Dortmund kann Stadtfest – und zwar ohne Eintrittskasse

Auf dem Lichterfest 2026 im Fredenbaumpark in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Manchmal muss man gar nicht weit fahren, um daran erinnert zu werden, wie unkompliziert ein schönes Stadtfest sein kann. Am vergangenen Wochenende war ich beim Lichterfest 2026 im Dortmunder Fredenbaumpark – und habe dort etwas erlebt, das mir nach den Erfahrungen beim Waltroper Parkfest fast schon wie aus einer anderen Welt vorkam: Ein Fest, bei dem der Besucher tatsächlich noch im Mittelpunkt steht.

Kein Eintritt. Keine Taschenkontrolle. Keine Leibesvisitation. Keine Stimmung nach dem Motto: Erst einmal ordentlich bezahlen, bevor der Spaß beginnen darf. Stattdessen strömten Familien mit Bollerwagen in den Park. Darin: Getränke, Essen und alles, was man für einen entspannten Abend mitbringen wollte. Und genau das fand ich ausgesprochen sympathisch.

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Unruhig wird es längst nicht nur im Osten – Plötzlich hängt die Wut über der Straße

Überraschung am Samstagvormittag in Waltrop. Foto: Robin Patzwaldt (Zum Vergrößern anklicken.)

Manchmal reicht ein kleines Erlebnis, um einem ziemlich deutlich vor Augen zu führen, wie sehr sich die Stimmung im Land verändert hat. Mir ist das am Samstagvormittag passiert. Auf meinem Weg in die Waltroper Innenstadt hing an einer Brücke ein Plakat, das man wohl ohne große Mühe der Querdenker-Ecke zuordnen könnte. Ich will mich an dieser Stelle gar nicht lange mit dessen konkretem Inhalt beschäftigen. Viel interessanter fand ich die Tatsache, dass es überhaupt dort hing.

Denn Waltrop ist nun wirklich nicht der Ort, den man spontan mit politischer Aufruhr, Protestbewegungen oder radikalen Botschaften verbindet. Hier geht es normalerweise eher gemütlich zu. Die Stadt ist traditionell verschlafen, das Ruhrgebiet sowieso. Viele Menschen haben sich über Jahre an den schleichenden Niedergang gewöhnt und ihren Frust eher beim Stammtisch, im Freundeskreis oder stillschweigend für sich selbst verarbeitet. Doch offenbar verändert sich etwas.

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Bellevue für eine Milliarde – und im Ruhrgebiet freuen sie sich über ein zugestopftes Schlagloch

Straßen voller Schlaglöcher gehören im Ruhrgebiet inzwischen längst zum Alltag. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt in diesen Tagen inzwischen tagtäglich Nachrichten, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob ich eigentlich noch in derselben Republik lebe wie die Menschen, die solche Entscheidungen treffen. Die geplante Generalsanierung von Schloss Bellevue gehört für mich eindeutig dazu. Eine Milliarde Euro soll das Ganze kosten. Eine Zahl mit neun Nullen. Da schluckt selbst der Taschenrechner.

Natürlich kann man jetzt einwenden: Das Gebäude muss saniert werden. Es ist historisch, denkmalgeschützt, technisch veraltet und muss modernen Sicherheits- und Energiestandards entsprechen. Und natürlich entscheidet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht persönlich, ob irgendwo ein Bauauftrag vergeben wird. Die Bundesverwaltung plant, der Bundestag bewilligt die Mittel.

Alles richtig. Und trotzdem bleibt bei mir ein ziemlich ungutes Gefühl.

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Dortmund zeigt, wie rückständig das Ruhrgebiet ist – Willkommen im Hitzetest der DSW21

Der Hauptbahnhof in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Meldungen, bei denen man sich zunächst fragt, ob man sie richtig gelesen hat. Neue Stadtbahnen in Dortmund – und keine Klimaanlage. Im Sommer 2026. In einer Zeit, in der uns Politiker im gefühlt täglichen Wechsel erklären, dass wir uns wegen des Klimawandels auf mehr Hitzetage einstellen müssen.

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Waltrop als Negativbeispiel: Wenn die Stadt nur noch mäht, statt zu pflegen

Grünpflege in Waltrop im Jahr 2026. Foto: Robin Patzwaldt
Die gleiche Stelle im Jahr 2013. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

OK, ihr habt es so gewollt! Nachdem mein Text über die aus meiner Sicht teilweise erschreckenden Qualitätsverluste bei den Handwerksbäckern in dieser Woche erstaunlich viel Aufmerksamkeit und Zustimmung bekommen hat, lege ich heute noch einmal nach.

Sommerloch? Von wegen! Wenn einem die Realität genügend Steilvorlagen liefert, braucht es schließlich keine künstlich aufgeblasenen Aufreger. Und deshalb geht es diesmal um ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht noch unspektakulärer klingt: die städtische Grünpflege.

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21 Euro Tageseintritt für ein Stadtfest? Das Waltroper Parkfest spielt mit dem Feuer!

Schon der Vorverkauf für das Waltroper Parkfest 2024 verlief überwiegend schleppend. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Das Waltroper Parkfest war einmal das, was ein Stadtfest sein sollte: unkompliziert, bezahlbar und ein Treffpunkt für die ganze Stadt. Man ging hin, weil man Bekannte traf, ein Bier trank, über das Gelände schlenderte und nebenbei noch ein paar Livebands mitnahm. Heute scheint dagegen immer häufiger der Eindruck zu entstehen, dass die Besucher vor allem eines sein sollen: zahlungskräftige Kunden.

Die jetzt veröffentlichten Preise für die Ausgabe 2026 sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache. 21 Euro für eine Tageskarte, 35,50 Euro für das Wochenendticket. Dazu Getränkepreise, die sich inzwischen mit denen in manchem Bundesligastadion messen können. Für ein Stadtfest in einer 30.000-Einwohner-Stadt ist das schon eine bemerkenswerte Ansage – und ein ziemlich riskantes Spiel.

Denn ausgerechnet jetzt, nachdem erstmals auch offiziell von wirtschaftlichen Problemen die Rede ist, drehen die Verantwortlichen erneut kräftig an der Preisschraube. Das wirkt ungefähr so, als wolle man ein leckgeschlagenes Boot retten, indem man noch mehr Ballast hineinlädt.

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Novaks Wut: Endlich mal wieder ein echter Ruhrpott-Movie (der leider nicht aus dem Ruhrpott kommt)

Beste Laune vorm Thega-Kino in Hildesheim. Das Publikum hat eben die Premiere von "Novaks Wut" gesehen. Foto: Till Oliver Becker
Beste Laune vorm Thega-Kino in Hildesheim. Das Publikum hat eben die Premiere von „Novaks Wut“ gesehen. Foto: Till Oliver Becker

Es gibt Filme, die sind glattgebügelt, sauber produziert, handwerklich makellos – und nach zehn Minuten wieder vergessen. Und dann gibt es Filme wie „Novaks Wut“. Einen Film, bei dem man sich gelegentlich fragt, was um alles in der Welt da gerade passiert. Einen Film, bei dem Dialoge fallen, als stammten sie aus dem Poesiealbum eines vollkommen Bekifften. Ein Film, bei dem man Tränen lachen kann, obwohl – oder gerade weil – er so herrlich krank ist.

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Galeria: Wie oft soll dieser Patient eigentlich noch künstlich am Leben gehalten werden?

Das Karstadt-Haus am Westenhellweg in Dortmund im Jahre 2023. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist schon fast bewundernswert. Kaum glaubt man, Galeria Karstadt Kaufhof habe endlich den Tiefpunkt erreicht, folgt zuverlässig die nächste Hiobsbotschaft. Neue Geldsorgen, Lieferstopps, drohende Filialschließungen – schon wieder.

Und ebenso zuverlässig beginnt anschließend das immer gleiche Schauspiel: Irgendjemand kündigt einen Neuanfang an, Politiker sprechen vom Erhalt der Innenstädte, Mitarbeiter hoffen auf den nächsten Investor und die Öffentlichkeit tut so, als könnte diesmal tatsächlich alles anders werden.

Mal ehrlich: Wen soll das eigentlich noch überraschen?

Das Unternehmen stirbt seit über zwei Jahrzehnten öffentlich und gut sichtbar vor sich hin. Jeder neue Eigentümer wurde als Retter gefeiert, jede Insolvenz als Chance verkauft und jede Umstrukturierung als großer Befreiungsschlag angekündigt. Das Ergebnis? Galeria ist heute kleiner, schwächer und angeschlagener denn je.

Die Wahrheit ist unbequem, aber sie liegt seit Jahren offen auf dem Tisch: Nicht Corona hat Galeria ruiniert. Nicht René Benko. Nicht Thomas Middelhoff. Nicht Nicolas Berggruen. Sie alle haben ihren Anteil am Niedergang gehabt. Doch das eigentliche Problem sitzt viel tiefer. Das Geschäftsmodell des klassischen Kaufhauses ist schlicht aus der Zeit gefallen.

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Hat Dortmund inzwischen den deprimierendsten Zoo Deutschlands?

Ein Tier im Zoo Dortmund im Juni 2026, wenn auch ein eher unspektakuläres und scheinbar gelangweiltes. Foto(s): Robin Patzwaldt

Es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten. Orte, die mit Kindheitserinnerungen, Familienausflügen und einem Gefühl von Heimat verbunden sind. Für mich gehörte der Zoo Dortmund jahrzehntelang genau in diese Kategorie. Seit den frühen 1970er-Jahren war die Anlage im Dortmunder Süden für mich weit mehr als nur ein Tierpark. Sie war ein fester Bestandteil meines Lebens. Umso schmerzhafter ist die Erkenntnis, dass ausgerechnet dieser einst so geschätzte Ort inzwischen einen Zustand erreicht hat, den ich vor einigen Jahren noch für unmöglich gehalten hätte.

Nach mehreren Jahren Pause habe ich dem Zoo am vergangenen Wochenende erstmals wieder einen Besuch abgestattet. Die Hoffnung, positive Entwicklungen zu entdecken und vielleicht sogar etwas von der alten Faszination zurückzugewinnen, war durchaus vorhanden. Doch schon nach kurzer Zeit wich diese Hoffnung einer tiefen Ernüchterung. Selten habe ich einen Ort erlebt, der gleichzeitig so viele Erinnerungen weckt und so viel Enttäuschung auslöst.

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Hagen erhebt sich, zumindest ein wenig

Basketball. Quelle: Wikipedia, Foto: Austin Bjornholt, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt Städte, die leben von ihrem Glanz. Und dann gibt es Hagen. Die Stadt an der Volme hat in den vergangenen Jahren zuverlässig bewiesen, dass man selbst aus bescheidenen Voraussetzungen noch etwas Tristeres machen kann. Wer durch die Innenstadt spaziert, bekommt selten das Gefühl, in einem urbanen Zukunftsprojekt gelandet zu sein. Eher wirkt vieles wie die Kulisse einer Dokumentation über die Nachwirkungen wirtschaftlicher Depressionen.

Sportlich sah es lange nicht viel besser aus. Während andere Städte Meisterschaften feierten, Stadien ausbauten oder sich wenigstens über einen überraschenden Pokallauf freuen durften, sammelte Hagen eher Enttäuschungen, Insolvenzen und Durchhalteparolen. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet jetzt wieder ein wenig Licht durch die dichten Wolken dringt.

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