Immer nur Bayern – Da kriege ich das Kotzen

An der Geschäftsstelle des FC Bayern München. Foto: Robin Patzwaldt

Keine zwei Wochen mehr, dann rollt der Ball auch in der 1. Fußball-Bundesliga wieder. Eigentlich ein Grund zur Freude. Ich versuche mich dieser Tage tatsächlich schon ein wenig auf die neue Saison einzustimmen und irgendwo zwischen Transfers, Aufsteigern, Außenseitern und der Hoffnung auf ein bisschen Spannung so etwas wie Vorfreude zu entwickeln.

Doch dann begeht man den Fehler, sich durch die großen Sportseiten und Fußballsendungen zu klicken. Und plötzlich bekommt man den Eindruck: Die Bundesliga besteht aus genau einem Verein. Dem FC Bayern München.

Was trainiert Harry Kane? Was macht Vincent Kompany? Wer hat beim Training gefehlt? Was sagt irgendein Münchener Ersatzspieler über die neue Saison? Und hat der FC Bayern vielleicht doch noch Interesse an Spieler X? Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gerade ungefähr 87 Prozent der deutschen Fußballberichterstattung zusammengefasst.

Bayern zieht – na und?

Natürlich kenne ich die Erklärung. Der FC Bayern ist der beliebteste Klub Deutschlands. Bayern-Themen erzeugen Klicks, Einschaltquoten und Reichweite. Selbst hier im Blog der Ruhrbarone sind die Münchener über die Jahre das viertbeliebteste Fußballthema – hinter Dortmund, Schalke und der Nationalmannschaft, aber noch deutlich vor anderen Vereinen mit ‚Heimvorteil‘ wie etwa dem VfL Bochum.

Die Bayern ziehen eben landesweit. Keine Frage.

Aber muss man in den bundesweiten Sportmedien deshalb so tun, als sei der Rest der Liga eine Art lästiges Rahmenprogramm? Ich finde: nein. Und genau hier beginnt das Problem.

Denn Medien sollten nicht nur das wiederholen, was ohnehin schon die größte Aufmerksamkeit bekommt. Sie könnten ihrem Publikum auch zeigen, was es sonst noch zu entdecken gibt. Gerade die Bundesliga hätte davon reichlich zu bieten.

Während München trainiert, passiert anderswo der Fußball

In Dortmund wird an der nächsten Saison gebastelt. Auf Schalke versucht man, endlich wieder dauerhaft aus dem eigenen Chaos herauszukommen. Aufsteiger kämpfen um ihre Existenz. Traditionsvereine suchen nach neuen Wegen. Kleine Klubs entwickeln Spieler, die vielleicht irgendwann für sehr viel Geld in München, Dortmund oder England landen.

Das alles kann spannend sein.

Nur erfährt man davon mancherorts erstaunlich wenig, weil irgendeine Trainingseinheit des Rekordmeisters offenbar wichtiger ist als alles andere. Ein Spieler hebt in München beim Aufwärmen die Augenbraue – Eilmeldung. Ein Bundesligist aus dem Mittelfeld verpflichtet einen interessanten Nachwuchsspieler – bestenfalls eine Randnotiz.

Das ist auf Dauer ungefähr so abwechslungsreich wie eine Speisekarte, auf der jeden Tag nur Schnitzel steht.

Die Bundesliga wird dadurch immer langweiliger

Und vielleicht trägt diese mediale Fixierung sogar dazu bei, dass mir die Bundesliga von Jahr zu Jahr weniger Spaß macht. Nicht allein wegen der sportlichen Dominanz der Bayern. Die kann man kritisieren, diskutieren oder irgendwann auch einfach hinnehmen.

Was mich zunehmend nervt, ist die gefühlte Dominanz in der Berichterstattung.

Immer Bayern. Vor der Saison, während der Saison, nach der Saison. Transfers, Training, Verletzungen, Gerüchte, Interviews, Wasserstandsmeldungen. Und irgendwo dazwischen darf dann gelegentlich noch jemand anderes Fußball spielen.

Natürlich werde ich mir die Bundesliga auch diesmal wieder anschauen. Ich kann ja offenbar nicht anders. Aber ein bisschen mehr Neugier auf den Rest der Liga würde dem deutschen Fußballjournalismus insgesamt verdammt gut tun.

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