DB AG – Dilettantischer Beinaheverkehr Arbeitet Grottig

Ich hatte gestern um 18 Uhr einen Pflichttermin. Eine gute Freundin von mir hielt in der Globetrotter-Filiale in Dortmund einen Multimedia-Vortrag zum Thema „Übermorgenländer. Als alleinreisende Frau im Nahen Osten“. Sie ist in der Sache ein Profi, ihr Buch „Meine Reise ins *Übermorgenland. Allein unterwegs von Jordanien bis Oman“ erschien im März 2020, also knapp vor der Pandemie. Es wäre heute für mich das erste Mal nach zwei Jahren gewesen, sie auf einem Vortrag zu erleben. Ich war kulturell ausgehungert und ich habe mich auf die Veranstaltung gefreut, wie ein kleiner Sultan.

Und dann kamt Ihr, Deutsche Bahn. Genauer gesagt; NICHT.

Protokoll eines dilettantischen Krisenmanagements

16:15 Uhr:
Ich bin zuhause und auf dem Sprung mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Die App bahn.de zeigt an, dass mein RE 1 (RE26827) vier Minuten Verspätung in Bochum haben wird und statt um 17:03 erst um 17:07 eintreffen wird. Bei zehn Minuten Fahrtzeit bis Dortmund und einer Laufstrecke von 10 Minuten bis zum Veranstaltungsort habe ich genügend Zeitpuffer, denn die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Alles ist gut. Noch.

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Syrien. Ein Land ohne Krieg.

In Marcel Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ berichtet ein Ich-Erzähler von seinem Leben und thematisiert dabei den gedanklichen Vorgang des „Sich-Erinnerns“. „Verlorene Zeit“ meint hier die Zeit, die unwiederbringlich vergangen ist, wenn sie nicht in der Erinnerung oder in einem Kunstwerk konserviert wird.

2017 erschien im Malik Verlag der Bildband „Syrien. Ein Land ohne Krieg“ der deutsch-syrischen Autorin Lamya Kaddor mit 200 Fotos des renommierten Fotojournalisten Lutz Jäkel. Die Nürnberger Zeitung schrieb dazu in ihrer Rezension: „In dem schönen Bildband zeigen Fotograf Lutz Jäkel, Lamya Kaddor und andere Autoren, wie dieses aussehen könnte – eben wie vor 2011.“

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Alles außer Koalas


Vergessen Sie den Titel im Rosamunde-Pilcher-Style und freuen Sie sich auf ein großartigen Roman für alle Leser ab 14 Jahre.

Die Handlung: Ein Austauschjahr in Australien. Alles soll sich ändern, findet Jannik, als er auf die andere Seite der Welt reist. Vor allem er selbst. Wenn er sich neu erfinden könnte, wäre Jannik gerne so rätselhaft wie Sienna, die das Meer und ihre Freiheit liebt, die Jannik nahekommt und ihn dann doch immer wieder voller Fragen im Regen stehen lässt. Oder wenigstens halb so lässig wie sein Gastbruder Neil, der scheinbar alles kann. Neil Maden ist ein guter Typ, aber verdammt verschlossen. Die ganze Familie – allen voran der depressive Vater – hütet ihre Probleme wie geheimnisvolle Schätze – bis Ruby wegläuft, die jüngste Tochter der Madens. Als Jannik erfährt, dass Sienna die Ex-Freundin seines Gastbruders ist und sie nach der Beerdigung ihrer Oma spurlos verschwindet erkennt Jannik, dass das Erwachsenwerden auf der anderen Seite des Globus mindestens genauso kompliziert ist, wie in Berlin.

Die Autorin Nora Joana Hoch, geboren 1983 in Bochum, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis‹ in Hildesheim und arbeitet als Dramaturgin und Theaterpädagogin am GRIPS Theater in Berlin. »Das Salzwasserjahr« ist ihr Debütroman.

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Zieht Euch warm an!

Deutschland im Winter. Ein Reisehandbuch von Freunden.

Man muss nicht in ferne Länder reisen, um Unvergessliches zu erleben. Mit diesem Grundgedanken und der Devise: „Endlich Winter“ haben die Herausgeber mit 40 Reiseautoren ein Vademecum besonderer Tipps für ungewöhnliche Orte, Events und Ausflüge zusammengetragen, die sich sowohl an Winterfans richten, als auch an diejenigen, die sich als Wintermuffel bisher lieber vor dem Elektrokamin einkuschelten um beim „Traumschiff“ aus der ZDF-Mediathek vom nächsten Sommer zu träumen. Die Südsee kann warten, denn der Reisedepeschen-Verlag hat mit dem Reisehandbuch „Deutschland im Winter“ mehr als 250 proaktive Alternativen parat.

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Phantastische Gruselreise durch die Hustadt, Bochum und das Ruhrgebiet

Rezension zu Pia Lüddeckes Roman: In Dreams

Mysteriöse Dinge ereignen sich im Dunstkreis der Ruhr-Universität. Menschen verschwinden. Bei Nacht werden dämonische Tiere mit glühenden Augen gesichtet. Eine zwielichtige Firma wirbt für ein ominöses Wellnessprogramm. Und ständig diese Stromausfälle…
Die junge Literaturstudentin Indra und der neurotische Psychologie-Doktorand Arno Löwenherz widmen sich der Erforschung luzider Träume, als sich ihr beschauliches Leben in einen Alptraum verwandelt. Unversehens wird Indra in die unheimlichen Vorgänge rund um das angebliche Wellnessinstitut verwickelt. Doch wer zieht die Strippen? Die Frage quält nicht nur ihren Freund und Mentor, der ohnehin hinter allem eine Verschwörung wittert. Sollte er damit Recht behalten?

Die Autorin PIA LÜDDECKE kam in einer dunklen Gewitternacht

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Lesung mit Lucia Leidenfrost im Literaturhaus Dortmund am 20. Oktober

Am 20.10.2021 um 19.30Uhr liest Lucia Leidenfrost im Literaturhaus Dortmund aus ihrem Debütroman „Wir verlassenen Kinder“. Für den Roman erhielt sie 2020 den oberösterreichischen Kunstpreis für mutige Literatur.

Ein abgeschiedenes Dorf. Leere Bauernhöfe. Eine verwaiste Schule, die offensteht. Die Erwachsenen haben sukzessive das Dorf verlassen. Zurückgeblieben sind die Kinder. Sie empfangen Pakete und Geld. Sie kochen, putzen und pflegen die Großeltern und kleinen Geschwister. Scheinbar soll Krieg herrschen rundherum. Als auch der einzige Lehrer das Dorf verlässt, beginnen die Kinder, ihre eigenen Gesetze und Regeln aufzustellen. Was harmlos beginnt, wird rasch zu einem System aus Gewalt und Macht, dem sich alle zu unterwerfen haben. Nur Mila will sich nicht beugen und wird zur Außenseiterin, die bis zum Ende für das Gute kämpft.

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L’Arc de Triomphe, WRAPPED und der erweiterte Kunstbegriff

Eine Verpackung bezeichnet im Allgemeinen die Hülle eines Objektes, insbesondere zu dessen Schutz oder zur besseren Handhabung. Zugleich bezeichnet der Begriff auch den Vorgang des Verpackens bzw. den des Verpacktwerdens. Im Kontext von Handel und Produktion wird der Begriff auf die Verpackung von Produkten bezogen. Hier ist eine Verpackung (in der Kaufmannssprache auch Emballage genannt) die gezielt angebrachte, wieder möglichst ohne größeren Aufwand lösbare Umhüllung eines Produktes. Tuben, Eimer, Flaschen und Dosen sind die gängigsten Verpackungsbehälter.

Transportfähigkeit und Sicherheit geben der klassischen Verpackung also zunächst einmal einen Sinn und Zweck. Relativ abstrakter erscheint dagegen die Geschenkverpackung, die keinen anderen Zweck verfolgt, als das verpackte Geschenk zu umhüllen und zu verstecken, um dem Vorgang des Schenkens und Beschenktwerdens einmal ein Spannungsmoment zu verleihen; der Beschenkte weiß nicht, was sich in der Geschenkverpackung befindet und ist gespannt darauf, es zu erfahren.

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Loveparade: Im Tunnel und an der Treppe

Trauer am Ort der Loveparade

Es ist der 1.11.2019, Allerheiligen, ich sitze im Regionalexpress Richtung Köln/Bonn und kurz nachdem wir die Skyline von Mülheim hinter uns gelassen haben, prasseln dicke Regentropfen auf die gebogenen Scheiben der roten Doppelstockwagen, die Landschaft der Ruhrauen wird durch diesen Schleier pointilistisch und als ich am Duisburger Hauptbahnhof aussteige, bedecken Pfützen den Bahnsteig. Hier wird demnächst eine komplett neue Bahnhofsüberdachung gebaut werden und daher werden die Lecks in der altersschwachen Dachkonstruktion gar nicht mehr repariert, es lohnt ja nicht mehr. Ich checke im Ibishotel direkt am Ausgang ein und als ich mein Zimmer im zweiten Geschoss betrete, bin ich erfreut, es ist klein, hell, sauber und ruhig. Ich stelle meinen Rucksack ab und schaue aus dem Fenster zum Hauptausgang.

Hier sind sie zu Tausenden vor zehn Jahren fröhlich und in Feierlaune angekommen, folgten brav den Hinweisen der Ordner um zum Festivalgelände zu gelangen. Für 21 von ihnen war es der letzte Tag ihres jungen Lebens.

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