Sevim Dağdelen entdeckt die Wehrmacht in einer Journalistenfrage

Sevim Dağdelen (BSW)
Sevim Dağdelen (BSW) Foto: Roland W. Waniek

Sevim Dağdelen (BSW, ehemals MdB) hat wieder einen deutschen Feind entdeckt. Diesmal ist es der FAZ-Korrespondent Michael Martens. Sein Verbrechen: Er fragte Wolodymyr Selenskyj in Belgrad, was Europa konkret tun könne, damit noch mehr russische Soldaten getötet werden.

Die Frage ist – zugegeben – martialisch formuliert. Journalistisch elegant ist sie ungefähr so sehr wie ein Vorschlaghammer beim Porzellanverkauf.

Nazivergleich statt Argument

Facebook-Beitrag von Sevim Dağdelen mit Wehrmacht- und SS-Vergleich
Sevim Dağdelen vergleicht eine Frage an Wolodymyr Selenskyj mit den Kriegszielen von Wehrmacht und SS. (Screenshot: Facebook)

Nur: Russland führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Russische Soldaten töten dort Ukrainer. Ukrainische Soldaten versuchen, genau das zu verhindern.

Sevim Dağdelen macht daraus auf Facebook etwas ganz anderes:

„Was können wir Europäer konkret tun, um noch mehr Russen zu töten – russische Soldaten natürlich?“, fragt Michael Martens (FAZ) in Belgrad Selenskyj. Wehrmacht und SS hätten ihr Kriegsziel kaum klarer formuliert.

Da ist sie wieder, diese bemerkenswerte Arbeitsteilung: Putin lässt die Ukraine überfallen, bombardieren und besetzen. Dağdelen kümmert sich darum, dass am Ende ein deutscher Journalist wie ein Wiedergänger der Wehrmacht/Waffen-SS aussieht.

Man kann Martens’ Formulierung kritisieren. Man kann sie zynisch, geschmacklos oder unnötig brutal finden. Aber wer aus einer Frage nach militärischer Hilfe für ein angegriffenes Land die Kriegsziele von Wehrmacht und SS destilliert, betreibt keine Kritik.

Das ist schlicht Geschichtsklitterung im Sinne des Kremls.

Die Wehrmacht führte keinen Verteidigungskrieg gegen einen Aggressor. Gemeinsam mit Verbänden der Waffen-SS überfiel sie die Sowjetunion (zu der damals auch die Ukraine gehörte). Einsatzgruppen von SS und Polizei folgten dem Vormarsch und begingen Massenmorde.

Genau diesen Unterschied walzt Sevim Dağdelen platt, damit aus dem russischen Angreifer wieder irgendwie das Opfer des Westens wird.

Die FAZ berichtet aus Belgrad über die Pressekonferenz und Selenskyjs Bitte um weitere militärische Unterstützung. BSW-Funktionärin Dağdelen liefert dazu die passende moralische Nebelmaschine.

Russland schießt. Die Ukraine stirbt. Und Sevim Dağdelen sortiert den Journalisten unter Wehrmacht und SS ein.

Bei Dağdelen dient Geschichte nicht der Erkenntnis. Sie ist ein Steinbruch, aus dem sie den jeweils passenden Nazivergleich bricht.


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