
Der Duisburger Bundestagsabgeordnete Mirze Edis (Die Linke) steht an der Seite der IG Metall. Sagt Mirze Edis. In Osnabrück hatte der Linken-Abgeordnete allerdings die diskutierte Rafael-Kooperation abgelehnt, auf die sich inzwischen die Hoffnung vieler Beschäftigter richtet.
Seine Solidarität verdient einen Blick ins Kleingedruckte.

„Ich stehe an der Seite der IG Metall und der Betriebsräte“, erklärt Edis in seinem Instagram-Beitrag vom 30. September 2026. Anlass sind die Tarifkündigungen bei Volkswagen. Als industriepolitischer Sprecher der Linksfraktion liefert er dazu große Zahlen und große Empörung. Die Zahlen stimmen. Die Geschichte ist trotzdem reichlich bequem.
Richtige Zahlen, halbe Geschichte
VW hat tatsächlich zahlreiche Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. Die IG Metall nennt zehn, darunter den Manteltarifvertrag, und warnt vor Einschnitten bei Zulagen und Schutzrechten. Das ist ein handfester Konflikt, keine Erfindung des Abgeordneten und Arbeiterführers. Dieselbe Mitteilung stellt aber auch klar:
Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 bleibt bestehen; gekündigte Regelungen verschwinden nicht sämtlich sofort, die Nachwirkung fällt unterschiedlich aus.
Edis lässt diese Einordnung weg.
Auch seine Konzernzahlen sind korrekt: 203,1 Milliarden Euro Eigenkapital Ende 2025 und 8,9 Milliarden Euro operatives Ergebnis. Nur ist Eigenkapital kein herumliegender Geldberg, aus dem sich beliebig Löhne bezahlen lassen. Und das operative Ergebnis lag 2024 noch bei 19,1 Milliarden Euro.
Es ist also um mehr als die Hälfte eingebrochen. Bei 321,9 Milliarden Euro Umsatz blieben 2025 operativ rund 2,8 Prozent.
Zum Rückgang gehören laut Geschäftsbericht auch 4,7 Milliarden Euro Belastungen rund um Porsches geänderte Produktplanung, darunter nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen, sowie 2,9 Milliarden Euro aus US-Zöllen. Daraus folgt kein Blankoscheck für Lohnkürzungen. Aber ebenso wenig belegen Edis’ Milliarden, Kostendruck sei bloß ein Vorwand.
Er erwähnt zwar eine schwierige Lage, nennt den Gewinneinbruch aber nicht.
Diese Auswahl macht seinen Beitrag zur Propaganda:
Die Zahlen sind richtig, die Entwarnung lässt sich daraus nicht ableiten.
Kontext hat bei Edis wenig Platz
Das Verfahren ist bekannt. Unsere Analyse vom 24. September 2026 zeigte, was in Edis’ Söder-Vergleich fehlte: die Begründung des CSU-Chefs, zwischen einer Bestrafung des Wahlergebnisses und den Kosten konkreter Politik zu unterscheiden (
Mirze Edis (Die Linke) gegen Markus Söder (CSU): Viel Porträt, wenig Kontext).
Bei Vonovia feierte Edis fallende Aktienkurse als politischen Erfolg. Die daneben gezeigten minus 3,59 Prozent bezogen sich auf fünf Tage, nicht allein auf den Handelstag nach der Berlin-Wahl. Edis behauptete Letzteres nicht ausdrücklich. Die rote Kurve bewies trotzdem weder seinen persönlichen Erfolg noch eine Entlastung für Mieter. Das haben wir am 23. September 2026 eingeordnet (
Mirze Edis (Die Linke): Für die Mieter gibt’s Schadenfreude. Für ihn Diäten.).
Bei VW wiederholt sich die bequeme Auswahl: Die Milliarden dürfen aufs Bild. Die Einordnung muss draußen bleiben.
Solidarität mit Erinnerungslücken
Besonders hübsch wird das Bekenntnis zur Gewerkschaft mit Blick auf Osnabrück. Im Anadolu-Interview vom 27. März 2026 lehnte Edis die damals diskutierte Kooperation mit Rafael ab. Rüstungsproduktion biete keine nachhaltige Lösung; Beschäftigung dürfe nicht zulasten anderer Menschenleben gesichert werden, argumentierte er.
Am 7. September 2026 begrüßten dagegen IG Metall und Betriebsrat die inzwischen vereinbarten Eckpunkte: eine Anschlussperspektive für knapp 1400 der rund 1800 Beschäftigten, perspektivisch rund 1200 Stellen mit Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 und erhaltener Tarifbindung. Laut VW-Mitteilung geht es beim Rafael-Projekt um mögliche Luftverteidigungsfertigung für Deutschland und Europa. Abschließende Vereinbarungen und Prüfungen stehen noch aus.
Die Vorgeschichte und die Kampagne gegen diese Perspektive haben wir ausführlich dokumentiert (
VW in Osnabrück: Die IG Metall kämpft um Jobs – Linken-MdB und Aktivisten fallen ihr in den Rücken).
Edis sprach im März über frühere Pläne, nicht über die September-Vereinbarung. Und selbstverständlich darf man die IG Metall im Tarifstreit unterstützen und Rüstungsproduktion ablehnen. Nur sollte man dann erklären, welche tragfähige Alternative man den betroffenen Beschäftigten bietet. Sein neuer Solidaritätspost beantwortet diese Frage nicht.
Die Gewerkschaft muss Arbeitsplätze sichern, auch unter Bedingungen, die ihr nicht gefallen. Edis kann sich auf Instagram auf die richtige Seite stellen. Die offene Frage bleibt, wie seine Ablehnung vom März zu der Beschäftigungsperspektive passt, die die Gewerkschaft im September begrüßt hat.
Die IG Metall muss am Ende etwas für die Kollegen herausholen. Mirze Edis reicht vorerst ein schönes Bild von Mirze Edis.