Linke-MdB Lea Reisner: Bundeswehr abschaffen, Emoji dazu

Lea Reisner vor einer modernen Gebäudefassade. Für das Querformat bearbeitetes Foto.
Lea Reisner (Die Linke): „Naja, wir würden sie abschaffen“ (Foto: Dettenerin / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Bearbeitung: Ruhrbarone – Hintergrund mit KI erweitert, Bildqualität überarbeitet)

Lea Reisner warnt in einem englischsprachigen X-Beitrag vom 7. September 2026 vor einer Machtübernahme durch Faschisten. Die Regierungsparteien würden ihnen Deutschland samt Europas stärkster konventioneller Armee und einer bereits vorhandenen „Geheimpolizei“ überlassen, schreibt sie.

Auf die Nachfrage, weshalb Bundeswehr und Bundesnachrichtendienst unter Kommunisten besser aufgehoben wären, antwortet die Linken-Bundestagsabgeordnete: „Naja, wir würden sie abschaffen 🫠“. Die über die NRW-Landesliste gewählte Politikerin ist Sprecherin ihrer Fraktion für internationale Beziehungen. Für eine sicherheitspolitische Erklärung reichen offenbar fünf Wörter und ein schmelzendes Gesicht.

Erst die Warnung, dann der Abschaffungssatz

Der Zusammenhang ist wichtig. In ihrem englischsprachigen Ausgangsbeitrag vom 7. September 2026 warnt Reisner davor, dass Regierungsparteien Deutschland diesmal mit Europas stärkster konventioneller Armee und einem von ihr als Geheimpolizei bezeichneten Apparat an Faschisten übergeben würden. Sie spricht also über die Gefahr eines autoritären Machtwechsels. Bundeswehr und Geheimdienste erscheinen dabei vor allem als Instrumente, die den Falschen in die Hände fallen könnten.

Der Account Anti_Bully fragt daraufhin, inwiefern Bundeswehr und BND unter Kommunisten besser wären. Reisners Antwort vom 7. September 2026, 23 Uhr, ist der zitierte Abschaffungssatz. Einen Zeitplan oder eine Erklärung, wer anschließend welche Sicherheitsaufgaben übernehmen sollte, enthält dieser Beitrag nicht. Das ist kein neuer Parteibeschluss. Es ist allerdings auch kein anonymer Kneipenspruch.

Lea Reisners Antwort auf die Frage nach Bundeswehr und BND: Naja, wir würden sie abschaffen.
Lea Reisners Antwort vom 7. September 2026. (Screenshot: X)

Reisner kandidierte im Wahlkreis Köln II und zog über die nordrhein-westfälische Landesliste in den Bundestag ein. Sie gehört dem Auswärtigen Ausschuss an und ist stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe. Das weist ihre Bundestagsbiografie aus. Die Fraktion führt sie als Sprecherin für internationale Beziehungen. Von einer Politikerin mit diesen Aufgaben darf man bei Fragen der Verteidigung etwas mehr erwarten als digitale Abrissfreude.

Das eigene Wahlprogramm ist ausführlicher

Zumal die Linke im Bundestagswahlprogramm 2025 eine andere unmittelbare Aufgabe beschreibt: Die Bundeswehr soll aus Auslandseinsätzen zurückgeholt und zu einer „strukturell nicht angriffsfähigen Verteidigungsarmee“ umgebaut werden. Abrüsten und umbauen bedeutet zunächst: Diese Armee besteht weiter. Zwischen einem langfristigen Ideal und der nächsten politischen Entscheidung liegt also selbst im eigenen Programm noch etwas Text.

Das Grundsatzprogramm von 2011 benennt dagegen ein Deutschland und Europa ohne Armeen als langfristiges Ziel. Dort steht auch ausdrücklich: „Wir wollen die Geheimdienste abschaffen.“ Reisners Antwort fällt damit nicht aus dem ideologischen Himmel. Sie lässt aber genau jene Unterscheidung weg, die für die politische Bewertung entscheidend ist: Geht es um ein fernes Gesellschaftsideal oder um eine Antwort auf die gegenwärtige Bedrohungslage?

Auch BND und Verfassungsschutz sollte man auseinanderhalten. Das Wahlprogramm 2025 verlangt für den Verfassungsschutz eine unabhängige Beobachtungsstelle gegen Autoritarismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Ersatz. Das ist eine Aussage über den Inlandsdienst, keine Beschreibung einer künftigen Auslandsaufklärung.

Die Nachfragen bleiben

Andreas Kynast griff den Beitrag am 8. September 2026 auf und stellte Reisners Sprecherfunktion ihrer Abschaffungsantwort gegenüber. Der Nutzer Alexander Eichholtz fragte am 8. September 2026: „Und dann verteidigt ihr Polen, das Baltikum wie?“ Das ist eine konkrete Frage an eine ziemlich knappe Antwort.

Vor Faschisten an staatlichen Schalthebeln zu warnen, ist berechtigt. Wer daraus eine Abschaffungsantwort ableitet, sollte erklären können, wie demokratische Gesellschaften anschließend geschützt werden. Das schmelzende Emoji übernimmt diese Aufgabe vermutlich nicht. Auch dann nicht, wenn man es zur Sprecherin für internationale Beziehungen ernennt.

Eine positive Reaktion aus dem Kreml habe ich in den gesichteten X-Kommentaren nicht gefunden. Die Aussicht auf ein Deutschland ohne Bundeswehr und Auslandsaufklärung dürfte dort allerdings eher die Sektkorken knallen als die Alarmglocken läuten lassen.

Autorenseite: Peter Ansmann
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