Düsseldorf: Die AfD lädt zum Kulturkampf. Die Nachbarschaft zum Protest.

Heine Haus an der Bolkerstraße 53 in Düsseldorf
Das Heine Haus an der Bolkerstraße 53 in Düsseldorf. Die AfD beruft sich auf den Dichter. Ihr Kulturabend ist im Palais Wittgenstein geplant. (Archivfoto 2024: Peter Ansmann)

Die AfD hat einen Saal. Zwei Anwohner sorgen dafür, dass sie auch Widerspruch bekommt. Rivkah Young und Peter Wildanger haben für Montag, den 26. Oktober 2026, eine friedliche Kundgebung in der Düsseldorfer Carlstadt angemeldet. Ihr Motto: „Carlstadt ist bunt. Nicht braun.“

Anlass ist ein Vortrag von Matthias Helferich (AfD) über „Kulturpolitik von rechts“ im Palais Wittgenstein.

Das Viertel widerspricht

Nach Angaben von Young und Wildanger nutzen die AfD und ihr Umfeld zum vierten Mal Kulturräume im Viertel. Die beiden hat geärgert, wie wenig sichtbaren Protest es bisher gegeben habe. Nun haben sie selbst eine Kundgebung organisiert. In ihrer Mitteilung vom 23. Oktober 2026 erklären sie:

„Wir wohnen hier. Das ist unser Viertel. Wir wollen nicht, dass die AfD zum vierten Mal hier auftritt, ohne dass es eine Demonstration dagegen gibt.“

Peter Wildanger und Rivkah Young auf der Düsseldorfer Königsallee. (Privates Archivfoto)

Die Kundgebung beginnt am 26. Oktober 2026 um 17.30 Uhr an der Bilker Straße 16. Der Zugang ist laut Veranstaltern ausschließlich über die Bastionstraße möglich. Helferichs Vortrag ist für 19.00 Uhr angekündigt. Ursprünglich sollte er im Heinrich-Heine-Institut stattfinden. Inzwischen nennt die AfD das gegenüberliegende Palais Wittgenstein als Veranstaltungsort.

Der Anlass: Die AfD wirbt für ihren Kulturabend mit Heinrich Heine. Mehr als 50 Galerien aus Düsseldorf und Köln wenden sich gegen die politische Vereinnahmung der Kunst.

Unser Beitrag „AfD-Kulturpolitik in Düsseldorf: Heine wäre gern verhindert“ erklärt den Protest der Galerien, die Verlegung ins Palais Wittgenstein und warum Heine als Autor erheblich unbequemer ist als als Namenspatron.

Ein Haus mit Geschichte

Dass ausgerechnet Helferich dort sprechen soll, hat für die Organisatoren besonderes Gewicht. In veröffentlichten privaten Chats hatte der Bundestagsabgeordnete die Formulierungen „das freundliche Gesicht des NS“ und „demokratischen Freisler“ verwendet. Letzteres bezieht sich auf Roland Freisler, den Präsidenten des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs. Helferich erklärte die Äußerungen als Ironie beziehungsweise Persiflage. Auf Abgeordnetenwatch bestritt er im Mai 2026 eine Selbstbezeichnung als „freundliches Gesicht des NS“: Er habe eine Zuschreibung von links persifliert.

Young und Wildanger erinnern an zwei frühere Bewohner des Palais: den Kunstsammler und Weinhändler Arthur Hauth und seinen Lebenspartner Curt Worlitzer. Beide wurden unter den Nationalsozialisten wegen ihrer Homosexualität verfolgt und 1938 in Untersuchungshaft genommen. Worlitzer nahm sich im Januar 1939 das Leben. Nach Angaben der Organisatoren sollen im Dezember Stolpersteine an das Paar erinnern.

„Die Geschichte dieses Ortes darf dabei nicht einfach ausgeblendet werden“, erklären die beiden. Sie wollen ihr mit Biografien aus dem Viertel, Redebeiträgen und Gedichten von Heinrich Heine Raum geben. Geplant sei eine friedliche Veranstaltung ohne Gebrüll und Parteiwerbung.

Mehr als ein Glas Riesling

Ihr Bild der Carlstadt reicht von den Stolpersteinen und der Erinnerung an die einstige große Synagoge bis zu den Galerien, dem internationalen Marktleben und Restaurants mit libanesischer oder georgischer Küche.

„Für uns ist die Carlstadt mehr als ein Glas Riesling auf dem Carlsplatz. […] Wir wollen, dass die Carlstadt so bunt bleibt. Hier gehören Vergangenheit, Gegenwart und eine offene Zukunft zusammen.“

Young und Wildanger engagieren sich nach eigenen Angaben seit 2024 mit Protestaktionen in Düsseldorf. Gemeinsam mit Eva Lindner organisierten sie demnach unter anderem 87 Spaziergänge über die Königsallee für die Menschen, die am 7. Oktober 2023 aus Israel entführt wurden.

Diese Redner sind angekündigt

Für die Kundgebung nennen die Organisatoren:

Matthias André Richter in Duisburg-Neudorf
Matthias André Richter berichtet über die Zerstörung der ukrainischen Kultur durch Russland. Das Archivbild zeigt ihn 2022 in Duisburg-Neudorf bei der Besichtigung einer Wohnung für Geflüchtete. (Foto: Peter Ansmann)

Eingeladen sind die Nachbarschaft und alle, die für eine offene Carlstadt einstehen möchten. Weitere Beiträge aus dem Viertel sind nach Angaben der Organisatoren willkommen.

Die fünfte Kolonne des Kremls kann einen Raum für ihren Kulturabend bekommen.

Dass die Nachbarschaft dabei schweigt, gehört nicht zur Buchung.

„Carlstadt ist bunt. Nicht braun.“
Montag, 26. Oktober 2026, ab 17.30 Uhr
Bilker Straße 16, Düsseldorf
Zugang ausschließlich über die Bastionstraße.

Autorenseite: Peter Ansmann
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