Berlin: Exiliraner wegen politischer Tätigkeit von mutmaßlichen Islamisten angegriffen

Ali Hassanniya im Krankenhaus. Foto: Ali Hassanniya
Ali Hassanniya im Krankenhaus. Foto: Ali Hassanniya

Ein Iraner floh, um der politischen Verfolgung durch das Regime zu entgehen. In Deutschland klärt er in den sozialen Medien über Islamismus, Antisemitismus und den Iran auf. Im Berliner Neukölln wurde er erkannt und auf offener Straße angegriffen. Ruhrbarone sprach wenige Tage nach der Tat mit dem Geschädigten.

Vom Polizisten zum Regimekritiker

Ali Hassanniya lebte bis 2014 im Iran, wo er bei der Polizei arbeitete. Die Ungerechtigkeiten, die er erlebte, führten dazu, dass er nicht weiter für ein Regime arbeiten wollte, „das seine eigenen Leute vergewaltigt, ermordet und unterdrückt“. Hassanniya begann, sich gegen das Mullah-Regime zu positionieren, und saß deswegen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung flüchtete er zunächst in die Türkei und 2015 weiter nach Deutschland, wo er jetzt in Berlin lebt. Er sei nach eigenen Aussagen der erste iranische Polizist, der vor dem Regime geflüchtet und nun politisch aktiv ist. Hassanniya betont, wie dankbar er dafür ist, in Deutschland leben zu dürfen und eine neue Heimat gefunden zu haben.

Hassanniya arbeitet in einem Berliner Krankenhaus und ist als freier Journalist tätig. Auf der Plattform TikTok betreibt er einen Kanal mit dem Namen „Dr.Fittner“. Unter den Namen „Expoliceisran.Official“ und „iranex110“ betreibt er Instagram-Kanäle. Über diese Wege behandelt er Themen wie Islamismus und Antisemitismus und klärt über das iranische Regime auf. Aufgrund dessen sei er in der Vergangenheit oft online beleidigt und sogar bedroht worden.

Auf offener Straße angegriffen

Am Dienstag, den 1. September 2026, wurden die Drohungen zur Realität. Hassanniya habe sich an diesem Tag mit einer Freundin getroffen. Gemeinsam hätten sie einen persischen Supermarkt in der Karl-Marx-Straße besuchen wollen. Auf dem Weg dorthin sei den beiden ein junger Mann entgegengekommen, der schätzungsweise zwischen 17 und 25 Jahren alt gewesen sei und laut Hassanniya arabisch ausgesehen habe. Zunächst sei er an ihnen vorbeigelaufen, habe sie aber anschließend gemeinsam mit einem weiteren Mann, den Hassanniya ebenfalls als arabisch aussehend beschrieb, verfolgt. Aus der Entfernung riefen die beiden auf Arabisch, dass Hassanniya hier nicht willkommen sei, und nannten dabei den Namen seines TikTok-Kanals.

Auf Höhe des „Efendi Cafés“ sprachen die beiden Hassanniya an und fragten, ob er die Person beim Vorbeigehen gefilmt hätte, was er verneinte. Im Zuge der Diskussion habe Hassanniyas Begleitung gesehen, dass einer der beiden Männer mit einem Schlagring ausgeholt und unvermittelt zugeschlagen habe. Hassanniya sei mit dem Hinterkopf auf der Straße aufgeschlagen, worauf die beiden Männer die Flucht ergriffen. Passanten seien herbeigeeilt und hätten den Verletzten aufgeholfen, während die Begleitung die Polizei gerufen habe. Hassaniyas Freundin sagte aus, es sei offensichtlich gewesen, dass die beiden Männer ihn erkannt und den Angriff geplant hätten.

Schwere Verletzungen nach dem Angriff

Polizei und Krankenwagen seien etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Überfall eingetroffen. Im Krankenhaus seien eine gebrochene Nase sowie zwei lockere Zähne festgestellt worden. Außerdem habe Hassanniya sich beim Sturz Hämatome am Ellbogen und am Becken zugezogen. Die Nase müsse am 10. September operiert werden.

„Ich werde weiterhin aufklären“

Hassanniya ist zuversichtlich, dass die Angreifer ermittelt werden können. Obwohl er sich im öffentlichen Raum unsicher fühle, werde er weiterhin über Islamismus und Antisemitismus aufklären und journalistisch tätig sein. Die deutsche Politik müsse aber die Gefahr, die von Islamisten und Antisemiten ausgehe, endlich ernst nehmen und dagegen vorgehen.

Auf die Frage, ob er den Lesern von Ruhrbarone noch etwas mitteilen möchte, antwortete Hassanniya, dass ihm jüdisches Leben in Deutschland und vor allem in Berlin sehr wichtig sei. Als Exiliraner stehe er hinter allen Juden und Opfern des Islamismus. Auch wenn es gefährlich sei, werde er weiterhin für sie eintreten und kämpfen. Er wolle als freier Journalist seinen Teil dazu beitragen, dass die mutigen Menschen im Iran, die sich gegen das islamische Regime stellen, im Westen nicht vergessen werden. Außerdem wolle er sich bei der Polizei und den anderen Menschen, die ihm geholfen haben, bedanken.

Ruhrbarone wünscht Ali Hassanniya eine schnelle Genesung und weiterhin viel Kraft für seine politische Arbeit.

Autorenseite: Andreas Wolf
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