Beste Laune vorm Thega-Kino in Hildesheim. Das Publikum hat eben die Premiere von „Novaks Wut“ gesehen. Foto: Till Oliver Becker
Es gibt Filme, die sind glattgebügelt, sauber produziert, handwerklich makellos – und nach zehn Minuten wieder vergessen. Und dann gibt es Filme wie „Novaks Wut“. Einen Film, bei dem man sich gelegentlich fragt, was um alles in der Welt da gerade passiert. Einen Film, bei dem Dialoge fallen, als stammten sie aus dem Poesiealbum eines vollkommen Bekifften. Ein Film, bei dem man Tränen lachen kann, obwohl – oder gerade weil – er so herrlich krank ist.
Das Karstadt-Haus am Westenhellweg in Dortmund im Jahre 2023. Foto: Robin Patzwaldt
Es ist schon fast bewundernswert. Kaum glaubt man, Galeria Karstadt Kaufhof habe endlich den Tiefpunkt erreicht, folgt zuverlässig die nächste Hiobsbotschaft. Neue Geldsorgen, Lieferstopps, drohende Filialschließungen – schon wieder.
Und ebenso zuverlässig beginnt anschließend das immer gleiche Schauspiel: Irgendjemand kündigt einen Neuanfang an, Politiker sprechen vom Erhalt der Innenstädte, Mitarbeiter hoffen auf den nächsten Investor und die Öffentlichkeit tut so, als könnte diesmal tatsächlich alles anders werden.
Mal ehrlich: Wen soll das eigentlich noch überraschen?
Das Unternehmen stirbt seit über zwei Jahrzehnten öffentlich und gut sichtbar vor sich hin. Jeder neue Eigentümer wurde als Retter gefeiert, jede Insolvenz als Chance verkauft und jede Umstrukturierung als großer Befreiungsschlag angekündigt. Das Ergebnis? Galeria ist heute kleiner, schwächer und angeschlagener denn je.
Die Wahrheit ist unbequem, aber sie liegt seit Jahren offen auf dem Tisch: Nicht Corona hat Galeria ruiniert. Nicht René Benko. Nicht Thomas Middelhoff. Nicht Nicolas Berggruen. Sie alle haben ihren Anteil am Niedergang gehabt. Doch das eigentliche Problem sitzt viel tiefer. Das Geschäftsmodell des klassischen Kaufhauses ist schlicht aus der Zeit gefallen.
Ein Tier im Zoo Dortmund im Juni 2026, wenn auch ein eher unspektakuläres und scheinbar gelangweiltes. Foto(s): Robin Patzwaldt
Es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten. Orte, die mit Kindheitserinnerungen, Familienausflügen und einem Gefühl von Heimat verbunden sind. Für mich gehörte der Zoo Dortmund jahrzehntelang genau in diese Kategorie. Seit den frühen 1970er-Jahren war die Anlage im Dortmunder Süden für mich weit mehr als nur ein Tierpark. Sie war ein fester Bestandteil meines Lebens. Umso schmerzhafter ist die Erkenntnis, dass ausgerechnet dieser einst so geschätzte Ort inzwischen einen Zustand erreicht hat, den ich vor einigen Jahren noch für unmöglich gehalten hätte.
Nach mehreren Jahren Pause habe ich dem Zoo am vergangenen Wochenende erstmals wieder einen Besuch abgestattet. Die Hoffnung, positive Entwicklungen zu entdecken und vielleicht sogar etwas von der alten Faszination zurückzugewinnen, war durchaus vorhanden. Doch schon nach kurzer Zeit wich diese Hoffnung einer tiefen Ernüchterung. Selten habe ich einen Ort erlebt, der gleichzeitig so viele Erinnerungen weckt und so viel Enttäuschung auslöst.
Basketball. Quelle: Wikipedia, Foto: Austin Bjornholt, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Es gibt Städte, die leben von ihrem Glanz. Und dann gibt es Hagen. Die Stadt an der Volme hat in den vergangenen Jahren zuverlässig bewiesen, dass man selbst aus bescheidenen Voraussetzungen noch etwas Tristeres machen kann. Wer durch die Innenstadt spaziert, bekommt selten das Gefühl, in einem urbanen Zukunftsprojekt gelandet zu sein. Eher wirkt vieles wie die Kulisse einer Dokumentation über die Nachwirkungen wirtschaftlicher Depressionen.
Sportlich sah es lange nicht viel besser aus. Während andere Städte Meisterschaften feierten, Stadien ausbauten oder sich wenigstens über einen überraschenden Pokallauf freuen durften, sammelte Hagen eher Enttäuschungen, Insolvenzen und Durchhalteparolen. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet jetzt wieder ein wenig Licht durch die dichten Wolken dringt.
Zu Besuch am Schloss Nordkirchen im Mai 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt
Die Ausflugssaison läuft wieder auf Hochtouren und gerade jetzt, wenn sich die Natur in sattem Grün zeigt, lohnt sich ein Abstecher ins Münsterland ganz besonders. Wer dem Ruhrgebiet für einen Tag entfliehen möchte, sollte sich ein Ziel unbedingt vormerken: Schloss Nordkirchen. Das imposante Wasserschloss gilt nicht ohne Grund als „westfälisches Versailles“ und zählt zu den beeindruckendsten Schlossanlagen Deutschlands.
Schon die lange Allee, die direkt auf das Schloss zuführt, sorgt für echtes Gänsehautgefühl. Umgeben von Wassergräben, weitläufigen Parkanlagen und barocker Architektur wirkt das Ensemble beinahe wie aus einer anderen Zeit. Besonders an sonnigen Frühlingstagen entfaltet die Anlage ihren ganzen Charme.
Eindrücke aus Recklinghausen im Mai 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt
Es gibt Städte, die man verlässt und sofort denkt: „Da muss ich bald wieder hin.“ Und dann gibt es Recklinghausen.
Über viele Jahre war ich regelmäßig dort. Als Kind sowieso. Mein Vater arbeitete in der Stadt, mein Kieferorthopäde residierte dort, und wer im nördlichen Ruhrgebiet aufwuchs, für den gehörte die Kreisstadt einfach irgendwie dazu. Später, als Teenager und junger Erwachsener, fuhr ich freiwillig hin. Zum Shoppen. Zum Essen. Sogar zum Feiern. Recklinghausen hatte damals etwas, das vielen Städten im Revier fehlte: Atmosphäre. Davon ist heute nicht mehr viel übrig.
Vor dem Spiel in Fürth zeigte sich der Essener Fanblock noch selbstbewusst und gut gelaunt. Foto: Ruhrbarone
Die Bilder vom Dienstagabend in Fürth werden die Fans von Rot-Weiss Essen noch lange verfolgen. Spieler, die völlig entkräftet auf dem Rasen zusammensacken. Mitgereiste Anhänger, die fassungslos ins Leere starren. Und ein Klub, der den Aufstieg in die 2. Bundesliga nach 19 Jahren Sehnsucht auf dramatische Art und Weise verspielt hat.
Ausgerechnet jetzt fällt vielen Beobachtern wieder jene Szene vom Relegations-Hinspiel ein, als Essener Fans demonstrativ einen mutmaßlich aus Duisburg gestohlenen Torpfosten im Stadion präsentierten. Eine Aktion, die damals als kreativer Spott gefeiert wurde. Heute wirkt sie wie ein Sinnbild für die gefährliche Grenzüberschreitung zwischen Rivalität und Überheblichkeit.
Denn der Fußball hat seine ganz eigene Art, Rechnungen zu begleichen.
Das Stadion in Essen. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei
Wenn an der Essener Hafenstraße am heutigen Freitagabend das Flutlicht brennt, geht es längst nicht mehr nur um zwei Fußballspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth. Für Rot-Weiss Essen geht es um die vielleicht wichtigste sportliche und wirtschaftliche Chance der vergangenen Jahrzehnte – und für das gesamte Ruhrgebiet um ein weiteres Stück Fußball-Identität auf großer Bühne.
Das Revier lebt vom Fußball. Es lebt von Rivalitäten, von ausverkauften Stadien, von Traditionsvereinen und von Geschichten, die weit über Tabellenplätze hinausgehen. Genau deshalb wäre ein Aufstieg von RWE in die 2. Bundesliga so bedeutend. Während Vizemeister Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 künftig wieder gemeinsam die 1. Fußball-Bundesliga mit ihrer traditionsreichen Rivalität bereichern werden, könnte die zweite Liga ebenfalls ein echtes Ruhrgebiets-Gesicht hinzubekommen.
Die B474n in Datteln kurz vor der Eröffnung im Mai 2026. Foto: Robin Patzwaldt
Nun also ist es endlich soweit – zumindest in Datteln. Dort wird in diesen Tagen unter großem Pomp und mit politischer Prominenz die Fertigstellung des Teilstücks der B474n gefeiert. Nach Jahrzehnten der Diskussionen, geänderter Pläne, verschobener Zeitabläufe und zahlloser Debatten rollt der Verkehr künftig zumindest auf diesem Abschnitt deutlich flüssiger.
Für viele Menschen in der Region ist das eine gute Nachricht. Für viele Waltroper hingegen ist es vor allem ein schmerzhafter Blick auf die eigene politische Realität.
Die aktuelle Berichterstattung im Vorfeld der bevorstehenden FIFA-Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada macht noch einmal ganz deutlich, warum sich NRW die Kosten für seine Bewerbung um Olympische Spielen in dieser Region eigentlich besser komplett gespart hätte. Wer in diesen Tagen noch ernsthaft glaubt, Nordrhein-Westfalen könne mit (s)einer vergleichsweise bodenständigen, nachhaltigen und finanziell zurückhaltenden Olympiabewerbung auf internationalem Parkett glänzen, der ignoriert ganz einfach die Realität des modernen Weltsports.
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