Die Linke Berlin: Die rote Linie zum Hamas-Umfeld steht auf Rollen

Satirische Karikatur zum Chaos bei der Berliner Linken: hinter einer schiefen Absperrung mit der Aufschrift Rote Linie stehen zwei vermummte Figuren mit Palästinensertüchern, Molotowcocktail und Messer; daneben ein Rednerpult Die Linke Berlin.
Abgrenzung, fahrbar. (Karikatur: Ruhrbarone, mit OpenAI erzeugt und bearbeitet. Fotovorlage für Elif Eralp: Ferran Cornellà, „Elif Eralp, 13.12.25.jpg“, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Eigene Bearbeitungsanteile unter CC BY-SA 4.0.)

Die Berliner Linke diskutiert über Abgrenzung. Ihre LAG Palästinasolidarität und die Linksjugend Südberlin veröffentlichten am 19. August 2026 gemeinsam mit dem Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee einen Demo-Aufruf. Auf der Website eines Berliner Bündnisses stehen das VPNK und mehrere Linke-Gliederungen zudem ausdrücklich unter den Mitgliedern.

Was der Verfassungsschutz über Hamas-Anhänger im VPNK berichtet, war längst öffentlich nachzulesen. Für politische Orientierung gibt es eben verschiedene Angebote: Behördenberichte und die eigene Bündnisliste.

Die Warnung hat einen Quellenverweis. Die Solidarität drei Mitautoren.

Der Instagram-Beitrag vom 19. August 2026 kündigt eine Demonstration für den 22. August 2026 vom Platz der Luftbrücke bis zum Hermannplatz an. Am Ende der Beschreibung steht: „Gemeinsam mit @vpnationalkomitee“. Instagram führt drei Mitautoren auf: Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität Berlin und VPNK. Die Zusammenarbeit bei diesem Aufruf ist damit konkret dokumentiert.

Gemeinsamer Instagram-Aufruf von Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität und VPNK vom 19. August 2026.
Originalbeitrag vom 19. August 2026. Screenshot: Instagram, gesichert am 6. September 2026.

Der kleine weiße Schlüssel rechts unten auf dem Plakat verweist auf die palästinensische Rückkehrforderung. Das Motiv erinnert an die Häuser, die Palästinenser bei der Flucht 1948 zurückließen. Auch BDS verwendet diese Symbolik und zählt die Rückkehr von Flüchtlingen zu ihren Häusern und Grundstücken zu seinen drei Kernforderungen. Gemeint sind dabei auch Herkunftsorte im heutigen Israel. Das Symbol verweist damit auf eine Forderung, die über den aktuellen Gaza-Krieg hinausgeht. Es ist allerdings kein ausschließliches BDS-Erkennungszeichen; aus dem Schlüssel allein lässt sich keine organisatorische Zugehörigkeit der Urheber zu BDS ableiten.

Die Linksjugend Südberlin wird vom Berliner Jugendverband als Basisgruppe für Tempelhof-Schöneberg geführt. Die LAG Palästinasolidarität steht im offiziellen Verzeichnis der Berliner Linken. Eine Zustimmung des Landesvorstands zu diesem Aufruf ist damit nicht belegt. Die politische Frage richtet sich zunächst an die beteiligten Organisationen – und an eine Parteiführung, die erklären muss, welche Bedeutung ihre Abgrenzung im eigenen Verband hat.

Mitautorenliste: Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität Berlin und VPNK.
Die geöffnete Mitautorenliste des Aufrufs vom 19. August 2026 nennt die drei beteiligten Konten. Screenshot: Instagram, gesichert am 6. September 2026.

Die Kundgebung wurde vor dem Neuköllner Wahlkampfkonzert mit Dahabflex am 29. August 2026 angekündigt. Sie kann also keine Reaktion auf dessen anschließenden Skandal gewesen sein. Sie zeigt vielmehr, dass die Diskussion über Bündnispartner schon vorher einen sehr konkreten Gegenstand hatte. Der nächste Erklärungsbedarf steckt im Instagram-Aufruf vom 19. August.

Die Nachbarschaft hat eine Mitgliederliste

Das Internationalistische Bündnis Berlin führt auf seiner am 6. September 2026 geprüften Website unter „Mitglieder“ unter anderem VPNK, Die Linke Basisorganisation Wedding, Die Linke Bezirksverband Neukölln, LAG Palästinasolidarität Berlin und SDS Berlin auf. Davon getrennt nennt es solidarische Gruppen. Die Selbstdarstellung beansprucht also eine organisierte Zusammenarbeit. Wann die einzelnen Gruppen beigetreten sind, lässt die Seite offen.

Die Mitgliederübersicht des Internationalistischen Bündnisses Berlin mit VPNK und mehreren Linke-Gliederungen.
Die Website des Internationalistischen Bündnisses Berlin führt VPNK und mehrere Linke-Gliederungen unter seinen Mitgliedern. Quelle: Selbstdarstellung des Bündnisses; Screenshot/Ausschnitt vom 6. September 2026. Beitrittsdaten nennt die Seite nicht.

Vom SDS-Bundesverband gibt es außerdem eine eigene Zugehörigkeitsaussage – allerdings keinen gesonderten Beitrittsnachweis des SDS Berlin. Im Beschlussheft des SDS-Bundeskongresses vom 5. bis 7. Dezember 2025, Seite 14, heißt es über das Inter-Bündnis: „von dem auch der SDS Teil ist“. Der Beschluss rief zur Mobilisierung für dessen akademische Boykottkonferenz vom 23. bis 25. Januar 2026. Die Bündniszugehörigkeit belegt keine Zustimmung zu jeder Äußerung anderer Mitglieder. Die Auswahl der eigenen Partner bleibt aber eine ziemlich handfeste politische Frage.

Der Tagesspiegel berichtete bereits Anfang September 2026 über fortgesetzte Verbindungen. Der August-Aufruf liefert dazu einen weiteren konkreten Beleg aus dem Jugendverband. Die Mitgliedertafel wird jedenfalls nicht dadurch unlesbar, dass die Parteiführung gleichzeitig Abgrenzung erklärt.

Aus Solidaritätsrhetorik werden hier überprüfbare Mitgliedsnennungen und gemeinsame Veröffentlichungen. Das folgende Netzwerk zeigt, wen das Bündnis als Mitglied aufführt, wer seine Zugehörigkeit selbst erklärt und welche Organisationen gemeinsam veröffentlichen. Die politischen Erklärungen dazu muss die Partei liefern; die Quellen stehen an den Verbindungen. Die ausführliche Einordnung, die Grenzen der Belege und die bisherige Berichterstattung enthält unser Dossier zum Internationalistischen Bündnis Berlin. Das interaktive Netzwerk ist in der Ruhrbarone-App nicht sichtbar; der Beitrag muss dafür im Browser geöffnet werden.

Quellen und dokumentierte Verbindungen

Dokumentierte Verbindungen

  1. Vereinigtes Palästinensisches Nationalkomitee — sonstige Beziehung → Gemeinsamer Demoaufruf von Südberlin, LAG und VPNK – 19.08.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Aufrufs vom 19. August 2026 weist Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität Berlin und VPNK aus. Diese Organisation gehört zu den drei Mitautoren. Der Aufruf bewirbt die Demonstration am 22. August 2026. Er belegt keine tatsächliche Teilnahme; eine Mitautorschaft oder Veranstalterrolle des Inter-Bündnisses wird nicht behauptet.

    2026-08-19 – 2026-08-19 Zuverlässigkeit: 85%

  2. LAG Palästinasolidarität Berlin — sonstige Beziehung → Gemeinsamer Demoaufruf von Südberlin, LAG und VPNK – 19.08.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Aufrufs vom 19. August 2026 weist Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität Berlin und VPNK aus. Diese Organisation gehört zu den drei Mitautoren. Der Aufruf bewirbt die Demonstration am 22. August 2026. Er belegt keine tatsächliche Teilnahme; eine Mitautorschaft oder Veranstalterrolle des Inter-Bündnisses wird nicht behauptet.

    2026-08-19 – 2026-08-19 Zuverlässigkeit: 85%

  3. Linksjugend [solid] Südberlin — sonstige Beziehung → Gemeinsamer Demoaufruf von Südberlin, LAG und VPNK – 19.08.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Aufrufs vom 19. August 2026 weist Linksjugend Südberlin, LAG Palästinasolidarität Berlin und VPNK aus. Diese Organisation gehört zu den drei Mitautoren. Der Aufruf bewirbt die Demonstration am 22. August 2026. Er belegt keine tatsächliche Teilnahme; eine Mitautorschaft oder Veranstalterrolle des Inter-Bündnisses wird nicht behauptet.

    2026-08-19 – 2026-08-19 Zuverlässigkeit: 85%

  4. MERA25 Berlin — sonstige Beziehung → Gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. – 03.09.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Originalposts vom 3. September 2026 weist vier Konten aus: Inter-Bündnis Berlin, Kufiya Netzwerk, LAG Palästinasolidarität Berlin und MERA25 Berlin. Diese Organisation gehört zu den vier Mitautoren. Erfasst wird die gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. Frankfurt. Bildmarkierungen anderer Konten sind keine Mitautorschaft. Daraus folgt keine Bündnismitgliedschaft oder pauschale Billigung aller dem Verein vorgeworfenen Handlungen.

    2026-09-03 – 2026-09-03 Zuverlässigkeit: 85%

  5. LAG Palästinasolidarität Berlin — sonstige Beziehung → Gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. – 03.09.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Originalposts vom 3. September 2026 weist vier Konten aus: Inter-Bündnis Berlin, Kufiya Netzwerk, LAG Palästinasolidarität Berlin und MERA25 Berlin. Diese Organisation gehört zu den vier Mitautoren. Erfasst wird die gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. Frankfurt. Bildmarkierungen anderer Konten sind keine Mitautorschaft. Daraus folgt keine Bündnismitgliedschaft oder pauschale Billigung aller dem Verein vorgeworfenen Handlungen.

    2026-09-03 – 2026-09-03 Zuverlässigkeit: 85%

  6. Kufiya Netzwerk — sonstige Beziehung → Gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. – 03.09.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Originalposts vom 3. September 2026 weist vier Konten aus: Inter-Bündnis Berlin, Kufiya Netzwerk, LAG Palästinasolidarität Berlin und MERA25 Berlin. Diese Organisation gehört zu den vier Mitautoren. Erfasst wird die gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. Frankfurt. Bildmarkierungen anderer Konten sind keine Mitautorschaft. Daraus folgt keine Bündnismitgliedschaft oder pauschale Billigung aller dem Verein vorgeworfenen Handlungen.

    2026-09-03 – 2026-09-03 Zuverlässigkeit: 85%

  7. Internationalistisches Bündnis Berlin — sonstige Beziehung → Gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. – 03.09.2026

    Gemeinsame Veröffentlichung: Die geöffnete Mitautorenliste des Instagram-Originalposts vom 3. September 2026 weist vier Konten aus: Inter-Bündnis Berlin, Kufiya Netzwerk, LAG Palästinasolidarität Berlin und MERA25 Berlin. Diese Organisation gehört zu den vier Mitautoren. Erfasst wird die gemeinsame Erklärung gegen das Verbot von Palästina e.V. Frankfurt. Bildmarkierungen anderer Konten sind keine Mitautorschaft. Daraus folgt keine Bündnismitgliedschaft oder pauschale Billigung aller dem Verein vorgeworfenen Handlungen.

    2026-09-03 – 2026-09-03 Zuverlässigkeit: 85%

  8. Die Linke.SDS (Bundesverband) — unterstützte → Academic Boycott Now! – Berlin, 23.–25.01.2026

    Beschloss Mobilisierung: A10 im Beschlussheft des 37. SDS-Bundeskongresses vom 5.–7. Dezember 2025 ruft zur Januar-Konferenz 2026 auf und beauftragt den Bundesvorstand mit der Mobilisierung. Dokumentiert ist der Beschluss, keine bestimmte Teilnehmerliste oder tatsächliche Auszahlung des bedingten Budgets. Genaues Abstimmungsdatum innerhalb des Kongresszeitraums nicht ausgewiesen.

    Zuverlässigkeit: 85%

  9. Internationalistisches Bündnis Berlin — sonstige Beziehung → Academic Boycott Now! – Berlin, 23.–25.01.2026

    Als Organisator ausgewiesen: Die Website von Academic Boycott Now! nennt das Internationalistische Bündnis Berlin als einen Organisator der Konferenz vom 23.–25. Januar 2026. Bündnis- und Konferenzwebsite verlinken gegenseitig aufeinander. Weitere Koorganisatoren sind ausgewiesen; keine alleinige Veranstalterrolle und keine pauschale Teilnahme aller Bündnismitglieder behauptet.

    2026-01-23 – 2026-01-25 Zuverlässigkeit: 85%

  10. Die Linke.SDS (Bundesverband) — Mitglied von → Internationalistisches Bündnis Berlin

    Eigene Zugehörigkeitserklärung: Im Beschlussheft des 37. SDS-Bundeskongresses vom 5.–7. Dezember 2025, Seite 14, A10, wird das Inter-Bündnis als Zusammenschluss bezeichnet, „von dem auch der SDS Teil ist“. Aussage des Bundesverbandes; kein gesonderter Beitrittsbeschluss des SDS Berlin. Eintrittsdatum nicht ausgewiesen.

    Zuverlässigkeit: 85%

  11. Internationalistisches Bündnis Berlin — erwähnte → SDS Berlin

    Mitgliedernennung durch das Bündnis: Das Internationalistische Bündnis Berlin führt SDS Berlin auf seiner Mitgliederseite (Abruf: 6. September 2026). Bestätigt ist diese öffentliche Nennung. Ein Eintrittsdatum und eine zusätzliche eigene Beitrittserklärung dieser Organisation werden damit nicht behauptet. Die Nennung belegt keine Beteiligung an jeder einzelnen Bündnisaktion.

    Zuverlässigkeit: 85%

  12. Internationalistisches Bündnis Berlin — erwähnte → Die Linke Berlin-Neukölln

    Mitgliedernennung durch das Bündnis: Das Internationalistische Bündnis Berlin führt den Linke-Bezirksverband Neukölln auf seiner Mitgliederseite (Abruf: 6. September 2026). Bestätigt ist diese öffentliche Nennung. Ein Eintrittsdatum und eine zusätzliche eigene Beitrittserklärung dieser Organisation werden damit nicht behauptet. Die Nennung belegt keine Beteiligung an jeder einzelnen Bündnisaktion.

    Zuverlässigkeit: 85%

  13. Internationalistisches Bündnis Berlin — erwähnte → LAG Palästinasolidarität Berlin

    Mitgliedernennung durch das Bündnis: Das Internationalistische Bündnis Berlin führt die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linken auf seiner Mitgliederseite (Abruf: 6. September 2026). Bestätigt ist diese öffentliche Nennung. Ein Eintrittsdatum und eine zusätzliche eigene Beitrittserklärung dieser Organisation werden damit nicht behauptet. Die Nennung belegt keine Beteiligung an jeder einzelnen Bündnisaktion.

    Zuverlässigkeit: 85%

  14. Internationalistisches Bündnis Berlin — erwähnte → Die Linke – Basisorganisation Wedding

    Mitgliedernennung durch das Bündnis: Das Internationalistische Bündnis Berlin führt die Basisorganisation Wedding der Linken auf seiner Mitgliederseite (Abruf: 6. September 2026). Bestätigt ist diese öffentliche Nennung. Ein Eintrittsdatum und eine zusätzliche eigene Beitrittserklärung dieser Organisation werden damit nicht behauptet. Die Nennung belegt keine Beteiligung an jeder einzelnen Bündnisaktion.

    Zuverlässigkeit: 85%

  15. Internationalistisches Bündnis Berlin — erwähnte → Vereinigtes Palästinensisches Nationalkomitee

    Mitgliedernennung durch das Bündnis: Das Internationalistische Bündnis Berlin führt das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK) auf seiner Mitgliederseite (Abruf: 6. September 2026). Bestätigt ist diese öffentliche Nennung. Ein Eintrittsdatum und eine zusätzliche eigene Beitrittserklärung dieser Organisation werden damit nicht behauptet. Die Nennung belegt keine Beteiligung an jeder einzelnen Bündnisaktion.

    Zuverlässigkeit: 85%

  16. Die Linke Berlin-Neukölln — trat gemeinsam auf mit → Vereinigtes Palästinensisches Nationalkomitee

    Die Linke Neukölln erklärte im August 2025, seit Monaten mit VPNK-Vertretern im Austausch zu stehen und gemeinsam auf die Straße zu gehen. Der Berliner Senat dokumentierte zudem die gemeinsame Nennung von VPNK und der Linke-AG auf Veranstaltungsflyern. Dies belegt Austausch und gemeinsame öffentliche Kontexte, nicht eine Mitgliedschaft oder Identität.

    2025 Zuverlässigkeit: 85%

Verzeichnis der veröffentlichten Quellen

  • Academic Boycott Now! – Konferenzwebsite, Berlin 23.–25. Januar 2026 (Academic Boycott Now! / Veranstalter)

    Veranstalterdarstellung nennt Datum 23.–25. Januar 2026 und Internationalistisches Bündnis Berlin als einen Organisator; gegenseitige Verlinkung mit interbuendnis-berlin.com/de/akademischer-boykott/. Rückblick auf Gründung der Academic Boycott Campaign Deutschland. Keine Aussage zur tatsächlichen Teilnahme sämtlicher Bündnismitglieder. Veröffentlichungsdatum der aktuellen Seite nicht ausgewiesen.

  • Antwort des Berliner Senats zur Veranstaltung der Linken Neukölln am 09.08.2025 (Abgeordnetenhaus von Berlin · Senatsverwaltung für Inneres und Sport · 2025-08-27)

    Drucksache 19/23559. Dokumentiert die gemeinsame Flyer-Nennung von VPNK, EYE4PALESTINE, GAZA-Komitee und „Die Linke, AG Palästina-Soli, BV Neukölln“ als mutmaßliche Veranstalter. Der Senat erklärt, unter der Dachbezeichnung VPNK arbeiteten Hamas- und PFLP-Anhänger eng zusammen. Zugleich: Die Linke ist kein Beobachtungsobjekt; im unmittelbaren Veranstaltungskontext waren keine strafrechtlich relevanten Inhalte bekannt.

  • Die Linke.SDS – Beschlüsse des 37. Bundeskongresses, 5.–7. Dezember 2025, Seite 14 (Die Linke.SDS)

    A10 „Akademischer Boykott Jetzt!“: eigener Zugehörigkeitshinweis des SDS zum Inter-Bündnis und Mobilisierungsauftrag für die Konferenz vom 23.–25. Januar 2026. Aussage auf Bundesverbandsebene, kein gesonderter Beitrittsbeschluss des SDS Berlin. Kongresszeitraum 5.–7. Dezember 2025; genaues Veröffentlichungsdatum nicht ausgewiesen. Mobilisierungsauftrag und bedingtes Budget belegen keine Teilnahme oder Auszahlung.

  • FAQ der AG Palästina-Solidarität zum Soli-Kiez-Event (Die Linke Neukölln · AG Palästina-Solidarität der Linken Neukölln · 2025-08-19)

    Eigendarstellung des Bezirksverbands: Organisation des Events durch AG, Vorstand und Basismitglieder; seit Monaten Austausch mit VPNK-Vertretern und gemeinsame Demonstrationen. Die Seite weist die behördliche Hamas-Nähe-Einordnung zurück.

  • Instagram – gemeinsame Erklärung gegen Verbot von Palästina e.V., 3. September 2026 (Inter-Bündnis Berlin; Kufiya Netzwerk; LAG Palästinasolidarität Berlin; MERA25 Berlin · 2026-09-03)

    Originalpost mit sichtbarer Mitautorenliste und geprüftem Datum 3. September 2026. Genau vier Mitautoren: inter_buendnis_berlin, kufiyanetzwerk, lag.palisoli.linke.berlin, mera25.berlin. Wedding und ArbeiterInnenmacht sind lediglich Bildmarkierungen. Belegt gemeinsame Veröffentlichung der Erklärung, keine pauschale Billigung der gegen Palästina e.V. erhobenen Vorwürfe.

  • Instagram – gemeinsamer Demoaufruf von Linksjugend Südberlin, LAG und VPNK, 19. August 2026 (Linksjugend Südberlin; LAG Palästinasolidarität Berlin; VPNK · 2026-08-19)

    Originalpost und Mitautorenliste geprüft: solid_suedberlin, lag.palisoli.linke.berlin, vpnationalkomitee. Aufruf für 22. August 2026, Platz der Luftbrücke bis Hermannplatz. Veröffentlichung am 19. August belegt keine tatsächliche Teilnahme am 22. August. Inter-Bündnis nicht als Mitautor ausgewiesen. Offizielle Jugendverbandsliste ordnet Südberlin Tempelhof-Schöneberg zu.

  • Internationalistisches Bündnis Berlin – Mitgliederseite (Abruf 6. September 2026) (Internationalistisches Bündnis Berlin)

    Eigendarstellung: fünf für dieses Dossier visuell eindeutig geprüfte Mitgliedernennungen sind VPNK, Linke-Basisorganisation Wedding, Bezirksverband Neukölln, LAG Palästinasolidarität Berlin und SDS Berlin. Die Seite enthält 22 Mitgliederlogos. Keine Eintrittsdaten und keine jeweils eigenständigen Beitrittsbeschlüsse belegt. Andere Rubrik „Solidarische Gruppen“ getrennt halten. Vollständiger Screenshot vom 6. September 2026.

  • Ruhrbarone – Die Linke Berlin: Kaum ist ein Skandal erklärt, wird der nächste solidarisch umarmt (Ruhrbarone · 2026-09-06)

    Veröffentlichter Ruhrbarone-Beitrag zur gemeinsamen Erklärung vom 3. September 2026. Inter-Bündnis Berlin, Kufiya Netzwerk, LAG Palästinasolidarität Berlin und MERA25 Berlin als vier Mitautoren; Rechtsstreit um Palästina e.V. mit Behörden- und Gegenpositionen. Kein Mitgliedschaftsbeleg für alle Mitautoren.

Der Bericht lag seit Juni auf dem Tisch

Der Berliner Senat veröffentlichte den Verfassungsschutzbericht 2025 am 2. Juni 2026. Auf Seite 63 beschreibt die Behörde enge Zusammenarbeit von Hamas- und PFLP-Anhängern unter dem Dach des VPNK. Sie berichtet außerdem von wiederholten antisemitischen und israelfeindlichen Äußerungen sowie Rechtfertigungen des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 bei dessen Veranstaltungen. Auf Seite 79 nennt sie die Beteiligung von Hamas-Anhängern an Organisation und Durchführung sowie einzelne Auftritte als Redner.

Zur vollständigen Darstellung gehört auch der Gegenbefund: Laut Bericht mahnte das VPNK öffentlich einen störungs- und gewaltfreien Verlauf seiner Veranstaltungen an. Aus dem gemeinsamen Instagram-Aufruf folgt weder eine eigene Gewaltabsicht der Linksjugend oder der LAG noch die Übernahme sämtlicher Äußerungen bei VPNK-Veranstaltungen.

Vollständiger Abschnitt zum VPNK auf Seite 63 des Berliner Verfassungsschutzberichts 2025.
Der vollständige VPNK-Abschnitt auf Seite 63 des Verfassungsschutzberichts 2025, veröffentlicht am 2. Juni 2026. Quelle: Senatsverwaltung für Inneres und Sport; dokumentarischer Ausschnitt.

Gerade mit dieser Präzision bleibt die Frage unangenehm: Warum wählen eine offizielle Linke-LAG und eine Basisgruppe ihrer Jugendorganisation dieses Bündnis für eine gemeinsame Mobilisierung? Für die Unterstützung palästinensischer Zivilisten braucht es keine organisatorische Nachbarschaft zu Hamas-Anhängern. Die Auswahl der Mitautoren ist eine politische Entscheidung. Ein freundliches Solidaritätswort macht sie nicht bedeutungslos.

Die SPD kann es im Ausschussprotokoll nachlesen

Schon in der öffentlichen Sitzung des Verfassungsschutzausschusses vom 10. November 2025 erläuterte Michael Fischer aus der Innenverwaltung personelle Kontinuitäten zwischen der früheren Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland und dem VPNK. Der Behörde zufolge waren der Hamas zugerechnete Akteure im Organisationsteam, als Redner und als Teilnehmer identifiziert worden.

Fischer grenzte zugleich ein: Das VPNK als solches agiere nach den Beobachtungen des Verfassungsschutzes nicht gewaltbereit. Ob die Hamas das VPNK dominiere, ließ er offen; er bezeichnete die Frage als zweitrangig. Das VPNK pauschal mit der Hamas gleichzusetzen, würde diesen Befund verfälschen.

Auf Seite 10 des Protokolls kritisiert Martin Matz von der SPD die Zusammenarbeit der Linken Neukölln mit dem VPNK. Seine Vermutung, die Verantwortlichen wüssten um die Hintergründe, ist seine politische Bewertung. Was einzelne Beteiligte tatsächlich gelesen oder gewusst haben, belegt auch der neue Aufruf nicht. Belegt ist: Die Kooperation war bereits Gegenstand parlamentarischer Kritik; im August 2026 folgte eine weitere gemeinsame Veröffentlichung aus dem Umfeld der Berliner Linken.

Für Steffen Krach ist das eine ausgesprochen unbequeme Konstellation. Der SPD-Spitzenkandidat sagte im Tagesspiegel-Interview vom 4. August 2026 auf die Frage nach einer Partnerschaft: „Die Linke Neukölln jedenfalls nicht.“ Eine Landeskoalition schloss er damit nicht generell aus. Nur lässt sich ein politisches Problem schlecht auf Neukölln begrenzen, wenn nun eine Landesarbeitsgemeinschaft und eine Jugendgruppe aus Tempelhof-Schöneberg gemeinsam mobilisieren. Die Berliner Bezirksgrenzen sind für vieles zuständig. Für die Eingrenzung dieses Problems offenbar weniger.

Abgrenzung mit sehr beweglichen Grenzen

Die Berliner Linke besitzt sogar einen eigenen Leitfaden gegen Antisemitismus, beschlossen am 28. November 2025. Er grenzt Zusammenarbeit mit antisemitischen Organisationen und Terrorverherrlichung ab. Die Partei hat also einen Maßstab formuliert. Jetzt muss sie erklären, wie sie ihn auf ihre konkrete Bündnispraxis anwendet.

Auch die Gegenposition der Neuköllner Linken ist öffentlich. In ihrer FAQ vom 19. August 2025 bestreitet die AG Palästina-Solidarität die behauptete Terrornähe des VPNK, verweist auf monatelangen Austausch und versichert Vertrauen in die eingeladenen Vertreter. Der Landesvorstand verurteilte am 29. Mai 2026 ausdrücklich die autoritäre und fundamentalistische Politik der Hamas. Die Partei besitzt also reale Gegenbeschlüsse; ihre Gliederungen bewerten den Bündnispartner erkennbar anders als die Innenverwaltung.

Elif Eralp erklärte laut WELT in einem am 18. August 2026 veröffentlichten Funke-Podcast, von direkten Hamas-Kontakten von Parteimitgliedern nichts zu wissen, und verwies auf Abgrenzungsbeschlüsse gegen islamistische Organisationen. Das Gespräch erschien vor dem neuen Aufruf und war keine Antwort darauf. Der Aufruf belegt weder direkte Hamas-Kontakte von Parteimitgliedern noch, was Eralp über die Zusammenarbeit mit dem VPNK wusste. Er zeigt aber, weshalb die politische Antwort über den Hinweis auf vorhandene Beschlüsse hinausgehen muss.

Ruhrbarone hat bereits über die Reaktionen auf Eralps Distanzierung vom Konzert und die Kritik aus der eigenen Partei berichtet. Auch die ältere Verbindung zwischen der Neuköllner Linken und dem VPNK war Thema. Neu dokumentiert ist hier der gemeinsame Aufruf vom August 2026 mit einer weiteren Jugendgruppe und der Berliner LAG. Aus einer bekannten Kontroverse wird damit eine überprüfbare Frage nach fortgesetzter Zusammenarbeit.

Krach verlangte nach dem Konzert am 31. August 2026 personelle Konsequenzen für Mitglieder, die Gewalt gegen Israel propagieren. Bei den Bündnissen seiner möglichen Koalitionspartnerin muss er nun ebenso konkret werden: Welche Kooperation wäre für ihn unvereinbar mit einer gemeinsamen Regierung, und welche Konsequenz müsste daraus folgen?

Sonst bleibt von der roten Linie am Ende vor allem eine hübsche Farbe für das nächste Koalitionspapier.

Autorenseite: Peter Ansmann
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