Die Brandmauer fällt – jetzt muss die AfD liefern

AfD-Mahnwache gegen Extremismus. (Kein Scherz); Foto: Robin Patzwaldt

Am heutigen Dienstag dürfte in Sachsen-Anhalt die viel beschworene Brandmauer endgültig fallen. Tobias Rausch von der AfD soll zum Landtagspräsidenten gewählt werden. Möglich macht das ausgerechnet das BSW, während sich die CDU enthalten will. Politisch ist das ziemlich grotesk. Und trotzdem könnte dieser Tag eine wichtige Zäsur sein.

Ich gebe zu: Auch bei mir verursacht der Gedanke, dass ein AfD-Politiker eines der höchsten Ämter im Land übernimmt, Magengrummeln. Aber vielleicht sollten wir uns langsam ehrlich machen: Die Brandmauer hat ihren Zweck verfehlt.

Meckern war bisher ziemlich bequem

Die AfD konnte sich jahrelang in einer ausgesprochen komfortablen Rolle einrichten. Sie musste nicht regieren, keine komplizierten Entscheidungen erklären und keine Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Sie konnte danebenstehen, meckern und behaupten, sie wisse alles besser.

Und wenn etwas nicht funktionierte, waren natürlich die anderen schuld.

Genau diese Zuschauerrolle hat der Partei genutzt. Die Brandmauer lieferte ihr gleichzeitig die perfekte Opfererzählung: Alle anderen gegen die AfD, also muss an der AfD wohl etwas dran sein.

Jetzt wird es interessanter.

Als Landtagspräsident hat Rausch echte Macht. Er leitet Sitzungen, führt den Ältestenrat, besitzt Hausrecht und ist Dienstherr der Parlamentsverwaltung. Er repräsentiert den Landtag nach außen. Plötzlich reicht es nicht mehr, nur laut zu sein.

Jetzt beginnt der Praxistest

Vielleicht ist genau das die Chance, die AfD ein Stück weit zu entzaubern.

Denn Politik besteht nicht nur aus großen Sprüchen und empörten Reden. Sie besteht aus Regeln, Kompromissen, Verwaltung und Verantwortung. Wer ständig behauptet, alle anderen könnten es nicht, muss irgendwann beweisen, dass er es selbst kann.

Natürlich muss jeder Versuch, das Amt parteipolitisch zu missbrauchen, kritisch begleitet werden. Gerade bei der AfD ist besondere Aufmerksamkeit angebracht.

Aber demokratische Kontrolle ist mir inzwischen lieber als eine Brandmauer, die vor allem eines erreicht hat: Die AfD immer größer werden zu lassen.

Vielleicht ist das die letzte Warnung

Das wirklich Unangenehme kommt ohnehin danach. Wenn die AfD auch diese neue Verantwortung nutzt, um sich zu profilieren, wird sie weiter wachsen. Wenn sie dagegen an der Realität scheitert, könnte genau das ihre Entzauberung einleiten.

Viel schlechter als die bisherige Strategie kann es kaum werden.

Denn spätestens bei Neuwahlen wäre der AfD der Ministerpräsidentenposten in Sachsen-Anhalt vermutlich kaum noch zu verwehren, wenn sie ihre aktuelle Stärke halten oder ausbauen kann.

Eine Blamage auf der Ebene darunter könnte deshalb tatsächlich der letzte Ausweg sein.

Ich wünsche der AfD keinen Erfolg. Aber ich wünsche mir, dass sie endlich zeigen muss, was hinter den großen Sprüchen steckt.

Denn Meckern kann jeder.

Liefern ist schwieriger.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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