplagten Nachbarn häufen sich in letzter Zeit. Das merkt schon jeder, der die Szenerie in seinem eigenen Wohnort verfolgt.

Die Akzeptanz von Kindern in der Mitte der Gesellschaft, selbst in der Mitte von Siedlungen und Wohnvierteln, welche auch von den Städten und Gemeinden häufig aus Publicityzwecken ganz nach vorne gestellt wird, steht in der Realität wohl häufig genug, entgegen der Selbstdarstellung der Stadtverwaltungen, ziemlich weit hinten an.

Kleines Beispiel gefällig? Ich selber habe das vor einiger Zeit mit meiner Familie am eigenen Leibe erfahren müssen, als ein in der Baugenehmigung eindeutig vorgeschriebener Kleinkinderspielplatz an dem Mehrfamilienhaus in dem ich damals wohnte, vom Bauträger bei Erstellung des Hauses erst gar nicht angelegt wurde, die dafür ursprünglich vorgesehene Fläche zu einem großen Teil zweckentfremdet wurde. Kein Einzelfall, wie ein Blick durch die Nachbarschaft zeigte. Und auch nach entsprechenden Beschwerden einiger Bewohner an die lokale Stadtverwaltung hatte diese es auch nicht gerade besonders eilig die Anlage dieses eigentlich sogar vorgeschriebenen Spielplatzes vor Ort auch mit entsprechendem Nachdruck einzufordern. Und das ist noch freundlich umschrieben. Die Rechte der Kinder schienen dabei eigentlich keinerlei nennenswerte Rolle zu spielen.

Am Ende dieser Angelegenheit änderte die hiesige Stadtverwaltung dann sogar die lokale Spielplatzsatzung der Gemeinde, so dass die pro Wohneinheit geforderte Spielfläche pro Wohnung für die Zukunft deutlich reduziert wurde. Begründung: ‚Die Zeiten haben sich zuletzt geändert.‘ Heißt im Klartext wohl: Kinder brauchen bzw. bekommen inzwischen weniger Platz und Spielfläche als noch vor ein paar Jahren. Nur sagt das so natürlich kein Politiker beim nahenden Weltkindertagfest. Könnte ja auch auf wenig Gegenliebe der dort feiernden Kinder und Eltern stoßen.

Ein großes Kindertagsfest unter Beteiligung der Verwaltungsspitze steht nun aber auch hier auf der Tagesordnung. Es macht sich aber natürlich auch viel besser dort laut und öffentlich zu erklären, das die Kinderrechte inzwischen seit 1989 in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes festgeschrieben sind, und zu feiern, dass danach jedes Kind das Recht auf Überleben und persönliche Entwicklung, einen angemessenen Lebensstandard sowie Schutz und Beteiligung hat, statt diese Rechte vor Ort dann auch tatsächlich zu fördern und umzusetzen.

Na dann, feiert euch mal wieder schön, liebe Politiker!

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